Schweiz
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Bundesraetin Eveline Widmer-Schlumpf, rechts, diskutiert mit Alt Bundesrat Samuel Schmid, links, waehrend der Delegiertenversammlung der BDP Schweiz, in Bern, am Samstag, 31. Oktober 2015. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Auch Alt-Bundesrat und BDP-Mitbegründer Samuel Schmid kam, um seine Unterstützung zu signalisieren.
Bild: KEYSTONE

«Todgeweihte leben länger!» – zu Besuch an der BDP-Motivations... «äh!» -Delegiertenversammlung!

An der ersten BDP-Delegiertenversammlung nach Wahlverlusten und mit definitiv nicht mehr antretender Bundesrätin redete man sich vor allem gut zu. Ob dies den BDP-Parlamentariern für die kommenden anstrengenden Jahre in Bundesbern reicht? 



Der neugewählte BDP-Natonalrat Duri Campell schiebt nachdenklich und mit gesenktem Kopf das Wasserglas auf dem Tisch vor sich hin und her, als die BDP-Delegiertenversammlung sich am Samstag mitten auf ihrem emotionalen Höhepunkt befindet: Es ist nicht etwa die Rede der abtretenden Bundesrätin, sondern die Verabschiedung von Campells Vorgänger, dem charismatischen und gern gesehenen Bündner Nationalrat Hansjörg Hassler.

Mit der Aussage: Dieses Bundesbern hinter sich zu lassen, darüber könne der vielleicht sogar froh sein, sorgt Ex-BDP-Präsident Hans Grunder im Abschiedsvideo für den einzigen herzhaften Lacher dieser Zusammenkunft: «Wenn man gesehen hat, wie viele SVPler und was für ‹strubi Cheibe› da jetzt nach Bern kommen.»

Der neu gewaehlte Buendner Nationalrat Duri Campell (BDP, links), und der bestaetigte Staenderat Stefan Engler (CVP), aufgenommen am Sonntag, 18. Oktober 2015, vor dem Wahlstudio von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha RTR in Chur. Heute finden die eidgenoessischen Wahlen 2015 in der Schweiz statt. Dabei werden die 200 Mandate des Nationalrates sowie 45 der 46 Mitglieder des Staenderates neu gewaehlt. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der neu gewählte Nationalrat Duri Campell (links) und der bestätigte Ständerat Stefan Engler schütteln einander am Wahlsonntag die Hände.
Bild: KEYSTONE

Zwei, drei Mal schielt Campell während der Rede seines Vorgängers zur Bundesrätin hoch. Sie sitzt ihm gleich gegenüber. Eveline Widmer-Schlumpf hatte ihn gehütet, als er noch ein Kind war. Es wäre in Bern für den 52-jährigen Bergbauer einfacher geworden, wenn sie das in seiner ersten Zeit im Nationalrat auch wieder getan hätte.

Ausserordentlich viele Delegierte kamen am Samstag in den Berner Kursaal, 171 von rund 210. «Wir wollen wissen, wie es weiter geht», sagt eine junge Zürcher Delegierte, kurz bevor es losgeht. «Wir wollen Eveline Widmer-Schlumpf feiern», sagt ein anderer. Keiner der beiden hat gekriegt, was er wollte. Für Eveline Widmer-Schlumpf gab es zwar zwei Mal Standing Ovations und ein Grossmutter-Kit mit Memoryspiel, von einer Feier konnte man aber angesichts der wahrlich zierlichen Zierkürbis-Deko und den Wasserflaschen «mit/ohne» auf den Tischen nicht sprechen. Über konkrete Zukunftspläne sprach auch niemand.

Viel mehr fühlte sich diese Delegiertenversammlung ein wenig wie ein Motivationsseminar an: Parteipräsident Landolt eröffnete mit: «Wir sind gekommen, um zu bleiben!» Die Präsidentin der Berner BDP-Fraktion Anita Luginbühl übernahm mit: «Fange nie an aufzuhören! Höre nie auf anzufangen!» Die Bundesrätin hielt es mit Pfarrer Kurt Marti: «Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, ‹wo kämen wir hin› und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.»

Am Ende der Versammlung hatten es die BDPler intus: «Todgeweihte leben länger», sagte die Zürcher Kantonsrätin Cornelia Keller danach bei Kartoffelsalat und Fleischkäse mit Senf: «Jetzt können wir zeigen, wer wir sind – eben kein Widmer-Wahlverein, sondern eine bodenständige Mittepartei mit liberalen Werten und innovativen Lösungen.» Wie zum Beweis dafür wurden im Vorfeld Papiere mit den «wichtigsten BDP-Meilensteine im Zeitraffer» seit 2008 an die Journalisten verteilt.

Ein Luftballon mit dem BDP Logo haengt an einer Heizung, an der Delegiertenversammlung der BDP Schweiz, in Bern, am Samstag, 31. Oktober 2015. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Einer der diesen Lösungen jetzt Gehör, erheblich mehr Gehör als bisher, verschaffen muss, ist Bergbauer Duri Campell. Keine einfache Aufgabe, umso mehr für den nicht gerade pointierten Redner Duri Campell. Er will mit «harter Arbeit» punkten, sagt er, mit «weniger Partei-, sondern Sachpolitik» und «Feinjustierungen in der Agrarpolitik». Campell will «die Tourismus-Lobby stärken», erklärt er vor den BDPlern – eine Lobby, die so viel Verstärkung in Bern gar nicht mehr braucht.

«Du bist jetzt der einzige Landwirt in der Fraktion», interviewt ihn BDP-Generalsekretärin Nina Zosso weiter: «Aber das ist kein Problem für dich, oder?», fragt sie, und Campell antwortet prompt: «Doch!». Da er eher der Teamplayer sei, werde er sich schon Hilfe holen, für die dicken Dossiers.

Ein wenig Hilfe wird er brauchen können.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Calvin Whatison 01.11.2015 11:49
    Highlight Highlight in einem Punkt ist diese Partei eine Gewinnerin. Gewonnen, weil Grunder nicht mehr Partei Präsident ist (diese Selbstherrlichkeit und Arroganz, zum ko....). Ihr Zugpferd geht Ende Jahr, die Wahlen verloren, bin darauf gespannt, wie diese Partei Stimmen machen will.
  • Angelo C. 31.10.2015 18:29
    Highlight Highlight Äusserst sinniger Titel - mehr gibt es aus meiner Sicht nicht dazu zu sagen 😑!

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