Schweiz
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Nicht alle Grosseltern wollen wegen Coronavirus auf Hütedienst verzichten

Pascal Ritter / Ch media

Weil ältere Menschen besonders gefährdet sind, rät der Bund vom Enkel-Hüten ab. Eine Grossmutter berichtet, warum sie es trotzdem tut.



Fast jede zweite Grossmutter und jeder dritte Grossvater hütet einmal pro Woche das Enkelkind. Dies zeigen Zahlen des Bundesamt für Statistik. Viele Eltern könnten ohne die Hilfe der Grosseltern nicht so einfach Beruf und Familie miteinander kombinieren. Sie − und vor allem die Betriebe, in denen sie arbeiten − sind auf den Einsatz der Grosseltern angewiesen.

Das Bundesamt für Gesundheit stellt nun aber diese wichtige Stütze der Kinderbetreuung wegen des Corona-Virus in Frage. Grosseltern sollten nicht mehr auf die Enkel schauen. Denn die Gefahr besteht, dass Kinder, die sich allenfalls in der Schule oder unter Gspänli angesteckt haben könnten, ihre Grosseltern anstecken. Ältere Menschen sind besonders gefährdet. «Wir müssen alles tun, um die Älteren zu schützen», sagte Daniel Koch, der Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten, diese Woche an einer der täglichen Medienkonferenzen.

Asiatischer Knicks statt Küsse für die Grossmutter

Nicht alle halten sich an die Empfehlung. Zum Beispiel Grossmutter Erika Bechtel. Die 72-jährige gelernte Zahnarztgehilfin aus Birr AG hütet ihre beiden Enkel im Alter von 9 und 7 Jahren wie jede Woche. Bechtel ist das Zusammensein mit den Enkeln sehr wichtig. «Ich lege viel Wert auf diese Beziehung. Man muss sie aufbauen, wenn die Buben noch jung sind. Sonst ist es dann irgendwann zu spät und sie kennen ihre Grossmutter gar nicht richtig.» Angst vor dem Coronavirus hat sie nicht, Respekt schon. «Da muss man einen kühlen Kopf bewahren», sagt sie.

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Grossmutter Bechtel nimmt den Coronavirus und die diesbezüglichen Verhaltensempfehlungen ernst. Bei der Betreuung ihrer Enkel hat sie Vorsichtsmassnahmen getroffen. «Wir küssen uns nun nicht mehr und waschen uns öfter die Hände», sagt Bechtel. Bechtel ist mit Hygienemassnahmen vertraut. Zuletzt arbeitete sie im Kantonsspital Aarau und empfing dort neueintretende Patienten. Auch die Buben geben Acht. In der Schule haben sie einen asiatischen Knicks gelernt, mit dem sie die Grossmutter begrüssen.

Peter Burri von der Organisation Pro Senectute, die sich für «Wohl, Würde und Rechte älterer Menschen» einsetzt, zeigt Verständnis für Grossmütter wie Erika Bechtel. «Wir raten nicht grundsätzlich davon ab, auf die Enkelbetreuung zu verzichten. Man muss jede Situation genau anschauen. Wenn Grosseltern oder Enkel grippeähnliche Symptome zeigen, Kontakt zu Verdachtsfällen hatten oder in Risikogebiete gereist sind, sollte keine Enkelbetreuung durch Grosseltern stattfinden. Wenn keine solche Faktoren im Spiel sind, empfehlen wir, dass die Grosseltern zu den Enkeln kommen und nicht umgekehrt. Zudem sollten die Empfehlungen des Bundes − also unter anderem Händewaschen und Abstand wahren − eingehalten werden.»

In der aktuellen Situation gehe zwar der Schutz der Menschen vor, grundsätzlich seien aber soziale Kontakte für ältere Menschen sehr wichtig. Sie zu reduzieren, wie vom Bund empfohlen, sei eine einschneidende Massnahme, gibt Burri zu Bedenken.

Die Angst vor der Ansteckung im Zug ist grösser

Grossmutter Erika Bechtel lehnt nicht alle Empfehlungen des Bundes ab. So verzichtet sie im Moment etwa darauf, ihre anderen zwei Enkel zu hüten, die in der Stadt Bern wohnen.

Aber nicht wegen der Ansteckungsgefahr durch die Enkel, sondern wegen der langen Zug- und Busfahrt, während der ebenfalls die Gefahr besteht, das Virus aufzulesen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • weissauchnicht 07.03.2020 17:03
    Highlight Highlight Danke Watson und danke Frau Bechtel.
    Gebt diesen Artikel bitte auch Herrn Thiriet zu lesen, damit er auch seine Grossmutter über den Spielnachmittag entscheiden lässt, statt sie in der Massenhysterie alleine sitzen zu lassen, was sie vielleicht ja gar nicht will...
    • Garp 07.03.2020 17:59
      Highlight Highlight Die Grossmutter lebt im Altersheim. Da ist halt doppelte Vorsicht angebracht, da müsste man die ganze Abteilung oder das ganze Heim befragen.
  • Vecchia 07.03.2020 14:35
    Highlight Highlight Wie alt sind Grosseltern.....?
    Zu welcher Risikogruppe gehören Grosseltern, die unter 60 sind?
    Ab wann ist man genau "älter"?

    Alles ziemlich verwirrend.

    Ich hätte übrigens vor ÖV-Kontakten auch mehr Respekt als vom Hüten zweier Enkel im Schulalter, die aktuell in der Schule gerade das richtige Händewaschen, Niesen und Husten lernen.
    • Zat 07.03.2020 21:52
      Highlight Highlight Schauen Sie sich mal die Zahlen mit den Altersangaben von Italien an, das beantwortet ihre ersten Fragen. Und wer genau am Schluss mehr oder weniger stark erkrankt, lässt sich logischerweise nicht vorhersagen.
    • Vecchia 08.03.2020 12:36
      Highlight Highlight Ja, es heisst offiziell ab 65. Mich würde es aber wundern, wenn der Virus die Jahre genau zählt.
      Und abgesehen davon, dass es jüngere Grosseltern gibt, gibt es ganz viele Menschen zwischen 60 und 65 J., die täglich mit Kindern arbeiten - nicht nur in den Schulen...
  • lilas 07.03.2020 14:02
    Highlight Highlight Ich bin mit 51 Grossmutter geworden und nur weil ich jetzt Oma bin, zähle ich mich nicht automatisch zur Risikogruppe. Nebst dem Alter kommt es ja auch noch darauf an wie fit und gesund die jeweiligen Grosseltern sind. Solche die geschwächt sind sollten wohl im Moment aufs Hüten verzichten.Der Entscheid ob sie das tun wollen sollte bei den Grosseltern liegen denn altsein bedeutet nicht, dass man nicht mehr Entscheidungsfähig ist.
    • Vecchia 07.03.2020 15:15
      Highlight Highlight "Der Entscheid ob sie das tun wollen sollte bei den Grosseltern liegen denn altsein bedeutet nicht, dass man nicht mehr Entscheidungsfähig ist. "

      Exakt! Seh ich genauso (ich wurde mit 48 Grosi und halte mich eigentlich trotz Enkel noch für urteilsfähig ;-)).

      Ausserdem müssten konsequenterweise - wenn dann mal eine konkrete Alterstufe angegeben würde - wohl auch Lehrer und Personal von Schulen beurlaubt werden.
  • Offi 07.03.2020 13:49
    Highlight Highlight Ich denke das sollen doch alle selbst entscheiden ....
    • Hirngespinst 07.03.2020 14:03
      Highlight Highlight Ja das denke ich auch.
      Wichtig ist, im Vorfeld miteinander zu sprechen.
  • Yo4yo 07.03.2020 13:33
    Highlight Highlight Auch wir sind darauf angewiesen, dass meine Schwiegermutter unsere Kinder Hütet. Bei uns sind aber die Fragen etwas anders. Meine Schwiegermutter ist Kindergärtnerin und reist mit dem Zug zu uns....
    1. Sollten ältere Kindergärtner/innen und Lehrer/innen, im Moment aus vorsorge Krankgeschrieben werden?
    2. Ist das Zugreisen das Gefährliche?
    3. Sind meine Kinder die Gefahrenquelle?

    So oder so glaube ich, dass es dich treffen kann oder nicht, genau wie jeden Winter wenn wieder Grippezeit ist.

    Gebt euch acht und bleibt Gesund!
    • Blattttalb 07.03.2020 15:10
      Highlight Highlight 1.b. Sollen chronisch Kranke (Risikogruppe) noch unterrichten?
    • Blattttalb 07.03.2020 15:29
      Highlight Highlight Hat jemand eine Antwort darauf und ist informiert darüber? Was mache ich jetzt als Lehrerin, die eine chronische Krankheit hat und zur Risikogruppe gehört?
    • glass9876 07.03.2020 16:05
      Highlight Highlight @Blatttalb: ich denke nicht, dass du diese wichtige Frage mit anonymen Kommentaren besprechen solltest. Vielmehr rate ich dir, dich an deinen Arzt zu wenden oder beim BAG um Rat zu fragen und anschliessend mit der Schulleitung zu entscheiden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • P. Meier 07.03.2020 13:20
    Highlight Highlight Sclussendlich liegt es in der Verantwortung der Beteiligten, welche Massnahmen sie umsetzen. Das müssen die Eltern mit ihren Eltern abmachen und entsprechen können ihre Kinder zu Besuch oder nicht. Es wurde nirgends ein Verbot der Besuche bei den Grosseltern kommuniziert. Daher erachte ich diesen Artikel eher als unnötig.
    • Zat 07.03.2020 21:43
      Highlight Highlight Diese Verantwortung möchte ich mir aber nicht zuschulden kommen lassen, das könnte ich nicht verantworten. Das Risiko ist mir zu hoch. Man hört zu oft von positiven Tests ohne Symptome.
  • Macrönli 07.03.2020 13:00
    Highlight Highlight Abstand halten ist nur mit grösseren Kids möglich, Kleinkinder auf Abstand halten ist schwierig 🙄 wir haben das Hüten aus mehreren Gründen abgesagt, sind aber in der Situation dass ich Schichtenste so legen/tauschen kann dass mein Mann schaut.
  • Laubos 07.03.2020 12:55
    Highlight Highlight Wir haben vor 10 Tagen schon auf Facetime umgestellt und die Grossmutter höflich ausgeladen. So sehr ich mit 3 Kids dankbar bin für die tolle Unterstützung und Entlastung, aber ich könnte mir nicht verzeihen, die Grosseltern fahrlässig angesteckt zu haben.
    Zum Glück bin ich schon in der Hausfrauenfalle gefangen /s
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 07.03.2020 12:50
    Highlight Highlight Darwin und das Coronische Roulette werden dazu führen das in einem Jahr auch die schweizer Bevölkerung beim Thema Pandemie auf die Grundstufe kommt.
    • aglio e olio 07.03.2020 14:08
      Highlight Highlight Sorry für oft topic, bist du auch der Andre unter diesem Kommentar?
  • Tiny Rick 07.03.2020 12:20
    Highlight Highlight Meine Eltern passen auch wöchentlich auf die kids auf. Ohne wäre es ziemlich schwierig das meine Frau auch zur Arbeit gehen könnte. Jedoch sagt es auch einiges über das System in der Schweiz aus, das jeder dritte darauf angewiesen ist dass die Grosseltern auf die Kinder aufpassen müssen, da die Kinderbetreuung in der Schweiz überteuerte ist.
    • Lami23 07.03.2020 13:12
      Highlight Highlight Und es sagt einiges über dich aus, dass, wenn die Kinder nicht beaufsichtigt wären, automatisch deine Frau nicht arbeiten könnte anstatt du ;-)
    • Geofinder 07.03.2020 13:21
      Highlight Highlight Oder das Schulsystem nicht mit der Arbeitswelt kompatibel ist...
    • Tiny Rick 07.03.2020 13:32
      Highlight Highlight @Lami: da ich 40% mehr verdiene, ergibt es sich so. Hätte nichts gegen das Gegenteil. Aber hey, einfach mal die sexismus keule schwingen. Simpel
    Weitere Antworten anzeigen
  • ChiliForever 07.03.2020 12:17
    Highlight Highlight Die Schweiz ist wegen Corona aber auch echt ein wenig im P-Modus, oder?
    • Lebenundlebenlassen 07.03.2020 13:16
      Highlight Highlight Denke nicht dass das mit Panik zutun hat. Etwas Vorsicht und Umsicht schadet nicht. Ich spühre keine Panik aber das Thema ist natürlich allgegenwärtig.
  • swisskiss 07.03.2020 12:06
    Highlight Highlight All die Kleinen gezielt und kontrolliert mit dem Virus anstecken und nach 2 Wochen freudestrahlend die Grosseltern begrüssen... ich weiss, Weekendschräg.
  • Wendy Testaburger 07.03.2020 11:54
    Highlight Highlight Finde es richtig toll, dass auch die Grossväter ihre Enkel hüten und bin positiv überrascht, dass immerhin jeder dritte dies wöchentlich macht. Ich habe ganz viele wunderschöne Erinnerungen an Zeit mit meinem Grossväter.
  • Tomsen2 07.03.2020 11:28
    Highlight Highlight Das BAG stellt immer mehr Regeln auf die einfach kaum Alltagstauglich sind. 1 Meter Abstand beim pendeln. Nicht in Stosszeiten pendeln. Kein Hüten durch die Grosseltern. Wie stellen die sich das vor? Aber Hauptsache man stellt irgendwelche Regeln auf.
  • Tobi-wan 07.03.2020 11:14
    Highlight Highlight Dieses Wochenende ist unser Sohn bei seinen Grosseltern. Im Vorfeld haben wir das mit den Grosseltern diskutiert und sie bewusst gefragt, ob sie das wollen oder ob sie im Moment lieber nicht wollen. Das ist wichtig, dass die Grosseltern auch sagen dürfen, wenn sie lieber nicht hüten wollen.
    • Scott 07.03.2020 11:44
      Highlight Highlight Es gibt wohl kaum Grosseltern, die das ablehnen würden. Ihr seid verantwortungslos.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 07.03.2020 11:45
      Highlight Highlight Bitte bedenken Sie, dass viele Grosseltern aus einer Zeit stammen, in der man nicht den Individualismus nachging, sprich, viele Grosseltern sagen Ja, weil sie einfach nicht Nein sagen können. Das muss nicht in Ihrem Fall zutreffen.

      Sie können nicht wissen, ob ihr Sohn infiziert ist (Kita, Kindergarten, Schule: Ansteckungsorte^10). Auch wenn die Grosseltern ja sagen, würde ich den Sohn zum Wohle der Grosseltern nicht bringen.
    • Baba 07.03.2020 11:49
      Highlight Highlight Da bin ich völlig bei Ihnen, Tobi-wan. Ich kenne aber Grosseltern, die würden sich nie zu sagen trauen, dass sie die Enkel nicht hüten möchten. Oft, weil sonst in der Familie der Kinder das nackte Chaos ausbrechen würde.

      Ich persönlich habe einfach Mühe damit, dass Grosseltern häufig so selbstverständlich für das erste, zweite, dritte... Kind eingespannt werden. Das geht soweit, dass die Grosseltern ihre eigenen Wünsche, ihr eigenes Leben wieder den Kindern, nämlich den ihrer Kinder, unterordnen. Wieso will man denn um jeden Preis Kinder - aber andere Leute sollen sich um sie kümmern?
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