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Une femme transmet un document a l'une des receptionistes de l'accueil du Centre d'action sociale des Paquis de l'Hospice general HG, ce mardi 14 septembre 2010 a Geneve. L’Hospice general est charge de mettre en œuvre la politique sociale du canton de Geneve. Il consacre l’essentiel de son activite à l’aide sociale en faveur des plus demunis et a l’accueil des requerants d’asile, tout en assurant d’autres taches d’assistance, de prevention et d’information pour toutes les categories de la population. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Eine Frau meldet sich am Empfang des Genfer Hospice General, wo die Sozialbehörden domiziliert sind. Bild: KEYSTONE

Armengenössigkeit in der Schweiz

9 Charts zur Sozialhilfe, die jeder kennen muss, der mitreden will

Die Zahl der deutschen Sozialhilfebezüger in der Schweiz hat sich seit 2005 fast verdoppelt, die Sozialhilfequote bleibt insgesamt stabil, die Kosten pro Bezüger nehmen massiv zu.



Die Debatte um die Sozialhilfe und ihre Kosten ist lanciert. Auch dank der SVP, die mit dem Thema zusätzlich zur Europafrage Wahlkampf betreiben wird. Das Basiswissen, um in die Debatte einzusteigen finden Sie in den folgenden 8 Charts.

1. Sozialhilfequote steht still

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Die Annahme, dass ein immer grösserer Teil der in der Schweiz lebenden Menschen wegen Aussortierung aus dem Arbeitsmarkt, Aussteuerung aus der Arbeitslosenkasse oder Aberkennung von IV-Leistungen in der Sozialhilfe landen, ist falsch. Seit 2005 bewegt sich die Sozialhilfe-Quote mit jährlich marginalen Abweichungen bei drei Prozent der Gesamtbevölkerung.

2. Mehr Sozialhilfebezüger

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In den vergangenen vier Jahren hat die absolute Zahl der Sozialhilfebezüger um rund 30'000 Unterstützte zugenommen. Seit 2005 ist die Zahl der Sozialhilfebezüger um rund 5,4 Prozent gewachsen. Das Wachstum der ständigen Wohnbevölkerung lag im gleichen Zeitraum bei 7,7 Prozent. Die absolute Zahl der Sozialhilfebezüger nimmt also zu, kann aber mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten.

3. Mehr alte Sozialhilfebezüger

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Am ehesten wird von Sozialhilfe abhängig, wer zwischen 0 und 35 Jahre alt ist. Diese Altersgruppe stellt 58,3 Prozent aller Sozialhilfebezüger. Ihr Anteil sinkt jedoch kontinuierlich, das gleiche Bild zeigt sich bei allen anderen Altersgruppen. Einen steigenden Anteil am Sozialhilfekuchen verzeichnen die beiden Altersgruppen 46-55 Jahre und 56-64 Jahre (rote und blaue Linie, +5,7 Prozentpunkte seit 2005).

4. Sozialhilfekosten steigen überproportional

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Seit 2005 sind die Nettokosten für die Sozialhilfe von 1,77 Milliarden Franken auf 2,37 Milliarden Franken gestiegen. Das entspricht einem Anstieg um 33,7 Prozent. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger ist im gleichen Zeitraum aber nur um 5,4 Prozent gewachsen. Als Gründe für den überproportionalen Kostenanstieg nennen Fachleute verschiedene Faktoren: 1. Steigende Mieten 2. Mehr teure Langzeitbezüger im Verhältnis zu Bezügern von situationsbedingten Leistungen 3. Fälle, die aus den mit Leistungskürzungen verbundenen Revisionen bei Invalidenversicherung und Arbeitslosenversicherung in die Sozialhilfe kommen 4. Höhere Scheidungs- und Trennungsraten 5. Kürzung von kantonalen Bedarfsleistungen wie Prämienverbilligungen und ähnliches.

5. Die Fälle werden teurer

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Die Nettokosten pro Empfänger haben seit 2005 um rund 2000 Franken oder 26,9 Prozent zugenommen. Die Unterschiede in den einzelnen Kantonen sind jedoch frappant. In Schaffhausen sind die Kosten pro Empfänger um fast 70 Prozent gestiegen, im Kanton Glarus sind die Kosten pro Empfänger um fast 33 Prozent gesunken.

6. Verteilung Schweizer/Ausländer stabil

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Der Anteil der sozialhilfebeziehenden Wohnbevölkerung mit Schweizer Pass steigt nach Jahren des Rückgangs wieder an (rote und grüne Linie), wogegen die Sozialhilfequote bei der ausländischen Wohnbevölkerung seit 2005 leicht gesunken ist. 2005 waren 6,6 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung Sozialhilfeempfänger. 2012 waren es noch 6,3 Prozent. Bei der Schweizer Wohnbevölkerung lag die Quote der Sozialhilfeempänger sowohl 2009 als auch 2012 bei 2,2 Prozent.

7. 80 Prozent mehr Deutsche

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Im Chart sehen Sie die Top 5 der sozialhilfebeziehenden Nationalitäten (exklusive Schweizer Wohnbevölkerung, 2012). Den Löwenanteil machen Sozialhilfebezüger aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo aus, die einen stabilen Anteil an der Gruppe der Sozialhilfebezüger ausmacht (jeweils höchstens +/- 3 Prozent gg. Vorjahr). Eine abnehmende Tendenz zeigt sich insgesamt bei den türkischen Sozialhilfebezügern, deren Anzahl seit 2006 um rund 7 Prozent zurückgegangen ist. Italienische und portugiesische Sozialhilfebezüger machen einen zunehmend grösseren Anteil aus. Am auffälligsten ist die Zunahme von Sozialhilfeempfängern mit deutschem Pass. Die Anzahl der deutschen Sozialhilfebezüger ist zwischen 2006 und 2012 um 80,5 Prozent gestiegen und damit weit stärker gewachsen als die deutsche Wohnbevölkerung in der Schweiz. Diese verzeichnete zwischen 2006 und 2012 einen Zuwachs von lediglich 48 Prozent.

8. Die Kosten pro Kopf steigen

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Die Nettoausgaben für die Sozialhilfe geteilt durch die Anzahl Einwohner steigt seit 2009 steil an. Nach diesem relativ «harten» Verteilschlüssel, der Kostenwachstum in Relation zum Bevölkerungswachstum berücksichtigt, haben die Sozialhilfekosten um 28,8 Prozent zugenommen.

9. Armee ist doppelt so teuer

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Der Vergleich der Nettokosten für die Sozialhilfe (roter Balken) mit den Budgetposten des Bundes zeigt: Die Sozialhilfekosten der Gemeinden waren 2012 kleiner als der kleinste Posten im Bundesbudget von 2014.

Sämtliche verwendeten Daten stammen aus der Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik und sind hier einzusehen. Hinweise in der Kommentarfunktion auf allfällige Fehler bei der Übertragung oder Interpretation der Daten sind willkommen.

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