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«Auf rätoromanische Sendungen kann man verzichten»: Wie ein Politiker die Bündner erzürnt

«Völliger Humbug.» Warum sich Politiker und Twitter-User über 17 Sekunden in der Nachrichten-Sendung «10vor10» aufregen.



Der Abstimmungskampf zur No-Billag-Initiative kommt in die entscheidende Phase. Immer mehr Parteien bestimmen ihre Parole. In rund einer Woche steht die spannendste Delegiertenversammlung auf der Agenda. Dann entscheidet sich, wie sich die SVP Schweiz positioniert.

Um den Puls der SVP-Anhänger zu spüren, besuchte die SRF-Nachrichten-Sendung «10vor10» die Delegiertenversammlung der Berner Kantonalpartei. Eine klare Mehrheit war dabei für ein Ja, obwohl der Vorstand sich für eine Ablehnung einsetzte.

Richtig brisant am Beitrag waren aber lediglich 17 Sekunden – und zwar das Votum des Berner Stadtrats Roland Iseli. Für den No-Billag-Befürworter und Gastronom ist klar, wie die SRG Geld einsparen kann.

«Ich bin hundertprozentig überzeugt: Jeder, der Rätoromanisch spricht, der kann sicher noch gut Deutsch, Italienisch oder Französisch. Also kann er doch auf dem Sender schauen, auf dem er die Sprache auch versteht. Damit lässt sich Geld sparen.»

Roland Iseli, Berner SVP-Stadtrat, an der SVP-Delegiertenversammlung in Bern

Hier der Ausschnitt aus «10vor10»

«Völliger Humbug», sagt der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas auf Anfrage von watson. Er führt aus: «Mit dieser Begründung könnte man auch italienischsprachige Sendungen einsparen, denn viele Tessiner und italienischsprachige Bündner sprechen auch eine zweite Landessprache.» 

Es vergeht kein Tag, an dem der CVP-Politiker kein Rumantsch spricht. Zudem ist seine Website neben Deutsch und Italienisch auch auf Rumantsch zu lesen. «Wir sind keine Folklore. Wir leben und lieben unsere Sprache. Wir sind Realität», sagt Candinas. Wenn man die rätoromanische Sprache und Kultur erhalten wolle, brauche es Radio- und Fernsehsendungen auf Rumantsch. 

Darum steht für Candinas fest: «Wer Ja zu No Billag sagt, sagt Nein zur rätoromanischen Sprache.» Denn es bestehe schlicht und einfach kein Markt für die kleine Bevölkerungsgruppe. «Wir kämpfen aktuell um den Verbleib der einzigen rätoromanischen Tageszeitung.»

Nicht nur Candinas regt sich über die Aussage von Iseli auf. Auch auf Twitter hagelte es harsche Reaktionen.

Trotz Kritik – Roland Iseli steht zu seiner Meinung, wie er gegenüber watson betont. «Ich habe nichts gegen Rätoromanisch und will es nicht als Landessprache abschaffen. Mir geht es einfach um Sparvorschläge für die SRG.» Heute müsse das Medienunternehmen wegen ein paar Tausend Personen separate Sendungen produzieren. «Darauf könnte man gut verzichten.»

Denn dass es nicht ausreicht, in der Schweiz nur Rätoromanisch zu sprechen, steht für ihn ausser Frage: «Mit Rätoromanisch kommt man heute in der Schweiz nirgends hin. Oder versuchen Sie mal, in dieser Sprache auf einer Berner Bank Geld abzuheben.»

Gemäss dem Bundesamt für Statistik sprechen 43'914 Menschen (Stand 2015) in der Schweiz Rätoromanisch. Über fünf Millionen Menschen kommunizieren auf Deutsch.

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