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External view of the the Lucerne School of Art and Design «Bau 745» in Emmenbruecke, in the Canton of Lucerne, Switzerland, on September 20, 2016. The completion of the «Bau 745» campus on the former industrial site of Viscosuisse took 18 months and is the new home of the Lucerne School of Art and Design students with the beginning of the academic year 2016/17 in the fall 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Das Design-und-Kunst-Departement der Hochschule Luzern. Bild: KEYSTONE

Dozenten warnen 6000 Studenten per Mail vor No Billag und verärgern damit den Rektor

Dozenten und Mitarbeiter der Hochschule Luzern missbrauchen den internen Mail-Verteiler und verschicken eine Wahlempfehlung an die Studenten. Die Hochschulleitung ist empört.



Da staunten die Studenten nicht schlecht. Im Mail-Posteingang, in dem sie sonst Informationen über die Hochschule und Kurse erhalten, war politische Post eingegangen. Der Betreff: «No Billag – No Culture!» Die Absender: Dozenten und Mitarbeiter der Hochschule.

«Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierenden», schreiben darin die sechs Mitglieder der Mitwirkungskommission Musik der Hochschule Luzern. «Wir wenden uns mit einem dringenden Aufruf an euch alle, weil die No-Billag-Initiative das Schweizer Kulturschaffen ganz direkt bedroht.» Es sei existenziell wichtig am 4. März an die Urnen zu gehen «und ein Nein gegen diese gefährliche Initiative einlegen». Im Mail-Anhang: Ein Flyer des Schweizer Musikrats, inklusive Argumentarium.

«Wir bedauern die Fehlleistung und dass diese allenfalls bei den Mail-Empfängerinnen und -Empfängern Verärgerung ausgelöst hat.»

Hochschule Luzern

Die politische Werbung erreichte über 6000 Studierende und 1600 Mitarbeiter der Hochschule Luzern. Verschickt wurde sie über den internen Mail-Verteiler. Jene, die sich noch darüber wunderten, dass sich ein offizielles Organ der Bildungsinstitution im Abstimmungskampf zu Wort meldet, sahen sich wenige Stunden durch die Reaktion des Rektors bestätigt. Er liess über seine Unternehmenskommunikation eine Stellungnahme verschicken. Ebenfalls an alle.

Darin stellt er klar, dass mit dem Massenmail das Reglement der Hochschule Luzern verletzt wurde. Es sei nicht zulässig, Daten und den Mail-Account der Hochschule Luzern für politische Abstimmungskampagnen zu benutzen. Die Mail-Adressen seien ausschliesslich für den Informationsaustausch zwischen der Hochschule und Studierenden gedacht. «Wir bedauern die Fehlleistung und dass diese allenfalls bei den Mail-Empfängerinnen und -Empfängern Verärgerung ausgelöst hat.»

Geärgert hat sich jener Student, der das Mail an watson weitergeleitet hat. Obwohl er ein Gegner der No-Billag-Initiative ist, findet er, dass die Mails der Hochschule nicht dazu da sind, um politische Botschaften zu verbreiten.

Ramon Bisang, Präsident der Jungfreisinnigen Luzern, stimmt der Kritik zu und spricht von einem klaren Machtmissbrauch zu Gunsten eigener Interessen durch die Mitarbeiter und Dozenten. «Es gibt dazu andere, viel bessere Plattformen als der Mail-Verteiler einer Hochschule. Ich begrüsse die umgehende und richtige Reaktion durch den Rektor.» Die Jungfreisinnigen Luzern befürworten die Initiative, welche die Abschaffung der Billag-Gebühren fordert.

Auch die Hochschule erhielt negative Reaktionen, allerdings nur vereinzelt, sagt Sigrid Cariola, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Nicht deswegen sah sich die Luzerner Fachhochschule gezwungen, zu reagieren. «Wir können solche Massen-Mails prinzipiell nicht tolerieren – wir hätten ein massives Problem, wenn alle ihre persönlichen Überzeugungen auf diese Weise verbreiten würden.» Als öffentlich-rechtliche Institution äussere sich die Hochschule nicht zu Abstimmungskampagnen, hält sie fest.

Die Richtlinien der Hochschule lassen keinen Interpretationsspielraum zu. Im Benutzungsreglement der Informatikmittel ist festgehalten: «Es ist nicht gestattet, die Adressen von Mitarbeitenden oder Studierenden für den Versand von Inhalten zu verwenden, die nicht im Zusammenhang mit dem Studium, beziehungsweise dem Auftrag der Hochschule stehen.»

Den sechs Absendern des E-Mails sind die Richtlinien sehr wohl bekannt. «Unser Ziel war, die Debatte über No Billag in die Hochschule zu bringen. Und das hat zu 100 Prozent geklappt», sagtHans-Jürg Rickenbacher, Gesangslehrer und Mitglied der Kommission. Die Initiative habe sehr wohl etwas mit dem Studium zu tun, so der Dozent, der die Aktion durch die Meinungsfreiheit legitimiert sieht. «Der Musiker-Beruf wäre nach einer Annahme der Initiative nicht mehr derselbe. Die Studenten müssen sich den Konsequenzen bewusst sein.»

«Für die einen sind wir Helden, für die anderen Buhmänner.»

Hans-Jürg Rickenbacher, Dozent Hochschule Luzern

«Für uns war klar, wenn wir ein solches Mail schicken, dann an einen möglichst grossen Kreis, weil auch die anderen Departemente von den Auswirkungen der Initiative betroffen wären.» Rickenbacher ist ein bekennender Gegner der No-Billag-Initiative. Dies macht er auch auf seiner Website transparent.

Die Studenten und seine Arbeitskollegen hätten die Aktion unterschiedlich aufgenommen, berichtet Rickenbacher, die Meinungen seien geteilt. «Für die einen sind wir Helden, für die anderen Buhmänner.» Er versichert aber, es sei eine einmalige Aktion gewesen und niemand sollte damit verärgert werden. «Ich trage dafür die Verantwortung und nehme auch allfällige Konsequenzen in Kauf.»

Die sechs Mitarbeiter werden ein Gespräch mit ihrem Vorgesetzten haben, wie Sprecherin Sigrid Cariola mitteilt. «Ob und allenfalls was für Konsequenzen das Mail hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.»

Helene erklärt dir die No-Billag-Debatte

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26
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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sheimers 26.01.2018 19:08
    Highlight Highlight Ich finde die Mail dieses Dozenten absolut in Ordnung. Das nennt man zivilen Ungehorsam, und bei so wichtigen Themen, die insbesondere auch die Zukunft seiner Studenten betreffen, ist eine klare Warnung angebracht.
    • Gringoooo 26.01.2018 19:57
      Highlight Highlight Ja stimmt. Entspricht etwas meiner meinung sind alle Mittel in Ordnung. Moll, das ist ein demokratisches Verständniss. Es handelt sich hier immernoch um eine öffentliche Institution. Wofür denn überhaupt abstimmen und nicht gleich die bestimmen lassen? Ist ja in der Sache richtig.
  • chummer godi 26.01.2018 06:20
    Highlight Highlight Immerhin reagiert die Hochschule postwendend. Ich erhalte dauernd unerwünschte Webung von der Pfadi Schwarzenburg, die offenbar mit der Santander Consumer Finance kooperiert, aber der Vorstand der Pfadi weigert sich, etwas gegen diese Werbung zu unternehmen. Sie teilten mir mit, ihnen seien die Hände gebunden, weil jeder kann machen was er will, da jeder dazu stehe was er mache. — Ist das nicht mindestens dreimal empörender?
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    • NotWhatYouExpect 26.01.2018 10:14
      Highlight Highlight Sind ja schon zwei verschiedene dinge...

      Offenbar? Also Kooperieren Sie mit Ihnen oder nicht? Wenn nicht kann es einfach auch nur Spam sein der mit dem Absender von der Pfadi Versendet wird. (Das ist schon fast Standart im Spam Business)

      Mach einfach mal einen guten Filter in deinem Mailtool wo du Wörter wie Darlehen rausfilterst.
    • Olaf44512 27.01.2018 00:07
      Highlight Highlight Haha, klar, die Pfadi Schwarzenburg arbeitet ganz klar mit einer britischen Bank zusammen und probiert auf diesem Weg Leuten Kredite anzidrehen ;)
    • SemperFi 27.01.2018 08:31
      Highlight Highlight @chummer godi: Also mir geht dieses Pfadi-Schwarzenburg-Bashing langsam auf den Keks. Die Abteilungsleitung macht ihren Job SEEEHR gut. Cofeve!!Ein 1!!! Gerade in wirtschaftlichen Randregionen ist Innovation gefragt. Oder haben Sie geglaubt, all die neuen Traktoren und Freilaufställe im Dorf seien durch den NFA finanziert? 😂
  • gambinho 26.01.2018 00:26
    Highlight Highlight Ja aber wenn die SVP vor der Uni Bier verteilt ist es ok? Näh, finde diese Aktion halb so schlimm.
    • Roterriese 26.01.2018 12:00
      Highlight Highlight Es steht jedem frei, vor der Uni Bier zu verteilen. Interne Mails zu Abstimmungswettkampfzwecken zu verwenden hingegen ist ein anderer Kaliber.
    • SemperFi 27.01.2018 08:32
      Highlight Highlight Naja, jeder wie er kann. Die einen können einen PC bedienen, andere halt einen Flaschenöffner.
  • Spooky 25.01.2018 22:26
    Highlight Highlight Dem sagt man in Luzern "Wasser in die Reuss tragen".

    Alle Studenten der Hochschule stimmen sowieso NEIN.
  • mountaineer 25.01.2018 21:57
    Highlight Highlight Ich bin immer noch unentschlossen, was NoBillag angeht.
    Aber je mehr ich über solche fragwürdigen Machenschaften von Gegnern lese, desto mehr bin ich geneigt, ein Ja einzulegen.
    • EinePrieseR 26.01.2018 07:11
      Highlight Highlight Echt jetzt? Sie stimmen nicht aufgrund von Argumenten, sonder aufgrund von welche Seite sich besser benimmt? Dann sollten sie in Zukunft Abstimmungen fern bleiben!
    • hektor7 26.01.2018 08:53
      Highlight Highlight Jaja, endlich mal einen Denkzettel verpassen und so, gell...
    • mountaineer 26.01.2018 10:36
      Highlight Highlight @EinePrieseR: Es überzeugen weder die Argumente der einen noch der anderen Seite.
      Ich wäre für eine deutlich verkleinerte, werbefreie SRG, die Raum lässt für private Anbieter und damit tatsächlicher und nicht nur behaupteter Meinungsvielfalt.
      Von Seite Politik und SRG sehe ich null Reformbereitschaft, was die neue Konzession leider bestätigt.
      Viele Argumente der Gegner sind hysterisch und lächerlich.
      Andererseits überzeugen die bisherigen Konzepte der No-Billag-Befürworter auch nicht.
      Aber ohne Schock wird sich nichts bewegen...
  • Adrian Huber 25.01.2018 21:31
    Highlight Highlight Manchmal ist ziviler Ungehorsam geradezu geboten. So auch in diesem Fall. Es geht hier immerhin um die Frage, ob eine Säule unserer Demokratie - das Mediensystem - komplett privatisiert werden soll.
  • Redly 25.01.2018 20:38
    Highlight Highlight Bei bewusster, gewollter Verletzung eines solchen Reglements sollten auch die Massnahmen so sein, dass sie sehr schmerzen. Ein einfacher Verweis kann es nicht tun. Sonst folgen als nächstes ebenso konsequenzfrei kommerzielle Werbung oder irgendwelche Partei-Werbung (SP, SVP, ...).
  • Pasch 25.01.2018 20:22
    Highlight Highlight Herr Rickenbacher, Sie sind für niemanden ein Held! Lediglich jemand der sich nicht an Regeln halten kann und auch mal ein bitz manipulieren will.. Passt aber zu den Billag befürwortern!
    • trio 25.01.2018 22:48
      Highlight Highlight Die Methoden von Herr Rickenbach sind fragwürdig. Manipulieren wollen aber vor allem die NoBillag befürworter, wie man unter anderem an diesem unausgegorenem Plan B sieht.
  • Swooot 25.01.2018 19:41
    Highlight Highlight Von mir aus ist es absolut okay (sogar erwünscht) das jeder seine Meinung kundgibt, aber ich denke hier wurde die Grenze überschritten. Das Medium für die Kundgabe war schlecht gewählt, die Dozenten hätten es besser auf ihren Privaten Social Media Accounts geteilt.
    • walsi 26.01.2018 06:07
      Highlight Highlight Angesichts des Aufruhr und der Meldung hier und in anderen Newsportalen war das Medium sehr gut gewählt. Wenig Aufwand maximale Wirkung.
  • Lienat 25.01.2018 19:07
    Highlight Highlight Vor ungefähr zwei Jahren wurde in der Berner Fachhochschule eine ähnliche E-Mail versendet. Damals gab es eine Wahlempfehlung für die Durchsetzungsinitiative. Reaktionen und Konsequenzen blieben aus. Einige Leute denken wohl, dass die Regeln für sie nicht gelten, nur weil sie meinen, dass sie auf der moralisch richtigen Seite stehen.
    • bracher tinu 26.01.2018 10:54
      Highlight Highlight Quellen?
  • Hernd Böcke 25.01.2018 18:56
    Highlight Highlight Hmm, diese Meldung erinnert mich stark an "Schulungen" im Militärdienst vor bestimmten Abstimmungen. Nichts Spezielles also. Danke Herr Rickenbacher und Co.

    • Roman h 25.01.2018 21:28
      Highlight Highlight Ich war auch im Militär und nie wurde Werbung für eine Abstimmung gemacht.
    • Hernd Böcke 27.01.2018 00:47
      Highlight Highlight Dann gab es während deiner Zeit keine revelante Abstimmungen.
  • Yes. 25.01.2018 18:45
    Highlight Highlight Der Standard für Helden scheint tief zu liegen.

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