Schweiz
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Die Unia Nordwestschweiz eroeffnet mit einem aufblasbaren 4'000.- ihre regionale Mindestlohn-Kampagne auf dem Claraplatz in Basel am Mittwoch, 26. Februar 2014. Die Volksinitiative

Bild: KEYSTONE

Mindestlohninitiative

Sind Sie schon fit für die Abstimmungen? Hier die acht wichtigsten Punkte zur Mindestlohninitiative

Wer profitiert, wer verliert? Leidet die Wirtschaft oder jubeln die Arbeitnehmer? Bilden Sie sich eine Meinung. Hier die acht wichtigsten Fragen und Antworten. 



doris kleck, nordwestschweiz

1. Was verlangt die Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes?

Der gesetzliche Mindestlohn soll 22 Franken pro Stunde betragen. Das macht bei einer Wochenarbeitszeit von 42 Stunden 4000 Franken pro Monat.

2. Wie viele Menschen kämen so zu einer Lohnerhöhung?

In der Schweiz verdienen 330'000 Arbeitnehmende weniger als 4000 Franken pro Monat. Das entspricht 9 Prozent aller Arbeitnehmenden. Sie bekommen für ihre Arbeit im Durchschnitt 18.90 Franken pro Stunde.

3. In welchen Branchen sind Tieflöhne verbreitet?

Im Hotelgewerbe, Detailhandel, Reinigungsgewerbe und der Hauswirtschaft. Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede. Besonders betroffen von der Initiative wäre der Kanton Tessin, wo der Lohn bei rund einem Fünftel der Arbeitsplätze unter 22 Franken liegt. In der Nordwestschweiz beträgt der Anteil der Stellen mit einem Tieflohn sieben Prozent.

4. Verdienen dann auch Lehrlinge 4000 Franken?

Nein, der Bund kann für besondere Arbeitsverhältnisse Ausnahmen erlassen – dazu zählt insbesondere die Berufslehre, Praktika oder geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen.

5. Wären Mindestlöhne ein Novum in der Schweiz?

Nein. In zahlreichen Gesamtarbeitsverträgen (GAV) haben sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf Mindestlöhne geeinigt, die in der Regel nach Region, Ausbildung und Beruf abgestuft sind. Nicht immer beträgt der Mindestlohn 4000 Franken. Hinter dem GAV steht die Idee, dass die Sozialpartner besser wissen als der Bund, welche Mindestlöhne für eine Branche verkraftbar sind. Trotzdem fordern die Gewerkschaften einen gesetzlichen Mindestlohn. Sie argumentieren, dass nur 50 Prozent der Arbeitnehmer einem GAV mit Mindestlohn unterstellt sind.

6. Dann hält sich heute der Staat komplett aus der Lohnfrage raus?

Bund und Kantone können im Rahmen der flankierenden Massnahmen in Lohnfragen eingreifen. Einerseits können sie GAV erleichtert für allgemeinverbindlich erklären. In Branchen, wo keine GAV bestehen, haben sie die Möglichkeit Normalarbeitsverträge (NAV) mit Mindestlöhnen einzuführen. In den Kantonen bestehen derzeit 16 NAV. Der Bund hat einen NAV für die Hauswirtschaft erlassen.

7. Wie hoch sind die Mindestlöhne im Ausland?

Luxemburg hat mit 10 Euro pro Stunde den höchsten Mindestlohn in Europa und liegt damit deutlich unter den geforderten 22 Franken (17.80 Euro). Kaufkraftbereinigt läge der Schweizer Mindestlohn um 36 Prozent höher als in Luxemburg und um 100 Prozent höher als in Österreich. Für die Gewerkschaften ist nicht die absolute Höhe, sondern die Anzahl Betroffener entscheidend, um die ökonomischen Auswirkungen zu beurteilen. Als Vergleich ziehen sie Deutschland heran, wo ein Mindestlohn von 8.50 Euro diskutiert wird. Das würde bedeuten, dass 16 Prozent der Löhne angehoben werden müssten, in der Schweiz wären es «nur» 9 Prozent

8. Führt ein Mindestlohn zu höherer Arbeitslosigkeit?

Das ist die Gretchenfrage und leider gibt die Forschung keine eindeutige Antwort. Weil der geforderte Mindestlohn hoch ist, lassen sich Erfahrungen anderer Länder nur bedingt auf die Schweiz übertragen. Die Gegner argumentieren, dass sich der Mindestlohn nachteilig auf die Integration von Jugendlichen ohne Berufserfahrung und Niedrigqualifizierten in den Arbeitsmarkt auswirken würde. Die Gewerkschaften verweisen auf das Gastgewerbe: Zwischen 1998 und 2013 wurde der Mindestlohn von 2350 auf 3683 Franken angehoben – die Zahl der Arbeitslosen in dieser Branche nahm ab.

Umfrage

Sind Sie für einen Mindestlohn von 4000 Franken?

  • Abstimmen

291

  • Ja, das ist nicht mehr als gerecht.35%
  • Nein, das können gewisse Branchen nicht stemmen. 57%
  • Ich weiss es noch nicht. 8%

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 27.03.2014 07:06
    Highlight Highlight Mindestlohninitiative: Gute Arbeitsplätze bleiben erhalten!

    Gibt es ein „Beizensterben“ bei Annahme der Mindestlohninitiative? Nein. Wenn alle Gaststätten Mindestlöhne zahlen müssen, können die Kunden höchstens vermehrt zu Hause essen oder am Arbeitsplatz, falls die Preise übermässig steigen. Die meisten Kunden werden sich an das erhöhte Preisniveau gewöhnen. Wenn schlecht geführte Restaurants mit heute Billig-Arbeitskräften schliessen müssen, ist das kein Schaden für die Gastro-Branche.

    Kassierinnen im Detailhandel werden heute schon durch Scannner-Kassen ersetzt. Der Abbau in diesem Beruf erfolgt wie jener bei den klassischen „Sekretärinnen“ durch die technische Innovation. Der Strukturwandel sollte nicht aufgehalten werden. Wir brauchen dafür heute mehr Leute in den Gesundheitsberufen.

    Wenn Arbeitsplätze in Billiglohnländer verschoben werden, ist das doch ein Gewinn für diese Länder mit hohen Arbeitslosenzahlen. Wir können in der Schweiz damit die übermässige Zuwanderung bekämpfen. Natürlich gibt es kurzfristig mehr Arbeitslose in der Schweiz. Aber sollen wir deswegen die Strukturerhaltung weiter betreiben?

    Der Sinn der Mindestlohninitiative ist doch, den Staat und die Sozialversicherungen von der Last zu befreien, working poors und indirekt deren Arbeitgeber, welche keine Minimallöhne bezahlen wollen oder können, subventionieren zu müssen.
  • Wally Malone 26.03.2014 14:43
    Highlight Highlight Es wird so kommen wie immer - PANIKMACHE seitens Arbeitgeberverband! Zur Erinnerung: Abstimmung 6 Wochen Ferien für Alle oder die 1:12 Lohninitiative. "Wenn das angenommen würde, DANN wären die Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet, ergo müssten diese ins Ausland ausgelagert werden." Die Initiativen wurden abgelehnt ... und oh Wunder ... wie versprochen ist seitdem KEIN einziger CH-Arbeitsplatz ins Ausland verlegt worden!!! BITTE DAS GANZE MIT EINER GROSSEN PORTION SARKASMUS LESEN.
    • Wolfsblut_2 26.03.2014 19:38
      Highlight Highlight Genau, Wally Malone! Die Drohungen sind immer dieselben, wenn von den wirtschaftsnahen Kreisen etwas mehr Solidarität gegenüber den Schwächsten gefordert wird. Doch, wer will das ihnen verübeln, wenn sie damit durchkommen und wir uns immer und immer wieder einschüchtern lassen?

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