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View onto the church of Saanen in the Canton of Berne with Gstaad in the background, Switzerland, pictured on February 14, 2004. (KEYSTONE/Yoshiko Kusano) 

Blick auf die Kirche von Saanen mit Gstaad im Hintergrund, am Montag, 16. Februar 2004. (KEYSTONE/Yoshiko Kusano)

In Saanen, der kleinen Schwester von Gstaad, wollte fast niemand Ecopop, aber die meisten eine Beschränkung der Masseneinwanderung. Wollen die Saanen nun Ausländer oder nicht? Bild: KEYSTONE

watson vor Ort

Bergdorf Saanen von MEI-Ja zu Ecopop-Nein: «Wir wollen schliesslich nicht ausländerfeindlich wirken»

Die Schweizer Politologie-Prominenz fragt sich: Warum ist die MEI angenommen und Ecopop klar abgelehnt worden? Die Frage geht auch an die Gemeinde Saanen mit dem grössten Meinungsumschwung. Ein Besuch im Berner Oberland.



Während die Stimmbürger die Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) überraschend annahmen, versenkten sie Ecopop deutlich. Und die Politologen und Demoskopen rätseln, wo der Meinungsumschwung der Zuwanderungskritiker herrühren mag.

Die Analyse der Abstimmungsresultate zu MEI und Ecopop auf Gemeinde-Ebene zeigt, dass die Gemeinde Saanen im Berner Oberland unter den Gemeinden mit mehr als 1000 Stimmberechtigten die grösste Differenz zwischen Ja-Stimmen zu MEI und Ecopop aufweist. Stimmten der MEI noch 61 Prozent der Saaner zu, waren es bei Ecopop nur noch 12 Prozent. Wie erklären die Saaner diese Differenz selbst?

Diese 10 Gemeinden haben am extremsten von MEI-Ja zu Ecopop-Nein umgeschwenkt

Eine der Saaner Stimmbürgerinnen, die MEI angenommen und Ecopop abgelehnt hat, ist Heidi Reichenbach, die diese Woche die Eröffnung ihres Deko- und Lebensmittelladens «Trouvailles» feiert. Ihr Mann Werner hat am Sonntag Nein zu Ecopop und im Februar Ja zur SVP-Masseneinwanderungs-Initiative gestimmt – so wie die meisten in seinem Heimatdorf.

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Heidi und Werner Reichenbach – zwei Saaner. Bild: watson

«Ecopop wurde abgelehnt, weil die Mutterpartei Nein zu Ecopop gesagt hat», erklärt Werner Reichenbach das Resultat. «Vielleicht wäre die Initiative hier aber doch angenommen worden, wenn es nur um Einwanderung und nicht noch um Entwicklungshilfe gegangen wäre», meint der 64-Jährige. Das Saanenland besitzt eine starke SVP-Tradition. «Wenn ich als Frau in die Politik wollte, wäre es nur in der SVP möglich», sagt Frau Reichenbach.

«Aber eigentlich interessierte uns Ecopop nicht, die Ablehnung der Pauschalsteuer-Initiative war wichtig.»

Heidi Reichenbach

Sie hat gegen Ecopop gestimmt, weil sie allzuviel gesetzliche Regulierung nicht mag. «Aber eigentlich interessierte uns Ecopop nicht, die Ablehnung der Pauschalsteuer-Initiative war wichtig», sagt sie. Im Kreis Obersimmental-Saanen leben besonders viele Pauschalbesteuerte.

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«Schliesslich wollen wir nicht ausländerfeindlich wirken», sagt der Saaner Rudolf Baumer. Bild: watson

Dem stimmt Rudolf Baumer zu: «Ecopop war im Dorf kaum Thema», sagt der pensionierte Versicherungsbeamte. Thema Nummer eins sei die Pauschalsteuer gewesen. «Die Ecopop-Initiative war zu kompliziert und schoss über das Ziel hinaus», sagt der 66-Jährige. Kurz nach der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative noch eine einwanderungsbeschränkende Initiative anzunehmen, habe keinen Sinn gemacht. «Und schliesslich wollen wir nicht ausländerfeindlich wirken. Die Ausländer hier bedeuten Jobs für uns», sagt er.

«Die Ecopop-Initiative war zu kompliziert und schoss über das Ziel hinaus»

Rudolf Baumer

Die Saaner haben den Ausländern, den Pauschalbesteuerten und Touristen viel zu verdanken, darüber scheint sich die Gemeinde einig. So stimmten denn auch herausragende 87,8 Prozent gegen die Abschaffung der Pauschalsteuer, die schlimmstenfalls reiche Ausländer verjagt hätte.

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«Ecopop war zu extrem», sagt die 28-Jährige Sandra Moratti. Bild: watson

«Die Ausländer hier stören ja nicht», sagt auch Sandra Moratti. Dass die Einwanderung dank der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative überdacht werden muss, findet die 28-Jährige aber gut. «Ecopop war einfach zu extrem, damit wäre man überhaupt nicht mehr flexibel gewesen», findet sie.

«Die Ausländer hier stören ja nicht»

Sandra Moratti

Passant Urs Jufer führt noch ein weiterer Grund ins Feld: «Es wäre dumm gewesen, die Beziehungen zur EU dermassen zu gefährden», sagt er.

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«Es wäre dumm gewesen, die Beziehungen zur EU dermassen zu gefährden», sagt Urs Jufer. Bild: watson

«Obwohl hier die meisten SVP-konform stimmen, sind wir Saaner offene Menschen», meint Jufer. Die Frage sei nur, welche Ausländer sich hier niederliessen. Und welche das sind, werde die Masseneinwanderungs-Initiative schon regeln.

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