Schweiz
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Für alle Verheirateten: Du kannst eine Affäre haben – deine Ehe ist deswegen noch nicht am Ende

Bild: REUTERS

silvia schaub



Als Max wieder bei Hanna einzog, war der Schock gross. Nicht bei ihr, sondern bei ihren Freundinnen. Wie kann sie nur, nachdem, was er ihr angetan hatte? Erst vor ein paar Wochen war sein Verhältnis mit der Arbeitskollegin aufgeflogen. Dann stellte sie ihn vor die Tür.

Und nun das: Hanna hat ihm verziehen – und lässt ihn wieder einziehen.

«Die meisten Affären zerstören die Ehe nicht.»

Paartherapeut Oskar Holzberg

Sie ist damit in bester Gesellschaft. Auch Promis sind nicht vor Untreue gefeit. Victoria Beckham etwa leugnet bis heute die Affäre ihres Ehemanns mit einer Spanierin. Hillary Clinton stand die Monica-Lewinksy-Affäre ebenfalls souverän aus. Und auch Emma Ferguson hat ihrem Mann, Take-That-Sänger Mark Owen, ganz offensichtlich seine zahlreichen Seitensprünge verziehen, wie neueste Bilder zeigen. Die Liste könnte man beliebig verlängern.

Treffen kann es fast jede und jeden

Dabei hätten diese Frauen mit einer Scheidung ihre Zukunft sanieren können. Doch sie blieben. Oder vielmehr: Sie duldeten den Seitensprung und liessen ihre Männer wieder ankriechen. «Eine Affäre muss nicht das Ende einer Ehe bedeuten», betont Paartherapeut Oskar Holzberg. «Auch wenn ein solches Ereignis enorm schmerzhaft ist.»

«Es klingt kurios, aber ich muss fast froh sein, ist es passiert. Denn sonst wäre unsere Ehe einfach so dahingeplätschert – und vielleicht wirklich den Bach runtergegangen.»

Hanna, betrogene Ehefrau

Treffen kann das fast jeden einmal, wenn man den Umfragen zum Thema Fremdgehen glaubt. In einer heisst es, dass rund die Hälfte der Männer und gegen 40 Prozent der Frauen fremdgehen. In einer anderen, dass ganze 72 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer einen Seitensprung riskieren würden, wenn sie Gelegenheit dazu hätten.

Ob das der Realität entspricht, sei dahingestellt. Affären und Seitensprünge scheinen also allgegenwärtig zu sein.

Ein Grossteil würde eine Affäre verzeihen

Interessant bei solchen Umfragen ist auch, wie Paare damit umgehen. Laut einer Umfrage von Bluewin im Frühling würde ein Grossteil dem Partner einen Seitensprung verzeihen. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: Zum Beispiel einen einmaligen Ausrutscher oder wenn die Affäre während einer langjährigen Beziehung passiert. Das zeige zwar, dass wir in der Tendenz monogam leben, aber letztlich wohl unsere Biologie nicht eindeutig darauf ausgerichtet sei.

Umfrage

Und jetzt du: Würdest du deinem Partner einen Seitensprung verzeihen (so gaaanz rein theoretisch, natürlich)?

  • Abstimmen

1,690 Votes zu: Und jetzt du: Würdest du deinem Partner einen Seitensprung verzeihen (so gaaanz rein theoretisch, natürlich)?

  • 34%Jetzt im Ernst? Nein.
  • 11%Ja.
  • 19%Ich glaube schon.
  • 25%Kommt drauf an, mit wem er/sie mich betrogen hat.
  • 10%Partner? Ehe? Pffff... Ich bin Single – und das ist gut so.
  • 2%Ich lebe glücklich in einer offenen Ehe. Mich tangiert diese Frage nicht.

«Die sexuelle Grenze, als Abgrenzung einer Beziehung, existiert zwar noch für die meisten Paare, aber reicht uns schon lange nicht mehr als einziges Kriterium für eine Beziehung aus», erklärt Holzberg, von dem kürzlich das Buch «Schlüsselsätze der Liebe – 50 kluge Gedanken, die Ihre Beziehung verbessern können» erschienen ist (siehe Box).

«Wir suchen mittlerweile Beziehungen, in denen neben der romantisch geprägten Emotionalität eine wirklich kommunikative, unterstützende Partnerschaft existiert.» Wenn das der Fall sei, dann könne man auch einen Seitensprung leichter verschmerzen.

Die Affäre wird in die Ehe «mit einberechnet»

Hat das zu einer «Normalisierung» im Umgang mit Affären und Seitensprüngen geführt? «Ja, weil wir heute davon ausgehen, dass es möglich ist, dass unser Partner oder wir selbst eine Affäre haben oder einen Seitensprung.»

Eine Aussenbeziehung werde heute, so Holzberg, von immer mehr Paaren sogar mit einberechnet. Natürlich hofft man, dass es nicht dazu kommt. Aber andererseits rechnet man damit und ist auch bereit, sich damit auseinanderzusetzen, wenn es geschehen ist.

Kann ein Lied von einer ausserehelichen Affäre singen: Hillary Clinton. Doch ihre Ehe hielt.
Bild: BRIAN SNYDER/REUTERS

Grossen Einfluss auf die Scheidungsrate in der Schweiz hat das allerdings bis jetzt noch nicht. Diese liegt nach wie vor um rund 50 Prozent. Der Grossteil der Scheidungen wird von den Frauen eingereicht. Hauptgrund: Untreue des Ehemannes. Aber, so stellt Holzberg fest: «Feste, langjährige Beziehungen sind uns wertvoller geworden.»

Wenn wir uns doch noch häufig wegen Affären und Seitensprüngen trennen, dann liege das eher daran, dass über die Aussenbeziehung die eigene Beziehung infrage gestellt werde. «Und wir dabei entdecken, dass unsere gegenwärtige Beziehung nicht mehr unseren Ansprüchen gerecht wird und sie im Licht der Affäre nicht mehr bestehen kann.»

«Ich liebe ihn eben immer noch, und deshalb war es mir wert, darum zu kämpfen. Wir haben schliesslich so viel zusammen aufgebaut.»

Hanna, Ehefrau

Die Beziehung einfach aufzugeben, kam für Hanna nicht infrage. «Ich liebe ihn eben immer noch», sagt die zweifache Mutter, «und deshalb war es mir Wert, darum zu kämpfen. Wir haben schliesslich so viel zusammen aufgebaut.» Natürlich sei die Affäre ein Schock für sie gewesen. «Es hat aber schon länger in ihrer Ehe gekriselt. Nur nahmen wir uns nie die Zeit, auch miteinander darüber zu sprechen», meint sie rückblickend.

Chance für einen Neubeginn

Untreue kann also eine Chance sein. Davon ist auch der Paarberater Hans Jellouschek überzeugt. «Denn sie weist darauf hin, dass in der Beziehung offensichtlich die Liebe nicht mehr lebendig war. Und das kann Anlass sein, dass man sich damit auseinandersetzt und die Beziehung wieder ‹restauriert›».

«Eine Aussenbeziehung ist häufig ein Versuch, etwas von uns wiederzufinden, das verloren gegangen ist.»

Oskar Holzberg, Paartherapeut

«Die meisten Affären zerstören die Ehe nicht», sagt Holzberg sogar. Ein solcher Einschnitt biete die Gelegenheit, das zur Sprache zu bringen, was vorher nur ein diffuses oder verleugnetes Unbehagen war. «Häufig rutschen wir nicht in eine Affäre, weil wir eine andere Person suchen, sondern weil wir uns selbst suchen. Es geht auch nicht darum, dass wir die Person verlassen wollen, mit der wir zusammen sind, als vielmehr, dass wir die Person verlassen wollen, zu der wir geworden sind.»

Bücher zum Thema

Oskar Holzberg: Schlüsselsätze der Liebe – 50 kluge Gedanken, die Ihre Beziehung verbessern können, DuMont Verlag, 198 S., Fr. 28.90

Hans Jellouschek: Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance, Verlag Piper, 190 S., Fr. 12.90

Das heisst: Wir sind also von uns selbst entfremdet. «Eine Aussenbeziehung ist häufig ein Versuch, etwas von uns wiederzufinden, das verloren gegangen ist.»

Nicht mehr genug für die Liebe getan

Eine Chance für einen Neubeginn? «Nicht in dem Sinne, dass wir ganz von vorne anfangen können. Aber so etwas wie ein Grossreinemachen, eine gründliche Renovierung, nach der ja auch vieles wie neu aussieht», meint Oskar Holzberg. Und manchmal kann sich eine Beziehung auch vertiefen. Dann etwa, wenn beide einsehen, dass sie nicht mehr genug für die Liebe getan haben.

«Wenn auch der ‹Betrogene› seinen Anteil an dem Unglück erkennt und der Untreue bereit ist, sich wieder für die Beziehung zu engagieren», sagt Hans Jellouschek. Dann könne durch diese Auseinandersetzung die Beziehung tatsächlich tiefer werden als sie vorher war.

«Trennungen bleiben das Erdbeben der Seele, also ist jede Situation, in der eine Trennung droht, für uns ein schlimmes Erleben.»

Sollten wir künftig demnach schon in aller Verliebtheit das Thema Untreue ansprechen? Oskar Holzberg: «Es liegt nahe, das zu tun, und ich glaube, viele Paare tun es entweder direkt oder indirekt. Beziehungen leben aber immer davon, dass wir uns dort sicher fühlen und einen Partner haben, der für uns da ist.»

Wenn diese Sicherheit bedroht sei, dann sei das schlimm, gleichgültig welche anderen Werthaltungen wir hätten. «Trennungen bleiben das Erdbeben der Seele, also ist jede Situation, in der eine Trennung droht, für uns ein schlimmes Erleben.»

Schlimm war die Erfahrung auch für Hanna. Dennoch sieht sie es als Chance für einen Neuanfang. Rückblickend sagt sie sogar: «Es klingt kurios, aber ich muss fast froh sein, ist es passiert. Denn sonst wäre unsere Ehe einfach so dahingeplätschert – und vielleicht wirklich den Bach runtergegangen.»

Und wenn du ewig verheiratet bleibst, endest du womöglich so:

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • shills-anonymous 15.11.2015 04:20
    Highlight Highlight zerstört war doch schon etwas ganz anderes. das vermögen sich in seinen partner zu versetzen. die innere kraft ehrlich zu sein. nunja, es ist nie zu spät..
    0 0 Melden
  • no0815girl 12.11.2015 21:47
    Highlight Highlight Ich habe das schon durch. Seitensprung vom Partner. Obwohl die Beziehung kein bisschen kriselte. Gelegenheit macht Liebe. Es war sehr schwer, darüber hinwegzukommen und zu verzeihen. Ich weiss nicht, ob ich das nacheinem Jahr schon geschafft habe. Das Vertrauen ist jedenfalls sehr angeschlagen. Aber wir sind alle nur Menschen und jeder macht mal Fehler.
    6 1 Melden
  • Asmodeus 12.11.2015 14:06
    Highlight Highlight Bei der Umfrage fehlt die Option.

    "Wir leben glücklich in einer offenen Ehe. Uns tangiert dieser Eifersuchts/Fremdgeh-Blah nicht"
    ;)
    28 9 Melden
    • Miss_Ann_Thropist 12.11.2015 15:07
      Highlight Highlight same here
      7 5 Melden
    • Sabina Sturzenegger 12.11.2015 16:06
      Highlight Highlight Guter Punkt. Habe die Option nachträglich in den Poll eingefügt – obwohl dadurch die Umfrage ein bisschen verfälscht wird. Wir werden jetzt wohl darauf verzichten müssen, die Umfrage als «repräsentativ» zu verkaufen. ;-)
      5 3 Melden
    • Asmodeus 12.11.2015 16:21
      Highlight Highlight Ach ich suche mir einfach nochmal 4 Rechner, logge mich dort ein und stimme einmal für jede Option ;)

      Ich habs nicht so mit Monogamie bei Computern.
      15 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

«Wie sage ich einem ONS, dass der Sex nicht vorbei ist, nur weil ER gekommen ist?»

Hi Ronja,

merci viel mal für deine Frage, die sich wohl schon vielen Frauen gestellt haben. Ich habe ein paar Männern in meinem Umfeld deine Frage vorgelesen und teile dir nun drei Antworten mit, die ich bekommen habe:

Ich will die Antworten nicht werten, liebe Ronja. Was ich dir aber unbedingt mit auf den Weg geben will: Rede. Und zwar Klartext. Teile den Männern mit, was du willst, wie du es willst und vor allem, dass du es willst – weil du eben noch nicht gekommen bist.

Und dann, auch in diesem …

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