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Der Lobbyist und ehemalige Botschafter Thomas Borer diskutiert mit Medienleuten und Politikern, am Dienstag, 4. Dezember 2012 im Vorzimmer des Nationalrats, am Rand der Wintersession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Der ehemalige Schweizer Botschafter Thomas Borer hat ein Faible für Ostblock-Klienten. Bild: KEYSTONE

Kasachstan-Affäre

Thomas Borer und der Neffe des russischen Präsidenten

Der Schweizer Ex-Botschafter und Lobbyist Thomas Borer hat ein Faible für hochkarätige, nicht immer über alle Zweifel erhabene Klienten aus dem Ostblock. Angeblich ist er mit Roman Putin verbandelt, einem Verwandten von Präsident Wladimir Putin.

lorenz honegger / aargauer zeitung



Ein Artikel der

Ex-Botschafter Thomas Borer steht wieder einmal im Zentrum eines Skandals. Dieses Mal geht es jedoch nicht um sein Privatleben, sondern um seine Aktivitäten als Lobbyist für den kasachischen Staat. 

Für ein Honorar von 30'000 Dollar monatlich soll der 57-Jährige im Auftrag des autokratisch regierten Landes Druck auf die Schweizer Bundesbehörden ausgeübt haben. 

Verbürgt ist, dass er sich für die Auslieferung des in Genf lebenden Regimegegners Viktor Chrapunow an Kasachstan einsetzte. Daneben kämpfte er offenbar bis 2013 für die Einstellung eines Verfahrens gegen den Schwiegersohn des kasachischen Staatschefs. Laut der «Neuen Zürcher Zeitung» bot Borer der ehemaligen Sowjetrepublik dabei möglicherweise sogar Zugang zu vertraulichen Informationen aus der Bundesanwaltschaft an. 

Als Reaktion auf die Recherchen der NZZ hat Bundesanwalt Michael Lauber Abklärungen wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung eingeleitet. 

Borer bemüht sich derweil um Schadenbegrenzung: Er kündigte an, Kasachstan gebe im Fall Chrapunow das Ziel einer Auslieferung auf. Die Kritik an seiner Lobbying-Tätigkeit «im Sold einer fremden Macht» (NZZ) dürfte aber nicht abebben. 

Faible für Ostblock-Klienten

Der Fall Kasachstan zeigt zum wiederholten Mal: Borer hat ein Faible für hochkarätige, nicht immer über alle Zweifel erhabene Klienten aus dem Ostblock. Bekannt ist etwa sein früheres Mandat für den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg

Sein Machtnetz reicht aber noch weiter. Von der Schweizer Öffentlichkeit bislang unbemerkt, kündigte im letzten Frühling ein gewisser Roman Putin in einer Medienmitteilung und auf seiner persönlichen Facebook-Seite an, er habe das Beratungsunternehmen Putin Consulting Ltd. gegründet. Die Firma biete Investoren Unterstützung beim Eintritt in den russischen Markt und verfüge über «starke Beziehungen» zur Führung des Landes. Sein erster Kunde sei ehemaliger Schweizer Botschafter in Deutschland und ein europaweit bekannter Lobbyist: Thomas Borer. 

Das alles wäre nicht der Rede wert, würde Roman Putin seinen Nachnamen nur zufällig mit dem russischen Präsidenten teilen: Laut namhaften angelsächsischen und russischen Medien ist er der Sohn von Wladimir Putins Cousin Igor und damit ein Neffe zweiten Grades des Staatschefs. 

Die Meldung von der Gründung der Putin Consulting Ltd. ging um die Welt. Die Moskau-Korrespondenten von «Guardian» und «Telegraph» berichteten genauso wie die «Washington Post» und die russische Online-Plattform «Gazeta.ru». Borers Name fiel dabei mehrmals. In der Schweiz blieb die Nachricht jedoch unbemerkt. 

Thomas Borer passte die mediale Aufmerksamkeit offenbar nicht. Die Website der englischsprachigen Zeitung «Moscow-Times» veröffentlichte kurz nach Erscheinen ihres Artikels eine Korrekturmeldung, wonach Borer bestreite, dass er ein Kunde von Roman Putin sei. 

Borers Name missbraucht?

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» sagt Borer, ihm sei die Firma Putin Consulting Ltd. nicht bekannt. Es komme aber immer wieder vor, dass sein Unternehmen mit anderen Firmen in Verbindung gebracht werde, ohne dass er davon wisse. «Wir sind in einigen Ländern bekannt und man hofft offensichtlich, mit unserem Namen Werbung machen zu können. Wir gehen jeweils dagegen vor. Die Korrektur in der ‹Moscow Times› stammt von einem meiner Mitarbeiter», so Borer. 

Geschäftsmann und Staatschef-Neffe Roman Putin liess eine telefonische Anfrage der «Nordwestschweiz» an der Londoner Adresse seiner Firma unbeantwortet.

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