Schweiz
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Claude Longchamp, Institutsleiter des Forschungsinstitut gfs.bern., verfolgt am Samstag, 1. April 2006 im Nationalratssaal im Bundeshaus in Bern, die Fruehjahrssitzung des Auslandschweizerrates zum Thema

Der Politologe Michael Hermann stützt mit seiner Studie die Analyse Longchamps der Einwanderungs-Initiative. Bild: KEYSTONE

Bund holt «Zweitmeinung»

Analyse der Einwanderungs-Initiative: Ausgerechnet Hermann gibt Longchamp Recht



Unmittelbar nach jeder eidgenössischen Volksabstimmung erstellt Claude Longchamp im Auftrag des Bundes die sogenannte «VOX-Analyse», welche die Gründe für ein Ja oder ein Nein erläutern sollte. Diese Nachbefragung geriet nach der Annahme der SVP-Einwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 in Verruf: Die darin geschätzte Stimmbeteiligung bei den Jugendlichen widersprach stark den effektiven Zahlen aus den grossen Städten.

Portrait of the political scientist Michael Hermann, pictured on April 13, 2011 in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

 «Longchamp ist die grösste Diva des Landes»: Michael Hermann Bild: KEYSTONE

Der Bund hat sich nun eine zweite Studie für die Gründe für das Volks-Ja eingeholt, just bei Longchamps grösstem Konkurrenten Michael Hermann. Wie der Bundesrat in seiner Mitteilung vom Mittwoch schreibt, stützt Hermanns Studie die Erkenntnisse von Longchamp, wonach der Stimmentscheid vom Links-Rechts-Gegensatz geprägt war. «Der 9. Februar war für den Bundesrat eine Zäsur, weil sich das Volk erstmals nach dem EWR-Nein gegen den Bundesrat in einer öffnungspolitischen Frage stellte. Wir wollten mit einer zweiten Studie weitere Gründe für die Annahme der Einwanderungs-Initiative untersuchen», so Léa Wertheimer vom Bundesamt für Migration.

Hermanns Forschungsstelle sotomo sei deshalb vom Bundesrat beauftragt worden, unteranderem auch die Abstimmungsresultate mit anderen Daten zu vergleichen, unteranderem mit denjenigen zur Ausschaffungs- oder Minarett-Initiative. «Beide Studien kommen auf dasselbe Resultat, obwohl sie mit unterschiedlichen Methoden erstellt wurden», so Wertheimer gegenüber watson. Sie wolle deshalb Hermanns Studie nicht als «Zweitmeinung», sondern als «ergänzende Studie» bezeichnen. 

«Die Studie stützt die Erkenntnisse der unmittelbar nach der Abstimmung durchgeführten VOX-Analyse, wonach der Stimmentscheid stark vom Links-Rechts-Gegensatz geprägt war». 

Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements

Zwischen Hermann und Longchamp brach vor einigen Tagen ein öffentlicher Konkurrenzkampf aus. Der Politgeograf Michael Hermann bezeichnete ihn gegenüber der NZZ als «die grösste Diva des Landes». Hermann will den Auftrag für eine Zweitmeinung nicht im Zusammenhang mit der Longchamp-Kritik sehen und bestätigt die Aussagen des Bundes. «Es ging um die Tragweite der Annahme zur Einwanderungs-Initiative», so Hermann gegenüber watson. 

Hermann will sich nächstes Jahr für den lukrativen Auftrag der SRG bewerben und selbst die Meinungsumfragen im Vorfeld einer Volksabstimmung durchführen, die Longchamp bisher machte. (pma)

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