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Jolanda Spiess-Hegglin.
Jolanda Spiess-Hegglin.Bild: KEYSTONE

«Ich hatte eine Depression» – Jolanda Spiess-Hegglin bricht ihr Schweigen

Die Zuger Politikerin ist wieder bei Kräften – und sagt, warum sie jetzt eine noch bessere Ehe führt  
02.08.2015, 03:1302.08.2015, 06:37
sacha ercolani / schweiz am sonntag
Ein Artikel von
Aargauer Zeitung

Nach den unzähligen Negativ-Schlagzeilen der letzten Monate ist die grüne Zuger Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin (34) noch immer ständig bösen Behauptungen ausgesetzt. Mit «erfundenen Vorwürfen, Gerüchten und sogar Drohungen», wie sie sagt, würden wildfremde Menschen oder politische Gegner ihr das Leben schwermachen. Es herrscht keine Ruhe seit den Schlagzeilen, wonach die Kantonsrätin nach der Zuger Landammannfeier vor sieben Monaten in der «Captains-Lounge» des Restaurants Schiff in Zug einvernehmlichen Sex mit SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann (41) gehabt haben soll.  

Laut einem Gerücht, das herumgeboten wird, wurde Spiess-Hegglins Ehemann in der Nacht zum 21. Dezember telefonisch über die laufenden Sex-Ereignisse orientiert, und es soll dann bei der Heimkehr seiner Frau zu häuslicher Gewalt gekommen sein. Das Ehepaar habe sich mittlerweile getrennt, der Mann sei mit den Kindern ausgezogen. In vielen Online-Foren sind die Meinungen längst gemacht: Dass Spiess-Hegglin an jenem Abend eine Gedächtnislücke hatte, sei eine Erfindung und Ausrede der Politikerin. Erst recht, weil die Untersuchung von Blut-, Urin- und Haarproben keine Anzeichen auf K.-o.-Tropfen ergaben. Auf Rat von Experten hat sich die dreifache Mutter inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.  

Markus Hürlimann
Markus HürlimannBild: KEYSTONE

Familie und Freunde hätten nie an ihrer Version gezweifelt

Nun nimmt sie erstmals Stellung und gewährt dabei auch ehrliche Einblicke in ihr Seelenleben: «Solche Behauptungen sind absurd und bösartig», sagt Jolanda Spiess-Hegglin im Gespräch mit der «Schweiz am Sonntag». Ihre Stimme am Telefon klingt aufgestellt und selbstbewusst, soeben ist sie aus den Ferien mit ihrer Familie zurückgekehrt. «Wir genossen eine Woche am Genfersee, und nun fahren wir noch ins Tessin», verrät sie. «Mit meinem Mann und unseren drei wundervollen Kindern – wir sind als Familie sehr glücklich! Mein Mann und ich sind durch die Geschehnisse sogar noch näher zusammengerückt.»  

Spiess-Hegglin versichert: «Ich führe seit meiner Hochzeit vor 9 Jahren eine monogame Ehe. Früher haben wir am Fernsehen kaum einen ‹Tatort› verpasst, heute trinke ich währenddessen lieber mit meinem Mann ein Glas Rotwein, und wir führen gute Gespräche.»  

Ihr Gatte, die Eltern- und Schwiegereltern, ihre Geschwister, die Nachbarschaft und viele Freunde hätten nie an ihrer Version der schrecklichen Geschehnisse gezweifelt. «Dafür bin ich unendlich dankbar. Denn wer mich kennt, weiss, dass ich eine ehrliche Haut bin und kann sich ausmalen, wie die Sache liegt. Ich bin stets transparent und versuche, authentisch zu sein.»  

Spiess-Hegglin auf Twitter
Spiess-Hegglin auf Twitterbild: twitter

«Zweite Traumatisierung» durch Hetzjagd und Medien

Trotz der breiten und fürsorglichen Unterstützung haben die letzten sieben Monate tiefe Spuren in der Psyche der Politikerin hinterlassen. So musste sie eine Traumatherapie absolvieren. Aus der Öffentlichkeit zog sie sich zurück und besuchte auch keine Kantonsratssitzungen mehr. «Ich hatte eine mittelschwere Depression, eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung», gesteht Jolanda Spiess-Hegglin. «Seit einiger Zeit nehme ich Medikamente, welche mir sehr helfen. Das gibt mir wieder Boden unter den Füssen.» Denn zeitweise wollte sie nicht mehr aus dem Haus und am Morgen nicht einmal mehr das Bett verlassen. Und weil sie nicht mehr essen konnte, verlor Spiess-Hegglin zehn Kilogramm an Gewicht. «Das Schwierigste war, dass ich nicht nur das Ereignis selber und den Zeitverlust von acht Stunden, in welchen ich keine Kontrolle mehr über mich hatte, verarbeiten musste, sondern auch die Tatsache, dass man mir die Geschichte nicht glaubte.» Es werde einem etwas Schlimmes angetan, und dann soll man auch noch selber schuld sein oder es erfunden haben. Spiess-Hegglin: «Durch die Hetzjagd bestimmter Kreise und der Boulevardmedien wurde ich ein zweites Mal traumatisiert.»  

Als sie am Ende ihrer Kräfte war, garantierte ihr ein Freund aus Luzern, dass sie bestimmt gestärkt aus der Krise kommen werde. «Das glaubte ich damals nicht», sagt sie. «Doch langsam erkenne ich, dass dies keine leeren Worte waren. Ich fühle mich bereit, weiterhin zu politisieren, und besuchte Ende Juni und Anfang Juli schon wieder zwei Kantonsratssitzungen. Die politische Arbeit hat mir in meiner Auszeit sehr gefehlt – ich will mich weiterhin für die Allgemeinheit engagieren», kündigt Jolanda Spiess-Hegglin selbstbewusst an. «Doch das Wichtigste im Leben sind meine Kinder und mein Mann.»  

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kronrod
02.08.2015 09:19registriert März 2015
Sie sollte auf die erwähnten Experten hören, und diese Geschichte nicht öffentlich wälzen. Ihr Kumpane von der SVP macht das geschickter. Als Politiker sollte man für politische Leistungen in Erinnerung bleiben wollen, und nicht für eine mutmasslische Affäre mit anschliessender Depression.
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dracului
02.08.2015 09:41registriert November 2014
So und nun hoffe ich, dass dies wirklich der letzte Artikel zu diesem Thema war oder gehört die öffentliche Aufarbeitung noch zur Therapie? Alles haben einander den Ausrutscher verziehen und im Zugerland ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen.
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Karl33
02.08.2015 10:15registriert April 2015
Ich finds gut kommen solche Frauen, die Vergewaltigungsvorwürfe erfinden, nicht einfach so weg. Unsere Rechtssprechung ahndet unverständlicherweise erfundene Vergewaltigungsvorwürfe nicht, obwohl sie Männern das Leben komplett zerstören können, aber unsere Gesellschaft toleriert zum Glück solche ungeheuerlichen Vorwürfe nicht. Ich finds gut erhält die Frau ihre Strafe von der Gesellschaft. Und hoffentlich demnächst auch noch von den Wählern.
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