Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das «Projekt 1961»: Über 14 Staustufen mit dem Schiff von Basel in den Bodensee

Das Buch zum Hafenkran – Teil 3

«Die Hochrheinschiffahrt ist ein Lebensnerv für die Ostschweiz, auch wenn Ihr Zürcher nicht daran glauben wollt»

Der Plan, die Schweiz mit einem Netz von Wasserstrassen zu überziehen, hatte nicht nur Freunde. Der Rheinfall und die Stromlandschaft bei Rheinau wurden in den 50er Jahren zum Symbol des Widerstandes.

Andreas Teuscher



Seit Anfang des 20. Jahrhunderts schmiedeten Ingenieure und Behörden Pläne dafür, dem Rheinfall mit Schiffen zu Leibe zu rücken. Für die projektierte Schiffbarmachung des Hochrheins vom Basel bis zum Bodensee stellte er das grösste Hindernis dar. Von der vollständigen Sprengung bis zur weitläufigen Umschiffung wurde alles zu Papier gebracht.

Am meisten Aussicht auf Verwirklichung hatte die Variante, in der die Schiffe kurz vor den reissenden Fluten in einer Schleuse emporgehoben werden sollten. Durch einen Tunnel wären sie oberhalb des Rheinfalls wieder in den Fluss gelangt. Der Wasserfall selbst wäre dabei kaum beeinträchtigt worden, die nähere Umgebung schon. 

schweiz am meer

Mit Schleuse und Tunnel sollte der Rheinfall umschifft werden. Modell, ausgestellt an der Landi 1939. Bild: Schweizer Illustrierte Zeitung, Nr. 39, 1939

«Braungrüne Schleusentümpel»

An der Landesausstellung 1939, an der dieser Plan in Form eines riesigen Modells in den Hallen der Schifffahrt ausgestellt wurde, sorgte er noch kaum für Aufsehen. Als jedoch Anfang der 50er Jahre ein Stück weiter flussabwärts das Kraftwerk Rheinau gebaut werden sollte, entstand eine Protestbewegung, wie sie die Schweiz noch nie zuvor gesehen hatte. Die Staustufe sollte der Stromerzeugung dienen, zugleich auch den Wasserstand heben und damit die Schifffahrt bis zum Rheinfall ermöglichen. 

schweiz am meer

Plan mit eingezeichnetem Kraftwerk Rheinau, wie es 1954 in Bau ging. Der Schifffahrtstunnel verliess nie das Planungsstadium.  Karte: Wasser- und Energiewirtschaft, Nr. 5/6/7, 1954

«Der Rheinfall in Gefahr!» titelten die Schaffhauser Nachrichten am 20. Januar 1951 und brachten damit den Stein ins Rollen. Schon bald protestierten 15'000 aufgebrachte Menschen auf der Rheinau-Halbinsel. Auf den Transparenten standen Dinge wie «An das Schandbrett mit den Heimatschändern!» oder «Wir wollen hier kein Kraftwerk – Das Volk».

Und noch viel schlimmer als das Kraftwerk sei die Hochrheinschifffahrt, wenn sie denn kommen sollte, wetterten die Redner an der Kundgebung. Die Schifffahrtspläne wurden als «bedenkliches Zeichen technischer Hybris, die kein Mass mehr kennt» verschrien; die Rede war von «braungünen Schleusentümpeln», die den jetzt noch «kraftvoll dahinströmenden Rhein» zu ersetzen drohten. 

«Krieg zwischen St. Gallen und Zürich»

Obwohl das Kraftwerk bereits rechtsgültig konzessioniert war und der Baubeginn schon bald erfolgen sollte, waren innert Kürze 150'000 Unterschriften für eine Volksinitiative gegen das Kraftwerk gesammelt. Angesichts dieses geballten Protestes sah man sich in St. Gallen gezwungen, zu handeln. Denn wie kaum eine andere Region erhoffte sich die krisengebeutelte Ostschweiz von der Hochrheinschifffahrt den dringend benötigten Aufschwung. 

Das St.Galler Tagblatt machte aus der Rheinaufrage ein «lebenswichtiges Interesse» der Ostschweizer Bevölkerung, die «Anspruch darauf hat, alles vorzukehren, um ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern». Deshalb gelte es zu verhindern, dass «Schaffhauser und Zürcher Sonderinteressen» am Rhein den Ostschweizern die Hochrheinschifffahrt vermiesen. Zu diesem Zweck wurde sogleich eine Gegenkundgebung für das Kraftwerk und für die Schifffahrt einberufen, die allerdings mit rund dreitausend Teilnehmern vergleichsweise mässigen Zulauf verzeichnete. 

schweiz am meer

Werbung für die Hochrheinschifffahrt an der Olma 1952: «Schiffahrt Basel - Bodensee – Lebenswichtig für die Ostschweiz» Bild: Strom und See, Nr. 10, 1952

«Krieg zwischen St. Gallen und Zürich», titelte die Zürcher Wochenzeitung Die Tat und veröffentlichte ein mehrseitiges Streitgespräch mit Vertretern beider Seiten, in dem nicht viel mehr als die Verhärtung der Fronten manifest wurde. Während die eine Seite das Schicksal der gesamten Ostschweiz auf dem Spiel sah («Die Hochrheinschiffahrt ist ein Lebensnerv für die Ostschweiz, auch wenn Ihr Zürcher nicht daran glauben wollt»), wollte die andere Seite das Argument, das Rheinau-Werk sei eine notwendige Bedingung für die Schifffahrt, nicht gelten lassen. 

Doch die St. Galler stiessen mit ihren Klagen auf Gehör. Sogar der Schweizer Heimatschutz gestand schliesslich kleinmütig ein, dass das «Wohl und Wehe eines ganzen Landesteils» eine ernste Sache sei und der Schiffbarmachung des Hochrheins keine Steine in den Weg gelegt werden sollten. 

«Gesetze mit rückwirkender Wirkung stehen im Geruch der Willkür»

Als 1954 an der Urne über das Kraftwerk Rheinau abgestimmt wurde, waren die Bagger bereits vorgefahren. Obwohl dem Anliegen der Initianten viel Sympathie entgegengebracht wurde, hatte die Initiative an der Urne keine Chance. Besonders heftig war die Ablehnung in St. Gallen: Über 80 Prozent sprachen sich dort gegen die Initiative aus.

schweiz am meer teuscher buch

Schweiz am Meer

von Andreas Teuscher
- Buch bestellen
- Die Ausstellung zum Buch
- Schweiz am Meer auf Facebook

Die NZZ schrieb am Abstimmungssonntag von einem «St. Galler Bekenntnis für die Rheinschiffahrt» und fügte an, dass «Gesetze mit rückwirkender Wirkung im Geruch der Willkür stehen». Wo käme man hin, wenn das Volk rechtsgültige Baubewilligungen im Nachhinein rückgängig machen könnte? Ähnliche Vorbehalte werden heute gegen die Zürcher Initiative «Hafenkräne Nein» ins Feld geführt. Aber das ist ein anderes Thema. 

Rheinau besiegelte noch nicht das Ende des Hochrheinprojektes. Ende der 50er Jahre erarbeitete die Schweiz zusammen mit Deutschland das «Projekt 1961» für die Schiffbarmachung des Rheins von Basel bis zum Bodensee. Einmal mehr wurden neue Pläne gezeichnet, Normen festgelegt und das weitere Vorgehen besprochen. Doch schon bald sollte kein Hahn mehr nach der Schiffbarmachung des Hochrheins krähen. Der Fokus der Behörden – und der Umweltschützer – wandte sich anderen Problemen wie dem Autobahnbau zu. St. Gallen ist trotzdem nicht untergegangen. 

Bereits publiziert: 

Weiterlesen zum Thema Hafenkran >>>

Das ist der schönste «Hafenkäse» der Welt!

So sieht der vollendete Hafenkran aus

Interview mit Jan Morgenthaler von Zürich Transit Maritim

Die ersten Bilder des Hafenkrans in Zürich

Zürcher Hafenkran im Aufbau

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

Link zum Artikel

Demo gegen Hass in Zürich

Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

75
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

470
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

30
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

91
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

171
Link zum Artikel

Demo gegen Hass in Zürich

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

9
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

102
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

363
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Siehst du öfters diesen Vogel? Das hat einen bestimmten Grund

75
Link zum Artikel

Teenie-Idol Billie Eilish (18!) macht Bond-Song. And WHY NOT? Könnte geil werden

73
Link zum Artikel

Weshalb sich Experten nach dem Freispruch der Klimaaktivisten an den Kopf fassen

470
Link zum Artikel

Der lange Weg des Daniele Sette zu seinen ersten Weltcup-Punkten – mit 27 Jahren

3
Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Kreditkarten – so schützen uns die Karten-Detektive

30
Link zum Artikel

5 idiotische Menschentypen, die es im Leben einfacher haben als du

60
Link zum Artikel

Das Wahljahr hat begonnen und Donald Trump steht ziemlich gut da

91
Link zum Artikel

«Warum können viele Männer nicht mit einem Korb umgehen?»

326
Link zum Artikel

Grün wie die Hoffnung – hier kommt das erste Quizz den Huber im 2020!

71
Link zum Artikel

Déjà-vu für die Queen: Als eine geschiedene Amerikanerin den Briten ihren König stahl

28
Link zum Artikel

So viele Ordnungsbussen werden in Basel verteilt – und das sind die häufigsten Vergehen

171
Link zum Artikel

Demo gegen Hass in Zürich

20
Link zum Artikel

«Habe versucht, so cool wie möglich zu tun» – die Stimmen zu Rinnes rarem Goalie-Goal

7
Link zum Artikel

Sie war Junkie, Kult und Bitch – jetzt ist Elizabeth Wurtzel gestorben

9
Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

102
Link zum Artikel

Ein Shitstorm entlädt sich über Roger Federer – und Greta Thunberg ist mitschuldig

363
Link zum Artikel

Besser extra zu spät als nie: PICDUMP!

131
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Exzessive Personenfreizügigkeit» und «Asylstrom» – so war Blochers Albisgüetli-Rede

Christoph Blocher hat die traditionelle Albisgüetli-Tagung der Zürcher SVP zu einer – streckenweise improvisierten – Standortbestimmung genutzt. Einen thematischen Schwerpunkt setzte er nicht.

Seine alljährliche Rede war dieses Mal viel mehr eine Tour d'Horizon durch die Weltsicht des SVP-Übervaters. Angekündigt war die Rede von der Partei als «markante und richtungsweisende Standortbestimmung und Einschätzung der politischen Lage».

Ein auf Publikums-Lacher bedachter Christoph Blocher eröffnete sie mit einer Polemik auf die neu gewählten rot-grünen Bundesparlamentarierinnen und zog über deren Berufe her.

So ernteten sowohl die Berufsangaben «Doktorandin», «Koordinatorin» oder …

Artikel lesen
Link zum Artikel