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epa08312867 An elderly man sits under cherry blossoms at Ueno Park in Tokyo, Japan, 22 March 2020. Authorities asked visitors to not hold 'hanami' (or blossom viewing) parties to limit the spread of the COVID-19 coronavirus.  EPA/FRANCK ROBICHON

Senioren droht in der Corona-Krise die soziale Isolation: Die Psychologin gibt vier Tipps, was man dagegen tun kann. Bild: EPA

4 Tipps, wie Senioren die Einsamkeit überstehen und Junge besser helfen

Senioren über 65 fordert der Bundesrat wegen der Covid-19-Pandemie dringend zum Daheimbleiben auf. Das stellt viele von ihnen – vor allem Alleinstehende – vor grosse Probleme. Sozialkontakte können gänzlich wegfallen.



Manchen über 65-Jährigen ist der tägliche Gang zum Einkaufen oder der Café-Besuch eine liebgewordene Gewohnheit und ein Fixpunkt. Doch nicht nur das: Oft bildet diese Routine den einzigen täglichen Sozialkontakt für Seniorinnen und Senioren, wie Claudia Schweizer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Sie ist leitende Psychologin in der Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und -psychotherapie der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) in Bern. Zuerst einmal hält sie fest, dass sich viele ältere Menschen vorbildlich an die Anweisungen der Behörden halten.

Tagesstruktur erstellen

Vieler ihrer Klienten erschwert die behördliche Aufforderung den Alltag aber beträchtlich. So sind bei den UPD in der Alterspsychiatrie alle Tagesstrukturen geschlossen. Insbesondere für demente Patienten fehlt damit die ambulante Tagesstruktur, was für Angehörige, die selber betagt sind, belastend sein kann.

So behelfen sich Schweizer und ihr Team derzeit mit Telefonaten oder in schwerwiegenden Fällen auch mit Hausbesuchen bei den ambulanten alleinstehenden Patienten, damit diese nicht in ein Loch oder in die Vereinsamung fallen. Diese Gefahr droht indessen nicht nur psychisch angeschlagenen Menschen.

Auch Alleinstehende, deren soziales Leben plötzlich zusammenbricht, sind nicht davor gefeit, dass sie zuhause in eine Negativspirale geraten. Viele sozialpsychologische Strukturen würden fehlen, sagt Schweizer. Zudem verunsichert die aktuelle Situation und weckt Ängste. Da liegen grüblerische Gedanken nicht fern.

Um sich dem zu entziehen, rät Schweizer Seniorinnen und Senioren, sich an eine Tagesstruktur zu halten und den Alltag zu planen – halt ohne Einkaufsgang und Café-Besuch. Geplantes Handeln schützt vor Gefühlen des Kontrollverlusts und der Hilflosigkeit.

Aufstehen zur gewohnten Zeit, Körperpflege und Anziehen seien schon einmal ein guter Anfang. Liegengelassenes lasse sich jetzt ebenfalls bestens erledigen. Die Tätigkeiten sollte man indessen dosieren und auch mit einer geplanten Kaffee- und Essenspause unterbrechen. Auch eine Lieblingssendung am Fernsehen oder im Radio helfe durch den Tag.

Rituale einhalten

Für ganz wichtig hält es die Fachfrau, den Kontakt zur Aussenwelt aufrecht zu erhalten. Dabei helfe ein tägliches Telefongespräch, auf das sich gerade Alleinstehende mit Bekannten oder Verwandten einigen sollten. Lang muss dieses Gespräch nicht dauern.

Findet es jeden Tag zur selben Zeit statt, sorgt es indessen auch für Struktur und Halt. Alleinstehende ohne nähere Bekannte könnten vielleicht mit jemandem aus der Nachbarschaft ein solches Gespräch vereinbaren. Oder Nachbarn könnten alleinstehenden älteren Menschen von sich aus ein solches Angebot machen.

Auch Telefonketten liessen sich einrichten. Die Pro Senectute lanciert derzeit eine. Überhaupt sind Rituale hilfreich, sagt Schweizer weiter. Jeden Tag zur selben Zeit einen Tee aufgiessen kann etwa ein solches Ritual sein.

Häufiger Telefonieren

Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Folgen der Besuchsverbote in den Institutionen für Ältere. Ist bei Eheleuten etwa ein Partner in einem Pflegeheim, ist das Kontaktverbot schmerzlich. Selbstverständlich fehlen auch die Besuche von Kindern und Enkeln. Ausnahmen gibt es erst, wenn der Tod nahe ist.

Gerade Demente können durch ausbleibende Besuche in Stresssituationen geraten. Und auch Therapiefachleute haben keinen Zugang mehr. Auch hier rät Schweizer zum häufigen Telefonieren.

Hilfe mit Fingerspitzengefühl

Die grosse Solidarität und Hilfsbereitschaft im ganzen Land bewegen die Expertin. Sie hält aber fest, dass es vielen Vertretern der älteren Generation schwer fällt, Hilfe anzunehmen. Sie seien ihr Leben lang eigenständig gewesen und vielfach hindere das Gefühl zu stören, anderen zur Last zu fallen oder Scham sie daran, Hilfe anzufordern.

Darum braucht es seitens der Hilfswilligen ein gewisses Fingerspitzengefühl. Zwar bewegten sich viele Seniorinnen und Senioren äusserst agil im Internet. Wichtig ist es aber auch, an die Senioren zu denken, die nicht Zugriff aufs Internet haben, erklärt Schweizer.

Und gerade unter nicht vernetzten Menschen fänden sich oft diejenigen, die am meisten Hilfe bräuchten: Sozial schlechter Gestellte, in der Mobilität Eingeschränkte, Kranke. Ihnen gilt es laut Schweizer analog zu begegnen.

Sie empfiehlt etwa eine Papiernachricht im Briefkasten. Auf dem Papier sollten sich die Hilfswilligen vorstellen und ihr Hilfsangebot möglichst konkret darlegen. Zudem ist es gemäss der Gerontopsychologin auch nicht falsch, auf ältere Menschen zuzugehen. Derzeit wegen der Ansteckungsgefahr allerdings besser per Telefon. (wst/sda/lem)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eisvogel 22.03.2020 23:32
    Highlight Highlight Das mit dem Zettel hat bei uns bestens geklappt - nicht 20 Minuten, nachdem ich eine Karte in den Briefkasten einer Nachbarin gesteckt hatte, kam der Anruf: ich hätte soooo gerne frisches Gemüse. Und da wir das selber gerne haben, ist unser Kühlschrank fast immer gut bestückt. Fazit: eine halbe Stunde nach dem Zettel im Briefkasten sind ein paar Rüebli, ein Fenchel und zwei Äpfel vom ersten in den dritten Stock umgezogen. Und einen Schwatz an der Türe - mit gut zwei Metern Abstand - hatten wir auch.
  • Maya Eldorado 22.03.2020 21:51
    Highlight Highlight Ich bin Seniorin, 72. Ich fühle mich aber alles andere als gebrechlich und hilfsbedürftig.
    Bis zur Corona-krise, war ich eigentlich für andere da, denen es nicht so gut ging wie mir und jetzt soll ich plötzlich selber hilflos und hilfsbedürftig sein.
    Ich fahre Velo, kein Oev, schützt mich mehr. Ich gehe einkaufen, wenn es weniger Menschen hat. Ich gehe in meinem Pflanzblätz und ich gehe im Wald spazieren.

    Ich hatte die Grippe diesen Winter. Als ich wieder ca. 4 Tage fieberfrei war, hörte ich vom ersten Corona-Kranken im Tessin in der Schweiz.
    Nein ich wohne nicht im Tessin.
  • Carlo Meyer 22.03.2020 19:01
    Highlight Highlight Vielleicht ist eine (Alters-)WG für die psychische Gesundheit doch besser als die Freiheiten eines Singlehaushaltes.
    In unserem Quartier hat es ganze Einfamilienhaussiedlungen, wo meist Witwen alleine wohnen.
  • Tom Frogman 22.03.2020 18:53
    Highlight Highlight Wie wir unseren Tag planen: jeden morgen nach dem Zmorge nimmt sich jeder Kärtli/ Schachen die er/ sie machen will.
    Links sind jene von meinem Schatz, Rechts meine und in der Mitte gemeinsame Tätigkeiten. So machen wir unsere Tagesstruktur. "erledigte" Täfeli werden umgeklappt. So hat jeder seinen Raum und auch die Gemeinsamkeit kommt zum Zug. Wenn man etwas dann später nicht mag, muss man das Täfelchen tauschen. Es macht spass und gibt allen am Abend trotz stay"home das Gefühl etwas erreicht zu haben. Um man lässt sich nicht hängen.
    saty@home - happy@stay
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  • champedissle 22.03.2020 14:27
    Highlight Highlight Der Bundesrat rät also den gleichen Leuten aus Altersgründen zu Hause zu bleiben von denen er vor wenigen Wochen verlangt hat, sie sollen künftig bis 67 später bis 70 arbeiten! Was für eine Kehrtwende! Also können wir davon ausgehen, dass nach der Corona Krise das Rentenalter massiv gesenkt wird, da die Leute ab 65 ja offensichtlich alle totkrank und gebrechlich sind und dies vermutlich schon mit 55 beginnt! Wir werden uns das gut merken, dass wir in Zukunft bei weitem nicht mehr so lange arbeiten dürfen, damit unser Immunsystem länger durchhält.
  • Kerzenständer*in 22.03.2020 12:32
    Highlight Highlight Als würden Senioren auf watson sein...
    • Garp 22.03.2020 18:02
      Highlight Highlight Doch hier, Seniorin 🙂 und ich weiss, ich bin nicht die Einzige!
    • Garp 22.03.2020 18:03
      Highlight Highlight Zudem gibt es ein paar Tips, dass man Senioren abholen muss. Lieben Zettel Schreiben und in den Briefkasten werfen.
    • Silbermünze 22.03.2020 19:30
      Highlight Highlight Warum nicht?
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