Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sasa Sindelic, verurteilter Auftragsschuetze, wird von der Polizei zum Rathaus in Altdorf gebracht, anlaesslich des Berufungsprozesses im Fall Ignaz Walker am Montag, 19. Oktober 2015. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Sasa Sindelic, verurteilter Auftragsschütze, wird von der Polizei am 19. Oktober im Berufungsprozess im Fall Walker zum Rathaus in Altdorf gebracht.
Bild: KEYSTONE

Fall Walker: Wollte die Urner Justizdirektion Sasa Sindelics Enthüllungen in der «Rundschau» verhindern?

Oberstaatsanwalt Imholz übt harsche Kritik an der «Rundschau». Ein Reporter soll Sindelic die Komplott-Theorie in den Mund gelegt haben. Dokumente in den Akten hingegen deuten darauf hin, dass Sindelic von der Urner Vollzugsbehörde unter Druck gesetzt wurde.

carmen epp



Der Fall Walker – ein Überblick:

«Sindelic wurde unter Druck gesetzt, um diese Aussagen zu machen.»

Thomas Imholz, Urner Oberstaatsanwalt

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz liess kein gutes Haar an der Berichterstattung der «Rundschau» zum Fall Ignaz Walker. Die SRF-Sendung habe nicht nur probiert, die Urner Ermittlungsbehörden in Verruf zu bringen, sondern dem verurteilten Sasa Sindelic die Komplott-Theorie gar regelrecht aufgeschwatzt. «Sindelic wurde unter Druck gesetzt, um diese Aussagen zu machen.»

Nach einer Verfügung hat die «Rundschau» im September 2015 eine umgeschnittene Rohfassung des Interviews mit Sindelic sowie sämtliche von Sindelic an sie gerichtete Schreiben dem Urner Obergericht zugestellt. Der Schriftverkehr rund um das Interview mit der «Rundschau», der damit aktenkundig wurde, wirft Fragen auf.

Fall Ignaz Walker

Der verurteilte Auftragsschütze Sasa Sindelic im Rundschau-Interview.
Bild: screenshot srf

Was war geschehen?

Justizdirektion: «Korrekt gehandelt»

Die Chronologie des Verhaltens von Sindelic wirft trotzdem Fragen auf:

  1. Wieso interessierte sich Zurfluh für den Inhalt des Interviews mit der «Rundschau»?
  2. Von wem erhielt Sindelic die Liste der Urner Anwälte und wieso?
  3. Wollte die Justizdirektion die Ausstrahlung des Interviews verhindern?
Thomas Imholz, Oberstaatsanwalt, ist auf dem Weg zum Rathaus in Altdorf anlaesslich des Berufungsprozesses im Fall Ignaz Walker am Montag, 19. Oktober 2015. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz: «Sindelic wurde unter Druck gesetzt.»
Bild: KEYSTONE

Die Vollzugsgespräche seien stets korrekt verlaufen, hält die Justizdirektion auf Anfrage fest. Der Kontakt zwischen Sindelic und Zurfluh sei «auf ausdrückliches Ersuchen» von Sindelic erfolgt. Dass Zurfluh mit Sindelic über den Inhalt des «Rundschau»-Interviews gesprochen haben soll, weist die Justizdirektion zurück: In den Vollzugsgesprächen seien vonseiten Strafvollzug Fragen im Bezug auf den Fall Ignaz Walker nicht thematisiert worden.

Auf Äusserungen des Inhaftierten diesbezüglich sei vonseiten Strafvollzug «deutlich darauf hingewiesen, dass diese Thematik nicht Sache der Vollzugsbehörde sei».

Anwältin für zivilrechtliche Angelegenheit

Auf die Frage, wie Sindelic zur besagten Anwaltsliste gekommen sei, hält die Justizdirektion folgendes fest: Der Inhaftierte habe sich vorerst mündlich, dann schriftlich an die Vollzugsbehörde gewandt. «Er ersuchte sie, dafür zu sorgen, dass das mit ihm in der Strafanstalt gedrehte Interview nicht ausgestrahlt werde.»

Die Vollzugsbehörde habe Sindelic dann mitgeteilt, dass es sich diesbezüglich um eine zivilrechtliche Angelegenheit handle und habe ihm empfohlen, sein Anliegen direkt dem SRF zu unterbreiten oder sich anwaltlich beraten zu lassen.

Auf Wunsch von Sindelic habe die Vollzugsbehörde ihm via Anstaltsleitung die Adresse jener Urner Anwälte zugestellt, welche sich für unentgeltliche Rechtspflege zur Verfügung stellen. Weshalb und zu was sich die Anwältin bei der Justizdirektion hätte erkundigen sollen, wie Sindelic das behauptet, «entzieht sich unserer Kenntnis», so die Justizdirektion weiter.

Gewaltenteilung ist «selbstverständlich»

Die Unabhängigkeit der Gerichtsbehörden und die Gewaltenteilung seien zentrale staatstragende Grundsätze, die die Justizdirektion «selbstverständlich» achte. «Die Justizdirektion wollte die Ausstrahlung des Interviews in der ‹Rundschau› nicht verhindern», heisst es in der Antwort weiter. Im Übrigen sei inzwischen öffentlich geworden, dass Sindelic gemäss eigener Aussage nie von den Behörden unter Druck gesetzt worden.

Dass die Justizdirektion den besagten Brief, den Sindelic an Zurfluh sandte, trotz der hochgehaltenen Gewaltentrennung dem Obergericht zugestellt hat, stimme nicht.

Das könnte dich auch interessieren:

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Empörung nach Landung am Mont-Blanc

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Khashoggi-Mord: Hinweise belasten Saudi-Kronprinz

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Justizfall im Kanton Uri

Befangener Polizist, besoffener Zeuge, fragwürdiger Beweis: Wurde ein Unschuldiger zu 15 Jahren Haft verurteilt?

Der Erstfelder Cabaret-Betreiber Ignaz Walker sitzt seit vier Jahren in Untersuchungshaft. Das Urner Obergericht verurteilte ihn im letzten Herbst zu 15 Jahren Gefängnis: Er soll einen Auftragskiller auf seine Frau angesetzt und 11 Monate zuvor auf einen Gast geschossen haben. Walker beteuerte jedoch stets seine Unschuld.

Die Rundschau im SRF hat den Fall noch einmal aufgerollt und einige Ungereimtheiten entdeckt. Strafrechtsprofessor Christof Riedo wirft der Urner Justiz in der Sendung …

Artikel lesen
Link zum Artikel