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Hinterbliebener von Rupperswil: «Da beginne ich zu ahnen, dass man mich verdächtigt»

Georg Metger, Angehöriger der Ermordeten von Rupperswil, erzählt, wie er plötzlich in den Fokus von Polizei und Medien geriet. Nun nimmt er seine Geschichte selber in die Hand.

11.04.18, 15:03

Andreas Maurer / Aargauer ZEitung



Hinterbliebenenanwalt Markus Leimbacher, links, spricht neben Georg Metger, Lebenspartner der verstorbenen Carla S., vor dem Eingang zum Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil vor dem Bezirksgericht Lenzburg in Schafisheim (AG), aufgenommen am Freitag, 16. Maerz 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Georg Metger hat ein Buch über seine Sicht geschrieben Bild: KEYSTONE

Darf man aus dem Leid der Angehörigen ein Geschäft machen? Daniel Dunkel, Chefredaktor der Zeitschrift «Schweizer Familie», ist hin- und hergerissen. In der aktuellen Ausgabe denkt er in einem Artikel darüber nach, ob es richtig sei, einen exklusiven Vorabdruck aus dem Buch von Georg Metger (50) zu publizieren. Dieser war der Partner von Carla Schauer, die 2015 in Rupperswil AG mit ihren beiden Söhnen und der Freundin des Älteren ermordet worden war.

Das Buch erscheint morgen Donnerstag und wird vom Zürcher Wörterseh-Verlag herausgebracht, der mit der Tamedia-Zeitschrift eine Medienpartnerschaft eingegangen ist. Der Chefredaktor berichtet von seinen Zweifeln: «Der Gedanke, dass sich die ‚Schweizer Familie‘ auf Kosten der Opferfamilien journalistisch profiliert, war mir zuwider.»

Dennoch entschied er sich dafür, da er Metger stellvertretend für alle Opferfamilien eine Stimme geben wolle. Was Dunkel nicht weiss: Seine Verlagsabteilung nutzt den exklusiven Vorabdruck für eine Marketingaktion, um Probeabos zum Spezialpreis zu verkaufen.

Vom Opfer zum Tatverdächtigen

Metger hadert ebenfalls mit seiner Rolle, wie er im Buchauszug schreibt. Es beginnt mit der Einvernahme auf dem Polizeiposten. Er glaubt, als Angehöriger befragt zu werden. Als die Polizisten seine Hände und Nägel auf Russspuren untersuchen, hätten sie gesagt, es handle sich um eine Routineuntersuchung. Metger: «Erst als ich meinen Tagesablauf akribisch schildern und viele seltsame Fragen beantworten muss, beginne ich zu ahnen, dass man mich als Verdächtigen qualifiziert.» Zu diesem Zeitpunkt habe er am liebsten tot sein wollen.

Metgers Buch "für immer" 

Zuerst gerät Metger in den Fokus der Polizei, dann in jenen der Medien. Der «Blick» spekuliert nach der Tat: «Drehte der Ex-Mann durch?» Metger berichtet, dass er nach diesem Artikel von «obskuren Theoretikern», religiöse Gemeinschaften und Hellsehern kontaktiert worden sei. «Aber auch Frauen, die mich auf der Stelle heiraten möchten, gelangten an mich.» Zudem habe er Schreiben wie dieses erhalten: «Hey, sorry für die Störung. Weisst du, wer der Täter ist?» Metger: «Ich blicke auf den Bildschirm meines Handys. Ich kenne den unhöflichen Fragesteller nicht, der mich duzt und diese absurde Frage stellt.»

Der Staat habe sich zu wenig um ihn gekümmert

Metger fühlt sich allein gelassen: «Wir Angehörigen haben viel Unterstützung erfahren durch unser Umfeld, aber von Staates wegen wurde wenig unternommen, dass wir nicht in ein schwarzes Loch fielen.» Im Umgang mit Medienvertretern hätte er sich eine staatliche Stelle gewünscht, die ihn beraten und geschützt hätte. Die Polizei hätte aus seiner Sicht verhindern sollen, dass ein Fotograf die Erinnerungsbilder der Familie nach dem Trauergottesdienst aufnehmen konnte. Metger kritisiert, dass die «Schweizer Illustrierte» die Bilder auf der Titelseite zeigte.

Inzwischen hat Metger seine Geschichte selber in die Hand genommen und publiziert sie freiwillig in einer Illustrierten. Damit die in Ich-Form geschriebenen Sätze gut klingen, holte er sich Unterstützung der Autorin Franziska Müller. Selber wolle er, der als Filialleiter einer Bank arbeitet, kein Geld daran verdienen. Er kündigt an, die Tantiemen für wohltätige Zwecke zu spenden.

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Wenige Minuten nach dem Urteil gegen Vierfachmörder Thomas N. spricht Georg Metger, der Lebenspartner der getöteten Carla Schauer, zu Journalisten. Video: © Tele M1

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tapatio 12.04.2018 10:19
    Highlight Für mich nur logisch dass die Polizei in alle Richtungen ermittelt, auch wenn es natürlich für die Person schwer ist.

    Mich wundert mehr dass nicht mal jemand (z.B. Watson;) den Umgang der Medien (v.a. einer bestimmten Boulevardzeitung) mit diesem Fall aufrollt. V.a. in der Zeit in welcher der Täter noch unbekannt war. Die haarsträubenden Schlagzeilen noch einmal in einem Zeitstrahl darstellen und die "Journalisten" dahinter Fragen ob sie nicht ein wenig ein schlechtes Gewissen hätten..oder ob sie doch nur ihren Job machen..(siehe Lied von Heinz de Specht, das eigentlich schon alles sagt;)
    11 0 Melden
  • Matti_St 11.04.2018 22:37
    Highlight Ja, so ein Buch muss sogar erscheinen. Ich finde es wichtig, zu erzählen, wie ein Angehöriger das ganze erlebt hat und wie die Vorgehensweise bei Behörden und Medien erlebt wurde. Wie die Menschen reagierten usw.
    Bei der polizeilichen Ermittlungen dürfte klar sein, dass dies mit zur Routine gehört, denn Ex zu verdächtigen. Aber vielleicht lernen Menschen und Medien endlich einmal, nicht im voraus zu urteilen.
    20 1 Melden
  • Spooky 11.04.2018 20:40
    Highlight Die Polizei befragt ihn ja nicht nur, damit sie ihn beschuldigen, sondern auch darum, damit sie ihn entlasten kann.
    23 1 Melden
  • Warum auch immer 11.04.2018 17:30
    Highlight Ich finde es einfach merkwürdig auf diese Art und Weise das geschehene zu verarbeiten. Sein Satz - „ zu diesem Zeitpunkt hätte ich am liebsten tot sein wollen „ mutet mich auch etwas deplatziert an. Aber ok, mit vielen Fragezeichen,🤔
    6 19 Melden

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