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Das Sommaruga-Rezept: Deshalb ist die Bundesrätin so erfolgreich

Wieder hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga ihren Plan umgesetzt. Der Nationalrat hat einer Soft-Quote für Frauen in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen zugestimmt. Wie schafft Sommaruga das?

19.06.18, 05:49 19.06.18, 06:13

Doris Kleck / Nordwestschweiz



Gewiss, sie war erleichtert. Aber Triumphieren? Nein, das ist nicht das Ding von Simonetta Sommaruga. Mit 95 zu 94 Stimmen hatte der Nationalrat soeben einer Soft-Quote für Frauen in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen zugestimmt. Nationalrätinnen aus allen Parteien beglückwünschten sich gegenseitig, euphorisiert aber auch etwas ungläubig, auf dem Balkon des Bundeshauses.

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga analysierte währenddessen im Gespräch nüchtern: «Der Nationalrat hat einen Vernunft-Entscheid gefällt. Er hat überlegt, abgewogen und gemerkt: Ohne einen Anstoss geht es nicht vorwärts.» Denn der Anteil der Frauen in Geschäftsleitungen nehme ab.

Bundesraetin Simonetta Sommaruga spricht an einer Medienkonferenz ueber die Botschaft zur Harmonisierung der Strafrahmen und zur Anpassung des Nebenstrafrechts an das geaenderte Sanktionenrecht, am Mittwoch, 25. April 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Erprobte Machtmechanikerin: Bundesrätin Sommaruga. Bild: KEYSTONE

Kritik von links

Bundesrätin Sommaruga hat eine erfolgreiche Session hinter sich. Frauen sollen besser vor häuslicher Gewalt geschützt werden. Frauen sollen in den Teppichetagen von Unternehmen besser vertreten sein. Frauen sollen gleich viel verdienen wie Männer.

«In der Politik braucht man einen langen Atem, einen Sinn für das Machbare und die Bereitschaft, sich auf die Argumente der Gegenseite einzulassen.»

Dass die Geschlechter-Richtwerte und die Massnahmen zur Lohngleichheit eine erste parlamentarische Hürde nahmen, war ein Kraftakt. Beide Projekte wurden von Journalisten und Politikern mehr als einmal für gescheitert erklärt – vor allem nach den letzten Wahlen. Im Herbst 2015 erlangten SVP und FDP eine Mehrheit im Nationalrat. Und im Bundesrat ersetzte SVP-Mann Guy Parmelin BDP-Frau Eveline Widmer-Schlumpf. «Das Ende der Frauenpolitik» konstatierte ein halbes Jahr später nicht nur die «Annabelle».

Kurz zuvor hatte der Nationalrat die Geschlechter-Richtlinien und die Lohngleichheit aus den Legislaturzielen gestrichen. Die rechte Ratsmehrheit liess ihre Muskeln spielen und deutete an, wo sie die Prioritäten setzen will. Der Ständerat sorgte mit einem Veto dafür, dass die Themen auf der Traktandenliste blieben. Und Sommaruga manövrierte sie schliesslich durch den Bundesrat.

Das war keine Selbstverständlichkeit. Als Sommaruga mit der Lohngleichheit im Oktober 2016 im Bundesrat eine Niederlage drohte, zog sie das Geschäft zur Überarbeitung zurück. Eine Woche später stimmte die Regierung zu. Die staatlich verordneten Lohnanalysen blieben – doch der öffentliche Pranger war weg. Bei den Quoten korrigierte der Bundesrat nach der Vernehmlassung nach unten: In Geschäftsleitungen grösserer Unternehmen muss der Frauenanteil statt 30 nur 20 Prozent betragen.

Das Prinzip aber blieb: Comply-or-Explain. Wer die Zielwerte nicht erreicht, muss sich erklären. Sommarugas Frauenpolitik setzt auf Transparenz, die Druck erzeugt. In ihren Augen ein liberaler Ansatz. Für die Gegner ein unnötiger staatlicher Eingriff.

Bundesraetin Simonetta Sommaruga spricht an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Freitag, 15. Juni 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Bild: KEYSTONE

Sommaruga beschreibt ihre Arbeitsmethode so: «In der Politik braucht man einen langen Atem, einen Sinn für das Machbare und die Bereitschaft, sich auf die Argumente der Gegenseite einzulassen.» Als die Frauenquote ins Parlament kam, bot sie Hand zu einer «Sunset-Klausel», weil es «sehr anspruchsvoll ist, in diesem Geschäft Mehrheiten zu finden», wie sie es selber formuliert.

Nach zehn Jahren soll die Gesetzesbestimmung automatisch ausser Kraft treten. Mit diesem Ansatz überzeugte Nationalrätin Christa Markwalder (FDP/BE) zumindest die FDP-Frauen. Bei der Lohngleichheit trug Somma- ruga mit, dass die Pflicht für Lohnkontrollen nur für Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern gilt – statt 50, wie sie es vorgeschlagen hatte.

Diese Konzessionsbereitschaft trägt der SP-Magistratin vor allem Kritik von links ein: «Kontraproduktive Scheinreform» schrieb die «WoZ» unlängst: «Der Linken bleibt eine leidige Rolle: Sie verteidigt eine Scheinreform, bloss der Symbolik halber, weil das Parlament das Thema sonst ganz begraben wird.»

Verbündete im Parlament

Maya Graf, Nationalrätin (Grüne/BL) und Co-Präsidentin der Frauendachorganisation Alliance F, hingegen lobt, dass Sommaruga die Projekte trotz schwieriger Konstellation vorantreibt. Im Parlament kann sie auf die Überzeugungsarbeit von Frauen aus allen Parteien zählen. Alliance F ist seit 2015 permanent am Vernetzen und Argumentieren. Bürgerliche Verbündete sind besonders wichtig für die Organisation.

So haben die CVP-Frauen entscheidend dazu beigetragen, dass die Frauen- Geschäfte schliesslich durchgekommen sind. Als ihre männlichen Parteikollegen im Ständerat im März die Massnahmen zur Lohngleichheit in einer ersten Runde zurückgewiesen hatten, war ihr Aufschrei laut. Und deutlich. Selbst CVP-Bundesrätin Doris Leuthard massregelte die CVP-Männer. (aargauerzeitung.ch)

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Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • acoves 19.06.2018 11:35
    Highlight All jene, welche Frau Somaruga immet wieder kritisieren sei empfohlen, mehr für das eigene Imaghe zu tun, als andere ständig zu kritisieren. Denn besser machen und auch noch können, ist diesen Personen fremd.
    7 26 Melden
  • MaxHeiri 19.06.2018 10:08
    Highlight Ich glaube Frau Sommaruga will sich ein paar VR Mandate für mach der Bundesratskarriere sichern.
    Leider kann ich mir gut vorstellen, dass es wie in Norwegen um 2011 70 Managerinnen 300 Sitze aufteilen konnten:
    https://www.google.ch/amp/m.faz.net/aktuell/wirtschaft/norwegens-frauenquote-goldroecke-und-grossmuetter-an-der-macht-1590587.amp.html
    19 9 Melden
  • Mangi 19.06.2018 09:11
    Highlight Erfolgreich zum Ende.
    3 17 Melden
  • ujay 19.06.2018 08:32
    Highlight Sachpolitik, wie sie Sommaruga betreibt, passt vielen, vor allem rechten PolitikerInnen nicht. Die pflegen lieber ihr Gärtchen der Vorurteile, Unsolidarität und Diffarmierung.
    16 28 Melden
  • bintang 19.06.2018 07:44
    Highlight Unsere BR sind massgeblich für den Untergang der CH verantwortlich. Eine Schande was in unserem Land abläuft!
    30 18 Melden
    • Posersalami 19.06.2018 11:38
      Highlight Ja genau, Untergang! Mindestens!!!

      Vielleicht mal aus der Rechts-nationalistischen Filterblase ausbrechen? Lösch am besten deinen Facebook Account gleich ganz.
      12 17 Melden
  • gupa 19.06.2018 07:09
    Highlight Frau, links, pragmatisch und erfolgreich. Daher das Lieblingsfeindbild der Rechten.
    18 28 Melden
  • Scaros_2 19.06.2018 06:46
    Highlight Das ist doch kein Erfolg. Unser CEO eines globalen Unternehmen erklärte letztens, dass diversity wichtig ist aber nicht um eine Quote zu erfüllen. Wenn man schon möchte das Frauen in gewissen Branchen oder Positionen vertretten sind muss man an der Wurzel anpacken und das sind die Schulen und Eltern. Diese haben den grössten Einfluss und wenn diese gruppen die Opprtunitäten nicht kennen könne man noch so lange über Quoten reden. Man werde sie nie efüllen denn die Ausbildung etc. ist wichtig, nicht das geschlecht
    18 7 Melden
  • Redly 19.06.2018 06:32
    Highlight Erfolg? Totengräberin von Eigenverantwortung, Freiheit und Gleichberechtigung!
    Wer so einseitig und selektiv Männer benachteiligt und Verfassung verletzt, nimmt jeden Respekt vor den Gesetzen des Landes.
    Oder wie wär’s bei Pension, Witwerrente, Militär? Oder Quoten für Maturanden, Lehrer, Studenten?
    Sommaruga ist offensichtlich der Meinung, Frauen können nicht selbst im Beruf erfolgreich sein. Aber Männer diskriminieren ist in Ordnung.
    99 133 Melden
    • Howard271 19.06.2018 06:39
      Highlight Der Richtwert lautet je mindestens 20% beider Geschlechter. Wie werden denn da „einseitig und selektiv Männer diskriminiert“? Zudem passiert bei Nicheinhaltung rein gar nichts...
      106 44 Melden
    • Genital Motors 19.06.2018 06:53
      Highlight und wenn gar nichts passiert dann muss nachgeholfen werden. so schlmm wie es auch klingt, mann wird immer von der Quotenfrau sprechen die nur im VR sitzt weil sie eben ne Frau ist..
      12 10 Melden
    • wasps 19.06.2018 06:53
      Highlight Die gute Frau muss auch für alles den Kopf hinhalten. Sie kann ja wenig dafür, wenn Sie Probleme mit Frauen haben, gell! Alles basisdemokratisch korrekt abgelaufen. Die Bundesrätin überzeugt mit guten und sachlichen Argumenten, das - notabene bürgerliche - Parlament, das ihre Vorschläge anscheinend auch gut findet. So sollte es ja auch sein, in der Erwachsenenwelt!
      8 19 Melden
    • Redly 19.06.2018 06:53
      Highlight Startups von Frauen: 14%
      Frauen freiwillig in IT: ca 15%
      OK, also zwingen wir jetzt Frauen dazu... 🤦‍♀️
      Warum gibt’s keinen Erklärungszwang für Gymnasien mit unterdurchschnittlich Jungs-Anteil?
      Warum ist’s OK Männer per Gesetz zu benachteiligen? Pension, Militär, Witwerrente. Ich finde Staat soll zuerst bei sich selbst anfangen.
      21 12 Melden
    • Liselote Meier 19.06.2018 06:59
      Highlight @Readly; Gleichheit, Freiheit und Gleichberechtigung beim Militär hättest gehabt wenn die Initative zur Abschaffung der Wehrpflicht angenommen worden wäre. Aber lass mich raten, hast sicherlich Nein gesagt?
      11 20 Melden
    • JoeyOnewood 19.06.2018 07:25
      Highlight hach, dieser Reflex, Redly, er sagt so viel über dich aus. Ich würd da mal in mich gehen.
      9 14 Melden
    • rodolofo 19.06.2018 07:43
      Highlight @ Redly
      "Pook, pok pok pok!" macht das Huhn.
      9 14 Melden
    • Redly 19.06.2018 07:49
      Highlight @Howard: die Diskriminierung besteht bereits in mehreren Gesetzen. Das neue Gesetz ist völlig willkürlich in der Wahl, wo ein Richtwert gesetzt wird, der Erklärung verlangt. Warum nicht bei Handarbeitslehrerinnen, Kindergärtnerinnen (Männerquote nahe 0)? Stellt Euch vor die Diskriminierung beim Frauenstimmrecht gäbe es heute noch - zurecht ein Skandal. Aber Männer werden 2018 noch durch Gesetze diskriminiert!
      16 11 Melden
    • äti 19.06.2018 09:59
      Highlight @redly, auf solchen Mist sollte man gar nicht antworten. Fairerweise eine Frage an dich: welche Männer wurden diskriminiert? Ich meine, alle ausser dir natürlich.
      11 15 Melden
    • BrigitteA 19.06.2018 21:16
      Highlight Redly, deine Jammerei macht echt wütend. Zieh dir mal diese Zahlen rein und dann versuch nochmals zu jammern über ein paar Wochen Sauferei in der RS und im WK.
      https://www.kfmv.ch/data/docs/de_CH-1996/5257/dok-Care-Arbeit-und-Gleichstellung.pdf
      Das ist mehr Dienst an der Gesellschaft, als irgendein Militärkopf je geleistet hat und rechtfertigt bei weitem eine Wittwenrente. DIe Folge dieser unbezahlten Plackerei ist nämlich Altersarmut bei Frauen. Sie wird nicht nur nicht bezahlt, sondern verhindert auch das Ansparen einer genügenden Versorgung im Alter.
      4 4 Melden
    • Redly 19.06.2018 22:42
      Highlight @äti: sämtliche Männer welche später als Frauen in Pension können. Sämtliche die ins Militär müssen. Reicht das nicht?
      Meinst du es ist richtig, dass Jungs einfach ‚unfähiger‘ sind fürs Gymi? Liegt es an der Gewichtung der Fächer? Oder willst du gar sagen, dass Jungs anders sind als Mädchen - das wäre ein Eigentor, weil dann ist es auch logisch, dass Frauen vielleicht andere Berufspräferenzen und -erfolge haben. Einfach willkürlich irgendwo Quoten und Erklärungen fordern ist Rosinenpickerei - dann überall. Wer das nicht sieht, ist einfach unlogisch und inkonsequent (oder egoistisch).
      4 6 Melden
    • rodolofo 20.06.2018 06:27
      Highlight @ Redly
      Die "Schattenseite" Diskriminierung hat natürlich auch eine "Sonnenseite": Männer können leichter mit Männern zusammenarbeiten und Freundschaften pflegen. Angehörige der gleichen Kultur haben im Umgang miteinander weniger Missverständnisse. Und darum ziehen sie die "Pflegeleichteren" nach, was aber dazu führt, dass die irgendwie rätselhaften "Anderen" aussen vor bleiben und ihre besonderen Fähigkeiten für Gemeinschaften, Betriebe und Gemeinschaften nicht genutzt werden können und sich eine "Filter-Blase" bildet.
      ...
      2 1 Melden
    • rodolofo 20.06.2018 06:35
      Highlight ...
      Natürlich wäre die Freiwilligkeit zur Aufnahme von "Ausserirdischen", wie Frauen, Schwarzen, oder Muslimen die beste Voraussetzung für vielfältige und darum höchst anpassungsfähige Teams, da nur mit der Einsicht in die Überlegenheit von Vielfalt als natürlichstem System ein wirksames Gegenmittel ist gegen intrigante Machtkämpfe und "Bürgerkrieg".
      Wenn aber die "Machthaber" partout auf ihrem Thronsesseln kleben bleiben wollen, müssen (moderate) Quoten-Regelungen eine Anschub-Energie geben, damit aus Königen und Paschas Partner, Freunde und Kollegen werden können!
      3 2 Melden
    • Redly 20.06.2018 06:54
      Highlight @BrigitteA: du verwechselst private Entscheide mit staatlichem Zwang. Nach diesem völlig willkürlichen Ansatz findet man auch Gründe um jede Gruppe zu bevorteilen.
      3 1 Melden
    • wasps 20.06.2018 07:41
      Highlight @redly. Sämtliche Männer? Nein, ich war nie in der Armee, und werde mit 62 Jahren in Pension gehen. Sie meinen, ich sei ein Ausnahmefall? Träumen Sie weiter bzw. bemitleiden Sie sich weiter, Sie armes Opfer der modernen Gesellschaft (Männer haben es heute schon schwer, angesichts der Masse an verflixten, selbstbewussten Frauen!).
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