Schweiz
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Weshalb in Graubünden fast jeder 5. Asylsuchende arbeitet – und in Zürich kaum einer

Je offener ein kantonaler Arbeitsmarkt ist, desto eher finden Asylsuchende eine Arbeit. Der Aargau integriert zurückhaltend, Basel und Solothurn sind grosszügiger. Zürich rangiert am anderen Ende der Tabelle.

Anna Wanner / Nordwestschweiz



Während Europa sich über eine Stärkung der Aussengrenzen streitet, treibt die hiesigen Behörden weniger die Zahl der neu angekommenen Asylsuchenden um. Sie befassen sich vielmehr mit der Integration von Personen, die in der Schweiz bereits Asyl beantragten.

Die Kantone haben längst erkannt, dass es sich lohnt, Asylbewerber, die mittel- bis langfristig in der Schweiz bleiben, zu integrieren. Einzelne Kantone wie Graubünden vermitteln Asylsuchenden seit Jahren möglichst schnell eine Arbeit, um die staatlichen Finanzen zu entlasten, wie Markus Haltiner, Vizedirektor des Amts für Migration, sagt. «Die Selbstständigkeit löst die staatlichen Fürsorgegelder ab.»

JAHRESRUECKBLICK 2016 - APRIL - Ein Asylbewerber, rechts, und eine Schweizer Begleiterin, links, bei der Verrichtung des Schulpatrouilleurendienstes am Dienstag, 26. April 2016 in Boesingen. Da in Boesingen nicht genuegend Erwachsene fuer den Schulpatrouilleurendienst gefunden werden konnten, haben die Behoerden sich dazu entschlossen, Asylbewerber als Unterstuetzung einzusetzen. Dieses Pilotprojet wird bis zu den Sommerferien weitergefuehrt. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ein Asylbewerber bei der Verrichtung des Schulpatrouilleurendienstes in Boesingen. Bild: KEYSTONE

Eine Studie der Universität Basel zeigt nun, wie unterschiedlich die Chancen auf eine Integration in den Arbeitsmarkt sind – gerade bei Asylsuchenden, die sich im Asylprozess befinden und kein abschliessendes Urteil erhalten haben. Während in Graubünden im April 17.4 Prozent der Asylsuchenden einer Arbeit nachgingen, war es in Glarus, Jura, Nidwalden und Uri kein einziger (siehe Tabelle).

Image

zvg AZ

Entscheidend ist der Arbeitsmarkt

Die Studienautoren verglichen die kantonalen Modelle und kamen zum Schluss, dass der Erfolg der beruflichen Integration massgeblich davon abhängt, wie die Kantone den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende regeln. In offenen Kantonen steigt die Erwerbsquote um durchschnittlich elf Prozentpunkte. Entscheidend sind folgende fünf Faktoren:

Zwar hat der Zustand der kantonalen Wirtschaft ebenfalls einen Einfluss: Eine hohe Arbeitslosigkeit erschwert den Einstieg für Asylsuchende ins Erwerbsleben. Zudem zeigt sich, dass gewisse Sektoren wie der Tourismus einen niederschwelligen Einstieg ins Arbeitsleben bieten, wie das in Graubünden der Fall ist.

Nirgends ist die Arbeitsmarktpartizipation von Asylsuchenden so hoch wie in Graubünden. In der Studie wurden andere Faktoren untersucht, aber die meisten wieder verworfen. Die Herkunft der Asylsuchenden und die sprachliche Nähe tragen zusätzlich zum Integrationserfolg bei.

Nur: «Entscheidend ist, ob ein Asylsuchender ohne grossen Aufwand eine Arbeitsbewilligung erhält», sagt Studienautor Alois Stutzer. Für Asylsuchende mit breitem Netzwerk vereinfacht sich die Stellensuche, das zeigt sich bei Personen aus Sri Lanka. Wenn dieses nicht besteht und sich gleichzeitig die Sprache stark von deutsch, italienisch oder französisch unterscheidet, sei es einem Asylsuchenden kaum möglich, eine Arbeit zu erhalten, selbst wenn der Arbeitsmarktzugang sehr offen ist, sagt Alois Stutzer. Deshalb sei es durchaus sinnvoll, die Asylsuchenden entsprechend auszubilden.

Eine Frage der Priorität

Da der Bund die Asylsuchenden nach Zufallsprinzip auf die Kantone verteilt, ist es auch zufällig, ob eine Person im Asylprozess eine Chance hat, zügig eine Arbeit aufzunehmen. Doch wieso handhaben die Kantone den Zugang so unterschiedlich?

Grundsätzlich besteht eine gewisse Sorge,dass gute Asylbedingungen weitere Flüchtlinge anziehen. Doch ist es letztlich eine Frage der Prioritäten. Während etwa die Hälfte der Kantone den Asylsuchenden nur Arbeitsbewilligungen für Sektoren mit geringer Arbeitslosigkeit ausstellt, orientieren sich andere wie der Aargau und Baselland stark am Willen des Gesetzgebers: Die Integration soll erst erfolgen, wenn ein positiver Asylentscheid vorhanden ist – oder wenn ein Bewerber langfristig in der Schweiz bleiben wird, wie das derzeit bei rund 43'000 vorläufig Aufgenommenen der Fall ist.

«Der Kanton Basel-Land verfährt bei der Integration von Asylsuchenden in der Anfangsphase sehr restriktiv, da deren Verbleib in der Schweiz noch nicht gesichert ist und auch weil der Bund eine vorzeitige Integration untersagt», sagt Rolf Rossi, Abteilungsleiter der Koordinationsstelle für Asylbewerber. Tatsächlich gilt in den ersten drei Monaten ein Arbeitsverbot. Das Migrationsamt Graubünden nutzt diese Zeit bereits, um die Asylsuchenden auf Selbstständigkeit vorzubereiten, indem es hilft, Jobs zu vermitteln, und eine Aussicht auf eine eigene Wohnung stellt. «Für uns hat sich das System hervorragend bewährt», sagt Markus Haltiner.

Basel-Land habe hingegen bewusst entschieden, der Integration von Asylsuchenden eine tiefere Priorität zuzuweisen, sagt Rolf Rossi. «Er fördert die Integration von jenen Personen im Asylprozess, die längerfristig bleiben.» Das Engagement widerspiegelt sich in der Erwerbsquote von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen: Die Quote liegt auch in den Kantonen Aargau, Basel-Land, Zürich und Solothurn um die 30 Prozent. Deutlich höher ist sie nur in Kantonen, die Efforts schon früher starteten – etwa in Graubünden oder Obwalden. (aargauerzeitung.ch)

Vorlehren sollen Flüchtlingen den Berufseinstieg erleichtern

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Video: srf

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28
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    Alle Leser-Kommentare
  • reich&schön 28.06.2018 12:09
    Highlight Highlight Auch 17 Prozent sind immer noch himmeltraurig.
  • Wilhelm Dingo 28.06.2018 10:43
    Highlight Highlight Ist das als Erfolg zu werten wenn 20% der Asylsuchenden arbeiten? Es ist jämmerlich! Wer auch immer die Schuld hat. Ich erwarte eine Erwerbsquote von mindestens 90%.
  • MSpeaker 28.06.2018 10:07
    Highlight Highlight Das abschreckendste Beispiel kenne ich aus einer Gemeinde in Appenzell Ausseroden. Dort wird der Rasen um das Haus von Gemeindeangestellten gemäht und gepflegt, was Monatlich über 200 Franken kostet, obwohl die darin wohnenden Asylsuchenden darum gebeten haben es selbst zu machen und sie vom Solidaritätsnetz Rasenmäher etc zur verfügung gestellt bekommen hätten.
  • Hans der Dampfer 28.06.2018 09:50
    Highlight Highlight "Weshalb in Graubünden fast jeder 5. Asylsuchende arbeitet – und in Zürich kaum einer"

    Weil heute schon fast jeder Bündner in Zürich lebt?
    • Marc83 28.06.2018 12:27
      Highlight Highlight Super argument. Daumen hoch
  • penpusher 28.06.2018 08:57
    Highlight Highlight Wie kommen Glarus, Jura, Nidwalden und Uri auf 0.9%, wenn da keiner arbeitet?

    Und wie sieht es in den fehlenden Kantonen aus? Würde mich interessieren, wie es bei uns ist.
  • mogad 28.06.2018 08:52
    Highlight Highlight Nur jeder fünfte arbeitet. Ich hab heute noch eine andere Zahl gelesen: 75% kommen ohne Papiere an. Sie behaupten die Papiere seien gestohlen worden oder verloren gegangen. Sie wissen: ohne Papiere kann ihre Identität nicht festgestellt werden und sie können später nicht ausgewiesen werden. Aber Jeder von ihnen hat ein Handy und hätte die Papiere zur Sicherheit fotografieren können. Jetzt wollen die Behörden die Handys von Asylanten einsehen, zwecks Feststellung der Identität bei fehlender Kooperation. Und schon kommt der Aufschrei: Verletzung der Privatsphäre! Unfassbar.
    • Bene86 28.06.2018 13:37
      Highlight Highlight Ich weiss nicht, wie man diesen Beitrag blitzen kann.

      Was ist die Ideologie bei solchen Leuten?
    • bokl 28.06.2018 13:44
      Highlight Highlight Wirklich unfassbar. Die Polizei sollte auch ohne Verdacht das Handy jedes Schweizers auf mögliche Gesetzesübertretungem kontrollieren dürfen. Privatsphäre? Wer nichts zu verbergen hat...
    • Bene86 28.06.2018 15:35
      Highlight Highlight Es ist schon ein kleiner Unterschied, ob man ohne Papiere in ein Land einreist oder die Staatsbürgerschaft besitzt, dass merkst du aber auch selber, oder?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Uf em Berg 28.06.2018 08:48
    Highlight Highlight Jetzt mal die Gründe aus der Sichet einer in Graubünden lebenden Person: Die Integration funktioniert besser in Graubünden, weil die meisten Orte klein sind und daher kaum Anonymität herrscht. Es ist auch nicht möglich in diesen Orten Subkulturen zu leben, sondern man "muss" sich integrieren. Auch bietet der Kanton als Tourismus-Kanton viele Hilf-Jobs an, die mit schlechter oder keiner Kenntnis der Landessprache schon ausgeführt werden können.
    • sheimers 28.06.2018 11:24
      Highlight Highlight Das ist in Glarus, Jura, Nidwalden und Uri genau so, daran kann es nicht liegen.
    • Uf em Berg 28.06.2018 16:07
      Highlight Highlight @scheimers: Ich denke, dass Graubünden da doch touristischer ist und somit auch an ander Kulturen und Sprachen gewohnt. Daher doch etwas offener, da wir auch mit sehr vielen positiven Seiten von anderen Ländern und Kulturen konfrontiert werden.
  • mogad 28.06.2018 08:35
    Highlight Highlight Mein Vorschlag: Alle dürfen ab dem ersten Tag arbeiten, sie bleiben sowieso hier. Dann hätte das Gejammer (Tenor: Man lässt die Armen ja nicht arbeiten) seitens der Linken und der Asylindustrie ein Ende. Aber bevor die Asylanten auf Jobsuche gehen, sollten die Jungs begreifen, dass sie deutsch lernen müssen, dass es bei uns keine Jobs gibt die für Männer ehrverletzend sind und dass man das Tellerwaschen in der Restaurantküche nicht verweigern darf, weil man trotz fehlender Bildung lieber studieren möchte.
    • Baba 28.06.2018 14:02
      Highlight Highlight Nur so als Hinweis: Französisch oder Italienisch wären nebst Rätoromanisch auch Landessprachen.

      Ich gebe Ihnen dahingehend recht, dass eine erfolgreiche Integration zu 100% auch über das Erlernen der jeweiligen Landessprache läuft. Und den Vorschlag, dass die Ausübung einer Arbeit vom ersten Tag an erlaubt sein sollte: kann ich nur unterstützen, fände ich sehr gut. Nicht nur in Hinsicht auf die allfällige Entlastung der Sozialkassen, auch für die Tagesstruktur und eine sinnvolle Beschäftigung dieser Menschen.

      Daneben wäre der Begriff "Asylbewerber" aber dem "Asylanten" vorzuziehen...
  • Kengru 28.06.2018 08:28
    Highlight Highlight Ich frage mich immer wieder wann es soweit ist, das die Asylanten hier beruhigt leben, arbeiten können und hier was lernen. Damit sie später wenn es Zeit wird, nachhause gehen können und hoffentlich das gelehrte gut umsetzen. Aber mit einzelen sturrköpfigen Schweizern die es erst garnicht versuchen zu helfen und Asylanten die faul sind und ihre Zeit absitzen wird das nichts. Isch so mini Meinig
    • Genital Motors 28.06.2018 11:16
      Highlight Highlight nach hause :D haha save ;)
  • DerSimu 28.06.2018 08:00
    Highlight Highlight Sorry aber 20% ist auch fast keiner.
    • DerSimu 28.06.2018 08:10
      Highlight Highlight Oder "kaum einer", wie's im Titel beschrieben wurde.
    • sheimers 28.06.2018 11:34
      Highlight Highlight Man muss immer genau lesen und überlegen, um was es geht. Es heisst "Asylsuchende". Wer Asyl erhalten hat, sucht es nicht mehr, ist also kein Asylsuchender. Es arbeiten also in GR ca. 20% der mehr oder weniger frisch angekommenen. Bei früheren Flüchtlingen, die unterdessen einen legalen Status haben, ist die Erwerbsquote viel höher, in allen Kantonen. Um die geht es hier nicht. Aber der Wutbürger meint nach der Lektüre der Schlagzeile nun, 80% der Migranten würden für den Rest des Lebens nur däumchendrehen, was natürlich nicht stimmt.
  • Caerulea 28.06.2018 07:32
    Highlight Highlight Wenn man einer Arbeit nachkommt kann man sich besser und schneller integrieren.
    Das verlangen doch alle von Flüchtlingen.
    Das wollen sie auch selbst, also lasst sie doch...
    • demokrit 28.06.2018 10:37
      Highlight Highlight Natürlich wollen Sie das, zumindest vorgeblich (McDonalds ist dann oft wieder nicht gut genug..), es sind ja auch hauptsächlich Wirtschaftsmigranten. Ein zweischneidiges Schwert, denn dafür hat dann ein Schweizer keine Stelle mehr.
    • VegasBaby 28.06.2018 13:20
      Highlight Highlight @demokrit:
      Wenn dir jemand den Job streitig macht, der die Sprache nicht beherrscht und meist ungelernt ist, dann hast du was falsch gemacht ;)
    • Bene86 28.06.2018 13:35
      Highlight Highlight Ne, alle wollen das schon nicht, aber sicher einige.
    Weitere Antworten anzeigen
  • KING FELIX 28.06.2018 06:59
    Highlight Highlight Jeder 5. tönt halt irgendwie besser als 20%😈🙈
    • sephiran 28.06.2018 12:42
      Highlight Highlight und 20% besser als 17.4% :P

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