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Schweiz
Gender

Schwule fordern Zugang zu Adoption und Fortpflanzungsmedizin

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Es sei «nicht nachvollziehbar», warum Schwule keine Kinder adoptieren dürfen, findet Pink Cross.Bild: AP

Pink Cross geht in die Offensive – Adoptions-Verbot für Schwule soll fallen

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen heute in der Schweiz weder Kinder adoptieren noch auf die Fortpflanzungsmedizin zurückgreifen. Das soll sich ändern, fordert der neue Chef von Pink Cross. In einem Positionspapier stellt sein Verband drei unmissverständliche Forderungen auf.
17.11.2017, 13:1025.05.2018, 10:33

Es ist ein Meilenstein für Schwule und Lesben in der Schweiz: Ab dem neuen Jahr dürfen Homosexuelle, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, das leibliche Kind ihres Partners adoptieren. Die Stiefkindadoption war bisher nur heterosexuellen Ehepaaren erlaubt.

Geht es nach Pink Cross, dem Schweizer Dachverband der Schwulen, sollen schon bald die nächsten Hürden fallen. In einem Positionspapier, das watson vorliegt, formuliert eine Fachgruppe drei glasklare Forderungen:

  • «Der Zugang zum Adoptionsverfahren durch gleichgeschlechtliche Paare muss legalisiert werden.»
  • «Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin durch gleichgeschlechtliche Paare muss legalisiert werden.»
  • «Da Leihmutterschaft im Ausland möglich ist, muss jetzt ein kontrollierter und ethisch verbindlicher Rahmen für den Umgang mit Leihmutterschaft in der Schweiz erarbeitet werden.»

Das Papier birgt Sprengstoff. Denn als das Stimmvolk 2005 die eingetragene Partnerschaft erlaubte, wurde der Zugang zum Adoptionsverfahren und zur Fortpflanzungsmedizin explizit ausgeklammert. Für die meisten Beobachter war klar, dass die Vorlage ohne diese Einschränkungen nicht mehrheitsfähig gewesen wäre.

Die Leihmutterschaft ist in der Schweiz sowohl für hetero- als auch für homosexuelle Paare verboten. Paare, die im Ausland die Dienste einer Leihmutter in Anspruch nehmen, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Die Frage, inwiefern sie in der Schweiz als Eltern des Kindes anerkannt werden sollen, beschäftigt die Richter seit Jahren.

René Schegg, der erst im Oktober die Geschäftsleitung von Pink Cross übernommen hat, sagt: «Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft diese Diskussion jetzt führen.» Es gebe keinen nachvollziehbaren Grund, warum gleichgeschlechtliche Paare in diesen Fragen weiterhin anders behandelt werden sollten als heterosexuelle. «Der überfällige Zugang zur Adoption ist ein weiterer wichtiger Schritt zur gesellschaftlich-rechtlichen Gleichstellung.»

«Diese Prüfung wird gleich streng bleiben – unabhängig vom Geschlecht der Eltern.»
René Schegg zu den umfangreichen Abklärungen vor einer Adoption

Schegg verweist auf verschiedene Untersuchungen, die belegen, dass nicht die sexuelle Orientierung der Eltern für das Kindswohl entscheidend ist, sondern ihre Beziehung zum Kind. So veröffentlichte das renommierte «Medical Journal of Australia» erst diesen Monat eine entsprechende Meta-Studie, die Dutzende Forschungsergebnisse zum Thema zusammenfasst.

Weiter betont Schegg, der Staat müsse bei einer Adoption ohnehin genau hinschauen, ob zwei Personen geeignet sind, um ein Kind zu erziehen. «Diese Prüfung wird gleich streng bleiben – unabhängig vom Geschlecht der Eltern.»

«Ehe für alle» in der Pipeline

Hoffnungen setzt Pink Cross insbesondere in die parlamentarische Initiative «Ehe für alle» aus der Feder der GLP. Im Sommer beauftragte der Nationalrat die Verwaltung, abzuklären, welche rechtlichen Folgen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare hätte. Dabei dachten die Politiker insbesondere an den Zugang zur Adoption und die Fortpflanzungsmedizin, aber auch an steuer- und sozialversicherungsrechtliche Fragen.

Denn der Tenor ist klar: Dürften homosexuelle Paare eine Ehe schliessen, müssten sie auch in diesen Bereichen die gleichen Rechte erhalten wie heterosexuelle Ehepaare.

Damit bewahrheiteten sich die Befürchtungen jener Kreise, die sich bereits bei der Stiefkind-Adoption gegen eine weitere Liberalisierung der Schwulen-Rechte gewehrt hatten. Von einer «Salami-Taktik» sprach etwa SVP-Nationalrat Andreas Glarner im Rat.

Und wie sich die Einstellung im Parlament innert weniger Jahre gewandelt hat

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86 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Charlie Brown
17.11.2017 13:45registriert August 2014
Fun fact:

Adoption als Alleinstehende: Ist möglich. Die sexuelle Orientierung dürfte da keine Rolle spielen, das wäre imho verfassungswidrig.

Also, eine lesbische Frau alleine kann adoptieren. Zwei zusammen in einer gefestigten, eingetragen Partnerschaft können nicht.

Muss man nicht verstehen.
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Snowy
17.11.2017 13:35registriert April 2016
Gibt es irgendwelche Gründe, welche dagegen sprechen würden ausser diesselben*, mit welchen man schon gegen die Homo-"Ehe" (eingetragene Partnerschaft) gekämpft hat... ?

* Kinder würden in der Schule gehänselt
* Homos seien "unnatürlich"
* "Gehört sich einfach nicht - ist gruusig"
* "...aber in der Bibel/Koran/etc steht...
* Mit der Homoehe/Adaption stirbt die Menschheit aus
* Man(n) hat ein (zu) kleines Geschlechtsteil

NEIN, gibt es nicht!

Love is Love. Jeder Mensch ist gleichberechtigt.
Können wir bitte einfach alle mal im 21. Jahrhundert angekommen?! Danke!

Peace out!
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Karl33
17.11.2017 13:16registriert April 2015
Das gute an dieser Initiative auch für heterosexuelle Paare wäre, dass auch die heutigen Unterschiede in der Gesetzgebung zwischen Mann und Frau nicht mehr haltbar wären.
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