Schweiz
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Swiss franc coins are seen in a cash drawer in this picture illustration in Bern January 16, 2015. German bond yields hit record lows on Friday while fears about Greek banks sent the country's borrowing costs spiralling - signs of the fallout from the Swiss National Bank's shock decision to scrap its currency cap. A surge in the Swiss franc after the SNB abandoned its 1.20 euro limit on Thursday saw investors flee equities and other risky assets, parking money instead in top-rated bonds. REUTERS/Thomas Hodel (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY)

Die Stärke des Schweizer Frankens und die damit verbundenen Folgen sind momentan das meist diskutierte Thema der Schweiz.  Bild: THOMAS HODEL/REUTERS

Tiefere Löhne und Hilfe vom Staat?

Schweizer Wirtschaftskapitäne wollen sparen, sparen, sparen – allerdings auf ganz unterschiedliche Weise



Im Kampf gegen die Auswirkungen des starken Frankens prüft der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden anzuheben. Von einer Lohnkürzung hält Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler dagegen nichts.

«Die Löhne soll man jetzt nicht antasten. Das schlägt auf die Stimmung im Betrieb», sagte Spuhler in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Auch volkswirtschaftlich gesehen sei es ein Fehler, jetzt die Kaufkraft zu reduzieren.

Peter Spuhler, CEO und Inhaber Stadler Rail Group, orientiert an einer Medienkonferenz in Bussnang am Freitag, 13.6. 2014 ueber das vergangene Geschaeftsjahr. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Peter Spuhler, der Chef von Stadler Rail.  Bild: KEYSTONE

Eine intelligentere Lösung ist seiner Ansicht nach, die Wochenarbeitszeit anzuheben. Die Angestellten würden diesen Schritt auch mittragen, «wenn es eine temporäre Massnahme bleibt», sagte Spuhler.

Zusätzliche Bundesgelder für Kurzarbeit würden zwar nicht unmittelbar helfen. In den letzten Krisen sei es aber «sehr sinnvoll» gewesen, weil etwa hochqualifizierte Mitarbeiter gehalten werden könnten und somit Know-how im Betrieb bleibe.

Weiter würde er es begrüssen, «wenn der Staat für tiefere Kosten sorgen würde», sagte Spuhler. Tiefere Steuern und Abgaben sowie die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen würden die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

UBS-Chef will keine Subventionen

Ins gleich Horn stösst auch der Sergio Ermotti, der CEO der Grossbank UBS. In der «Schweiz am Sonntag» sagt Ermotti zum Thema Wettbewerbsfähigkeit: «Wir können zum Beispiel bei Steuern und der Infrastruktur ansetzen.»

Swiss bank UBS CEO Sergio Ermotti (R) attends a news conference to present the company's results of the first quarter in Zurich May 6, 2014. UBS will revamp its corporate structure to ensure it can be more easily broken up in a crisis, cutting the amount of money it will need to set aside for potential losses under Swiss rules and allowing it to pay investors a special dividend.   REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)

Will nichts von Subventionen wissen. Sergio Ermotti von der UBS.  Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Er gehe davon aus, dass Massnahmen eingeleitet würden, noch bevor die Konsequenzen des SNB-Entscheids spürbar seien. Letzteres dürfte frühstens gegen Ende Jahr der Fall sein. Zudem forderte er wie auch Spuhler Klarheit in der Beziehung zu Europa, insbesondere was die Zuwanderung von Fachkräften betreffe. Subventionen erteilte der Ermotti derweil eine Absage. 

Gehaltskürzungen und auch Euro-Löhne sind für die Technologiefirma Kistler ebenfalls kein Thema. «In unserem Land herrscht Vollbeschäftigung. Die Mitarbeiter wären schnell weg, wenn wir begännen, Löhne zu senken», sagt etwa Rolf Sonderegger, Chef der Technologiefirma Kistler in der «NZZ am Sonntag». 

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

Auch Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt lehnt Personal- und Lohnmassnahmen ab. Wenn schon, müssten diese zwingend Teil eines Pakets sein, das insgesamt die existenzielle Wettbewerbsfähigkeit einer Firma verbessere, hält Vogt gegenüber der Zeitung fest. Aber: «Bei tiefen Löhnen gibt es kaum Spielraum.» Derweil stellen sich die meisten Firmen auf die Parität von Franken und Euro ein, sie prüfen Investitionen und Verlagerungen. Bei der Credit Suisse soll ein Sparprogramm in Höhe von 500 Millionen Franken in Planung sein.  

Adecco-Chef De Maeseneire sieht keine Alternative zu Lohnkürzungen 

Anderer Meinung ist Adecco-Konzernchef Patrick de Maeseneire. Er fordert nach dem Ende des Euro-Mindestkurses tiefere Löhne oder längere Arbeitszeiten. Ohne Zugeständnisse von allen Seiten drohten Stellenstreichungen. «Die Personalkosten sind nun mal der grösste Kostenblock in vielen Unternehmungen», sagte de Maeseneire zur «SonntagsZeitung». Lohnkürzungen oder längere Arbeitszeiten seien daher «absolut» nötig. «Es geht nicht anders», sagte er. «Es gibt keine Alternative.» 

Patrick G. De Maeseneire, Chief Executive Officer, Adecco Group, speaks during a panel session at the last day of the 45th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Saturday, January 24, 2015. The overarching theme of the Meeting, which takes place from 21 to 24 January, is

Patrick De Maeseneire. Bild: KEYSTONE

Er sei schon erstaunt gewesen, wie hervorragend die Schweizer Wirtschaft den Eurokurs von 1.20 Franken gemeistert habe. «Zu den derzeitigen Devisenkursen müssten die Firmen jedoch noch effizienter werden.» Den Einwand, zuerst bei Managerlöhnen und Aktionären zu sparen, liess er nur bedingt gelten. «Die Aktienkurse sind ja schon deutlich gefallen, und die Manager klammere ich bei den Lohnsenkungen nicht aus.» 

Einstellungsstopp für viele unumgänglich

Adecco, das als Unternehmen viele Temporärstellen vermittelt, habe seit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank noch keine konkreten Massnahmen seitens der Schweizer Arbeitgeber festgestellt. Doch: Ohne Auswirkungen auf die Beschäftigungslage werde der starke Franken nicht bleiben. «Andernfalls müsste ich all meine Wirtschaftsbücher wegwerfen», sagte de Maeseneire.

Für Swissmem-Präsident Hans Hess sind Einstellungsstopps ein Mittel gegen den starken Schweizer Franken. «Die meisten Unternehmen haben in den letzten Tagen über einen Einstellungsstopp nachgedacht, und viele haben ihn bereits verhängt», sagt er in der «Sonntagszeitung». 

Bürgerliche fordern ein Entlastungsprogramm

Bürgerliche Politiker fordern laut der «Schweiz am Sonntag» ein milliardenteures Entlastungsprogramm zur Unterstützung der Wirtschaft. BDP-Nationalrat Hans Grunder will in der Frühlingssession die Aufhebung der Mehrwertsteuer für Tourismus und Gastronomie fordern. Diese Massnahme würde für den Staat Steuerausfälle in der Höhe von 800 Millionen Franken bedeuten. Eingespart werden sollen die Steuerausfälle mit einer Plafonierung der Personalkosten in der öffentlichen Hand. 

Hans Grunder (BDP/BE) aeussert sich zur Volksinitiative

Hans Grunder von der BDP. Bild: KEYSTONE

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) signalisiert, dass auch im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III weitere Entlastungsmassnahmen möglich sind. Zudem sollen Regulierungen abgebaut werden. SVP-Präsident Toni Brunner fordert gar einen generellen Anstellungsstopp beim Staat. Zudem sollen «verzerrende Vorteile der öffentlichen Hand auf dem Arbeitsmarkt» wie Vaterschaftsurlaube, Ferien- und Freizeitregelungen und Pensionskassenleistungen abgebaut werden und es soll auf Projekte wie die Lohnpolizei für die Lohngleichheit von Mann und Frau und die Frauenquote in Verwaltungsräten von börsenkotierten Unternehmen verzichtet werden. 

Auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) lanciert eine weitere Idee zur Unterstützung der Wirtschaft. Er sorgt sich um den Einkaufstourismus. Ein Mittel dagegen könnten längere Ladenöffnungszeiten sein, sagt er zur «Schweiz am Sonntag»: «Damit setzen wir ein Signal an die Konsumenten, dass sie hierzulande einkaufen sollen.»

(feb/sda)

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 25.01.2015 15:23
    Highlight Highlight Das während der schweizerischen künstlichen Wirtschaftsblüte von 40 Monaten mit festem Wechselkurs SFr./€ aufgebaute Personal wird wahrscheinlich jetzt wieder abgebaut werden müssen, jetzt wo man sich dem natürlichen globalen Markt stellen muss. So wird die Wirtschaft resp. der Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten reagieren, dafür wird voraussichtlich auch der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative geholfen. Voraussetzung dazu ist allerdings, jetzt nicht erst recht superbillige zugewanderte Arbeitskräfte anzustellen, sondern endlich die arbeitssuchen oder ausgesteuerten Leute anzustellen.
  • stadtzuercher 25.01.2015 13:10
    Highlight Highlight So kennen wir die Bürgerlichen und die SVP: Sparen sollen die Bürger, damit die Wirtschaft umso höhere Subventionen abkassieren kann.
    Die bürgerliche Propaganda vom schlanken Staat und dem freien Markt ohne Staatsinterventionen ist die Politik-Heuchelei seit eh und je.
  • Zeit_Genosse 25.01.2015 11:12
    Highlight Highlight Sehr geehrte Verwaltungsräte:
    Kein Angestellter, CEO oder Manager sollte einen Bonus dafür erhalten, dass er Kosten über Entlassungen senkt. Er sollte einen dreifachen Bonus erhalten für die Umsetzung guter Ideen und Innovationen.

    Verantwortungsvolle Führung (Leadership) beginnt bei den VRs.
  • Zeit_Genosse 25.01.2015 07:47
    Highlight Highlight Da werden jetzt viele Manager die Legitimation erhalten, Personal "abzuholzen", auch wenn das nicht in allen Unternehmen nötig ist. Wenn es genug gesagt und geschrieben wird, dann glauben das die Manager als einzigen Ausweg, weil es sehr einfach anzuordnen ist. Es braucht wahrlich keine kreativen Leistungen dafür. Es wird so kommen, wenn man ständig davon spricht und darüber schreibt. Die mediale Wahrheit wird zur Realität. Leider.
  • Hugo Wottaupott 25.01.2015 07:05
    Highlight Highlight Schlimme Sache! Seit Mitte der 90er in der Krise und kein Ende in Sicht. Krise hat System und ist Programm

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

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