Schweiz
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Das Bundeshaus spiegelt sich im Wasser des Brunnens auf dem Bundesplatz, am Sonntag, 18. Mai 2014, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die kommenden Monate bringen Klarheit darüber, wer für die eidgenössischen Wahlen kandidiert. Bild: KEYSTONE

Anderthalb Jahre vor den Wahlen

Warum die SVP vor dem Wahlkampfstart im Aufwind ist

Die Analyse aller kantonalen Parlamentswahlen seit 2011 gibt Hinweise auf das Abschneiden der Parteien an den nationalen Wahlen. Claude Longchamp analysiert für watson, wer warum in der Wählergunst auf- oder absteigt. 



16 Monate vor den eidgenössischen Wahlen bringen sich die Wahlstrategen und Kandidaten der Parteien in Stellung um mit einer vorausschauenden Planung ein möglichst gutes Abschneiden an den Wahlen zu erreichen. 

Zwei Entwicklungen werden diese Planung massiv prägen: Zum Einen die Entwicklung der kantonalen Wahlresultate der Parteien und zum Anderen die Tatsache, dass viele stimmreiche Kandidaten 2015 nicht mehr antreten werden. 

Der Rückblick auf die kantonalen Wahlen seit 2011 zeigt, dass SVP und Grünliberale knapp anderthalb Jahre vor den Nationalratswahlen Rückenwind verspüren (siehe Grafik). Bei der FDP und der CVP dagegen hält das Formtief an, wie eine Zwischenbilanz der kantonalen Urnengänge dieses Jahres zeigt. Federn lassen musste auch die BDP.

Sitzentwicklung bei den kantonalen Wahlen seit 2011

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Entwicklung der Sitzzahlen der Parteien in den kantonalen Parlamenten. Bild: watson

Claude Longchamp, Politologe vom Forschungsinstitut gfs.bern: «Die Partei verlor praktisch überall ihren ‹Sturm aufs Stöckli›. Die Diskussionen rund um die Bundesratswahlen und den schwachen Franken führten zu Monaten der Parteikrise. Ein solches Image wirkt sich natürlich auch auf die kantonale Mobilisierung aus.» Die Selbstkritik an der Kampagne, ein gemässigterer Auftritt mit ihrem neuen Wahlkampfleiter Albert Rösti und die engere Zusammenarbeit mit der FDP hätten Mitte 2012 zu einer kontinuierlichen Erholung der Partei geführt.

«Nationale und kantonale Wahlen ticken nicht gleich.»

Claude Longchamp, Geschäftsführer GfS

Die kantonalen Wahlresultate könne man hingegen nicht als Trend für die nationalen Wahlen sehen. «Die nationalen und kantonalen Wahlen ticken nicht gleich. In den Kantonen können die Mitteparteien CVP und FDP eher gewinnen, da es sich hier um Personenwahlen handelt», so Longchamp. Auf nationaler Ebene seien hingegen Themen gefragt. Themen wie Migration oder Umwelt würden stark polarisieren, und davon profitierten die Polparteien SP und SVP, erklärt Longchamp. 

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Diese Nationalräte brachten letztes Mal besonders viele Stimmen: Christian Levrat (SP, FR), Peter Spuhler (SVP, TG), Ursula Wyss (SP, BE), Hans-Jürg Fehr (SP, SH), Yvan Perrin (SVP, NE), Oskar Freysinger (SVP, VS), Paul Rechsteiner (SP, SG), Christoph Blocher (SVP, ZH), Filippo Leutenegger (FDP, ZH). Bild: Parlamentsdienste

Viele Rücktritte, Verlust an Kandidatenprominenz

Ein weiteres Problem für die Parteien wird der Verlust von Spitzenköpfen sein. In der aktuellen Legislatur sind bereits 24 National- und Ständeräte zurückgetreten – historisch eine ausserordentliche Häufung. In den 80ern und 90ern Jahren betrug der Durchschnitt zehn Rücktritte pro Legislatur.

Insbesondere die Polparteien werden sich mit der Häufung der Rücktritten beschäftigen müssen. Spitzenköpfe wie Christoph Blocher, Peter Spuhler, Oskar Freysinger, Ursula Wyss oder Filippo Leutenegger werden voraussichtlich 2015 nicht mehr für einen Sitz im Bundeshaus kandidieren. Andere, so SP-Präsident Christian Levrat oder Paul Rechsteiner wechselten im Verlauf der Legislatur in den Ständerat und werden ebenfalls vermutlich nicht mehr auf der Nationalratsliste kandidieren. Sie alle brachten ihren Parteien in der Vergangenheit viele Stimmen. 

«Die vielen Rücktritte sind ein herber Verlust für die Art der Kampagne.»

Claude Longchamp, Geschäftsführer GfS

Longchamp spricht von einem «herben Verlust» für die Parteien. National bekannte Nationalräte konnten einfacher Themen in den Medien platzieren, die SVP Wallis war zudem stark an die Person Oskar Freysingers geknüpft, der ebenfalls nicht mehr kandidieren wird.

Longchamp sieht diese Rücktritte jedoch als Chance: «Statt um Personen werden wir Wahlkampf 2015 mehr über Themen diskutieren. In der SVP wird dadurch der nationalkonservative Flügel zulegen, die Rechtspopulisten verlieren.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chamudi 04.06.2014 08:33
    Highlight Highlight Die SVP ist ganz einfach die einzig glaubwürdige Partei in der Schweiz. Die partei wechselt ihr Programm nicht wie die Fahne im Wind. Man weiss für was die Partei steht. Für mich ist dies wichtig. Deshalb haben sie ausnahmslos meine Stimme
    • goschi 04.06.2014 09:48
      Highlight Highlight Die Parteiprogramme der anderen Parteien sind nur komplexer als "Ausländer sind doof, an allem Schuld, die EU ist extra doof und der Bundesrat ist noch doofer" und daher für sie offensichtlich unverständlich.
      Eine Partei muss im Kontext der Zeit politisieren, Anpassungsfähigkeit ist wichtig, aber ich rede hier eh gegen eine Wand, der heilige Christoph wird schon das Heil bringen...
    • klugundweise 04.06.2014 11:51
      Highlight Highlight Genau: die SVP will die Rassismus-Strafnorm abschaffen (warum eigentlich?), sie will die Volkswahl des Bundesrates (logisch bei diesem Werbebudget) ohne zu sagen was damit besser würde, sie will neue Kernkraftwerke (ohne die Endlager), sie will weniger Steuern (aber mehr Armee, mehr für die Bauern, mehr für den Strassenbau etc.), sie will die Bilateralen kündigen (das Volk war dafür), sie will den Service-public-Auftrag der SRG zur Sicherung der Medienvielfalt zerschlagen (die Marktwirtschaft, d.h. der grösste Geldsack wird es schon richten), sie will das Rentenalter der Frauen erhöhen (Frauen gehören sowieso an den Herd) usw.
      Andererseits sagt die SVP nichts zur Bankenproblematik (wes Brot ich ess, des Lied ich sing), nichts zur Konkordanz und Zusammenarbeit (U. Maurer: „Politische Korrektheit ist die grösste Gefahr für unsere Demokratie“), nichts zur konstruktiven Kooperation mit unserem wichtigsten Partner Europa und nichts zu weiteren wirklich brennenden Themen.
      Naja, das ist auch ein "Programm"!
  • klugundweise 03.06.2014 23:02
    Highlight Highlight Herr Longchamp vernachlässigt ein kleines Detail: welche Partei hat das grösste Budget! Ein kurzer Check, wo die finanzkräftigsten Politiker sitzen schafft Klarheit.
    • klugundweise 04.06.2014 08:32
      Highlight Highlight Aha. Wenn Sie schon von der SVP sprechen. Ein einzelnes Mitglied stellt 5 Mio. für eine einzige Kampagne zur Verfügung. Ein Banker dessen Vermögen es erlaubt, seine Zeit im Bundeshaus gratis zu verplempern, ein Autoimporteur, der neben der Partei noch einen Sportclub finanziert. Und die machen das alles aus lauter Selbstlosigkeit, weil man damit ja keine Meinungen beeinflussen kann. Soso
  • Thomas 03.06.2014 20:07
    Highlight Highlight Ich verstehe die Grafik nicht. Falls dies die Sitzentwicklung seit 2011 ist, dann verstehe ich die x-Achse (Kantone) nicht oder dürften die verschiedenen Datenpunkte nicht verbunden werden, da es sich ausschliesslich um einen Vergleich zwischen den kantonalen Parlamenten handelt? Und überhaupt, wie wäre es mit einer interaktiven Grafik?!
    • goschi 03.06.2014 21:42
      Highlight Highlight Dass dies sewi zu hoch ist klar, er scheitert regelmässig schon an wesentlich simpleren Denksportaufgaben ;-)
      Aber schön hat man ein simplifiziertes Weltbild und kann es auf einzelne Feinbilder projezieren.

      Die Kurven zeigen die kummulierte Entwicklung der Gesamtsitze in schweizerischen Kantonalparlamenten an, Links zum Stand der Bundesparlamentswahl 2011, die Kantonsabkürzungen zeigen jeweils eine kantonale Wahl an.

      Wenn jemand also als Beispiel 2011 100 Sitze in Kantonsparlamenten hatte, danach bei der Wahl in Uri 5 Sitze verlor, hat er an diesem Punkt in der Kurve nur noch einen Wert von 95, es zeigt also den steten Verlust und Gewinn von Parlamentssitzen aller durchgeführten Kantonalwahlen ab November 2011 an.
    • Thomas 03.06.2014 22:31
      Highlight Highlight Danke für die Aufklärung. Dann finde ich die Grafik noch weniger gelungen als zuvor. Die Abstände der y-Achse sind zwar nicht falsch, widersprechen aber einer "Good-Governance" in diesem Bereich. Schade.
  • MediaEye 03.06.2014 18:43
    Highlight Highlight und auch Claude Longchamps dürfte gerne in der versenkung verschwinden, dies ist nichts weiter als ein Werbeauftritt für das GfS, dessen Aussagen so genau sind und zutreffen, wie jene der kof
  • MediaEye 03.06.2014 18:41
    Highlight Highlight Es braucht weder eine CVP noch eine EVP, Die Bdp sollte sich mit den GLP zusammenschliessen.

    Und die SVP und SP sollten endlich ihre "Dinosaurier" entsorgen!!
    • goschi 03.06.2014 21:44
      Highlight Highlight Ahja, danke MediaEye, dass sie der Schweizer Bevölkerung zu erklären versuchen, welche Parteien zulässig sind.

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