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An aircraft of the Swiss International Air Lines runs on taxiway at the Geneva Airport, in Geneva, Switzerland, Sunday, August 21, 2016. The Swiss airline company evaluates its presence at the airport of Geneva, where its profitability targets have yet been achieved. A decision should fall in the next two to three years. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Auch bei der Swiss ist man über die Zweipersonen-Regel alles andere als erfreut. Bild: KEYSTONE

Flight Attendants sollen raus: Swiss-Piloten wollen das Cockpit wieder für sich 

Swiss-Piloten dürfen seit dem Absturz einer Germanwings-Maschine im März 2015 nicht mehr alleine im Cockpit sein. Viele wehren sich dagegen.

SAMUEL SCHUMACHER / Aargauer Zeitung



Es war ausgerechnet eine neue Sicherheitsmassnahme, die dem Germanwings-Piloten Andreas Lubitz ermöglichte, seinen mörderischen Plan umzusetzen. Lubitz brachte am 24. März 2015 in den französischen Alpen einen Airbus zum Absturz und riss 149 Menschen mit in den Tod. Er wartete, bis der zweite Pilot auf die Toilette musste, und leitete dann den Sinkflug ein. Als sein Kollege zurück ins Cockpit wollte, liess ihn Lubitz nicht rein. Und weil die Cockpittüren in den meisten Passagierflugzeugen nach dem 11. September so umgebaut wurden, dass man sie nur noch von innen her öffnen kann, konnte niemand Lubitz stoppen.

epa05208963 (FILE) A file photograph showing a search and rescue worker at the crash site of the Germanwings Airbus A320 that crashed in the French Alps, above the town of Seyne-les-Alpes, southeastern France, 25 March 2015. The French Le Bureau d'Enquetes et d'Analyses (French Land Transport Accident Investigation Bureau) (BEA), investigation unit report into the crash of Germanwings Flight 4U 9525 is due to be released in Le Bourget France on 13 March 2016. Germanwings Flight 4U 9525, carrying 144 passengers and six crew members from Barcelona, Spain to Duesseldorf, Germany, crashed 24 March in the French Alps.  EPA/GUILLAUME HORCAJUELO *** Local Caption *** 51860169

Beim Absturz in den französischen Alpen kamen alle 150 Passagiere ums Leben. Bild: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/KEYSTONE

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) zog aus dem Vorfall Konsequenzen und empfahl den Fluggesellschaften, dass zu jedem Zeitpunkt eines Fluges zwei Personen im Cockpit sein müssen. Die Swiss setzte den Vorschlag sofort um. Seither kommt jedes Mal, wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, ein Mitglied der Kabinen-Crew nach vorne.

Swiss lenkt nicht ein

Eine Umfrage der Easa, an der 3287 Piloten aus 56 Ländern teilnahmen, zeigt nun: 90 Prozent der Piloten sind nicht zufrieden mit dieser Regel. Sie geben an, dass durch die Zwei-Personen-Regel zusätzliche Sicherheitsrisiken entstanden seien, zum Beispiel psychologischer Stress, hohe Belastung für die Kabinen-Crew und Ablenkung der Piloten. Die Easa hat deshalb ihre Empfehlung angepasst. Neu schreibt sie, die Airlines sollen die Risiken der Zwei-Personen-Regel individuell auswerten und selbst entscheiden, ob sie sie weiterführen oder kippen wollen.

«Ein Entscheid ist nicht vor Ende dieses Jahres zu erwarten.»

Karin Müller, Swiss-Sprecherin

Haben die Piloten das Cockpit bald wieder für sich? Die Swiss hält vorläufig an der Zwei-Personen-Regel fest. Sprecherin Karin Müller erklärte, dass man die Bedingungen, unter welchen man die Regel abschaffen könnte, derzeit evaluiere und mit der Lufthansa-Gruppe abstimmen werde. «Ein Entscheid ist nicht vor Ende dieses Jahres zu erwarten.»

Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), das die Sicherheitsmassnahmen der Swiss prüft, sah man die Zwei-Personen-Regel von Beginn weg kritisch an. «Die Einführung war auch eine Reaktion aus politischen Gründen, weil man schnell auf den Germanwings-Absturz reagieren musste», sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. Heikel sei insbesondere, dass durch die Regel auch Personen ins Cockpit gelangen, die keine aufwendigen Sicherheitschecks durchlaufen müssen. «Dass Kabinenpersonal nach vorne muss, wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, kann zu einem neuen Risiko führen, weil die Flugbegleiter während der Ausbildung nicht durch dieselben Sicherheitsscreenings müssen wie die Piloten.»

«Die Verantwortlichen wissen, dass die Probleme nicht mit Flugbegleitern im Cockpit gelöst werden können.»

Henning Hoffmann, Geschäftsführer des Pilotenverbands Aeropers

Risikofaktor Flight Attendant

Personen, die sich bei der Swiss als Flugbegleiter bewerben, müssen einen Strafregisterauszug der vergangenen fünf Jahre einreichen und detaillierte Auskunft darüber geben, welche Länder sie bereist und für wen sie gearbeitet haben. Dazu kommen ein Testtag und medizinische Abklärungen.

Trotzdem sehen die Piloten die Regel kritisch. «Die Verantwortlichen wissen, dass die Probleme nicht mit Flugbegleitern im Cockpit gelöst werden können», sagt Henning Hoffmann, Geschäftsführer des Pilotenverbands Aeropers. Nicht zuletzt deshalb, weil durch die Regelung die Cockpit-Tür länger offen stehe, was das gewalttätige Eindringen ins Cockpit theoretisch vereinfache.

ZUR EINFUEHRUNG DER ZWEI-PERSONEN-REGEL IM COCKPIT BEI DER SWISS NACH DEM ABSTURZ EINES GERMANWING AIRBUS STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Pilot und Kopilot fliegen das Flugzeug, aufgenommen am 1. Mai 2013 in einem Flugzeug der Swiss. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss fliegt von Zuerich nach Chicago und zurueck. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Swiss-Piloten kritisieren die Zwei-Personen-Regel. Bild: KEYSTONE

Beim Pilotenverband setzt man viel mehr auf Prävention. Auslöser der Zwei-Personen-Regel sei schliesslich ein psychologisches Problem eines Piloten gewesen. «Es geht deshalb darum, die Sicherheitskultur für unsere Piloten zu verbessern. Das heisst, gute Arbeitsbedingungen erhalten und sicherstellen, dass man mit Problemen jederzeit zu einer geeigneten Ansprechperson gehen kann», sagt Hoffmann.

So verändert der Terrorismus das Fliegen

Die Zwei-Personen-Regel, welche die Swiss nach dem Absturz eines Germanwings-Fliegers im März 2015 eingeführt hat, ist nicht die einzige Sicherheitsmassnahme, die als Reaktion auf einen Anschlag zustande kam. Seit November 2006 ist es beispielsweise nicht mehr erlaubt, Flüssigkeiten in mehr als 100 Milliliter grossen Behältern mit an Bord zu nehmen (ausgenommen sind Babynahrung und Medikamente). Grund dafür war eine geplante Anschlagsserie mit flüssigen Chemikalien auf mehrere britische Flugzeuge, die im August 2006 vereitelt werden konnte.
Ein anderes Beispiel war die zeitweilige Regelung, dass man am Flughafen beim Sicherheitscheck seine Schuhe ausziehen musste. Grund dafür war der versuchte Anschlag des «Schuhbombers» Richard Reid, der im Dezember 2001 Sprengstoff in seinen Schuhen an Bord eines American-Airlines-Fliegers schmuggeln konnte.
Auch die berüchtigten «Nacktscanner», die am Flughafen Zürich 2010 und 2014 getestet wurden und die heute insbesondere in den USA vielerorts zum Einsatz kommen, sind das Resultat eines versuchten Terroranschlags. Im Dezember 2009 gelang es dem 23-jährigen Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab, in seinen Unterhosen eine Bombe an der Sicherheitskontrolle vorbeizuschleusen und an Bord einer Northwest-Airlines Maschine zu bringen. Sein Plan war es, das Flugzeug über der US-Metropole Detroit in die Luft zu sprengen. Dass die Bombe nicht explodierte, lag einzig an der defekten Zündung. (SAS)

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