Schweiz
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Ist dem Bund rund 100 Millionen Franken wert: Kinder sollen nicht nur günstiger, sondern auch flexibler ausserhalb der Familie betreut werden können. shutterstock

Geldsegen für Kitas: Wie die Millionen des Bundes eingesetzt werden sollen

Seit dem Jahr 2003 hat der Bund die Schaffung von 52'000 Betreuungsplätzen unterstützt. Jetzt folgt die nächste Offensive: Günstigere Preise, flexiblere Angebote und Lösungen für die Ferienzeit.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



25 Franken bar auf die Hand und die Betreuerin bleibt extra eine halbe Stunde länger: So unkompliziert lassen sich Öffnungszeiten von Kindertagesstätten (Kitas) selten umgehen. Die Realität sieht anders aus. Als fortschrittlich gilt heute, wenn die Kita erst um 18.30 Uhr ihre Türen schliesst. Erwerbstätige Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten können damit umgehen und für Notfälle wie verspätete Züge findet sich schon eine Lösung.

Schwieriger ist es für den Krankenpfleger, die Pianistin, den Polizisten, die Köchin oder den Journalisten. Haben beide Elternteile oder Alleinerziehende unregelmässige Arbeitszeiten, wird die ausserfamiliäre Kinderbetreuung kompliziert: In Kitas gelten in der Regel fixe Wochentage und fixe Zeiten. Wer nach 18.30 Uhr oder am Wochenende einen Betreuungsplatz braucht, muss sich meist selbst behelfen.

Samstags in die Kita

Die Öffnungszeiten von Restaurants, Fabriken oder Konzerthallen sind kaum Kita-kompatibel. «In der Schweiz existieren in Kitas und schulergänzenden Betreuungsreinrichtungen so gut wie keine Angebote für dieses spezifische Bedürfnis», schreibt der Bundesrat. Die Stadt Bern stellte 2016 in einer Evaluation fest, dass spezielle Öffnungszeiten am Wochenende oder abends gar abgenommen haben. Wohl auch, weil wegen der Berner Tariflimiten die finanziellen Möglichkeiten der Kitas beschränkt sind, heisst es in dem Bericht.

Dabei stellt Fabian Haindl fest: «Die Nachfrage nach flexiblen Betreuungsangeboten nimmt zu.» Der Treuhänder ist Mitbegründer der Kinderkrippe «Small Foot» mit 20 Standorten in der Innerschweiz und im Aargau. Small Foot betreibt in Luzern genau eine Kita, die auch samstags geöffnet ist – die einzige in der Stadt. «Die Grundauslastung ist zwar solide, doch das Angebot ist quersubventioniert», sagt Haindl.

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Die Firma kann es sich aufgrund ihrer Grösse aber leisten. «Wir setzen mit diesem Angebot ein Zeichen gegen aussen», sagt Haindl. «Wir pflegen die Flexibilität, und das ist ein grosser Wettbewerbsvorteil.» Hilfreich ist für das Luzerner Unternehmen die Kooperation mit Spitälern und Unternehmen. Fabian Haindl ist überzeugt: Die Wirtschaft muss mehr einbezogen werden und die flexiblen Angebote mittragen. Dazu gehört bei Small Foot auch, dass keine Kita voll ausgelastet ist und damit Platz für kurzfristige Anfragen bleibt. Doch auch hier gilt: Small Foot kann sich das Freihalten von Kapazitäten leisten, weil unter anderem das Kantonsspital Luzern ein Interesse daran hat und sich finanziell beteiligt.

Geld für bessere Angebote

Am Dienstag beschloss nach dem Ständerat auch der Nationalrat, dass Kantone und Gemeinden über fünf Jahre hinweg für die Kinderbetreuung rund 100 Millionen Franken als Anstossfinanzierung erhalten sollen. Haindl begrüsst es, dass 15 Millionen Franken für Projekte vorgesehen sind, mit denen die Betreuungsangebote besser auf die Bedürfnisse der Eltern zugeschnitten werden: «So können wir neue Projekte entwickeln und den Markt testen», sagt er.

«Ginge es alleine um Öffnungszeiten und mehr Flexibilität, könnte man den Markt spielen lassen», sagt hingegen die Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti. Es gebe keinen hohen Bedarf für Kitas, die bis 20 Uhr geöffnet seien. «Wichtiger ist es, neue Modelle zu entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen bestehenden Betreuungsangeboten zu verbessern», so die Präsidentin von Kibesuisse, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz. Etwa die Kombination von Tagesstruktur und Tagesfamilie.

Bund beteiligt sich stärker

Grossen Nachholbedarf ortet Quadranti bei den schulergänzenden Angeboten – insbesondere die Ferienbetreuung sei in vielen Kantonen «sehr schlecht». Auch solche Projekte will das Parlament mit dem 15-Millionen-Kredit anschieben. Ob das Geld reicht, werde man sehen, sagt Quadranti. Doch auch hier gelte, dass die Vernetzung wichtig sei: «Es gibt schon heute viele Ferienangebote, nur müssen sie besser an die Bedürfnisse von erwerbstätigen Eltern angepasst werden», sagt die BDP-Fraktionschefin.

Seit 2003 hat der Bund mit einer bereits zweimal verlängerten Anschubfinanzierung die Schaffung von 52 000 ausserfamiliären Betreuungsplätzen mitfinanziert. Diese Plätze sind vor allem im Vorschulalter entstanden. Das Angebot ist zwar nicht in allen Regionen gleich gross, doch in gewissen Städten gibt es Sättigungstendenzen. Nach diesem Aufbau folgt nun also Phase zwei: mehr Flexibilität, mehr schulergänzende Angebote – und tiefere Preise für Eltern. Mit 82.5 Millionen Franken will der Bund erreichen, dass sich die Gemeinden und Kantone stärker an den Betreuungskosten beteiligen. Steigern die Kantone ihren Anteil, bekommen sie vom Bund befristet Geld.

Das grösste Manko im Land

Für Rosmarie Quadranti sind die hohen Kosten klar das grösste Manko in der Schweiz: «Für den Mittelstand und Gutverdienende sind die Betreuungskosten zu hoch.» Zu diesem Schluss kam auch ein Ländervergleich des Bundesamts für Sozialversicherungen. In Deutschland, Österreich und Frankreich tragen die Eltern einen wesentlich geringeren Anteil der Kosten für einen Betreuungsplatz, nämlich zwischen 14 und 25 Prozent. Im Kanton Zürich liegt der Wert bei 66, in der Waadt immerhin noch bei 38 Prozent.

Trotz den Entscheiden im Parlament bleibt noch viel zu tun. Letzte Woche publizierte der Bund einen breit angelegten Familienbericht. Eine Kernaussage daraus: «Die heutige Generation junger Eltern kann als pragmatische Elterngeneration unter Druck bezeichnet werden. Das klassische Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben bleibt weiterhin hoch aktuell.» 

Wenn du diese Spielplätze siehst, wünschtest du dir, du wärst ein dänisches Kind

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wilhelm Dingo 03.05.2017 10:54
    Highlight Highlight Flexible Plätze sollen gefördert werden. Fördert das auch die Kinder?
  • mogad 03.05.2017 09:35
    Highlight Highlight Die SVP hat nein gesagt zu diesen 100 Mio. für den Krippenausbau. Der ist aber nötig, wenn man die Frauen zum Arbriten motivieren will und dadurch weniger Ausländer reinholen muss. Ich verkneife mir jeden weiteren Kommentar.
    • atomschlaf 03.05.2017 09:53
      Highlight Highlight Richtig wäre es, die Hauptprofiteure, nämlich die Arbeitgeber zur Kasse zu bitten.
    • schebegeil 03.05.2017 13:27
      Highlight Highlight oder evtl auch weniger auf billige praktikanten verzichten. denen wird jahr für jahr die hoffnung gemacht sie könnten eine lehrstelle kriegen, tatsächlich passiert dies aber nur bei einer von drei praktikantinnen.
  • LeChef 03.05.2017 09:19
    Highlight Highlight Wie wird das Geld denn jetzt eingesetzt? Das steht nicht im Artikel. Familien auf Antrag gezielt zu entlasten ist sinnvoll; ähnlich wie man das mit den Ergänzungsleistungen/Krankenkassenverbilligungen handhabt. Eine direkte Subvention, die an die Kitas fliesst, wäre aber ökonomischer Unsinn.
    • mogad 03.05.2017 10:13
      Highlight Highlight Frag ich mich auch. Nach welchen Kriterien wird das Geld an Kantone und Gemeinden verteilt? Eventuell wie bei der KK-Prämienverbilligungen? Ich fiel aus allen Wolken, als ich erfuhr dass viele Gemeinden die Gelder des Bundes nicht weitergaben, sondern jahrelang auf irgendwelchen Konten lagerten. Bis der Bund intervenierte.
  • Adremos 03.05.2017 08:54
    Highlight Highlight Sicherlich ist es gut, wenn der Bund endlich zumindest ein bisschen Geld für die Kinderbetreuung in die Hand nimmt.

    ABER es ist immer noch ein Witz....... 100 Mio/5 (Jahre)/52000 Plätze = 400 Chf pro Platz pro Jahr. Ein Platz kostet aber ca. 20000 Chf pro Jahr. Und solange da nicht richtig Geld fliesst, wird auch aus den Flexiblen Modellen nichts, da die noch teurer sind pro Platz (und es viel weniger Nachfrage hat).

    Der Bund sollte, wenn er denn die Familien wirklich unterstützen will endlich richtig investieren oder die Kitas gleich wie die Schulen selber übernehmen.
    • atomschlaf 03.05.2017 10:27
      Highlight Highlight Wenn man schon rummotzt, sollte man vielleicht ein klein wenig Ahnung davon haben, wie das Schul- und Erziehungswesen in der Schweiz organisiert ist.
      Ist nämlich Sache der Gemeinden und Kantone.
      Nix mit "gleich wie die Schulen selber übernehmen".
      So gesehen ist das Subventionsfüllhorn für die Kinderbetreuung erst recht daneben.

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