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Eine junge Genferin wehrt sich an der Wiener Silvesternacht mit einem Faustschlag gegen einen Mann, der mehrere Frauen zuvor an den Hintern fasste.   bild: keystone/shutterstock, bearbeitung: watson

Frauenberatungsstelle verteidigt Faustschlag gegen Grapscher

Die Meldung einer Schweizerin, die in der Wiener Silvesternacht einem Grapscher das Nasenbein brach, schlug grosse Wellen. Lea Bugmann von der Zürcher Frauenberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt hält die Reaktion für gerechtfertigt. 



Eine der ersten Meldungen, die 2019 für Aufmerksamkeit sorgten, war die einer 21-jährigen Frau, die in der Silvesternacht in Wien einem Grapscher das Nasenbein brach. Der junge Mann wurde darauf von den Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht. Der Mann hatte Berichten zufolge mehreren Frauen an den Hintern gefasst. Er wurde wegen sexueller Belästigung angezeigt. Ebenfalls angezeigt – wegen Körperverletzung – wurde die junge Frau. 

Im Netz wurde die Aktion der jungen Frau von vielen Seiten bejubelt. «Ich feiere die junge Frau», ist an vielen Stellen zu lesen. 

Ist ihre Reaktion tatsächlich gerechtfertigt? Oder hätte die 21-jährige Genferin auch anders auf den Grapscher reagieren können? Das hat watson Lea Bugmann, Sozialarbeiterin bei der Zürcher Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt, gefragt. 

Frau Bugmann, darf ich einer Person die Nase brechen, die mich und andere sexuell belästigt hat?
Lea Bugmann:
Die junge Frau hat wohl kaum damit gerechnet, dass sie mit ihrem Schlag dem Grapscher direkt das Nasenbein bricht. Wir bewerten die Reaktion jedoch als gut und gerechtfertigt und hoffen, dass das Gericht sie als Notwehr bewertet. 

Hätte die Dame nicht milder reagieren können?
Sie hätte gar nicht erst reagieren müssen, wäre sie nicht belästigt worden. Den ersten Fehler hat nicht die junge Frau begangen. Grundsätzlich sind wir gegen Gewalt. Aber umgeben von so vielen Menschen fühlt man sich schnell bedrängt. Er hat ja vor ihr auch andere Frauen belästigt, vielleicht hat sie dies beobachtet. Es braucht in einer solchen Situation viel Mut, um sich zu wehren.

Also ist jemandem die Nase zu brechen eine gute Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen?
Wie gesagt, es mag wohl kaum die Absicht der jungen Frau gewesen zu sein, dem Mann direkt die Nase zu brechen. Natürlich gäbe es auch andere Möglichkeiten, auf eine sexuelle Belästigung zu reagieren. Die Person zur Rede stellen oder andere Menschen rundherum auf sie aufmerksam zu machen, zum Beispiel. Wie man auf eine solche Situation reagiert, ist aber immer sehr individuell. 

Hauptsache, man reagiert?
Irgendeine Reaktion ist immer gut. In diesem Fall wird sich der junge Mann wohl zweimal überlegen, ob er
in Zukunft weiterhin Frauen ungefragt an den Hintern fassen wird. Hätte sie nicht so vehement reagiert, hätte er womöglich noch mehr Frauen belästigt. 

Hat die ganze MeToo-Debatte Frauen darin bestärkt, vehementer auf sexuelle Belästigungen zu reagieren und diese nicht einfach so auf sich sitzen zu lassen?
Das ist schwierig zu sagen. Es kann gut sein, dass eine offene Debatte über sexuelle Belästigungen und die Reaktionen darauf Frauen dazu ermutigen, sich zu wehren. Spannend in diesem Fall ist aber sicher, dass der Fall in der Wiener Silvesternacht so hohe Wellen schlug. Hätte die junge Frau dem Grapscher nicht die Nase gebrochen, wäre wohl kaum darüber berichtet worden. 


HAPPY NEW YEA... Was? Schon wieder Silvester?

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

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