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Analyse

Auch Bundeshaus-Sekretärinnen haben ein Recht auf Pornos und Privatsphäre

Die «NZZ» bringt den Fall einer Bundeshaus-Angestellten an die Öffentlichkeit, die in ihrer Freizeit ihren Twitter-Account mit eigenen Nacktbildern befüttert. Jetzt wurde die Sekretärin geoutet und Medien veröffentlichen ihre Bilder. Das dürfte ein krasser Verstoss gegen die Privatsphäre sein.



Die Suche nach dem Twitter-Profil der Bundeshaus-Sekretärin ist zu Ende. Findige haben den Account, der mittlerweile gelöscht wurde, ausgemacht. Über eine einfache Google-Suche sind die Bilder der Sekretärin indes – in eindeutigen Posen – noch immer leicht zu finden. Dieses Bildmaterial verbreitet sich nun wie ein Lauffeuer über soziale Medien. Und freilich ist ein solcher Fall ein gefundenes Fressen für die Medien, die, so scheint es, arg tief im Sommerloch stecken. Seitdem die «NZZ» das Gebaren der Bundeshaus-Angestellten publik gemacht hat, wird die Geschichte in all ihren Facetten von «Blick» und «20 Minuten» ausgekostet. Die Medienlawine ist ins Rollen gekommen. 

Unter dem Titel «So wild treibts die Porno-Sekretärin!» zeigt der «Blick» eine Auswahl der von der Sekretärin über Twitter verbreiteten Nacktbilder: Die Sekretärin beim Sex, beim Nackt-Selfie im Bundeshaus, mit gespreizten Beinen auf dem Bett und sonst wo. Das Echo der Internet-Community ist gewaltig, sogar die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über den Fall. Ironie der Geschichte: Die «NZZ» erinnert daran, dass auch Angestellte im Bundeshaus ein Anrecht auf Persönlichkeitsschutz haben. Dabei hat gerade sie, die alte Tante, die Geschichte ins Rollen gebracht. Dass sich daraus ein solch enormer Medien-Hype ergeben würde, war abzusehen. 

«Ich habe sofort eine interne Untersuchung veranlasst und die Mitarbeitenden darüber informiert.»

Philippe Schwab, Generalsekretär der Bundesversammlung

Noch am Mittwochabend teilten die Parlamentsdienste mit, dass die Mitarbeiterin freigestellt worden sei. Die Freistellung gelte bis die Faktenlage geklärt und über die personalrechtlichen Folgen entschieden sei, so die Verwaltung weiter. Und der Generalsekretär der Bundesversammlung, Philippe Schwab, schreibt in einer Mitteilung ans Parlament: «Ich habe sofort eine interne Untersuchung veranlasst und die Mitarbeitenden darüber informiert. Sollten sich die Behauptungen bestätigen, so werde ich unverzüglich die erforderlichen Massnahmen treffen, um den guten Ruf des Parlaments und seiner Dienst zu wahren.» Wie die Geschichte ausgeht, dürfte schon jetzt feststehen.

Vor fünf Jahren führte der Blick eine Gemeindeangestellte wegen SM-Bildern vor – und wurde verdonnert

Das Ganze erinnert an einen Fall, der bereits über fünf Jahre zurückliegt. Damals druckte der «Blick» unter dem Titel «Sado-Maso im Sozialamt» auf drei Seiten mehrere Bilder von einer «Sado-Maso-Website». Darauf posierte die «Leiterin des Sozialamts» einer kleinen Gemeinde im Zürcher Unterland als «Sex-Sklavin». Das Gesicht der Frau wurde zwar verpixelt, hingegen nannte der Bericht die Website, die Gemeinde und den Vornamen der Betroffenen. Dadurch wurde die Frau auch über ihr nächstes Umfeld hinaus erkennbar gemacht.

Bild

Am 30. Juni 2009 veröffentlichte der «Blick» unter dem Titel «Sado-Maso im Sozialamt» über drei Seiten mehrere gross- und kleinformatige Bilder von einer «Sado-Maso-Website».

Der Presserat kam zum Schluss, dass der «Blick» die Sexbilder der jungen Frau nicht hätte abdrucken dürfen – auch wenn diese im Internet zugänglich seien. Er bestätigte damit einmal mehr seine Haltung, dass Bilder aus dem Internet nicht automatisch frei für jede weitere Veröffentlichung seien.

In «krasser Weise die Privatsphäre verletzt»

Der «Blick» habe damit in krasser Weise die Privatsphäre der Frau verletzt, argumentierte der Presserat weiter. Denn im Internet sei die Frau unter einem Pseudonym aufgetreten und es habe keinerlei Hinweise auf ihre berufliche Tätigkeit und ihren Arbeitsort gegeben. Ausserdem habe kein öffentliches Interesse daran bestanden, dass der «Blick» diese Fotos von einer privaten Website abgedruckt und damit einem wesentlich grösseren und ganz anderen Publikum zugänglich gemacht habe, so der Presserat in der damaligen Stellungnahme. «Auch Amtspersonen haben ein Recht darauf, dass ihre Privatsphäre respektiert wird.»

Wenn Medien darüber berichteten, dass von einer solchen Person Sexbilder im Internet abgerufen werden könnten, befriedige das allenfalls die Neugier des Publikums. Der Presserat kam zum Schluss: «Ein schützenswertes öffentliches Interesse an solchen Informationen gibt es in der Regel nicht – selbst dann nicht, wenn die Amtsperson eine hohe Stellung hat oder prominent ist.» Zu einem ähnlichen Schluss dürfte der Presserat auch im aktuellen Fall kommen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • tomdance 07.08.2014 08:49
    Highlight Highlight Neben der offensichtlichen Verletzung der Privatsphäre der jungen Frau, egal welche Art von Fotos sie veröffentlicht, wiegt für mich viel schwerer, dass die Geschichte nicht vom Blick sondern von der NZZ "angestossen" wurde. Dass dann der Blick, dessen Chefetage sich vermutlich ärgert, dass man die Geschichte nicht selber gefunden hat, unbesehen aller moralischen Fragen auf den Zug aufspringt ist nicht überraschend.

    Die NZZ hat aber ein veritables Eigentor geschossen. Die einst seriöse alte Dame hat sich, vielleicht unter dem Druck der Paywall, in Richtung Boulevard verabschiedet. Schade.
    • MediaEye 07.08.2014 14:12
      Highlight Highlight Paywall ist sowieso Scheisse. da mache ich nicht mit.

      Und man kennt ja den "Blick" also was erwartest Du?

      Aber ja, dies ist echt KEIN Thema für die alte Tante !!!
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 07.08.2014 08:48
    Highlight Highlight Da kommt einmal ausnahmsweise etwas Vernünftiges aus Bern, und die heuchlerischen Moralapostel beginnen zu hyperventilieren.
  • Hans der Dampfer 07.08.2014 07:56
    Highlight Highlight in ihrer freizeit kann sie das von mir aus machen aber sicher nicht an ihrem arbeitsplatz. ich halte die freistellung daher für angemessen. entlassen wird sie ja eh nicht.
    • MediaEye 07.08.2014 14:13
      Highlight Highlight das ist ja noch gar nicht so sicher, Leute wurden schon für viel weniger entlassen.
  • Muse_Dom 07.08.2014 07:25
    Highlight Highlight Die Frage die sich mir stellt ist: Wie viel Privatsphäre möchte die Dame überhaupt?
    Nacktfotos von sich, mit erkennbarem Gesicht, und offenbar freiwillig (also kein Versehen, böser EX-Freund, etc.), auf dem Internet zu publizieren zeugt für mich nicht von Öffentlichkeitsscheuheit, dafür aber von einer grossen Naivität wenn sie wirklich davon ausgegangen ist, dass so etwas unentdeckt bleibt.
    • Zeit_Genosse 07.08.2014 11:01
      Highlight Highlight Eben diese Naivität hätte man erahnen können und sie schützen müssen. Aber sie war ein zu "heisses Eisen", dass sich jemand vom Bundeshaus vor sie hinstellt und jetzt wird sie von den Medien "gefressen".
  • Le_Urmel 06.08.2014 23:50
    Highlight Highlight Ich denke im Bundeshaus gestehen stossendere Dinge als ein paar Pornos einer Angestellten, aber die Welt und auch die Schweiz wird immer prüder.

    Solange sie ihre Arbeit macht, sind diese Fots ihre Sache
  • MM 06.08.2014 22:21
    Highlight Highlight Wie die Zeit vergeht .... Schon 2014!

    Eine kleine "Korrektur" nur: in der Überschrift des Abschnitts zum Fall des Blicks vor 5 Jahren steht, es sei vor 3 Jahren gewesen ...
    • Petar Marjanović 07.08.2014 06:16
      Highlight Highlight Danke für den Hinweis! Wurde mittlerweile korrigiert. :-)
  • 300wm 06.08.2014 21:44
    Highlight Highlight Was die Dame in ihrer Privatzeit macht kann uns egal sein, selbst wen sie es postet. Ich finde die Fotos geil.
    Weiter so:-D
  • Michael Mettler 06.08.2014 19:00
    Highlight Highlight Und trotz allem fragt mein 2 jähriger Sohn ob er nicht noch ein Stück Käse essen darf... dieweltdrehtimsommerimmerandersalssonst
    • MediaEye 07.08.2014 14:15
      Highlight Highlight Sommerloch und saure GurkenZeit eben
  • roescheli 06.08.2014 18:32
    Highlight Highlight das stimmt, das hat sie aber nicht in der firma, in der man arbeitet.. da drängen sich mir noch mehr fragen auf.. bin nicht prüde oder so aber bilder zu machen im büro ist das eine aber sie noch zu posten.. sorry.. nicht sehr clever..
  • Randen 06.08.2014 17:56
    Highlight Highlight Ist schon zu spät! NSA und andere haben die Bilder schon meine Damen und Herren in Bern! Wir müssen das Land sofort evakuieren!
  • joe 06.08.2014 16:24
    Highlight Highlight Eine ähnliche Problematik tauch auch immer wieder nach Katastrophen auf. Da bediehnen sich die Medien auch an Bildern aus sozialen Netzwerken. Gerade wieder passiert nach dem im Fall der MH17.
    Dazu hier ein sehr guter Artikel: http://www.bildblog.de/59246/die-opfer-der-medien/
  • MediaEye 06.08.2014 15:46
    Highlight Highlight Na dann kann sich der Blick wohl auf eine weiter diesmal höhere Zahlung, weil Wiederholungstäter, einrichten
    • Grigor 06.08.2014 17:05
      Highlight Highlight Leider nicht. Der Presserat hat diesbezüglich keinerlei Möglichkeiten, da werden nur Rügen oder ähnliches ausgesprochen. Das schlimmste für den Blick ist demnach eine Richtigstellung die sie aber sehr klein halten können, so dass es niemand sieht. Ansonsten müsste das Opfer privat gegen den Blick klagen. Aufgrund der hohen Kosten für ein solches Verfahren wird dies aber nie gemacht. Leider. Das die Glaubwürdigkeit der Medien/Journalisten ständig sinkt, sehen sie offensichtlich nicht als Folge davon.
    • eldo 07.08.2014 08:34
      Highlight Highlight Leider hat Grigor Recht. Aber ich spendiere die ersten 100.-- um endlich eine solche Verletzung der Privatsphäre vor den Richter zu bringen!
    • MediaEye 07.08.2014 14:17
      Highlight Highlight @WyssMa; nein, es ist belegt, dass Blick eine Busse abdrücken musste, auch wenn man das dann Wiedergutmachung oder sonstwie nannte

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