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Un champ de chanvre appartenant a un paysan est photographie devant une exploitation agricole ce mardi 17 septembre 2002 a Vesin, canton de Fribourg. Les champs de chanvre semblent se multiplier dans la Broye fribourgeoise. Deux magistrat fribourgeois estiment a  318000 metres carres la surface totale reservee a la culture du chanvre dans le canton de Fribourg. (KEYSTONE/Fabrice Coffrini)

Hanfpflanzen im Kanton Freiburg. Suchtexperten fordern eine Lizenzvergabe für die Cannabis-Produktion. Bild: KEYSTONE

Kommentar

7 gute Gründe, warum Cannabis legalisiert werden sollte

Was Suchtexperten seit langem feststellen, hat die Schiesserei in der Altstätter Hanf-Anlage erneut gezeigt: Der Cannabis-Handel ist professioneller und krimineller geworden. Zeit also, wieder einmal über die Legalisierung nachzudenken. Das spricht dafür. 



1. Schwarzhandel ist gefährlich

Der Cannabis-Handel hat sich professionalisiert. Es geht um immer mehr Geld, die Produktionsmengen werden grösser, das Geschäft lukrativer – und gefährlicher: «Das grüne Gold muss beschützt werden, wenn nötig mit Videoüberwachung, Hunden oder eben Waffengewalt», kommentierte Oliver Guéniat, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei, im Interview mit watson die Schiesserei in der Altstätter Hanf-Anlage. 

Oder anders: Kriminalisierung schafft Kriminalität. Dieser kann nur ein Riegel geschoben werden, wenn Cannabis legalisiert und Handel und Anbau reglementiert werden.

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Die ausgehobene Hanf-Anlage in Altstätten SG: Der Anbau ist längst hochprofessionell. Bild: Kapo SG

2. Kiffen wird sicherer

Kiffer sind auf den Stoff angewiesen, der auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird – und damit den Dealern ausgeliefert: So kann Cannabis mit Blei und Pestiziden versetzt sein. Eine Regulierung des Hanf-Anbaus hingegen würde es möglich machen, den Anbau zu lizenzieren, THC-Höchstwerte zu definieren und Kontrollen durchzuführen. Kurz: Der Kiffer könnte Qualitätsansprüche stellen und wüsste, welchen Stoff er zu welchem Preis bekommt, statt zwielichtigen Dealern vertrauen zu müssen.

3. Bund profitiert, Schwarzmarkt verliert

Thomas Kessler, ehemaliger Drogenexperte des Bundes, und Oliver Guéniat haben zwei verschiedene Modelle zur Reglementierung des Cannabis-Marktes kombiniert: So soll ein Drittel der Produktion über Lizenzen geregelt werden und zwei Drittel vom Staat angebaut werden. Der Bund könnte über eine hohe Versteuerung Gewinne abschöpfen, die nachher der Landwirtschaft, der AHV und der IV zugute kommen würden.

Dabei geht es um viel Geld. Das Handelsvolumen liegt bei einer Milliarde, Kesslers Schätzungen zufolge würden jährlich knapp 500 Millionen Franken dem Fiskus zufliessen, plus 700 Millionen Franken Einnahmen aus dem Cannabis- und Lizenzverkauf. Davon würden auch die Bauern profitieren: Kessler schlägt vor, den Anbau auf die Bergzonen III und IV zu beschränken – ein lukrativer, und womöglich existenzsichernder Markt für Bauern.

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Bio-Gras von der Region, für die Region. Klingt gut. Bild: giphy

4. Behörden werden entlastet

Heute fällt Cannabis unter Artikel 19 des Betäubungsmittelgesetzes: Anbau, Konsum und Besitz sind verboten, werden aber nicht strafrechtlich verfolgt, wenn es sich dabei um eine geringfügige Menge (unter 10 Gramm) handelt. Dafür droht eine Busse von 100 Franken und bei Minderjährigen eine Anzeige.

Würden die Modelle von Kessler und Guéniat hingegen umgesetzt, könnten die Kosten für die Strafverfolgung und Strafverfahren massiv gesenkt werden – und Ressourcen klüger eingesetzt werden. Zum Beispiel für die Prävention.

Cannabis Modelle Guéniat Kessler

Modell Guéniat errechnet die Kosten für Strafverfolgung und Strafverfahren. Bild: frankfurter fachtagung zu cannabis

5. Jugendschutz und Prävention

Heute hat ein Dealer keinen Grund, nicht an jeden Cannabis zu verkaufen, der genug Geld dabei hat. Dem lizenzierten Hanf-Anbau und reglementierten Verkauf könnten hingegen die gleichen Bedingungen auferlegt werden, wie auch dem Alkohol- und Tabakhandel: Wer an Minderjährige verkauft, verliert seine Betriebslizenz.

Ausserdem: Prävention ist in einem illegalen Markt kaum durchführbar, Forschung ist nahezu unmöglich. Würde Cannabis hingegen ähnlich reguliert werden wie Alkohol und Tabak, könnte dieselbe, vom Bund finanzierte Aufklärungsarbeit geleistet werden. 

6. Cannabis ist nicht gefährlicher als Alkohol und Tabak

Die Schweizer Drogenpolitik beruht auf politischen Aushandlungsprozessen, kulturellen Wertvorstellungen und historischen Entwicklungen. Die Fachstelle Arud (Zentren für Suchtmedizin) plädiert hingegen dafür, dass sich der rechtliche Status von Substanzen an deren Schadenspotenzial orientiert. Dieses misst sich an 16 Kriterien, darunter Sterblichkeit, gesundheitlicher Schaden, Abhängigkeitspotenzial, Verlust von materiellem Vermögen und sozialen Beziehungen, wirtschaftliche Kosten und Umweltschäden. 

Das Modell zeigt, dass Alkohol mit 72 von 100 Punkten das grösste Schadenspotenzial aufweist, gefolgt von Heroin (55) und Crack (54). Tabak (26) verursacht einen ähnlichen Schaden wie Kokain (27). Cannabis erreicht einen Wert von 20 Punkten, und hat damit ein nur gering höheres Schadenspotenzial als Beruhigungs- und Schlafmittel (15 Punkte). 

7. In anderen Ländern funktioniert's 

In der internationalen Drogenpolitik bewegt sich viel: Die US-Bundesstaaten Colorado und Washington haben Cannabis Anfang 2014 legalisiert, ebenso Uruguay. In Spanien gibt es Social Clubs, in denen geprüftes Cannabis legal erworben werden kann. Portugal hat bereits vor 15 Jahren sämtliche Substanzen legalisiert, weder ist der Konsum angestiegen, noch hat sich das Land zum Mekka für Drogenhändler entwickelt.

In der Schweiz haben es Pilotprojekte hingegen schwer: Erst letzten August hat sich das Bundesamt für Gesundheit gegen städtische Cannabis-Clubs ausgesprochen.

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