DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga auf dem Rütli am 1. August 2015.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga auf dem Rütli am 1. August 2015.Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Ohne den Namen der Partei zu nennen: Bundespräsidentin Sommaruga kritisiert Wahlkampf der SVP

02.08.2015, 19:3703.08.2015, 17:12

Kaum sind die Reden zum ersten August verklungen, die zumeist den Zusammenhalt in der Schweiz und die Solidarität mit dem Ausland thematisierten, ist im Wahljahr die Asyldebatte erneut entbrannt. Bundespräsidentin Sommaruga kritisierte dabei den Wahlkampf der SVP

«Es gibt eine Partei, die mit dem Thema Asyl Wahlkampf betreibt», stellte sie in einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten»auf die Frage fest, ob die Asyl-Debatte hochstilisiert werde. Das Interview lag der Nachrichtenagentur sda am Sonntag vorab vor. Sie verstehe, dass viele Menschen angesichts der steigenden Zahlen bei den Asylgesuchen beunruhigt seien, sagte Simonetta Sommaruga weiter. 

Aber «viele Menschen machen sich nicht wegen den 11'800 Asylgesuchen (in der Schweiz, Red.) Sorgen, sondern wegen dem Krieg in Syrien, und den Millionen von Flüchtlingen». Die Bundespräsidentin fügte an: «Man kann aber mit Angst viel Lärm machen.» 

Identität ungefährdet

Auch mit der verstärkten Zuwanderung sei die Identität der Schweizerinnen und Schweizer nicht gefährdet. «Diese Ängste sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Wenn ich richtig informiert bin, hat Herr Blocher deutsche und Herr Bortoluzzi italienische Vorfahren. Beides hat unsere Identität nie gefährdet.» 

Sommaruga zeigte sich zuversichtlich, die Bevölkerung mit ihren Vorschlägen zur Asylgesetzrevision überzeugen zu können. Die Bürgerinnen und Bürger wüssten, «wer praktikable Lösungen vorschlägt und wer nicht». 

Zur Forderung der SVP nach einem Abkommen zwischen der Schweiz und Eritrea zur Rückschaffung von abgewiesenen Asylbewerbern in das ostafrikanische Land, sagte Sommaruga: «In Eritrea werden Menschen willkürlich bestraft und jahrelang ins Gefängnis geschickt. Es gibt kein einziges Land in Europa, dass Asylbewerber nach Eritrea zurückschickt.» 

SVP droht mit Referendum

Sommaruga möchte die Asylverfahren beschleunigen. Dazu sollen Asylbewerber in Zentren des Bundes zusammengefasst und ihre Gesuche vor Ort behandelt werden. Den AsylsuchenDen sollen dabei unentgeltlich Anwälte zur Seite gestellt werden. 

Die SVP droht bereits mit dem Referendum gegen die Asylreform, sollte nach dem Ständerat auch der Nationalrat die unentgeltliche Rechtsvertretung absegnen. «Mit uns ist der Gratisanwalt für Asylsuchende nicht zu machen», sagte Brunner in einem Interview mit der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag». Komme der Vorschlag durch, werde «ein Referendum unumgänglich». 

CVP möchte Arbeitsverbot lockern

Zu Wort meldeten sich am Sonntag auch fünf CVP-Parlamentarier. In der «NZZ am Sonntag» und in einer Mitteilung stellten sie sich zwar hinter die Rechtsberatung für Asylbewerber. Allenfalls sei zu prüfen, ob Dublin-Fälle davon auszunehmen seien, schreiben sie in dem von der CVP veröffentlichten Papier. 

Konkret fordern die Nationalräte Gerhard Pfister (ZG), Ruth Humbel (AG) und Marco Romano (TI) sowie die Ständeräte Paul Niederberger (NW) und Urs Schwaller (FR), weitere Verschärfungen: Asylsuchende sollen während des Verfahrens und auch als vorläufig Aufgenommene kein Bargeld mehr erhalten, sondern Gutscheine oder Sachleistungen. 

Weiter fordert die CVP eine Lockerung des Arbeitsverbots für Asylbewerber. Wenn Asylsuchende auf die Kantone verteilt würden, sollten sie eine Lehre absolvieren oder nach ihren «beruflichen Fähigkeiten im Arbeitsmarkt eingesetzt» werden, schreiben die CVP-Parlamentarier. 

Lohn soll Aufenthalt mitfinanzieren

Der Lohn solle direkt in einen Fonds für das Flüchtlingswesen fliessen. Für Asylsuchende in den Bundeszentren solle das Arbeitsverbot aber weiter gelten. Um Flüchtlinge an einem Übertritt über die Schweizer Grenze zu hindern, verlangen die fünf CVP-Parlamentarier verstärkte Personenkontrollen in den Grenzregionen. Zu prüfen sei, ob dafür auch Soldaten eingesetzt werden könnten. 

Gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SRF lehnten FDP-Präsident Philippe Müller und SVP-Nationalrat Alfred Heer die Forderung nach einer Lockerung des Arbeitsverbots bereits ab: Damit würde die Attraktivität der Schweiz für Flüchtlinge nur steigen, erklärten beide. (viw/sda) 

Bundespräsidenten der letzten 20 Jahre

1 / 27
Bundespräsidenten der letzten 25 Jahre [1.2.19/jaw]
quelle: epa/epa / florian wieser
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8
Schweizer Finanzchefs erwarten trübere Wirtschaftsaussichten

Am Konjunkturhimmel ziehen nach Ansicht der hiesigen Finanzchefs trübere Wolken auf. Gemäss einer CFO-Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte rechnen die Schatzmeister der Unternehmen mit getrübten Aussichten für die Schweizer Wirtschaft.

Zur Story