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Wie O-Bikes, nur schneller: Zürich gibt grünes Licht für Leih-Scooter

Leih-Velos wie die der Firma O-Bike prägen seit diesem Sommer das Zürcher Stadtbild. watson weiss: Bald rollen in der Limmatstadt auch Miet-Töffs durch die Strassen. Verkehrsminister Leutenegger plant einen einjährigen Pilotversuch.
19.12.2017, 08:0219.12.2017, 08:03

Sie sind der Trend am Velohimmel: Leih-Bikes, die man mieten und abstellen kann, wo man will.

In Zürich teilen sich diesen Markt seit einigen Wochen zwei Anbieter: das Unternehmen O-Bike aus Singapur, das diesen Sommer mit seinen gelben Velos die Stadt flutete und damit für böse Schlagzeilen sorgte, und LimeBike, die US-Firma, die alles besser machen will. 

Nun erhalten die grellen Velos Konkurrenz der schnellen Sorte. Tiefbauamt-Vorsteher Filippo Leutenegger (FDP) gibt auf Anfrage von watson bekannt: Nach Gesprächen mit vier Anbietern gibt die Stadt grünes Licht für Leih-Stromroller-Angebote. 

«Wir beabsichtigen mit den E-Scooter-Anbietern einen einjährigen Pilotversuch zu starten.»
Filippo Leutenegger (FDP)

Eine Premiere in der Deutschschweiz: Bis auf die Stadt Genf waren Sharing-Stromroller hierzulande bisher noch kein Thema.

E-Scooter-Sharingdienste sind in europäischen Metropolen auf dem Vormarsch.
E-Scooter-Sharingdienste sind in europäischen Metropolen auf dem Vormarsch.
Bild: sharingdienst coup

Für den Verleih sollen vorläufig nur E-Scooter mit maximal 45 km/h zugelassen werden, so Leutenegger. Um welche vier Anbieter es sich handelt, will der Stadtrat aus «Vertraulichkeitsgründen» nicht verraten.

Für jede dieser Firmen werde die Anzahl Scooter im Pilotjahr auf 250 beschränkt. Schicken also alle interessierten Verleih-Unternehmen Fahrzeuge in den Verkehr, könnten sich bald 1'000 Leih-Stromroller auf den Zürcher Strassen tummeln. 

«Coup» nicht dabei
Das Bosch-Tochterunternehmen «Coup», einer der grossen Playern im Scooter-Sharing in Europa, gehört nicht zu den Interessenten. Auf Anfrage heisst es, es sei bisher keine Expansion nach Zürich geplant. Dasselbe gilt für das Unternehmen mo2drive, das sein Service bisher in Wien anbietet. Auch der französische Anbieter Cityscoot verneint. Diese Firma führt jedoch Gespräche mit der Stadt Genf, wie die westschweizer Zeitung 20 Minutes im September berichtete. 

Freies Parkieren – mit Einschränkungen

Die Anbieter müssen laut dem Stadtrat gewisse Auflagen befolgen. So müssen die umweltfreundlichen Roller zwingend versichert sein und in Zweirad-Abstellanlagen parkiert werden. Dort dürfen Verleih-Zweiräder jedoch nicht mehr als 10 Prozent der Plätze belegen. Überzählige oder vorschriftswidrig abgestellte E-Vespas würden von ERZ Entsorgung + Recycling kostenpflichtig eingezogen, so Leutenegger.

In den Zweirad-Abstellanlagen dürfen nicht mehr als 10 Prozent der Plätze von Verleih-Zweirädern belegt sein.
In den Zweirad-Abstellanlagen dürfen nicht mehr als 10 Prozent der Plätze von Verleih-Zweirädern belegt sein.
bild: maps.stadt-zuerich.ch

Vor dem Losrollen mit den Scootern ist die Registrierung in einer App nötig. Dabei müssen der gültige Führerschein, ein Personalausweis und eine Kreditkarte vorgewiesen werden. Um die E-Vespas nutzen zu dürfen, muss man bei den meisten Anbietern ausserdem 21 Jahre alt sein. Je nach Anbieter liegen ein oder zwei Helme in einer Box oder unter dem Rollersitz.

Ein genaues Datum zur Lancierung der Leih-Roller in Zürich ist nicht bekannt. In der Limmatstadt braucht es für die Free-Floating-Angebote keine Bewilligung, anders als etwa in Luzern oder Bern. Konkret: die Stadt hat den Anbietern nun die Spielregeln erläutert – wann genau die Firmen ihre E-Vespas platzieren, ist ihnen selbst überlassen. Vermutlich wird dies aber erst im Frühjahr 2018 passieren. Die Witterung der Wintermonate ist für die E-Scooter ungeeignet. 

Das Besondere beim sogenannten «Free-Floating-Sharing» ist: Die Benutzer müssen ihr Velo, Scooter oder Auto nicht an einem fixen Standort zurückgeben. Das sorgte bei den O-Bikes für Zündstoff. Der Vorwurf: Häufig werden die Fahrräder irgendwo abgestellt oder sie verstopfen die bestehenden Velo-Abstellplätze. 

Ähnliches befürchtet der Stadtzürcher GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim auch mit den Stromrollern. Im September sagte er zu watson: «Es gibt in Zürich bereits jetzt einen Mangel an Rollerabstellplätzen. Wo sollen die denn hingestellt werden?» Dieser Problematik ist sich auch Filippo Leutenegger bewusst: «Ich habe das Tiefbauamt angewiesen, die Situation zu überprüfen und einen Vorgehensvorschlag zu machen.»

In Genf ab 2018

Auch in der Stadt Bern stösst das Thema Leih-Stromroller auf Interesse. Zwar sei derzeit nichts Konkretes geplant, es würden aber diverse Gespräche geführt und der Markt genau beobachtet werden, heisst es auf Anfrage. Der Kanton Genf seinerseits schmiedet bereits sehr konkrete Pläne: Ein Projekt zur Einführung eines Motorradverleihs, der nach dem Free-Floating-Sharing-Prinzip funktioniert, soll bereits ab Anfang 2018 eingeführt werden.

«Die Stadt ist wieder mal dicht und die Zeit wird knapp? Lieber Fahrtwind im Gesicht als die Achsel vom Typen neben dir?»
Werbeslogan eines Anbieters

E-Scooter-Sharingdienste sind in europäischen Metropolen auf Vormarsch. In Berlin und Paris bieten gleich mehrere Firmen die wendigen Zweiräder zum spontanen Mieten an. Die Werbung der Stromroller zielt dabei klar auf genervte Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel: «Die Stadt ist wieder mal dicht und die Zeit wird knapp? Lieber Fahrtwind im Gesicht als die Achsel vom Typen neben dir?», heisst es bei einem der Anbieter.

Laurent mag keine oBikes

Video: watson/Laurent Aeberli, Emily Engkent

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