Schweiz
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Kalkbreite Genossenschaft Zürich
Bild Müller Sigrist Architekten

Die Kalkbreite, ein Vorzeige-Genossenschaftsbau in Zürich. Bild: Müller Sigrist Architekten

Mehr Platz für Familien

Sollen Rentner grosse Wohnungen räumen?

Eine deutsche Gewerkschaft fordert vom Staat eine Umzugsprämie für Senioren, damit junge Familien in deren Wohnungen einziehen können. In der Schweiz stösst die Idee auf wenig Gegenliebe.



Familien haben es in Zürich nicht leicht, eine Wohnung zu finden. Dass Senioren in Apartments leben, die viel zu gross für sie sind, macht es nicht gerade besser. Der Chef der deutschen Gewerkschaft IG-Bau präsentiert in der Bild-Zeitung eine mögliche Lösung für das Problem: Der Staat soll Rentner mit einer Prämie von bis zu 5000 Euro finanziell unterstützen, damit diese ihre Wohnungen für Familien freigeben.

In der Schweiz löst der Vorschlag keine Begeisterung aus. Peter Keller von der Baugenossenschfat Denzlerstrasse Zürich sagt: «Sobald der Staat eingreift, gibt es eine Reglementierung. Und das ist nie gut.» Es würde verhindern, dass man individuell auf die Bedürfnisse der Leute eingehen könne. Man müsse ihnen ihre Freiheit lassen und auf die Eigenverantwortung setzen.

Soll der Staat Senioren mit einem finanziellen Anreiz dazu animieren, grosse Wohnungen freizugeben?

«Wieso soll jemand in eine kleinere Wohnung ziehen, die doppelt so viel kostet?»

Jacqueline Badran

«Die meisten Menschen sind vernünftig genug», so Keller. Die älteren Leute, deren Kinder ausziehen, merkten in der Regel selbst, dass eine Familie ihre Wohnung nun besser gebrauchen kann und ziehen aus. Und wenn sie es selbst nicht merken, dann meist auf sanften Druck der Genossenschaft.

«Viele Senioren hüten Kinder» 

Genauso sehen das die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), die grösste Genossenschaft der Schweiz, und die Zürcher Gewobag. Gewobag-Geschäftsführer Lorenz Meng hält zudem fest: «Viele Senioren hüten Kinder. So wird ein Zimmer zwar nicht permanent genutzt, ist aber trotzdem wichtig.» 

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die gegen die Wohnungsnot in Zürich kämpft, sieht in dem Vorschlag nur ein «Workaround in einem kranken System». «Die Leute ziehen nicht aus ihren Wohnungen aus, weil die Mieten in Zürich zu teuer sind. Wieso soll jemand in eine kleinere Wohnung ziehen, die doppelt so viel kostet?» 

Da nütze auch eine Zügelhilfe von 5000 Franken nichts. Eine solche Prämie wäre nicht als eine Subvention für die Mieteigentümer. Eine bessere Lösung sei, mit gemeinnützigem Wohnungsbau günstigen Wohnraum zu schaffen, findet Badran.

Auf politischer Ebene sind solche Bemühungen bereits im Gang. Der Zürcher Kantonsrat hat im September 2014 den Gegenvorschlag zur Volksinitiative «für mehr bezahlbahren Wohnraum» angenommen. Die Gemeinden haben nun mehr Instrumente, den preisgünstigen Wohnraum zu fördern.

Was findest du? Läuft genug, damit es wieder zahlbare Wohnungen gibt? Und was hälst du von der Idee, dass der Staat ältere Leute mit finanziellen Anreizen aus grösseren Wohnungen locken soll?

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chaose 07.02.2015 12:49
    Highlight Highlight Ältere Menschen sind genau so wichtig wie junge Familien! Zudem ist für ältere Leute ihre Wohnung oft emotional sehr wichtig, weil sie da verwurzelt sind. Sie würden leiden, wenn man sie zum zügeln zwänge. Eine sehr unmenschliche Idee also, leider symptomatisch für unsere Me-Me-Me-Gesellschaft.
  • Angelo C. 07.02.2015 12:05
    Highlight Highlight SP-Nationalrätin Jacqueline Badran: "Die Leute ziehen nicht aus ihren Wohnungen aus, weil die Mieten in Zürich zu teuer sind. Wieso soll jemand in eine kleinere Wohnung ziehen, die doppelt so viel kostet?" Darin sehe ich eines der Hauptargument gegen ein solches Experiment und Vorgehen in Grossstädten. Grundsätzlich ist es zwar stossend, dass Alleinlebende günstige 4-5 Zimmerwohnungen belegen, während Familien des unteren Mittelstandes ein Grossteil ihres Einkommens in teuerste Wohnungen investieren müssen - so sie denn überhaupt eine finden. Aber da muss man wohl auf die wohlwollende Einsichtsfähigkeit vieler Alter setzen, zumal auch dieses Badran-Argument für ärmere Rentner absolut stichhaltig ist.
  • Hugo Wottaupott 07.02.2015 08:56
    Highlight Highlight In der Theorie sollten die Mieten so billig sein wie nie zuvor (hyp.zins). Wie sieht die Realität aus liebe Vermieter?
  • peter2000 06.02.2015 23:37
    Highlight Highlight Warum ist eine Wohnung für Senioren zu gross. Viele Senioren verbringen doppelt bis drei Mal mehr Zeit in der Wohnung, besonders wenn sie nicht mehr so mobil sind. In einer kleinen Wohnung fällt da schnell mal die Decke auf den Kopf. Es reicht dann, wenn man im Altersheim nur noch 1 kleines Zimmerli zum Leben hat, und dafür mehr als für eine grosse Wohnung bezahlen muss. Mein Eindruck ist, dass die "Alten" nur noch als Kostenfaktor und als überflüssig werden, aber es sind doch die Eltern und Grosseltern der jungen.

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