Schweiz
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Fertig Party: Mit der neuen Verordnung hätten kleinere Lokale möglicherweise schliessen müssen.  bild: shutterstock

Partygänger können aufatmen: Musikbranche zwingt Bund in die Knie 

Ab 2019 sollten schärfere Lärmschutzregeln gelten, die Party-Veranstalter und Gastronomen um ihre Existenz fürchten liessen. Doch nun zeigte der Druck der Musikbranche Wirkung.



Gastronomen, Konzertveranstalter und Clubbesitzer der ganzen Schweiz liefen Sturm, als das Bundesamt für Gesundheit BAG im August die verschärften Lärmschutzregeln bekanntgab. Mit der abgeänderten Verordnung würden Kosten auf sie zukommen, die sie nicht bewältigen könnten, so das Credo. Es drohe schweizweit die Schliessung zahlreicher Lokale. 

Nun können Partygänger und Clubbesitzer aufatmen: Das BAG krebst zurück. Beim Dachverband der Schweizer Musikveranstalter herrscht Freude: «Es konnte ein einvernehmlicher Lösungsvorschlag gefunden werden», heisst es in einer Mitteilung.  

Mit der Verschärfung des Gesetzes hätten Schweizer Veranstalter ab einer Lautstärke von 93 Dezibel die Konzerte oder Partynächte mit einem geeichten Messgerät aufzeichnen müssen. Bisher besteht diese Pflicht nur für Veranstaltungen, bei denen der Durchschnitt für länger als drei Stunden über 96 Dezibel liegt. 

Die Messwerte sind tief angesetzt. Die aktuelle Schweizer Schallverordnung gehört damit bereits zu den strengsten der Welt. Zum Vergleich: Das Gesprächslevel in einer gut gefüllten Bar liegt mit etwas Hintergrundmusik bei 90 Dezibel.

Der grösste Kritikpunkt bei der angepassten Verordnung war aber, dass die Messgeräte und die entsprechende Ausbildung von Mitarbeitern mehrere Tausend Franken kosten. Vor allem kleine Betreiber sahen sich deshalb vom finanziellen Ruin bedroht. 

Mit 11'000 Unterschriften gegen neue Regelung

Felix Mechelke, ein 26-jähriger Musiker aus Luzern, hatte Ende August die Petition «Macht unsere Konzerte nicht kaputt» lanciert. Innerhalb von nur einem Monat kamen über 11'000 Unterschriften zusammen. «Das spricht Bände – die Leute wollen Musik geniessen und dabei nicht eingeschränkt werden». Ob auch diese Mobilisierung beim BAG Eindruck gemacht hat? Gut möglich. 

Jetzt ist das Bundesamt jedenfalls bereit, es bei den bisherigen Auflagen zu lassen. Eine Arbeitsgruppe aus den Verbänden sei zusammengesetzt worden, um gemeinsam mit Fachkreisen eine Empfehlung für Messgeräte vor Ort zu erstellen, schreibt der Dachverband der Schweizer Musikveranstalter. Diese soll sowohl die Messqualität als auch den Gesundheitsschutz gewährleisten.

In einem weiteren Schritt soll die Branche dann eine Empfehlung zum Messverfahren für Veranstalter ausarbeiten. Der Bundesrat wird voraussichtlich Anfang 2019 definitiv über den Inhalt und die Inkraftsetzung entscheiden.

Partywochenende? Dann warten diese 10 Kater-Stufen auf dich

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

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    Alle Leser-Kommentare
  • dmark 27.09.2018 19:26
    Highlight Highlight Bei 96dB wirkt Techno noch nicht - da kannste einwerfen, was auch immer.
  • Hans -würkli- Nötig 27.09.2018 17:15
    Highlight Highlight "Eine Arbeitsgruppe aus den Verbänden sei zusammengesetzt worden, um gemeinsam mit Fachkreisen eine Empfehlung für Messgeräte vor Ort zu erstellen."

    Wenn Ämter von sich auf die Idee kommen würden sich vor dem Einführen neuer Gesetze mit den Betroffenen auszutauschen könnte viel teurer Leerlauf verhindert werden.

    Ach nee, dann wären Lobbyisten ja arbeitslos und den Beamten würden viele tolle Essenseinladungen entgehen..
  • nickmiller 27.09.2018 16:13
    Highlight Highlight Die Leute vom BAG verhalten sich langsam aber sicher wie astreine Wumpi Bumpis. Erst Menschen mit MS oder ä
    Ähnlichem den Zugang zu medizinischem Canabis erschweren und jetzt mit übersteigerter Aktionitis kleine Musikbetriebe gefähren. Welche Lobbygruppe steckt da dahinter? Die Pharma kanns ja nicht sein...
  • Madison Pierce 27.09.2018 16:07
    Highlight Highlight Eigentlich schon fast schade. War im Frühling nach vielen Jahren Abstinenz wieder mal an einem Konzert. Es war viel zu laut und die Dynamik hat nicht gepasst. Man hat den Sänger kaum verstanden, weil die Bassgitarre so laut eingestellt war.

    Gut, für die Dynamik braucht es fähige Soundtechniker, aber zumindest für die Lautstärke würden Gesetze helfen.

    "Je lauter, desto besser" sollte doch eigentlich nicht mehr üblich sein.
    • Hoppla! 27.09.2018 16:25
      Highlight Highlight Das muss ja ein komischer Konzertveranstalter gewesen sein.

      Lautstärke wird unterschiedlich wahrgenommen, ich fand bisher aber keine Veranstaltung zu laut. Und ein Vorteil hat eine gewisse Lautstärke: Es wird schwieriger sich während dem Konzern zu unterhalten. Das wäre eine Wohltat. ;-)
    • Madison Pierce 27.09.2018 16:43
      Highlight Highlight War das Konzert von Nathaniel Rateliff im X-TRA. Die Soundtechnik sah für mich als Laien beeindruckend aus, da will ich mich nicht beklagen. Fand es einfach zu laut und schlecht abgemischt. Wobei das sicher auch Geschmackssache ist.
    • Basswow 27.09.2018 17:11
      Highlight Highlight Für die Dynamik braucht es gute Musiker. Kenne den oben genannten nicht, aber wenn es live war (nicht backing tracks) dann muss die Abstimmung Musiker/Technik einfach mittelmässig bis schlecht gewesen sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Joe Smith 27.09.2018 15:36
    Highlight Highlight Die Dezibel-Vergleiche klingen zu unrecht harmlos. Man darf nie vergessen, dass dB-Skala logarithmisch ist und eine Erhöhung um «nur» 3 dB tatsächlich einer Verdoppelung der Schalleistung entspricht!
    • Soubdfrosch 27.09.2018 16:31
      Highlight Highlight Nein, das trifft nur bei elektronische Geräte wie Mischpult zu, wo dasmass dBu. Aber wir sprechen hier von dB spl. Also hinkt bisschen
    • andrew1 27.09.2018 16:39
      Highlight Highlight Das stimmt im prinzip. Aber die Wahrnehmung des menschen ist nun mal logarithmisch. Sonst würdest du bei 200 lux treppenhausbeleuchtung nichts sehen und bei 100000 lux an einem sonnigen tag blind werden. Somit ist das argument mit der verdoppelung hinfällig. Genau deswegen hat man ja eine logarithmische skala bei schall und licht entwickelt und nicht damit es jemand wieder zurückrechnet und sagt" ja das ist aber eine verdoppelung".
    • aglio e olio 27.09.2018 17:17
      Highlight Highlight interessant zum Thema Pegel:
      http://www.sengpielaudio.com/Rechner-pegelaenderung.htm
    Weitere Antworten anzeigen
  • super_silv 27.09.2018 15:33
    Highlight Highlight Von 90dB auf 96db ist aber auch eine ver 4Fachung der Lautstärke. Also nicht so wenig. Aber trotzdem bin ich froh gibt es keine neuen Gesetze
    • Schne 27.09.2018 16:00
      Highlight Highlight Eher eine 1.5 fache wahrgenommene Lautstärke aber etwa 4facher Schalldruck.
    • Soubdfrosch 27.09.2018 16:04
      Highlight Highlight Ne das stimmt nicht ganz. Die empfundene Lautstärke wird in dB spl gemessen, wobei eine Verdoppelung +10dB spl entspricht;)
    • Joe Smith 27.09.2018 17:04
      Highlight Highlight @ Schne & Frosch: Der Hörschaden basiert auf der objektiven Belastung und nicht auf dem subjektiven Empfinden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Frances Ryder 27.09.2018 15:11
    Highlight Highlight In der Schweizer Politik dauert zwar alles doppelt so lang, aber wenn man bedenkt, wie in anderen Ländern die ganze Bevölkerung bei gewissen Themen Sturm läuft und es die Politiker einen Dreck interessiert, kann man doch froh sein, dass man in der Schweiz mit mickrigen 11'000 Unterschriften schon auf die Politik Einfluss nehmen kann.

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