Schweiz
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Katze mit Geld

Geldsegen für die Kantone. Bild: shutterstock.com

Was sind schon 2 Milliarden? So heftig haben sich die Säckelmeister der Kantone verrechnet



Was Ueli Maurer kann, können seine Finanzdirektoren-Kollegen in den Kantonen regelmässig auch: Ihre Rechnungen fallen massiv besser aus als die Budgets. 2018 beträgt die Besserstellung der bisher publizierten 24 Ergebnisse über 2.3 Milliarden Franken.

Dies zeigt eine Zusammenstellung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA der bis Mitte April bekannten Rechnungsabschlüsse. Einzig die Kantone Bern und Neuenburg haben ihren Abschluss 2018 noch nicht veröffentlicht.

Die 24 Kantone haben über alles ein leichtes Minus von 22.6 Millionen Franken budgetiert. In ihren Rechnungen schliessen sie mit einem Gesamtüberschuss von 2.328 Milliarden Franken ab. Das ergibt unter dem Strich eine Besserstellung gegenüber den Budgets von 2.351 Milliarden Franken.

Nur die Kantone Obwalden und Jura weisen für ihr Geschäftsjahr 2018 Defizite von 29.1 beziehungsweise 1.3 Millionen Franken aus. Die Verluste fielen allerdings auch hier deutlich geringer aus als im Budget prognostiziert. Obwalden rechnete mit einem Minus von über 36 Millionen Franken, der Jura mit gegen 6 Millionen Franken.

Schwarz statt rot

Von den insgesamt zehn Kantonen, die rote Zahlen budgetiert hatten, schlossen deren acht zum Teil tiefschwarz ab. Es sind dies Genf, Luzern, Graubünden, Nidwalden, Uri, Appenzell-Innerrhoden, Glarus und Schaffhausen.

Insgesamt acht Kantone (ZH, AG, BS, GE, SG, ZG, TI, SZ) wiesen einen dreistelligen Millionengewinn für das Jahr 2018 aus. Am deutlichsten im Plus lag der Kanton Zürich mit 548 Millionen Franken, den tiefsten dreistelligen Gewinn gab es mit 107.4 Millionen Franken im Kanton Schwyz.

Die krassesten Fehlprognosen leisteten sich die Kantone Zürich, Genf und Aargau. Am deutlichsten daneben lag Zürich mit einer Besserstellung gegenüber dem Budget um 494 Millionen Franken. Genf verrechnete sich um 409 Millionen Franken, der Kanton Aargau um 299 Millionen Franken.

Der Nationalbank-Effekt

Zu den Überschüssen führten fast durchwegs markant höhere Erträge bei den Steuern. Im Kanton Graubünden zum Beispiel flossen mit über 800 Millionen Franken noch nie so viele Steuergelder in die Kantonskasse. Die meisten Kantone hatten zudem die Anteile aus der Bundessteuer zu tief budgetiert.

«Sondereffekte» beziehungsweise «nicht erwartete Einmaleffekte» tauchen ebenfalls regelmässig in den Begründungen für die unerwartet erfreulichen Abschlüsse auf. 2018 waren dies die Zuwendungen der Nationalbank, die ihre Gewinnausschüttung an die Kantone verdoppelt hatte. In einigen Kantonen, namentlich Graubünden, fielen auch die Rückerstattungen von Postauto Schweiz nach dem Subventionsschwindel positiv ins Gewicht.

Schulden abbauen

Die teilweise satten Gewinne erlauben den Kantonen bedeutende Investitionen. Der Kanton Waadt etwa reservierte 30 Millionen für das geplante Krebsforschungszentrum in Lausanne, Graubünden legt viel Geld für die Vorfinanzierung des geplanten Hochschulzentrums in Chur auf die hohe Kante.

Oft wird der Geldsegen auch den Reserven zugewiesen oder für den Schuldenabbau verwendet. In Luzern rückt der «schuldenfreie Kanton» laut Finanzdirektor Marcel Schwerzmann in Reichweite.

Die gesunde Finanzlage der meisten Kantone spiegelt sich auch in Eigenfinanzierungsgraden, die zum Teil weit über 100 Prozent liegen. Die Investitionen können also aus eigener Kraft gestemmt werden. Eine der wenigen grossen Ausnahmen ist der Kanton Obwalden, dessen Selbstfinanzierungsgrad wegen eines strukturellen Defizits bei minus 100 Prozent liegt.

Potenzial für Steuersenkungen

Wenn es der öffentlichen Hand finanziell gut läuft, sind die Rufe nach einer Steuersenkung nicht weit. Der Kanton Zürich wird im Dezember angesichts des Überschusses 2018 eine solche diskutieren. Der Kanton Schwyz sieht ebenfalls Potenzial nach unten.

Auf der Ausgabenseite gehört Ausgabendisziplin zum Erfolgsrezept der Kantone. Die Verwaltungen geben oft weniger Geld aus als budgetiert, der Betriebsaufwand schlägt entsprechend weniger zu Buche. Meist sind es Entlastungsprogramme, die in diesem Bereich ihre Wirkung entfalten.

Ebenso rituell erfolgen nach guten Abschlüssen die Warnungen der Kassenwarte vor einer «Eintrübung» der wirtschaftlichen Lage in den kommenden Jahren, um allfälligen Begehrlichkeiten vorzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zum Beweis halten die Kantone dann oft an ihren beschlossenen Sparprogrammen und Reformen fest. (sda)

Katsching! Zahltag und 11 Arten mit dem Geld umzugehen

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    Alle Leser-Kommentare
  • el fuego 15.04.2019 19:09
    Highlight Highlight Die krassesten Verrechner gehören auch zu den Kaputtsparern in allen Bereichen!
    Und genau so perfide wollen die gleichen Leute (SVP,FDP,BDP) jetzt subito die Steuern senken, damit die Bonzen auch was davon haben! Anstatt die Spitäler,Heime, Kitas etc.mal mit genügend Personal auszustatten, diese richtig zu entlöhnen und mal überhaupt die heisse Luft und den Stress abzubauen.Der kostet uns alle ca. 6 Milliarden Franken pro Jahr nur so nebenbei! Und dass viele blutige Gold im Keller und die Milliarden Einnahmen der Nationalbank bleiben weiter unantastbar und so geht dass Rennen weiter!





  • Denk nach 15.04.2019 14:47
    Highlight Highlight Ich würde empfehlen, dass sogenannte Sondereffekte pro Kanton rausgerechnet werden. Beurteilen sollte man nur, ob ein strukturelles Defizit vorliegend ist oder nicht. Sondereffekte können auch wieder mal in die falsche Richtung gehen...
  • Ruedi56 15.04.2019 13:52
    Highlight Highlight Kaum etwas Überschuss, und schon soll wieder Geld verteilt werden. Dem Plus von 2.3 Mia stehen nämlich sagenhafte 55 Mia !! Schulden der Kantone gegenüber! Man muss das langfristig sehen, und mit dem Überschuss 2018 Schulden abbauen, es kommen auch mal wieder schlechtere Zeiten.
  • merlins 15.04.2019 13:32
    Highlight Highlight „Kantone haben Abweichung von 1% des Budgets“

    Wäre eine weitere (zutreffende) Überschrift. Klingt aber wohl zu wenig sexy? ;-)
  • Dominik Treier (1) 15.04.2019 13:06
    Highlight Highlight Ahhh Sparprogramme... Auf Kosten der Armen natürlich, denn die müssen ja auch etwas (alles) zur Sanierung der Finanzen beitragen! Wenn dann der Überschuss, "überraschenderweise" doch viel grösser ist, als gedacht, muss man aber natürlich den armen Reichen schon noch entgegenkommen... Wohl bekomms!...
    • Graf Von Mai 15.04.2019 13:50
      Highlight Highlight Hhhmm aber haben nicht die reichen mit ihren Steuern zu diesen Überschüssen geführt? 🤔
    • Dominik Treier (1) 15.04.2019 16:38
      Highlight Highlight Ihre Steuern?! Steuern sind ein Beitrag an die Allgemeinheit und erst am Nötigsten zu sparen und dann denen am Meisten zurückzugeben, die schon so viel haben ist eine versteckte Desolidarisierung der Gesellschaft!
  • Makatitom 15.04.2019 13:04
    Highlight Highlight Soso, der Kanton Bern war also zu langsam. Wie gut der Freikirchler Schnegg rechnen kann hat er ja bei seiner Berechnung der Sozialausgaben bewiesen, wo er sich mal eben um Faktor 100 "Verrechnet" hat, natürlich zu Ungunsten der Sozialhilfebezüger. Wenn das mal nicht bis nach dem 19.5.19 hinausgezögert werden MUSS ;)
    Deshalb, liebe Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ist die Vorlage des grossen Rates unbedingt abzulehnen und der Volksvorschlag (Gegenvorschlag) anzunehmen.
    • Ruedi56 15.04.2019 14:18
      Highlight Highlight Jaja Bern, wird mit 1.3 Mia aus anderen Kantonen unterstützt oder besser über Wasser gehalten, alleine von ZH ca. 500 mio. Da hat man halt schon länger das alles auszurechnen oder zurecht zu biegen.
    • Makatitom 15.04.2019 14:43
      Highlight Highlight Zurecht zu biegen ist der richttige Ausdruck, vor allem wenn man dann noch daran denkt dass bereits wieder über weitere Senkungen der Unternehmenssteuern diskutiert wird, da das im Kt. Luzern ja sooo gut geklappt hat.
      Deshalb sehe ich auch nicht ein wieso Berner Sozhilfebezüger von 5.- ChF am Tag leben sollten, die Sozhilfe soll nämlich um 8% zusammen gestrichen werden, drum hat sich ja der Freikirchliban Schnegg auch "verrechnet"
  • Colelmrr 15.04.2019 12:50
    Highlight Highlight ... egal ob Reserven oder sonst was, was die Bilanz begünstigen kann; wie kann man sich so verrechnen oder falsche Prognosen abgeben? In der Privat-Wirtschaft hätte das längstens Köpfe gekostet....
    • merlins 15.04.2019 13:33
      Highlight Highlight Da bin ich mir einer Abweichung von 1% nicht ganz sicher.
    • Follo 15.04.2019 13:45
      Highlight Highlight Der Kanton Zürich hat ein Budget von Rund 15 Mia. Die 500 Mio. "Falschschätzung" machen da nichtmal 4% aus.
      Das ist eine gute Leistung.
  • p4trick 15.04.2019 12:26
    Highlight Highlight Kanton ZH z.B. Steuereinnahmen um ca. 7.5% verschätzt. Rechnet mal 7.5% der Steuern die ihr bezahlt habt aus. ist schon ein fetter Betrag der die ZHler z.B. quasi zu viel bezahlt haben.
    • MaxHeiri 15.04.2019 13:26
      Highlight Highlight Darum wird auch die Mittelstandsinitiative kommen der Jungfreisinnigen kommen. Dabei werden alle natürlichen Personen weniger Steuern bezahlen müssen.
    • Denk nach 15.04.2019 15:20
      Highlight Highlight Da hat er sich wohl kaum bei Personen, sondern eher bei Unternehmen verschätzt?
  • beaetel 15.04.2019 12:15
    Highlight Highlight Und dann wieder so tun, als ob es zu wenig Geld für die AHV/IV/EL/PK hätte ... Einfach nur lächerlich.
  • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 15.04.2019 12:13
    Highlight Highlight Was für ein tendenziöser Beitrag! Absolute Beträge sagen so gut wie nichts aus. Interessant sind Abweichungen nur relativ zum Gesamtbudget. Aber dann sind sie zu klein, um negativ darüber zu schreiben.
    • el fuego 15.04.2019 19:20
      Highlight Highlight Ja die Tendenz sieht so aus dass in der Schweiz ca. 1 Million Menschen unter oder an der Armutsgrenze leben. und in diesem Kontext ist Ihr Beitrag mir Verlaub: gequirlte Scheisse!
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 15.04.2019 22:49
      Highlight Highlight @el fuego: bitte nenn ein Quelle für deine Angabe, inklusive der dabei verwendeten „Armutsgrenze“.
      PS: „Im Jahr 2016 haben 10 Prozent der Personen in der Schweiz ein verfügbares Äquivalenzeinkommen von unter 26'926 Franken pro Jahr“ (Bundesamt für Statistik). Pro Person! (viele Leben aber in Mehrpersonenhaushalten) und das ist inklusive Studenten etc. - kurz: nur ganz wenige leben in echter, unfreiwilliger Armut.
      PPS: in CH von viel Armut zu sprechen, ist zynisch gegen echte Armut in der Welt.
      PPPS: wo ist der Zusammenhang deines Kommentars zum hiesigen Thema?
    • el fuego 16.04.2019 13:34
      Highlight Highlight Es gibt einen Armutsbericht und auch die Zahlen dazu! Wenn man nichts sehen will und dazu Bilanz liest, was will man da sagen? Ich habe mich lange genug damit beschädtigt, dass zynisch ist wenn man mit Zahlen jongliert aber von der realen Welt nichts mitbekommt! Ausserdem ist Armut in einem der reichsten Länder der Welt eine Schande! Steck Dir DEINE Zahlen vohin Du willst!
  • Nelson Muntz 15.04.2019 12:01
    Highlight Highlight Steuersenkungen wären wohl angebracht...
    • Dominik Treier (1) 15.04.2019 13:24
      Highlight Highlight Damit die Reichen noch mehr haben und bei den Armen noch mehr gespart werden kann... Tolle Idee...
    • Nelson Muntz 15.04.2019 13:41
      Highlight Highlight Wenn „Arme“ weniger Steuern zahlen dürfen, ist es also keine Entlastung?
    • Nordmann 15.04.2019 13:41
      Highlight Highlight @Dominik Treier: "die Reichen" zahlen bereits jetzt der Grossteil der Steuern, folglich ist es nur gerecht, dass sie auch entsprechend entlastet werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Basti Spiesser 15.04.2019 11:54
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