Schweiz
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Frank Urbaniok,  Leiter des Psychiatrischen Psychologischen Dienstes des Kantons Zuerich orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 30. Januar 2008 ueber das Toetungsdelikt des zweifachen Moerders Roland K. an einem 25 - jaehrigen Mithaeftling in der Strafanstalt Poeschwies in Regensdorf (ZH). (KEYSTONE/Walter Bieri)

«Der Stärkere ist verpflichtet, die Interessen des Schwächeren zu berücksichtigen.» Daran müssten sich auch Kinder im Zusammenspiel mit Tieren halten, findet Gerichtspsychiater Frank Urbaniok.  Bild: KEYSTONE

Macht das Töten von Fischen aggressiv? Tierschutz will Kindern das Fischen verbieten 

Der Schweizer Tierschutz will ein Mindestalter für Angler festlegen und kriegt dafür Schützenhilfe vom bekannten Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. 



Im Kanton Zürich können Kinder ab 10 Jahren ein Anglerpatent lösen, im Kanton Bern gibt es gar keine Alterslimite – ganz im Gegensatz zur Jagd, wo eine Alterslimite von 18 Jahren gilt. 

Das will der Schweizer Tierschutz (STS) ändern und hat sich dafür einen prominenten Gerichtspychiater an Bord geholt. Wer Tieren Schmerzen zufüge, sei noch kein potenzieller Straftäter, stellt Frank Urbaniok, Chefarzt des Forensisch-Psychologischen Dienstes des Zürcher Amts für Justizvollzug gegenüber dem Tages-Anzeiger klar, aber: «Solche Handlungen prägen das Verhalten.» Gerade Kinder nähmen Gewalteindrücke besonders stark wahr. Erfahrungen wie das Töten eines Fisches könnten zu einer Abstumpfung gegenüber tierischem Leid führen. 

Die Kinder seien damit einer asymmetrischen Machtbeziehung ausgesetzt: «Der Stärkere ist verpflichtet, die Interessen des Schwächeren zu berücksichtigen», sagt er. Dies sei Ausdruck von Respekt und zeige, dass Grenzen akzeptiert würden. Daran müssten sich auch Kinder im Zusammenspiel mit Tieren halten.

Alkohol erst ab 16, Tiere töten schon im Kindesalter

Auch Sara Wehrli vom STS verknüpft das Töten von Tieren mit einer grossen Verantwortung. Das Gesetz müsse deshalb vereinheitlicht werden. Wehrli stört sich etwa daran, dass der Konsum von weichen alkoholischen Getränken oder Zigaretten erst ab 16 Jahren erlaubt ist, das «Töten empfindungsfähiger Wirbeltiere» dagegen schon viel früher. 

Der Tierschutz will eine Altersgrenze von 16, allenfalls sogar 18 Jahren. Die Forderung fällt in eine Zeit, in der das Fischen boomt. Der Kanton Zürich etwa hat 2013 6949 Patente ­herausgegeben – über 12 Prozent mehr als 2009. 

Braucht es eine Alterslimite fürs Angeln?

Gemäss eidgenössischer Fischereiverordnung müssen Angler im Besitz eines eines Sportfischer-Brevets oder des Sachkundenachweises (Sana-Ausweis) sein. Die Tierschutzverordnung erlaubt aber eine Ausnahme: Das Freiangelrecht, das für die meisten grossen Schweizer Mittelland- und Voralpenseen gilt, so etwa am Bieler-, Brienzer-, Thuner- und Zürichsee. Demnach darf vom Ufer aus jeder fischen, unabhängig von seinem Alter. 

Der Tierschutz befürchtet, dass sich durch das Freiangelrecht die Gefahr von Verstössen gegen den Tierschutz erhöht. Eine bisher unveröffentlichte Studie des STS über Fischteichbetreiber kommt zum Schluss, dass die Betreiber sich war bemühen, die Tierschutzvorschriften zu gewährleisten, doch sei es in der Praxis schwierig, bei grossem Besucheransturm sämtliche Fischer zu überwachen. 

Der Zentralpräsident es Schweizerischen Fischerei-Verbands, Roland Seiler, hält die Aktion des STS für Panikmache. Es sei zwar «wahrscheinlich», dass bei der Freianglerei Missbräuche vorkommen. «Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt und das Problem vom STS dramatisiert wird», sagt Seiler. (rar)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Monachus 23.04.2015 13:28
    Highlight Highlight Tönt doch eher etwas übertrieben. Aber Urbaniok gilt als sehr kompetenter, eher konservativer Forensiker, der sich nicht durch hysterische Kampagnen ausgezeichnet hat. Insofern mag schon was dran sein.
  • elivi 23.04.2015 13:26
    Highlight Highlight Ich hab einmal als kind ein fisch getötet um ihn zu essen. Das angeln machte spass, das töten war fast traumatisch. Das war irgendwie .... du wolltest angeln also muss du's auch zu ende bringen. Du willst ihn essen also mach schnell und genau damits nicht zu lange geht... ich muss wohl nicht sagen das ich als kind alles andere als schnell und genau war.
    Ob jetzt tierschutz oder kinderschutz ... wenn ein kind angelt um des töten willen is das erm ... ja ... wenn ein kind angelt um zu essen oder gern in der natur is sollte es alles lernen, korrectes töten inkl eingeweide rausnehm und gleich noch bisl fischkunde. Wenn schon dan alles.
  • Kaiserin 23.04.2015 12:54
    Highlight Highlight Solange man Fisch und Fleisch isst, sollte man auch wissen, woher diese Nahrung kommt. Es ist meiner Meinung nach sinnvoll, wenn Kinder lernen, dass man für ein Schnitzel, ein Poulet oder ein Fischstäbli zunächst ein Tier töten muss. Als Jägertochter sah ich schon als kleines Mädchen dabei zu, wie mein Vater Tiere ausnahm etc. Das hat mir nicht geschadet. Im Gegenteil, es hat mir mehr Bewusstsein über Leben und Tod gegeben und auch Respekt den Tieren gegenüber.
  • corleone 23.04.2015 12:46
    Highlight Highlight ja genau und dann anschliessend kaufen die eltern im Laden gutes Poulet aus Quälereibetrieben in Ungarn oder Slovenien... Es hat doch eher eine sensibilisierte Wirkung, wenn ein Kind im Beisein eines Erwachsenen einen Fisch tötet und nachher isst. Man lernt doch eher dadurch Respekt im Umgang mit der Natur als wenn man immer fröhlich bereits fertig Verarbeitete Ware kauft und sich nicht bewusst ist wondas ganze Fleisch herkommt.
  • Chris P. Bacon 23.04.2015 11:55
    Highlight Highlight Verantwortungsvoller Umgang mit dem Tier ist meiner Meinung nach Ehrensache. Wer Fischen will, soll sich mit der Materie beschäftigen und dies tun 99% der Fischenden auch eingehend. Eine Alterslimite für Jugendliche ist in GR schon lange aktiv (14 Jahre), es gibt aber die Regelung, dass Kinder im Beisein eines erwachsenen Patentinhabers ohne SaNa oder Patent mitfischen dürfen. Für mich ist das vorbildliche Praxis. Mein Dank gebührt den Fischereivereinen, welche bereitwillig und unentgeltlich für die Ausbildung des jüngeren und älteren Fischereinachwuchses Verantwortung übernehmen.
  • Picknicker 23.04.2015 10:52
    Highlight Highlight Im Beisein von Erwachsenen, welche das Patent haben, sollten Kinder fischen, die Fische töten und danach essen dürfen. Dies hilft der Erziehung zum bewussten Umgang mit Tieren und Fleisch wohl eher, als dass es negative Folgen hätte.
  • annna 23.04.2015 10:33
    Highlight Highlight Es geht nicht um die Kinder, sondern um die Fische - diese können gemäss neusten wissenschaftlichen Studien durchaus Schmerzen empfinden, wobei man es ihnen aber nicht ansieht - das Töten von Fischen muss deshalb nach allen Regeln der Kunst und verantwortungsvoll durchgeführt werden. Darum erachte ich es als sinnvoll, dass Kinder dies nicht tun oder erst nach entsprechender Schulung.
    • olga 23.04.2015 10:50
      Highlight Highlight du hast recht liebe annna, die studien, dass fische schmerzen empfinden können, ist hingegen alles andere als neu...
      leider gibt es heute noch menschen die denken, dem wäre nicht so, nur weil fische nicht schreien, so wie andere tiere...
    • Durtydawg 23.04.2015 11:22
      Highlight Highlight Na dann zeigt doch mal eure Studie
    • CoMoDuS 23.04.2015 13:13
      Highlight Highlight So viel zu den Studien
      http://www.fv-berlin.de/news/empfinden-fische-schmerzen-1
      ist zwar schon knapp 2 Jahre alt aber ich denke nicht das ich in dieser Zeit soviel verändert hat
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