Schweiz
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Bern - 02.03.2015 - Der Referenzzinssatz ist auf einem Rekordtiefststand, was Immobilienbesitzer und Vermieter freut. Mieter hingegen profitieren nicht davon, da sie die tieferen Mieten selber einfordern müssten, dies aber häufig nicht tun. Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband fordert darum eine Gesetzesanpassung.<br>

Der Referenzzinssatz für Wohnungsmieten sinkt auf 1,25 Prozent. Dies teilte das Bundesamt für Wohnungswesen am Montagmorgen mit. Bild: k23video://10990837/a65e038c5b1bbc8c96310b6288caffba

Die Chancen stehen gut, dass du jetzt mit nur einem Satz deine Miete reduzieren kannst ☝️

Mit der Senkung des hypothekarischen Referenzzinssatzes haben Mieter nun ein Anrecht auf eine Mietzinssenkung. Das müssen Mieter nun dafür tun.



Was ist der Referenzzinssatz?

Mit dem hypothekarischen Referenzzinssatz wird die Änderungen des Hypothekarzinsniveaus auf die Mieten übertragen. Der Referenzzinssatz bildet quasi die Kosten ab, die dem Hauseigentümer zur Finanzierung einer Liegenschaft entstehen. Massgebend ist der Referenzzinssatz für die Mieten der meisten Mietwohnungen. Davon ausgeschlossen sind einzig gewisse über eine staatliche Förderung finanzierte Liegenschaften sowie Genossenschaftswohnungen, deren Mietzinse einer staatlichen Kontrolle unterliegen.

Bei wem sinken jetzt die Mieten?

Anspruch auf eine Mietzinssenkung hat daher eine Mehrzahl der Mieterinnen und Mieter in der Schweiz. Im Zweifelsfall dürfte ein Blick in den Mietvertrag Klarheit darüber schaffen, ob der Referenzzinssatz zu Anwendung kommt oder nicht.

Eine Senkung des Referenzzinssatzes um 0,25 Prozentpunkte, wie sie am Montag nun bekannt gegeben wurde, entspricht jeweils einer Senkung des Mietzinses um rund 2,9 Prozent. Jedoch ist auch möglich, dass nicht die volle Mietzinsreduktion gewährt wird. Die Vermieter haben nämlich die Möglichkeit, Mietzinssenkungen aufgrund des Hypothekarzinses mit gestiegenen Betriebs- und Unterhaltskosten der Liegenschaft zu verrechnen.

Wieviel günstiger wird meine Miete?

Bei einem Mietzins von 2500 Franken müsste die monatliche Zahlung an den Vermieter mit dem tieferen hypothekarischen Referenzzinssatz inskünftig also rund 72 Franken tiefer ausfallen. Auf ein Jahr gerechnet sind das doch 870 Franken, die der Mieter spart.

Was muss ich für eine Mietreduktion konkret tun?

Eine automatische Anpassung der Mieten aufgrund einer Zinssatzänderung ist gesetzlich nicht vorgesehen. Gewisse Vermieter gewähren Mietzinssenkungen von sich aus automatisch. Meist müssen Mieterinnen und Mieter bei der Verwaltung der Wohnung aber ein Gesuch für eine Mietzinssenkung stellen. Der Vermieter ist dann verpflichtet, auf das Gesuch zu reagieren.

Ein Gesuch um eine Mietzinsreduktion zu stellen, ist einfach: Ein Brief an den Vermieter respektive die Verwaltung reicht, am besten eingeschrieben. Der Mieterverband stellt auf seiner Homepage dafür kostenlos einen Musterbrief zur Verfügung (www.mieterverband.ch/referenzzins). Eine Antwort auf das Begehren muss innert 30 Tagen schriftlich erfolgen. Der veränderte Mietzins tritt dann ab dem nächsten Kündigungstermin in Kraft.

Hier eine kurze Textvorlage, die in den meisten Fällen reichen wird:

Sehr geehrte Verwaltung

Ich bitte Sie aufgrund der Anpassung des Referenzzinssatzes auf 1,25 Prozent meine Miete anzupassen und mir davon eine schriftliche Bestätigung zukommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüssen

Den Brief mit Namen, Adresse und Unterschrift ergänzen und eingeschrieben der Verwaltung schicken.

Was tun, wenn die Miete doch nicht günstiger wird?

Entspricht die Antwort des Vermieters nicht den Erwartungen des Mieters – sprich fällt die Senkung des Mietzinses geringer aus als 2,9 Prozent respektive ist die Verrechnung der Reduktion mit gestiegenen Betriebskosten in Augen des Mieters nicht gerechtfertigt, drängt sich ein Gang vor eine Schlichtungsbehörde auf. Wichtig ist, dass das so genannte Herabsetzungsbegehren innert 30 Tagen nach Erhalt der Antwort des Vermieters bei der Schlichtungsbehörde eingereicht wird.

Der Anspruch auf Mietzinssenkung kann übrigens auch nachträglich geltend gemacht werden – langjährige Mieter, die nie ein Gesuch gestellt haben und nie eine Mietzinsreduktion erhalten haben, können also auch vorangegangene Veränderungen des hypothekarischen Referenzzinssatzes geltend machen. Allerdings ist eine Rückerstattung von zu viel bezahlter Miete im Gesetz nicht vorgesehen. (ohe/sda/awp)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bratansauce 02.03.2020 17:11
    Highlight Highlight Ich finde man müsste eingentlich eher den Vermieter in die Pflicht nehmen, um die Mietzinsreduktion zu gewähren und nicht umgekehrt.
    So macht man sich als Mieter irgendwie unbeliebt.
  • MrNiceGuy 02.03.2020 13:21
    Highlight Highlight Bin vor 2 Tagen in meine neue Wohnung gezogen, wenn ich das jetzt einreiche kommt das wohl eher negativ an oder?
    • picknicker86 02.03.2020 19:28
      Highlight Highlight Die Antwort von Mügäli ist falsch. Die Senkung kann sehr wohl jetzt schon beantragt werden, tritt dann jedoch erst auf den erstmöglichen Kündigungstermin (in seinem Beispiel 1 Jahr nach Einzug) in Kraft.
    • MrNiceGuy 03.03.2020 10:56
      Highlight Highlight Genau 1 Jahr Sperre, danke euch beiden für die hilfreichen Antworten.

      Ich werde es dann in einem Jahr nach Ablauf der Frist einfordern, so direkt nach Einzug fühlt sich komisch an, wenn auch im Prinzip berechtigt.

      Liebe Grüsse
  • Ricardo Tubbs 02.03.2020 13:18
    Highlight Highlight genau, im Gegenzug kriegt man dann direkt den Parkplatz gekündigt oder so...
  • p4trick 02.03.2020 12:33
    Highlight Highlight Ok supi muss dem Steueramt ein Brief senden damit der überteuerte Eigenmietwert gesenkt wird
    • dä dingsbums 02.03.2020 15:42
      Highlight Highlight Ach Du armer Hausbesitzer...
  • Team Insomnia 02.03.2020 11:51
    Highlight Highlight Das Beispiel mit 2500chf Miete/Monat ist doch etwas weit weg von der Realität?

    Ich denke der Durchschnitts Bürger in der CH bezahlt wohl etwa 1200chf bis 1600chf/Monat. Oder bin ich jetzt komplett falsch?
    • StadtITler 02.03.2020 13:12
      Highlight Highlight Muss mich Hansdamp_f anschliessen. Ich zahle ebenfalls rund 2.2k für eine 2.5er... Zürich ist aber sicher keine Durschnittsreferenz.
    • pascal2193 02.03.2020 13:26
      Highlight Highlight Die Zürcher welche sich wieder einmal mehr im Mittelpunkt sehen sind gehörig am blitzen.🙆🏼‍♂️ Wie die Möwen in Findet Nemo: "Zürich Zürich Zürich"
    • FabianK 02.03.2020 13:42
      Highlight Highlight Wer in Zürich wohnt ist selbst schuld. Ausserhalb der Städte wohnen viele für 1000-2000.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dubliner 02.03.2020 11:16
    Highlight Highlight Super. Vor zwei Tagen den neuen Mietvertrag unterschrieben...
    • Chääschueche 02.03.2020 18:27
      Highlight Highlight Macht nix.
      Kannst du trotzdem geltend machen.

    • Dubliner 02.03.2020 20:38
      Highlight Highlight Klar, aber die Situation ist etwas doof.
      Leicht unangenehm, bereits jetzt schon eine Mietzinssenkung geltend zu machen. Aber komme wohl nicht dran vorbei, wenn ich davon profitieren will.
  • Hans12 02.03.2020 11:05
    Highlight Highlight In Zürich ist das leider nicht ganz so einfach. Ersten wird man oft gleich mit Ortsüblichkeit abgespeisen. Zweitens haben die Mieter die berechtigte Angst, dass sich Reduktionsanfragen negativ auf künfitige Referenzen auswirken könnten. Und ohne Referenzen gibt es kaum eine neue Wohnung.
    • lilie 02.03.2020 12:17
      Highlight Highlight @Hans: Am besten wäre es, sich im Haus abzusprechen und gemeinsam die Mietzinsreduktion zu erwirken.

      Die Ortsüblichkeit ist ein fadenscheiniges Argument, da ja die anderen Mieten auch angepasst werden sollten.

      Ziehen die Mieter aber aus, ohne die Mietzinsreduktion verlangt zu haben, wird meist einfach der neue Referenzzinssatz in den neuen Vertrag geschrieben, ohne die Miete anzupassen.

      Im Interesse also ALLER Mieter: Unbedingt Mietzinsreduktion fordern!
    • peeti 02.03.2020 12:47
      Highlight Highlight Und bei Unsicherheit halt den MV kontaktieren. Da wird einem sehr gut geholfen, habe jedenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht und bin inzwischen auch Mitglied.
    • Hierundjetzt 02.03.2020 13:11
      Highlight Highlight Ein wenig viele Schauermärchen und wenig Realität

      Was für ein Vorteil habe ich als Vermieter, wenn ich allen mitteile, Du, der Hans12 machte vor 5 Jahren vom Referenzzinssatz gebrauch.

      Gaaanz schlimmer Mensch.

      Er hat zwar keine Betreibung und verdient 100‘000 aber er hat voll sein Recht wahrgenommen.

      Ähä

      😂😂😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Deviii 02.03.2020 10:41
    Highlight Highlight Frage: Was ist, wenn der Referenzzinssatz und ähnliche Angaben nirgends im Mietvertrag stehen? Gilt dann der Satz bei welchem der Vertrag unterschrieben wurde oder wie sieht das da aus? Danke für jede Info dazu.
    • Hemrock 02.03.2020 17:45
      Highlight Highlight Ja
    • Hemrock 02.03.2020 19:16
      Highlight Highlight @mügäli: Nein, nicht Mietbeginn, sondern Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung
  • Bündn0r 02.03.2020 10:35
    Highlight Highlight Die Chancen stehen auch gut, dass der Vermieter dann bei nächster Gelegenheit die Miete wieder erhöht.

    Ich bevorzuge Kontinuität. Mein Vermieter zum Glück auch.

    Ps: Macht er das sowieso schon, sollte man natürlich auf Senkung bestehen. Steht der Referenzzinssatz noch immer bei 3.5% (wie bei der Einführung 2008) auch.
    • Bosshard Matthias 02.03.2020 14:19
      Highlight Highlight Das wird kommen danach gibt es viele Serienbriefe mit Erhöhungen und ein grosses Geschrei der Mieterverband wird dann nicht mehr helfen können.
    • Chääschueche 02.03.2020 18:33
      Highlight Highlight Ich bin seit 2012 in der selben Wohnung und habe bisher jedes mal brav die Reduktion verlangt. ;)

      Der Brief für den neuen Satz ging heute schon auf die Post.

      Als ich 2012 (Neubau) eingezogen bin zahlte ich pro Monat 1620 CHF pro Monat. Jetzt sind es 1365 CHF. In 4 Monaten um die 1330-1340 CHF :)

      2,5 Zimmer Loft Wohnung mit 90 2m (inkl 9 2m Balkon). Stadt Bern.

      Kannst selber ausrechnen was ich dadurch schon jetzt gesparrt habe gegenüber Leuten die das nicht fordern.
  • MartinZH 02.03.2020 10:15
    Highlight Highlight Der Referenzzinssatz für Wohnungsmieten sinkt auf 1,25 Prozent – und nicht auf 1,5 Prozent!

    Vorsicht mit Copy-Paste... 😉👍
  • chnobli1896 02.03.2020 10:05
    Highlight Highlight Nicht auf 1.25%?

Interview

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