Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mangelnde Geographie-Kenntnisse

ETH-Professor wird auch nach 39 Jahren nicht eingebürgert



Einem pensionierten ETH-Professor bleibt der Schweizer Pass verwehrt, obschon er seit 39 Jahren in der Gemeinde Einsiedeln wohnt. Die Bezirksversammlung hat am Montag ein Einbürgerungsgesuch des 75-jährigen Amerikaners abgelehnt. Er sei zu wenig integriert, hiess es.

Der Lichtkuenstler Gerry Hofstetter illuminiert anlaesslich des internationalen Fluechtlingstages das Kloster Einsiedeln, am Mittwoch, 20. Juni 2012. Weltweit werden am heutigen Fluechtlingstag Wahrzeichen beleuchtet um so die Solidaritaet mit den 43 Millionen Menschen auf der Flucht zum Ausdruck zu bringen. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Das Kloster Einsiedeln wurde 2012 vom Künstler Gerry Hofstetter anlässlich des Flüchtlingstages illuminiert.  Bild: KEYSTONE

Die Versammlung folgte damit dem Antrag des Bezirksrats. Der Entscheid fiel nach einer rund halbstündigen Diskussion mit klarem Mehr, wie Landschreiber Peter Eberle am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Behörde: Lücken in Geografie und Politik

Der Kalifornier lebt seit 1975 im Einsiedler Ortsteil Gross, ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und ist Mitglied eines lokalen Tennis- und eines Segelclubs. Der Chemieingenieur lehrte und forschte während gut 30 Jahren an der ETH Zürich, verfasste Lehrbücher und gründete einen Weiterbildungskurs.

Die Prüfung über die Grundkenntnisse der Schweiz hatte der Mann mit gutem Leumund, geordneten finanziellen Verhältnissen und ausreichenden Deutschkenntnissen bestanden. Nach Einschätzung der Einbürgerungskommission kennt er die kommunalen Verhältnisse aber nicht gut genug.

Tank barriers near Einsiedeln, canton of Schwyz, Switzerland, pictured on July 11, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Panzersperren bei Einsiedeln, Kanton Schwyz, aufgenommen am 11. Juli 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Panzersperren in Einsiedeln. Bild: KEYSTONE

Die Kommission wirft dem Professor mangelnde Kenntnisse in Schwyzer und Einsiedler Geografie und Politik vor. Sie vermutet, dass sich der Antragsteller vor allem wegen persönlicher Vorteile und Sicherheiten einbürgern lassen will.

3600 Franken fällig

Er habe beim Einbürgerungsgespräch weder die sechs Ortschaften des Bezirks vollständig aufzählen noch Namen von Freunden und Bekannten in Einsiedeln nennen können, schreibt der Bezirksrat. Auch aktuelle politische Themen im Ort seien ihm nicht bekannt gewesen.

Der Kalifornier hingegen erklärte laut Bezirk, er fühle sich seit langem in der Schweiz zuhause, habe unter anderem an der ETH viel für die Ausbildung junger Schweizer geleistet und in Einsiedeln drei Kinder aufgezogen. Er kritisierte die Behörde, sie habe sich nicht wirklich interessiert, etwas über ihn herauszufinden.

Der Ausländer muss trotz negativem Bescheid 3600 Franken Verwaltungsgebühr bezahlen. Den Entscheid der Bezirksgemeinde kann der Betroffene innert zehn Tagen beim Schwyzer Verwaltungsgericht anfechten. 

(sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fast 30 Prozent in der Schweiz sind religionslos – Tendenz steigend

Die Erosion der Religion hält in der Schweiz weiter an: 2019 gehörten 29.5 Prozent der über 15-Jährigen keiner Religion an, das sind 1.6 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Dabei sind Ausländer weitaus häufiger ohne Religion als Schweizer.

35.1 Prozent von ihnen sind gemäss neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik vom Dienstag ohne religiöse Zugehörigkeit, das sind 1.7 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Bei den Schweizern sind es 27.6 Prozent, ein Plus von 1.5 Prozentpunkten. …

Artikel lesen
Link zum Artikel