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Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) und Sebastian Frehner (SVP/BS), von links, befassen sich mit den Emissionsbeschraenkungen und Verstaerkung der Geraeuschvorschriften waehrend der Sondersession am Dienstag, 6. Mai 2014 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

«Wird die Sexualkunde nur im Lehrplan erwähnt und nicht im formellen Schulgesetz, so ist nur reaktiver Unterricht im Sinn der Beantwortung von Fragen erlaubt.» Sebastian Frehner (rechts) im Nationalrat. Bild: KEYSTONE

«Schutz vor Sexualisierung»

SVP-Nationalrat hält Sexualkunde in der fünften Klasse für illegal 

Seit fünf Jahren ist der Sexualkundeunterricht für Fünftklässler in Niederrohrdorf obligatorisch. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner glaubt, dass das Rohrdorfer Modell illegal ist. Das Bildungsdepartement sagt: Die gesetzlichen Vorgaben seien erfüllt

fabian hägler / aargauer zeitung

Ein Artikel der

Seit dem Schuljahr 2009/10 gibt es an der Kreisschule Rohrdorferberg für die Fünftklässler obligatorischen Sexualkundeunterricht (AZ berichtete hier).  

Für Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Basel-Stadt und Co-Präsident der Initiative «zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ist dies ein Skandal: «Die Sexualkunde in Niederrohrdorf ist illegal. Die Androhung, der Unterricht sei obligatorisch, ist zudem rechtsmissbräuchlich», hält er in einer schriftlichen Reaktion auf den Artikel in der az fest. 

Frehner verweist auf einen Entscheid des Bundesgerichts im Zusammenhang mit den Sex-Boxen in Basel. Dieser fiel aus seiner Sicht negativ aus, die Richter lehnten Beschwerden von zwei Familien ab, die ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht dispensieren wollten.  

Bundesgericht setzt Leitplanken

Dennoch sieht Frehner im Urteil aus Lausanne mehrere Punkte, die seine Meinung stützen. Laut dem Bundesgericht sei Sexualkundeunterricht «nur bei Vorliegen einer gesetzlichen Grundlage erlaubt», schreibt der SVP-Nationalrat und Jurist. 

Und weiter: «Wird die Sexualkunde nur im Lehrplan erwähnt und nicht im formellen Schulgesetz, so ist nur reaktiver Unterricht im Sinn der Beantwortung von Fragen erlaubt.» 

Verboten sei hingegen ein systematischer Sexualkundeunterricht. Frehner kritisiert, im Fall von Niederrohrdorf sei die Sexualkunde weder im Schulgesetz, noch im Lehrplan ausdrücklich erwähnt.

Die obligatorischen Sexualkundelektionen für die Fünftklässler seien deshalb unzulässig. «Gesetzgeber und Exekutive des Kantons sind gefordert, die Rechtmässigkeit des Unterrichts wieder herzustellen», fordert Frehner. 



Schuldepartement bleibt locker

Doch das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), dem mit Alex Hürzeler ein Parteikollege von Frehner vorsteht, sieht keinen Handlungsbedarf.

«Wir sind auch nach dem Bundesgerichtsurteil der Meinung, dass der Sexualkunde-Unterricht in Niederrohrdorf zulässig ist», sagt Simone Strub, stellvertretende Kommunikationschefin.

Initiative gegen Frühsexualisierung

Sebastian Frehner (SVP, Basel-Land) ist Co-Präsident der Initiative «zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule». Er hofft trotz Ablehnung durch den Bundesrat auf ein Ja und erklärt, was dann in Niederrohrdorf geändert werden müsste. - 1. Der Unterricht dürfte nicht obligatorisch sein, er könnte aber bereits ab dem 9. Altersjahr auf freiwilliger Basis erfolgen. - 2. Die externe Fachperson müsste den Sexualkunde-Unterricht an die Klassenlehrerin abtreten – damit garantiert wird, dass nach dem Unterricht noch eine Vertrauensperson da ist, die den Eltern Auskunft gibt. - 3. Wenn die externe Fachperson Biologie erteilen darf, könnte sie ab dem 12. Altersjahr «wertneutral über Fortpflanzung und Entwicklung und z.B. über die Gefahren der sexuell über-tragbaren Krankheiten unterrichten». 

Es handle sich nicht um institutionalisierten Unterricht mit fixen Lernzielen. Die Schulen am Rohrdorferberg hätten diesen Weg gewählt, um den Kindern das Thema altersgerecht zu vermitteln und ihre Fragen zu beantworten. «So ist die Vorgabe des Bundesgerichts erfüllt, dass Sexualkunde reaktiv vermittelt werden muss und ein systematischer Unterricht auf dieser Altersstufe nicht erlaubt ist», so Strub. In erster Linie gehe es darum, den Kindern aufzuzeigen, wie sie ihren Körper wahrnehmen und wie sie sich gegen Übergriffe abgrenzen können.

Victor Brun, Sektionsleiter der Abteilung Volksschule im BKS, sagte der az schon vor zwei Wochen: «In den Primarschulen und Kindergärten im Aargau findet nur reaktiver Sexualkundeunterricht statt.»

Damit verfolge der Lehrplan eine eher defensive Strategie in der Aufklärung der jungen Schüler. Dieser Ansatz habe sich bewährt und bis jetzt keine Entrüstung oder negative Reaktionen ausgelöst, führte Brun aus.

Eltern reagierten positiv

Arnada Caminada, Schulleiterin der Primarschule Niederrohrdorf, bestätigt dies. «Als wir die obligatorische Sexualpädogogik einführten, gab es kritische Stimmen aus der Lokalpolitik. Dabei ging es aber weniger um den Inhalt des Angebots, sondern mehr um die Kosten, die von den Gemeinden am Rohrdorferberg getragen werden.»

Nur einmal habe sich ein Vater bei ihr gemeldet und kritisiert, sein Sohn komme mit schmutzigen Ausdrücken nach Hause und die Sexualpädagogik verführe die Kinder dazu, mit anderen Sex zu haben.

«Ich habe ihn zu einem Gespräch eingeladen und ihm Konzept und Zweck des Angebots erklärt. Schliesslich besuchte sein Sohn den Unterricht und der Vater hat sich nachher sehr bedankt bei uns», sagt Caminada. Ansonsten seien durchwegs alle Eltern dankbar für das Angebot, «negative Rückmeldungen gibt es keine».

Dispensationsgesuche seine bisher keine eingegangen, erklärt Caminada. Wie würde sie auf ein solches Gesuch reagieren? «Ich würde das Gespräch suchen und den Eltern aufzeigen, was sie ihrem Kind vorenthalten, wenn sie dieses von der Sexualpädagogik dispensieren lassen möchten», sagt die Schulleiterin.

Dispensationsgesuche müssten im Einzelfall genau angeschaut werden. «Ich habe aber keine Angst, dass nach der Kritik von Herrn Frehner nun viele Eltern ihre Kinder von der Sexualpädagogik dispensieren lassen», sagt sie.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 19.12.2014 14:20
    Highlight Highlight Herr Sebastian Frehner sollte sich besser um die Angelegenheit in seinem eigenen Kanton Basel Stadt kümmern, wo dieses Schulfach bereits im Kindergarten mit Plüschvagina, Dildos und Gummis thematisiert wird!!!
  • Zeit_Genosse 19.12.2014 12:10
    Highlight Highlight Es geht um die enge und klare juristische Seite wegen des "Obligatoriums." Inhaltlich und gesellschaftlich ist das ein weites Feld.
  • Howard271 19.12.2014 11:33
    Highlight Highlight Ach bitte, ich hatte sogar schon in der 3. Klasse Sexualunterricht - natürlich altersgerecht und gut gemacht. Es gibt keinen einzigen Grund, der dagegen spricht.
    • The Destiny // Team Telegram 19.12.2014 13:04
      Highlight Highlight ausser dass er dort nichts verloren hat ?

      In der 5. kl. ist früh genug. Aber nicht als reaktiver Unterricht sondern als Teil von Mensch und Umwelt fest eingeplant.
    • Eisenhorn 19.12.2014 13:59
      Highlight Highlight Sexualunterricht soll zu dem Zeitpunkt stattfinden wo Kinder mit so etwas in Kontakt kommen können und bereit sind grundsätzliche Regeln zu erlernen. Dank gewissen Neigungen von Erwachsenen kann dies früher der Fall sein als jedem lieb ist. Ich persönlich hätte es lieber wenn mein Kind schon früh Sexualität erkennt als das was es ist, und somit auch besser erkennt wenn diese ausgenützt wird. Es geht hier nicht um Details sondern um die Grundrisse von Sexualität.
    • Howard271 19.12.2014 14:46
      Highlight Highlight @the Destiny:
      In der 5./6. Klasse hatten wir es danach in amderem Rahmen nochmals - nur war das eher eine peinliche Angelegenheit, da die Schüler vieles schon wussten. Ich sehe nicht ein, weshalb 9- oder 10-Jährige nicht wissen sollen, wie jeder Mensch entstanden ist und was biologisch ganz normal ist; besonders vor so einer wichtigen Entwicklungsphase der Jugendlichen. Gegen das Lernen des Verdauungsvorganges hat ja offenbar auch niemand etwas, auch hier handelt es sich um eine Funktion des Körpers.

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