Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine Baeuerin beim Heuen vor der Taminabruecke bei Valens im st. gallischen Taminatal am Mittwoch, 6. August 2015. Die Bauarbeiten an der groesste Bogenbruecke der Schweiz schreiten planmaessig voran und sollen 2017 abgeschlossen sein. Die Taminabruecke hat eine Bogenspannweite von fast 260 Metern und eine Gesamtlaenge von 475 Metern. Auf der Seite Pfaefers sind bereits 35 Meter betoniert, auf der Seite Valens sind es 20 Meter. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Viele Bäuerinnen sind in der Schweiz nicht sozial abgesichert. Bild: KEYSTONE

Bäuerinnen fordern soziale Absicherung und stossen auf Widerstand – doch es gibt Hoffnung



In der Schweiz erhalten rund drei Viertel aller Bäuerinnen keinen Lohn. Folglich erhalten sie weder Arbeitslosenentschädigung noch Mutterschaftsurlaub.

Gerade nach einer Scheidung kann dies existentielle Folgen haben. Ihnen bleibt dann nur die Minimalrente. Wenn es ganz bitter kommt, landen sie bei der Sozialhilfe. Laut dem «Tages-Anzeiger» holen sich deswegen immer mehr Betroffene beim bäuerlichen Sorgentelefon Rat.

Christine Buehler, Praesidentin Schweizerischer Baeuerinnen- und Landfrauenverband, am Abstimmungsfest des Komitees

Christine Bühler Bild: KEYSTONE

Christine Bühler, Präsidentin des Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, kennt viele solcher Fälle. Sie kämpft bereits seit acht Jahren dafür, dass Bäuerinnen eine Entlöhung erhalten und sich sozial absichern können – bislang erfolglos. Bei ihren männlichen Kollegen konnte sie sich kein Gehör verschaffen.

Allerdings könnte sich das mit der Empfehlung des Bundesrates in seinem Bericht zur Agrarpolitik 2022 ändern. So schlägt er vor, dass Direktzahlungen nur noch an jene Haushalte gezahlt werden, in denen Frauen sozialversichert sind. «Eine Bombe im Hühnerstall», meint Bühler. 

Nationalrat Markus Ritter spricht an der Jahresmedienkonferenz

Markus Ritter Bild: KEYSTONE

Bauernverbandspräsident Markus Ritter wollte sich bislang noch nicht zum Vorschlag aus Bundesbern äussern. Jedoch dürft sich seine Haltung seit letztem November nicht geändert haben. Damals sagte er gegenüber der «NZZ»: «Wir können doch nicht jedem Bauern vorschreiben, dass er seine Familie bezahlen muss». Bauern sollen dies selber entscheiden.

Der Bauernverband will in einem Monat einen Entschluss zur Empfehlung des Bundesrates fassen. Eine bedingungslose Zustimmung scheint aber eher unrealistisch zu sein. Ritter verweist auf die Tatsache, dass nicht alle Frauen in der Landwirtschaft hinter dem Vorschlag stehen. 

Damit hat er nicht unrecht. Bühler bestätigt das – und auch ihr wäre «die Verknüpfung an weniger existenzielle Beträge» lieber, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Trotzdem: Sie fordert, dass die Lohnpflicht für Bäuerinnen im Gesetzt verankert wird.

CAPTION CORRECTION: VORNAME --- Maya Graf, Nationalraetin Gruene-BL, spricht bei der Delegiertenversammlung der Gruenen am Samstag, 26. August 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Maya Graf Bild: KEYSTONE

Unterstützung erhält sie von den Nationalrätinnen Maya Graf (Grüne) und Alice Glauser (SVP). Letztere sagt, dass es in dieser Frage nicht darum geht, «ob man links oder rechts steht». Es gehe allein um die Rechter der Frau.

Graf fordert, dass die soziale Absicherung direkt an die Subventionen des Bundes geknüpft werden. Sie schätzt, dass die Diskussionen etwa zwei Jahre dauern dürften.

Vorerst bleibt aber abzuwarten, welche Haltung der Bauernverband zum Vorschlag des Bundesrates einnimmt. (vom)  

«Die Landwirtschaft kostet die Schweiz jährlich 20 Mrd.»:

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

500 Meter hohes Korallenriff in Australien entdeckt

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

So sehen erzürnte Bauern aus!

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

32 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Gummibär
28.01.2019 07:02registriert December 2016
Die Bäuerin schmeisst den Laden während der Betriebs-Eigner senen Militärdienst leistet, wegen eines Unfalls im Spital liegt, mit Forstarbeit oder als LKW Fahrer seinenen Verdienst aufbessert.
Jetzt will sie auch noch für ihre Arbeit bezahlt werden !
Bislang hat doch Kost und Logis und mit Kindern beschenkt werden alleweil genügt...........
606
Melden
Zum Kommentar
97ProzentVonCH68000
28.01.2019 05:27registriert August 2016
Also: Bauern zahlen ihren Ehefrauen keinen Lohn (kaum legal), so dass diese darauf keine Einkommenssteuern zahlen (Schwarzarbeit?).
Und jetzt soll der Staat dafür eine Sonder-Wohlfühllösung schaffen, statt dass die Bäuerinnen ihren Lohn selbstverantwortlich selbst einfordern.
Gaht‘s no?
9644
Melden
Zum Kommentar
rodolofo
28.01.2019 06:43registriert February 2016
Mit Bauern über Löhne und Sozialleistungen verhandeln ist immer sehr schwierig.
Viele Bauernbetriebe arbeiten am Existenzminimum, mit dem Bauernsterben im Nacken.
Auch wenn in der Schweiz ein ausgebauter Protektionismus mit Importsperren und Zöllen, kombiniert mit Direktzahlungen für besondere Leistungen ökologischer- und Landschaftspflegerischer Natur einen gewissen Schutz bieten, steigt der Druck auf die Preise und Einkommen von Bauernfamilien durch Billig-Produkte, Grossverteiler-Macht und Freihandel immer mehr!
Aber bei der eigenen Frau zu sparen, wäre sicher am falschen Ort gespart...
281
Melden
Zum Kommentar
32

Verliert die SVP einen Bundesratssitz? Die SP und CVP bauen Drohkulisse auf

Man könnte denken, dass es abgesprochen war: Zuerst attackierte CVP-Präsident Gerhard Pfister die SVP. Und nur fünf Tage später sekundierte SP-Präsident Christian Levrat. Die beiden Parteichefs haben damit die Tonlage für die Wahlen 2023 vorgegeben.

Es war ein kleines Stakkato. Zuerst stellte CVP-Präsident Gerhard Pfister im «Tages-Anzeiger» fest, dass die SVP als «grösste Partei in diesem Land alles tut, um die Entwicklung zu einem Regierungs-Oppositions-System voranzutreiben.»

Kurz darauf sekundierte SP-Präsident Christian Levrat in der «NZZ am Sonntag»: «Die Frage stellt sich, ob der SVP weiterhin zwei Sitze in der Landesregierung zustehen sollen.»

Der Ton für die nächsten drei Jahre ist damit vorgegeben. Bis 2023 dürfte SVP-Bundesrat …

Artikel lesen
Link zum Artikel