Schweiz
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Die Delegierten stimmen ueber die Lancierung der Initiative

«Bei der SVP ist man sich eben noch einig» – oder? Delegiertenversammlung im Mehrzweckgebäude in Rothenthurm (SZ).  Bild: KEYSTONE

SVP und Ecopop

Abstimmen mit Frau Gisler an der SVP-Versammlung

Die SVP traf sich am Samstag in Rothenthurm, Schwyz. Mit dabei war die Urnerin S. Gisler*. Sie hofft, dass die SVP ihr Land vor den «Landesverrätern in Bern» schützt. An ihrem Arbeitsplatz darf sie nicht laut sagen, was sie wirklich denkt. An der Delegiertenversammlung schon. 



Schnell wie ein Pfeil schiesst S. Gislers* grüner Zettel heute um 14 Uhr in die Luft. Gerade so, als wäre sie froh, nach dreieinhalb Stunden mal was anderes tun zu können, als zuzuhören. 

In der Mittagspause redet sich die Mittfünfzigerin über ihren Älplermagronen in Rage. Ihre Stimme übertönt das Ländler-Trio auf der Bühne ohne Probleme: «Es muss einfach etwas passieren», sagt sie in urschweizerischem Urnerdialekt, «das Boot ist schlichtweg voll. Es ist der Mittelstand, der all diese Asylanten und Sozialfälle durchfüttern muss. Unseren Wohlstand haben wir uns selber erarbeitet. Der Wille des Volkes muss geachtet werden. Deswegen braucht es eine Durchsetzungsinitiative ...»

Die anderen im Saal Letzi des Mehrzweckgebäudes Rothenthurm stimmen mit Frau Gisler überein: Die anwesenden SVP-Delegierten wollen alle die «Volksinitiative zur Umsetzung von Volksentscheiden» lancieren: 401 Ja-Stimmen, Null Nein-Stimmen, Null Enthaltungen. 

«Das Laub fällt von den Bäumen...»

«In der SVP ist man sich eben noch einig», sagt Frau Gisler stolz. Ihre Urner Parteikollegen jagen sich derweil einen amerikanischen Schnupftabak in die Nase. «Das Laub fällt von den Bäumen, ein Hund bellt neumen, Priis!» Sie niessen nie. 

Dazu lauschen sie den Vorträgen der prominenten Redner: «Die Schweiz braucht kein Völkerrecht und kein ausländisches Gericht», bellt der Zürcher Kantonsrat Hans-Ueli Vogt in den Saal. «Unser Land darf nicht immer mehr fremd bestimmt werden», ruft Toni Brunner und Ueli Mauerer, noch lauter: «Es gibt nicht nur Weinpanscher, es gibt auch Begriffspanscher!»

Mitglieder der SVP an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Volkspartei, SVP, am Samstag, 25. Oktober 2014, im Mehrzweckgebaeude Letzisaal in Rothenthurm, SZ. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

SVP-Politik in der Turnhalle. Bild: KEYSTONE

Am meisten Applaus erhält wie immer Superstar Christoph Blocher. Frau Gislers violette Strähne in der schwarz gefärbten Kurzhaarfrisur zitterte heftig mit, als sie bei seinen würzigen Voten mitnickte: «Weltoffenheit? Schnurre bhalte!», «In der Schweiz gibt es halt viel zu viele Studierte aber zu wenig intelligente Menschen» und «Wenn man etwas nicht durchsetzen kann, muss man halt gehen», sagte er. 

Ginge es nach Frau Gisler, könnten viele in Bern «gleich gehen». Vor allem jene, die die Masseneinwanderungs-Initiative kritisieren. «Das sind Landesverräter, früher wäre man dafür angeklagt worden», sagt sie. 

«Es sind einfach zu viele»

Ihren richtigen Namen will Frau Gisler lieber nicht publiziert sehen. Sie muss aufpassen. Wegen ihrer Stelle. Sie arbeitet in der Administration eines internationalen Technologieunternehmens und ist eine, die sich sich an ihrem Arbeitsplatz wie eine Ausländerin fühlt. Sie kann es ja gut mit den ausländischen Kollegen, aber: «Es sind einfach zu viele.»

Und deshalb wird Frau Gisler am 30. November auch ein «Ja» zu Ecopop in die Urne legen. Obwohl Partei und Vorstand an der letzten Delegiertenversammlung die Nein-Parole ausgegeben hatten. «Um ein Zeichen zu setzen. Es muss etwas passieren», sagt sie. «Als Delegierte hast du aber noch anders gestimmt», sagt ihr Mann über den Tisch. «Ja, aber jetzt tendiere ich wieder zu einem Ja», sagt Frau Gisler. Nur die in der Ecopop-Initiative geplanten Entwicklungshilfegelder für Afrika, die stören Frau Gisler. 

«Probleme haben wir nicht»

Das Motto der Versammlung «Frei bleiben – nein zum Gang in die Knechtschaft» beansprucht Frau Gisler auch für sich persönlich: «Ich entscheide frei, was ich in die Urne lege», sagt sie. Und wahrscheinlich tun es ihr viele gleich. Gemäss aktueller SRG-Trendumfrage wollen zusammen mit Frau Gisler weitere 64 Prozent der SVPler die Ecopop-Initative annehmen. 

«Wir waren noch nie so gespalten», sagt der Tischnachbar beim Einsiedler-Bier. Das hört Frau Gisler gar nicht gerne. Das töne ja, als hätte man Probleme in der Partei.  

«Aber», sagt Frau Gisler, «Probleme haben wir nicht in der Partei. Draussen schon, aber in der Partei nicht.»

* Name von der Redaktion geändert

 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fulehung1950 26.10.2014 19:29
    Highlight Highlight Ich schliesse mich Mcflys wünschen für seine und alle Kinder an. Frau Gisler ist doch das beste Beispiel dafür, dass MEI- und Ecopop-Ja-Sager nichts kapieren, ausser "Ausländer raus"! Logisch kommt -ein Ecopop-Ja vorausgesetzt- der Zeitpunkt, wo internationale Konzerne sagen:"Mit mir nicht mehr". Der Zeitpunkt, wo die Schweiz für Unternehmer ein unsicheres Land ist, weil man nicht einmal weiss, ob man bei Bedarf Arbeitskräfte erhält. An diesem Punkt ist dann Frau Gisler fällig: denn sie wird sicher nicht ins Ausland gehen!

  • mcfly74 26.10.2014 12:53
    Highlight Highlight Dann wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen, Frau Gisler, dass wir trotz dem momentan vergifteten politischen Klima die Bilateralen retten können und Sie auch morgen noch ihre Stelle behalten können. Oder sind Sie auch bereit, mit Ihrem Unternehmen ins Ausland zu ziehen?

    Nicht dass Ihre Welt noch ganz zusammenbricht. Wer weiss wozu Sie sonst noch fähig sind unter all den Landesverrätern um Sie herum...

    Und meinen zwei tollen Kindern - die offen und unbeschwert auf alle anderen Menschen zugehen -, wünsche ich noch mehr, dass Menschen wie Sie endlich zur Vernunft kommen und ihnen nicht die Zukunft in einem friedlichen Europa versauen











  • Cross Damon 26.10.2014 09:35
    Highlight Highlight Wenn Leute die anderer Meinung sind als «Landesverräter» bezeichnet werden – was gleichbedeutend mit dem schlimmsten aller Verbrechen ist – dann ist das, ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht , eine Terminologie, die aus totalitären Systemen stammt. Und Frau Gisler gehört zu denjenigen, die Freiheit sagen aber Diktatur denken...
  • Too Scoop 26.10.2014 02:58
    Highlight Highlight Fraglich wie man in einem solchen Land wie der Schweiz so frustriert und kleinkariert sein kann. Unser Wohlstand verdanken wir doch allen Menschen die dazu beitragen. Ständig werden Probleme angeheizt, die nie richtig zu lösen sind. Schlecht hin eine grosse, gut verpackte Alibiübung.
  • smoe 26.10.2014 00:46
    Highlight Highlight Ich verstehe die MEI-Befürworter ja, wenn es um Lohndumping z.B. im Baugewerbe geht. Aber die Frau arbeitet in einem internationalen Technologieunternehmen und beschwert sich, dass dort zu viele Ausländer sind? Wieso arbeitet sie dort und nicht in einem Schweizer Unternehmen? Warum sollten dort mehr Schweizer angestellt werden?

    Ich will als Softwareentwickler nicht mit Leuten zusammenarbeiten nur, weil sie Schweizer sind, sondern mit solchen, die am besten für die Position geeignet sind. Und ich möchte auch in Zukunft die Möglichkeit haben im Ausland eine Stelle anzunehmen, wenn sie mir interessanter als die hiesigen erscheint.
    • Fulehung1950 26.10.2014 19:35
      Highlight Highlight @Smoe: das mit den Dumpinglöhnen auf dem Bau kann ich so nicht stehen lassen. Es gibt schwarze Schafe (eines davon war/ist ein SVP-NR aus dem Kanton Glarus, wohl der grösste bekannte Fall......), meist sind das aber Kleinunternehmungen. Die paritätischen Berufskommissionen sowie die tripartiten Kommissionen prüfen relativ gut. Leider verpasst es aber das Parlament, mehr Geld zusprechen, um flächendeckend zu prüfen.
    • smoe 26.10.2014 21:24
      Highlight Highlight Sorry, habe mich da falsch ausgedrückt. Ich wollte nicht sagen, dass ich Lohndumping auf dem Bau als ein flächendeckendes Problem sehe. Ich kann das ehrlich gesagt persönlich gar nicht beurteilten. Ich verstehe aber bis zu einem gewissen Mass die Ängste von Handwerkern vor Preisdruck durch billigere, ausländische Arbeitskräfte und finde, man muss diese ernst nehmen. Nur bin ich nicht der Meinung, dass MEI, Ecopop etc. diese Probleme lösen. Sie setzten vielleicht ein Zeichen, aber kein Schweizer wird dadurch manuelle Arbeit wieder mehr wertschätzen und entsprechend entlöhnen sondern sich weiterhin das jeweils billigste Angebot rauspicken. http://Ollte
  • wazigg 25.10.2014 22:50
    Highlight Highlight Wie kann man nur so ein Brett vor dem Kopf haben....... einfach unglaublich.
  • manhunt 25.10.2014 22:49
    Highlight Highlight mein rat an frau gisler und ihresgleichen: zieht euch zurück ins reduit, und überlasst den studierten und anders denkenden das flachland. wir wären wahrscheinlich sogar bereit, euch zu subventionieren. damit ihr weiter in der vergangenheit schwelgen (als die wiesen noch grün und alle linken noch kommunisten waren), und euren romantischen hurra-patriotismus ausleben könntet. wir hätten dann wenigstens endlich ruhe vor euch.
  • Howard271 25.10.2014 22:34
    Highlight Highlight Man kann es nicht anders sagen, aber diese Leute leben in einer Parallelwelt. Statt sich mit der Realität und der Aktualität zu befassen, denken sie sich lieber irgendwelche Verschwörungen aus und lassen ihrer Wut, woher die auch immer kommen mag, freien Lauf. Schade, denn so sollte Politik nicht gemacht werden. Verschiedene Meinungen und Ansätze gehören dazu.
    • Howard271 25.10.2014 22:41
      Highlight Highlight ...da ging irgendetwas verloren: Verschiedene Meinungen und Ansätze gehören dazu, aber purer Hass und fast schon sektiererisches Verhalten schaden der Politik.
    • manhunt 26.10.2014 14:03
      Highlight Highlight @sewi: frau gislers meinung mit "schweizer ansichten" gleichzusetzten ist eine absolute frechheit! ich bin auch schweizer, vertrete jedoch einen ganz anderen standpunkt.
    • Fulehung1950 26.10.2014 19:39
      Highlight Highlight @sewi: ich bin Schweizer mit Stammbaum nachgewiesen im Kt. Bern seit 1687. und ich habe auch eine Ansicht, aber bei Gott nicht dieselben wie Frau Gisler und die SVP. Also bitte nennen Sie solches Gedankengut nicht pauschal "Ansichten der Schweizer"!
  • enemy26 25.10.2014 21:25
    Highlight Highlight Frau Gisler - auch wenn Sie im Artikel anonym bleiben, so hoffe ich inständig, dass Sie das hier lesen:
    Sie sind meiner Meinung nach eine verbitterte und hasserfüllte Frau, die mit ihren Ansichten irgendwo im letzten Jahrhundert stecken geblieben ist. Bleiben Sie doch in ihrem kleinen Dörfchen, wo Ihnen die Schweiz noch schweizerisch genug ist - Ausländer gibts dort hinten sicher keine. Am besten nehmen Sie so viele Ihrer SVP "Volksgenossen" mit wie möglich mit und lassen uns dafür in Ruhe.

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