Schweiz
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Jacques Neirynck, candidat du parti PDC pour le Conseil national, parle aux journalistes lors de la journee des resultats des elections federales ce dimanche 18 octobre 2015 a l'Aula des Cedres a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ein Comeback-Kid der ungewöhnlichen Sorte: der ehemalige CVP-Nationalrat Jacques Neirynck in der grossen Kammer in Bern. Bild: KEYSTONE

Wegen Béglés Nordkorea-Tweets: Dieser 87-Jährige hat jetzt Chancen auf Sitz im Nationalrat

Der grobe Fehltritt des Waadtländer CVP-Nationalrats Claude Béglé in Nordkorea könnte Jacques Neirynck das Comeback im Bundesparlament ermöglichen. Es wäre die späte Rache eines Verstossenen.

Roger Braun / ch media



Wer erinnert sich noch? Anfang des Jahrhunderts lief in der Schweiz der preisgekrönte Dokumentationsfilm «Mais im Bundeshuus». Fünf Parlamentarier streiten sich über ein Gesetz zur Gentechnik. Mit dabei: Jacques Neirynck. Rational wie es sich für einen ETH-Professor gehört, appelliert er an seine Ratskollegen, die Ideologie doch bitte auf der Seite zu lassen bei der Beratung. Damals war der Waadtländer CVP-Politiker bereits der älteste Parlamentarier in Bern.

Nun, 16 Jahre später, könnte dem 87-jährigen Neirynck ein für unmöglich gehaltenes Comeback gelingen. Grund ist der kolossale Fehltritt von Claude Béglé, der sich mit seinen euphorischen Tweets aus Nordkorea selbst innerhalb seiner Partei ins Abseits gestellt hat.

Béglé führt als amtierender Nationalrat die Waadtländer CVP-Liste für die Nationalratswahlen an. Nach seinem groben Patzer ist allerdings zweifelhaft, ob er sich als Kandidat halten kann. Und selbst wenn er antritt, ist höchst unsicher, ob ihm die Bevölkerung seine unüberlegten Äusserungen verzeihen wird.

Erben könnte den Sitz Neirynck, der die CVP bereits von 1999 bis 2003 sowie von 2007 bis 2015 im Nationalrat vertreten hatte. Dies wäre an Symbolwert kaum zu überbieten. Denn: Béglé und Neirynck sind erbitterte Gegner.

Die Schlammschlacht ist unvergessen

Ideologisch steht Neirynck weiter links als Béglé. Doch vor allem unterscheiden sich ihre Charaktere. Hier der feingeistige und hochgebildete Neirynck, der nicht nur als Wissenschafter Karriere gemacht hat, sondern mit beträchtlichem Erfolg auch Romane und Sachbücher schreibt. Da der durchsetzungsstarke Ökonom Béglé, der den grossen Auftritt liebt, als Post-Präsident allerdings nach zehn Monaten bereits sein Pult räumen musste.

Der Waadtländer CVP-Nationalrat Claude Béglé macht in den Parlamentsferien mit umstrittenen Tweets über Nordkorea von sich reden. Seine Kantonalpartei distanziert sich von den Äusserungen. (Archivbild)

Hat er sich mit seinen unkritischen Tweets über eine Reise in Nordkorea in die Nesseln gesetzt? Claude Béglé. Bild: KEYSTONE

2011 nahm Béglé den Sitz von Neirynck zum ersten Mal ins Visier. Unsummen von Geld steckte er in seinen Wahlkampf, trotzdem behielt Neirynck die Nase vorne. Damit begann die Schlammschlacht so richtig. Die Parteispitze setzte Neirynck unter enormen Druck zurückzutreten. Einen Tag nach der Wahl sei der Präsident der Waadtländer CVP bereits vor der Türe gestanden und habe ihn zum sofortigen Rücktritt aufgefordert, sagte Neirynck gegenüber den Medien.

Neirynck seinerseits weigerte sich zurückzutreten, obschon er damals die 80 Jahre bereits überschritten hatte. Schliesslich kam es zum Eklat. Für die Wahlen 2015 verbannte die CVP den ETH-Professor auf die Seniorenliste der Partei. Damit war der Weg frei für Béglé, der sich auf der Hauptliste locker durchsetzte und damit den lang ersehnten Sprung nach Bern schaffte.

Dass nun ausgerechnet Neirynck von Béglés Fehltritt profitieren könnte, wäre bester Stoff für einen seiner Politthriller. Zu seinen Wahlchancen wollte sich Neirynck am Mittwoch nicht äussern. Er wolle zuerst die ausführliche Erklärung von Béglé zu seiner Nordkorea-Reise hören, sagte er.

«Ich habe noch genug Energie»

Als Neirynck 1999 gewählt wurde, war er mit 68 Jahren bereits der älteste Parlamentarier in Bern. Nun 20 Jahre später würde er als 88-Jähriger in den Nationalrat eintreten. Ist der hektische und laute Parlamentsbetrieb wirklich das Richtige für einen, der vor 23 Jahren ins Pensionsalter eingetreten ist? Neirynck sieht kein Problem. «Ich habe noch genug Energie», sagt er. Er schreibe zwei Artikel pro Woche und jährlich ein Buch. Und überhaupt: «Ich habe in Bern nie Stress verspürt, sondern vielmehr eine allgemeine Benommenheit.»

Stolpert Béglé über seine unbedachten Worte, hat Neirynck gute Chancen. Selbst auf der unpopulären Seniorenliste machte er vor vier Jahren nach Béglé das beste persönliche Ergebnis. Nun ist er auf der Hauptliste. Die CVP steht zwar unter Druck, doch da der Kanton Waadt einen Sitz mehr zu vergeben hat, sind ihre Chancen intakt, den Sitz zu halten. (aargauerzeitung.ch)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • inmi 25.07.2019 09:33
    Highlight Highlight Von mir aus könnte die ganze CVP verschwinden. Hat die irgendwo mal etwas gutes gebracht?
    • Shabaqa 25.07.2019 11:30
      Highlight Highlight Sie hat die antiliberalen Katholiken in den Bundestaat integriert. Sicher eine grosse Leistung. Nur so von wegen "irgendwo mal etwas gutes"...
  • c_meier 25.07.2019 09:19
    Highlight Highlight hat die CVP Wadt keine anderen ernsthaften Kandidaten zu bieten als die oben genannten?
  • Basti Spiesser 25.07.2019 08:22
    Highlight Highlight Verstehe das ganze Theater um Béglé nicht.
    • c_meier 25.07.2019 11:26
      Highlight Highlight er hat letztes Jahr gleich 7 neue parlamentarische Gruppen gegründet mit ihm als Präsident und einziges Mitglied...
      Diese Gruppen können missbraucht werden, da ausländische Staaten denken, dass diese Person offizieller Vertreter der Schweiz ist auch wenn diese Person wie jetzt im Fall von Herr Béglé privat unterwegs ist...
  • Nik G. 25.07.2019 08:15
    Highlight Highlight Ich bin für eine Altergrenze von Parlamentarier.
  • Scaros_2 25.07.2019 06:56
    Highlight Highlight Ich finde man sollte wirklich eine Altersobergrenze einführen für Parlamentarier auf "Nationaler Ebene". Anstelle das man sich alte Leute stark macht die teils mit der heutigen Zeit total überfordert sind, einen Zeitgeist leben der heute nicht mehr so gewünscht wird und die Ansichten der Jugend nicht versteht/verstehen kann, sollte man doch lieber versuchen einen mitte 30/40 Jährigen ins Nationale Parlament zu bringen.
    • Max Dick 25.07.2019 07:05
      Highlight Highlight Senioren gehören genauso zur Bevölkerung wie die "Jungen". Und ein mitte 30 jähriger kennt den Zeitgeist der 80 jährigen genauso schlecht/gut wie umgekehrt. Fähigkeiten sollen zählen, nicht das Alter.
    • MaskedGaijin 25.07.2019 07:08
      Highlight Highlight "...einen Zeitgeist leben der heute nicht mehr so gewünscht wird..." Und wer befiehlt wie man zu leben hat?
    • banane1 25.07.2019 07:19
      Highlight Highlight Ja logo, aber es ist einfach unfair, wenn über Sachen abgestimmt wird, die langfristige Konsequenzen haben, die aber von denjenigen älteren Damen und Herren nicht mehr ausgebadet werden müssen. Die 70 jährigen von heute sind nicht gleich wie die 70jährigen in 10 oder 20 Jahren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Die_andere_Perspektive 25.07.2019 05:52
    Highlight Highlight Hmm... Wie wäre es mit der Einführung eines maximalalters für Beamte und Politiker? 87 finde ich wirklich viel zu alt für diesen Beruf.

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