Schweiz
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Drei Asylbewerber lernen Italienisch in einem Klassenzimmer des Bundesasylzentrums in Losone, am Samstag, 23. April 2016. Das Staatssekretariat fuer Migration laedt die Bevoelkerung zu einem Tag der offenen Tuere ins Bundesasylzentrum Losone ein. Die Besucher haben die Moeglichkeit sich ueber die Bundeszentren zu informieren und an Fuehrungen teilzunehmen. (KEYSTONE/T-PESS/Samuel Golay)

Wie viel müssen Ausländer künftig für den Sprachenpass büffeln?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Für Ausländer kommt jetzt der Sprachenpass – geht Einbürgern nun nur noch mit?

Weil die Sprache für die berufliche und soziale Integration wichtig sei, führt das Staatssekretariat für Migration einen Sprachnachweis für Ausländer ein. Der Pass kommt ab 2017, soviel ist klar. Vieles andere ist noch unsicher.  



Der Sprachenpass wird bei uns Realität. Ab 2017 hält er fest, wie gut fremdsprachige Ausländer in der Schweiz Deutsch, Französisch oder Italienisch sprechen und schreiben.  

Was ist der Sprachenpass genau?

Ein Instrument, um die erworbenen Sprachkompetenzen in verschiedenen Lebenssituationen nachweisen zu können. So beschreibt ihn das Staatssekretariat für Migration (SEM). 

Wer ist für die Sprachentests verantwortlich?

Die Geschäftsstelle Fide, ein Ableger des SEM, wird die Sprachtests durchführen und den Sprachenpass herausgeben. Die Prüfung beinhaltet einen mündlichen sowie einen schriftlichen Teil. Die Noten sind in sechs Schritte abgestuft. Sie gehen von A1 (Anfänger) bis C2 (beinahe muttersprachige Kenntnisse), wie der Tages-Anzeiger schreibt. Fide ist zugleich für die Sprachausbildung zuständig. 

Umfrage

Brauchen wir einen Sprachenpass?

  • Abstimmen

453

  • Ja. Sprachen sind wichtig für die Integration. 71%
  • Nein. Ausländer müssen Sprachen auf anderen Wegen lernen. Ein Pass ist unnötig. 11%
  • Die Idee ist nicht schlecht. Das Geld dafür könnte jedoch anderweitig sinnvoller eingesetzt werden. 17%

Was lernen die Ausländer?

Die Migranten sollen Sprachkompetenzen erlernen für den Alltag. Konkret heisst das, dass sie in Kursen vermittelt bekommen, wie sie sich ausdrücken sollen bei einem Arztbesuch, während einem Elternabend oder beim Schwatz mit dem Nachbar. Kann sich ein fremdsprachiger Ausländer per Telefon mit seinem Vermieter über den Einzugstermin und den Mietzins unterhalten, bekommt er auf der Notenskala ein A2. Was der Inhalt der Kurse genau sein wird, ist noch nicht klar. Ebenso wenig, wie oft sie wiederholt werden können. Das SEM weiss zudem noch nicht, wie viele Standorte für Prüfungen es in den Kantonen geben soll. 

Was soll der Pass bringen?

SEM-Sprecherin Léa Wertheimer sagt zu watson: «Der Hauptvorteil des Passes ist die Vereinheitlichung der Sprache.» Im Pass sei klar sichtbar, auf welchem Niveau sich der Inhaber auf Deutsch, Französisch oder Italienisch bewege. «Ein Arbeitgeber kann so beispielsweisse in Zukunft besser beurteilen, ob die Sprachkenntnisse von einem Bewerber genügen oder nicht.» Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte vor dem Beginn des Pilotprojekts: «Wer sich in der Heimat seiner Wahl erfolgreich bewegen will, muss sein Umfeld verstehen und sich mit ihm verständigen können.» Sprache sei Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Nicht das Bestehen eines abstrakten, schriftlichen Tests sei das Ziel, sondern das Meistern alltäglicher Herausforderungen.

Zwei Asylbewerber spielen ein

Mit oder ohne Pass: Sprache hilft bei der Integration auf jeden Fall. 
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Wird künftig nur eingebürgert, wer den Sprachenpass hat?

«Aktuell ist der Sprachenpass in der Evaluation. Ob er obligatorisch wird – zum Beispiel bei Einbürgerungen – das steht nicht fest», sagt SEM-Sprecherin Wertheimer auf diese Frage. Es bräuchte zuerst Änderungen in den entsprechenden Gesetzen. Das neu revidierte Bürgerrechtsgesetz will, dass Ausländer für eine Einbürgerung auf einem gewissen Niveau sprechen und schreiben können müssen. Das revidierte Ausländer- und Integrationsgesetz forderte ähnliches – Sprachnachweise in einer Landessprache für eine Niederlassungsbewilligung und den Familiennachzug. Die Revision ist allerdings noch nicht abgeschlossen. 

Wie viel kostet das Ganze?

Wie teuer die Kurse sein werden, weiss das SEM nicht. Die Entwicklung und die Pilotphase haben insgesamt 740'000 Franken gekostet. Die Phase ging von Anfang Januar 2014 bis Mitte 2016.  

Zusammenarbeit mit den Kantonen 

Das SEM hat die Entwicklung des Sprachenpasses in Auftrag gegeben. Die Bietergemeinschaft ECAP, telc GmbH und Volksschule Bern führten ihn aus. Sprachkursanbieter in den verschiedenen Sprachregionen sind involviert. Kantone und Behörden arbeiten eng zusammen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • whatthepuck 02.06.2016 20:50
    Highlight Highlight Tönt doch gut.

    Immerhin ist's behördlich geregelt und verkommt nicht zur privaten Gschäftlimacherei.
  • andy y 02.06.2016 18:14
    Highlight Highlight Ich she das ganze so. Es ist doch wieder ein Dokument deren Ausstellung Kostenpflichtig ist und Einnahmen generiert. Zudem werden anstatt Stellen abgebaut wieder neue geschaffen bezahlt mit Steuergeld. Indirekt eine Umschichtung, den Aufwand bezahlen wir die einnahmen bekommen die Behörden. Selbsttragend ist sowas nie. Im meinen Augen Staatlich verordneter Blödsinn und Bürokratie. Es gibt ein Kursbüchlein wo jeder absolvierte Kurs bestätigt wird und welche Sprache Mensch nun spricht und schreiben kann lässt sich jederzeit Face to Face feststellen.
  • Paco69 02.06.2016 17:47
    Highlight Highlight Die CH ist eines der wenigen Länder, das sich enorm mit der Integration der Zuwanderer beschäftigt und dafür auch jedes Jahr Milliardenbeträge aufbringt. Den meisten anderen Ländern ist die Integration von Zuwanderern völlig egal. Dort gilt nämlich: pass dich an oder gehe wieder!




    • Fabio74 02.06.2016 18:00
      Highlight Highlight und das Geld lohnt sich aufzuwenden. siehst ja die Zustände in F und B z.b.
    • MrJS 02.06.2016 18:01
      Highlight Highlight ...und dort sieht man auch zu was das führt: Beispiel Frankreich: Banlieus, in welchen viele Jugendliche keine Perspektive haben und dem Staat auf der Tasche sitzen.... (Oder sich gar gegen ihn stellen)
    • Timmy :D 02.06.2016 18:15
      Highlight Highlight Oder ab ins Ghetto mit dir. Doch glücklicherweise gibt es keine Ghettos in der Schweiz
    Weitere Antworten anzeigen
  • Adremos 02.06.2016 17:42
    Highlight Highlight Per se keine schlechte Idee... Aber dass die Behörde welche die Sprachkompetenzen tested, gleichzeitig diejenige ist, die die Kurse anbietet, finde ich nicht sehr glücklich.
    • isag 02.06.2016 20:35
      Highlight Highlight wieso? das ist ja mit allen englischtests zb auch so. habe letzte woche den ielts gemacht, der test wurde auch von denen abgenommen, die den kurs anbieten..
  • Benizzel 02.06.2016 17:20
    Highlight Highlight Müssen den auch Italiener, Franzosen, Belgier, Deutsche, Österreicher etc. machen😳
    • Timmy :D 02.06.2016 18:18
      Highlight Highlight Ich vermute mal, wenn die Muttersprache die entsprechende Landessprache ist nicht. Ansonsten schon.
  • mastermind 02.06.2016 17:18
    Highlight Highlight Tolle Idee. Also dass dieser Pass für die Einbürgerung notwendig ist, sollte klar sein. Ab 2017 dann hoffentlich keine Einbürgerung ohne nachweisliche Sprachbeherrschung. Endlich mal was Sinnvolles!
    • Fabio74 02.06.2016 17:53
      Highlight Highlight Darf man dann auch "Eidgenossen", die nicht nicht fähig sind in korrektem Deutsch zu kommentieren, ausbürgern?
    • ostpol76 02.06.2016 18:02
      Highlight Highlight @Fabio74
      Dann müssten aber viele, die bereits eingebürgert wurden auch wieder ausgebürgert werden ;-)
    • essy* 02.06.2016 18:29
      Highlight Highlight Meiner Meinung nach ist ein solcher Pass nicht für alle Einbürgerungen sinnvoll, und würde, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, auch nur für fremdsprachige Ausländer gelten. Ich bin z.B. hier geboren und aufgewachsen, studiere mittlerweile an einer Universität. Meine erste Muttersprache ist Deutsch und dennoch musste ich vor dem Einbürgerungsgespräch einen Test mit Hörverständnis absolvieren. Eine Regelung, dass man bei Nachweis von Schulbesuch in der Schweiz o.Ä. davon befreit ist (wie sie meines Wissens nach Zürich praktiziert wird), wäre aus meiner Sicht sinnvoller.
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