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Drei Köpfe – eine neue Partei: Wie der Bündner Tourismus nach Bern gelangen soll 

Den Kandidaten der Eidgenössischen Wahlen schauen jetzt auch die Bündner Touristiker auf die Finger: Am Samstag hat der Tourismusdirektor von Arosa in Chur die «Tourismus-Partei» ins Leben gerufen. Im kommenden Wahlkampf will die neue Partei bereits Druck ausüben.



«Die Politiker sollen öffentlich sagen, was sie für den Tourismus tun», sagt Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa, zur «Schweiz am Sonntag».

Frank Baumann, Festivaldirektor, Samih Sawiris, Verwaltungsratspraesident Orascom, und Pascal Jenny, Tourismusdirektor Arosa, von links nach rechts, waehrend dem Arosa Humor-Festival bei der Uebergabe Humorschaufel, am Samstag, 7. Dezember 2013, in Arosa.
(PHOTOPRESS/Alexandra Wey)

Will über amtierende Parlamentarier die Branche besser vertreten: Präsident der neuen Partei und Arosas Kurdirektor Jenny. Bild: PHOTOPRESS

Eigene Kandidaten für National- und Ständerat will Jenny in vier Jahren aufstellen. Jenny will mit seiner Partei die Branche auf eine Linie bringen. 

«Es darf nicht sein, dass jeder allein kämpft. Wir müssen uns auf wenige Anliegen einigen und diese geschlossen vertreten.»

Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa

In der Branche bestreitet niemand, dass es an politischer Durchschlagskraft fehlt. «Wir haben keine Hoteliers in Bern. Das merkt man gerade in dieser Krise», sagt Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse und Hotelier in der Lenzerheide.

Andreas Zuellig, Praesident Hotelleriesuisse, und Juerg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, an der Bilanzpressekonferenz am Montag, 23. Februar 2014, in Zuerich. Die Schweizer Hoteliers haben 2014 mehr Gaeste empfangen koennen. Die Zahl der Uebernachtungen nahm um 0,9 Prozent auf 35,9 Millionen zu. Bei den Schweizer Gaesten wurde zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre die Schwelle von 16 Millionen Uebernachtungen erreicht. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

«Die politische Arbeit nimmt einem niemand ab»: Hotelier Züllig. Bild: KEYSTONE

Die anderen Wirtschaftsvertreter würden nur für sich schauen. «Da versucht jeder, zu retten, was zu retten ist.»

«Wir müssen selber in die Hosen steigen: in der Gemeinde, im Kanton, in Bern.»

Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse

Hotelleriesuisse will indirekt den Wahlkampf beeinflussen. Auf einer neuen Website gibt der Verband seit kurzem an, wer aus seiner Sicht «geeignete Kandidaten» sind. Den Hoteliers fehlt für politisches Engagement zumeist die Zeit. Ernst Wyrsch, Präsident des Hotelierverbandes Graubünden, erklärt das so: «Von einem Hotelier erwarten die Gäste, dass er jeden Abend von Tisch zu Tisch geht. Wie soll er daneben noch in Bern politisieren?»

Ernst Wyrsch Präsident von hotelleriesuisse Graubünden

Hoteliers gehen mit der Krise «erwachsen» um: Ernst Wyrsch. bild zvg

Im Bezug auf die Verfügbarkeit im Beruf hätten es die Bauern einfacher. 

«Sie werden von ihren Kühen offensichtlich nicht wirklich vermisst.»

Ernst Wyrsch in Anspielung auf die starke Bauernlobby in Bundesbern

In den nächsten drei, vier Jahren stehe der Branche ein Überlebenskampf bevor. «Wer danach noch steht, der hat eine gute Zukunft vor sich. Aber erst einmal muss er kämpfen.» Wyrsch ist überzeugt, dass es viele nicht schaffen werden. «Vor dem Frankenschock waren es jährlich 50 bis 60 Schliessungen. Dabei wird es nicht bleiben.» (kad)

Politische Stimme für den Tourismus

In Chur ist am Samstag die Tourismus-Partei.CH gegründet worden. Ihr vorläufiges Ziel sind nicht eigene Vertreter im Nationalrat. Vielmehr will sie angehende Parlamentsmitglieder unterstützen, die sich für den Tourismus engagieren. Der Fremdenverkehr sei mit einer Bruttowertschöpfung von 16,2 Milliarden Franken und gegen 170'000 Arbeitsplätzen ein bedeutender Wirtschaftszweig in der Schweiz, hiess es im Communiqué zur Gründung der jüngsten Schweizer Partei. In Graubünden hänge gar jede vierte Stelle vom Tourismus ab. Der Tourismus brauche in Bern nicht nur Lobbying, sondern starke Stimmen, schrieb die Partei. Sie will darum engagierte und tourismusnahe Nationalratskandidaten im Wahlkampf unterstützen. Gleichzeitig will sie ihren eigenen Aufbau vorantreiben, namentlich in Tourismus-Kantonen wie Bern, Graubünden, Wallis und Tessin. Ob sie sich auf Inputs beschränken oder 2019 «mangels Besserung» mit eigenen Kandidaten antreten will, will die Tourismus-Partei.CH in vier Jahren entscheiden. Präsident der neuen Partei ist Pascal Jenny, Kurdirektor von Arosa GR. (kad/sda)

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