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Simone Stöhr wurde wegen nicht bezahlter Steuern betrieben. bild: screenshot beobachtertv

Zürcher Steuervögte ohne Gnade: Psychisch kranke Frau hatte 1,8 Millionen Franken Steuerschulden

Der Fall Ernst Suter aus Dürnten ist offenbar kein Einzelfall. Der Legastheniker wurde jahrelang von den Steuerbehörden zu hoch eingeschätzt. Bei einer psychisch kranken Frau aus Männedorf wurde das Einkommen auf 750'000 Franken eingeschätzt.



In seiner Sendung vom 16. November 2014 machte Beobachter TV den Fall von Ernst Suter aus Dürnten publik, der jahrelang massiv zu hoch eingeschätzt wurde. Der Fall warf hohe Wellen, Gemeinde und Kanton verzichteten schliesslich auf die noch ausstehenden Steuern. Die Dürntner Bevölkerung solidarisierte sich mit ihrem hilflosen Mitbürger und verlangte eine Rückzahlung. 

Beobachter TV: «Steuervogt ohne Gnade»


Sonntag, 10. Mai, 18.15 Uhr, SRF 1

danach unter www.beobachtertv.ch

Mehr zum Thema hier.

Nun zeigen neue Recherchen von Beobachter TV: Ernst Suter ist kein Einzelfall. Bei einer psychisch kranken Frau aus Männedorf gingen die Steuerbehörden noch härter vor. Die Anästhesie-Ärztin ist seit Jahren depressiv und sah sich deshalb ausserstande, ihre administrativen Angelegenheiten zu bewältigen. 

«Ich war nicht fähig, eine Steuererklärung auszufüllen.»

Simone Stöhr, Ärztin aus Männedorf

Nach einem Schicksalsschlag hörte die Frau 1999 auf, ihre Steuererklärungen auszufüllen. Wie das genau passieren konnte, kann sie sich heute nicht mehr erklären, wie sie erzählt. Klar ist jedoch: Die massiven Steuerforderungen haben die Frau beinahe zerstört.

«Ich weiss nicht, wie ich hier reingeschlittelt bin.»

Simone Stöhr, ehemalige Ärztin aus Männedorf

Weil sie keine Steuererklärung einreichte, veranlagte das Steueramt Simone Stöhr Jahr für Jahr nach Ermessen. Ohne weitere Abklärungen erhöhte das Amt die Beträge bis zu grotesken 750’000 Franken – bei einem Jahreseinkommen von 250’000 Franken. 

Und so türmten sich die Steuerforderungen zuletzt auf insgesamt 1,8 Millionen Franken. Der Fiskus trieb das Geld gnadenlos ein, pfändete Lohn und Altersrente und liess die psychisch kranke Frau sogar polizeilich vorführen. 

 «Ich muss es wieder vergessen, damit ich leben kann.»

Simone Stöhr, wurde vom Fiskus betrieben

Wie kann eine Ärztin so hoch eingeschätzt werden? Auch das kann sich Simone Stöhr nicht erklären. «Dass es Strafen gibt für nicht eingereichte Steuererklärungen ist klar, aber dass diese so hoch ausfallen, verstehe ich nicht», sagt sie.

Frau hätte Einsprache machen können

Inzwischen pensioniert, lebt die einst finanziell gut gestellte Frau am Existenzminimum und ist bis zum Lebensende ruiniert. 

Konfrontiert mit der Recherche sagt der Gemeindepräsident von Männedorf, für ihn stelle sich die Frage, warum die Ärztin keine Steuererklärung abgeliefert habe. Eingeschätzt werde man aufgrund von Erfahrungswerten. Was eine Ärztin verdiene, können man in etwa abschätzen. Und er ergänzt: «Frau Stöhr hätte jederzeit eine Einsprache machen können.»

«Zum Überleben muss ich hoffen. Ich habe keine Ahnung, wie es weiter geht.»

Simone Stöhr, hat seit Jahren keine Steuererklärung augefüllt

Recherchen lassen Behörden einknicken

Doch dann kommt die Wende: Die Gemeinde Männedorf zeigt sich einsichtig: Vorerst werden sämtliche Betreibungen zurückgezogen, knapp 120'000 Franken Schulden werden ausgesetzt. Und auch das kantonale Steueramt bescheinigt: Sämtliche Betreibungen aus den Bundessteuern werden ausgesetzt.

(egg)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Karl33 10.05.2015 11:51
    Highlight Highlight Die Behörden in diesen rechtskonservativ geführten Dörfern sind echt der Hammer. Heuchlerischer gehts ja wohl nicht mehr. Bei den Wehrlosen das Geld holen, und damit die globalen Steuervermeider und Firmen subventionieren.
  • blabla.. 10.05.2015 10:36
    Highlight Highlight Dieser Fall, ist sicherlich tragisch. Das watson nun auch beginnt mit skandalisierenden Titeln auf Leserfang zu gehen ist es jedoch auch. Wir haben keine Vögte mehr, die Steurbehörde treibt die Steuern nach demokratisch bestimmten Richtlinien ein. Da wir auch demokratisch beschliessen bei den reichen Mitbürgern sehr wenig Steuern einzutreiben, hat die Steuerbehörde nicht die Kapazität um auf Einzelfälle einzugehen wenn diese sich nicht melden. So wie ich den Artikel verstehe, war die Behörde als Sie vom Fall erfahren sehr kulant und hat die Betreibungen gestopt um weitere abklärungen zu treffen. Die unnötige skandalisierung und falschaussage im titel ist schade, das machen schon viele andere zeitungen, wen watson diesen pfad weitergeht verlieren Sie ihren Platz in der Schweizer Medienlandschaft ganz schnell wieder...

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