Schweiz
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Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht an der Medienkonferenz des Bundesrates am Mittwoch, 29. Oktober 2014 in Bern zur Agrarpolitik nach 2017. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Johann Schneider-Ammann hat seit kurzem einen Account. Bild: KEYSTONE

watson, dein Freund und Helfer

Willkommen auf Twitter, @_BR_JSA, alias Bundesrat Schneider-Ammann! So vermeiden Sie die schlimmsten Fettnäpfchen

Social Media können ein wunderbarer Weg sein, das verstaubte Image etwas aufzupolieren. Solange man sich an ein paar Grundregeln hält.



Lieber Johann Schneider-Ammann,

Gestern Abend haben Sie aus dem Weissen Haus in Washington ihren ersten Tweet abgeschickt. Herzlich willkommen in der Welt der Sozialen Medien!

Sie haben ein Bild von sich gepostet, das ist toll: Es gibt einen Einblick in Ihren Alltag, das ist genau das, was wir sehen wollen. Der Begleittext ist noch etwas auf der trockenen Seite, Sie dürfen uns gerne mit persönlichen Beobachtungen und Kommentaren an ihrer Welt teilhaben lassen. Aber Vorsicht: Die Social-Media-Welt ist voller Fettnäpfchen.

Versuchen Sie nicht, zu viel in einem Tweet zu sagen

Am besten, Sie schliessen sich mit ihrer Amtskollegin Doris Leuthard kurz. Sie dürfte ihre Lektion auf die harte Tour gelernt haben. Nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» in Paris liess sie folgendes Statement twittern:

«Satire ist kein Freipass.» Für diesen Satz musste Frau Leuthard mächtig Kritik einstecken. Der Tenor: Hat die Bundesrätin etwa Verständnis für das Verhalten der Attentäter? Macht sie mildernde Umstände geltend? Wenig später entschuldigt sie sich in einem Tweet und spricht von einem «Missverständnis». Doch es ist zu spät: Der Shitstorm tobt.

Die Regel: Halten Sie kurz inne, bevor Sie den «Senden»-Knopf drücken und fragen Sie sich, wie der Tweet nach aussen wirkt. 140 Zeichen sind nicht viel, man muss seine Aussage verdichten. Versuchen Sie aber in einem Tweet nicht zu viel zu sagen. Vor allem bei einem heiklen Thema kann dies nach hinten losgehen oder falsch verstanden werden.

Twitter ist kein Stammtisch

Wir alle sagen im privaten Rahmen Dinge, die im öffentlichen Rahmen problematisch sind. Dazu gehören Witze, von denen unsere Freunde wissen, dass sie nicht ernst gemeint sind – Fremde aber nicht unbedingt. Die scheinbare Intimität von Facebook und Twitter verleitet aber immer wieder dazu, solche Aussagen öffentlich zu machen. 

Wie etwa der Walliser SVP-Grossrat Jean-Luc Addor, der die Schiesserei in einer St. Galler Moschee auf Twitter so kommentierte: «Wir brauchen mehr davon».

Addor hat deswegen eine Strafanzeige am Hals. Ich will Ihnen nicht unterstellen, dass Sie jemals so eine Aussage machen würden, Herr Schneider-Ammann. Aber auch scheinbar harmlose Sprüche können jemandem in den falschen Hals geraten.

Die Regel: Seien Sie äusserst vorsichtig, wenn Sie sich kritisch gegenüber Ethnien oder Religionsgruppen äussern. Ein Tipp: Bleiben Sie positiv, da können Sie nicht viel falsch machen.

Wählen Sie ein sicheres Passwort

«USA: Der Soldat Manning wurde der Spionage und des Diebstahls schuldig gesprochen...» twitterte Bundesrat Alain Berset im Juni 2013. Der Tweet löste Stirnrunzeln aus. Wollte er damit seine Solidarität mit dem Whistleblower ausdrücken?

Wenig später löste Berset das Rätsel auf: «Das kann passieren: Mein Computer wurde gehackt. Ich bin nicht der Autor des vorangegangenen Tweets.»

Die Regel: Wählen Sie ein sicheres Passwort für Ihren Account: Mischen Sie Buchstaben und Zahlen, wechseln Sie Gross- und Kleinbuchstaben und Sonderzeichen – und vermeiden Sie Offensichtliches wie Namen von Familienmitgliedern, Geburtsdaten oder simplen Kombinationen wie 12345.

Versuchen Sie nicht, aus Tragödien Kapital zu schlagen

Nach dem Absturz einer F/A-18 im Kanton Obwalden twitterten die Jungen Grünen Luzern: 

«Unsere Kampfjet-Flotte nähert sich langsam aber sicher einer sinnvollen Grösse.»

Und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli schrieb, ebenfalls auf Twitter:

«Warum fliegen Deutsche in unseren F/A-18? Warum arbeiten Deutsche als Fliegerärzte der Schweizer Armee? Sorry, hier hat's einfach Grenzen!»

Angesichts der Tatsache, dass bei dem Unfall zwei Menschen ums Leben gekommen sind, sind solche Aussagen äusserst deplatziert. 

Die Regel: Wenn ein Unglück geschieht, zeigen Sie Betroffenheit und lassen Sie Ihre politische Agenda aus dem Spiel.

Und so geht's richtig

Jetzt, wo wir die No-Gos durch haben, möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps geben, wie Sie ein bisschen Schwung in Ihre Social-Media-Existenz bringen. In unserem Ranking, welche Schweizer das Jahr 2014 geprägt haben, befinden Sie sich im Mittelfeld: Twitter kann ein wunderbarer Weg sein, sich beim Volk ein bisschen beliebter zu machen.

Bilder

Veröffentlichen Sie Fotos, wie Sie das schon im ersten Tweet getan haben. Sie dürfen auch gerne ein bisschen Glamour ausstrahlen. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Kollegen Alain Berset, der schon 30'000 Follower hat:

Interaktion

Kommunizieren Sie nicht einseitig, sondern treten Sie mit den Leuten in einen Dialog. Reagieren Sie auf Antworten anderer Twitter-User.

Ein guter Mix

Es ist nicht falsch, die User auf Ihre politische Tätigkeit aufmerksam zu machen. Versuchen Sie aber, dabei nicht zu einseitig zu werden, sonst verliert man das Interesse. Streuen Sie ab und zu unterhaltsame Anekdoten bei (gerne auch aus dem Bundeshaus), und ihre Followerzahl wird garantiert steigen.

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