Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gammelhäuser

Ein Sozialarbeiter der SIP steht vor dem «Treffpunkt»-Bus. bild: watson

Sozialarbeiter da, Drogen da – Die Schliessung der Gammelhäuser steht bevor

Die Mieter «Gammelhäuser» an der Neufrankengasse müssen bis Ende Jahr ausgezogen sein. Danach sollen die Häuser verbarrikadiert werden. Einige Bewohner haben Wohnungen gefunden, andere lehnen Angebote der Stadt ab. In den nächsten Tagen sollen nun Sozialarbeiter diejenigen auffangen, die bislang durch jedes Netz fielen.



Nur noch eine Handvoll Satellitenschüsseln klebt an den Fassaden der Neufrankengasse 6 und 14, viele Bewohner der «Gammelhäuser» scheinen schon ausgezogen zu sein. Entsprechend aufgeräumt ist die Stimmung bei den Leuten der SIP («Sicherheit, Intervention, Prävention»), die sich am Mittwochmittag mit einem kleinen Bus vor den Liegenschaften postiert haben.

Denn mit der voraussichtlichen Räumung der Gammelhäuser Anfang 2017 müssen sich zwar auf einen Schlag dutzende Menschen eine neue Bleibe suchen – dafür verschwindet der wohl einzige Ort der Stadt, der als eine Art Drogenszene gelten kann, ein «Brennpunkt», wie die Polizei sagt, die fast jeden Tag hier patrouilliert.

Auch die SIP ist seit einigen Wochen präsenter in den Häusern. Aufsuchende Sozialarbeit nennt sich das, dazu gehört neu der gelbe Bus, in dem in den nächsten Tagen jene Bewohner und Besucher der Neufrankengasse betreut und beraten werden sollen, die keine Anschlusslösung haben. Das Ziel: dass niemand auf der Gasse landet und keine Drogenszene das Quartier belastet.

Ein paar Meter hinter dem SIP-Bus steigt eine Frau mit Yoga-Matte unter dem Arm in einen Porsche Cayenne.

Urin und Räucherstäbchen

Es ist kaum feststellbar, wer an der Neufrankengasse wohnt und wer nur ein- und ausgeht, um Drogen zu kaufen. Ein grossgewachsener Mann taucht zwischen den Häusern auf, hält das Gesicht in die Sonne. Schiefes Lächeln, mahlender Kiefer. Ein Pärchen um die dreissig passiert die SIP-Truppe. «Grüezi! Machen Sie wieder Fotos, um zu zeigen, wie kaputt hier alles ist?», sie lächeln, legen sich die Arme um die Schultern, gehen weiter.

Die städtischen Dienste gehen davon aus, dass 17 der ehemals 39 Sozialhilfebezüger noch in den Gebäuden leben, vor Weihnachten hätten zudem schätzungsweise 30 Menschen in den Häusern gewohnt, zu denen die Stadt keinen Kontakt hat und die nicht unterstützt werden. Für die anderen wurden Lösungen gefunden; zwei Familien kommen in «Notwohnungen» unter, jemand in einem Heim, drei beim «Begleiteten Wohnen», drei fanden eine Bleibe via Wohnen im Alter.

Gammelhäuser

Das Treppenhaus von Haus Nummer 14: Blick auf schicke Neubauten. bild: watson

Es sei sonst viel sauberer, sagt einer der Abwarte, der an diesem Mittwoch im Treppenhaus anzutreffen ist. Er zeigt seinen verbundenen kleinen Finger, «ich konnte nicht so viel putzen», sagt er. Penetranter Uringestank steigt in die Nase, noch viel penetranterer Räucherstäbchen-Geruch hängt im unteren Teil des Treppenhauses. Gefixt werde weniger als früher, sagt Barbara Ludwig von der SIP, die Menschen würden eher inhalieren oder sniffen. Das ist unsichtbarer, als an der Spritze zu hängen.

«Irgendwer wird schon etwas organisieren»

Wie es mit den Liegenschaften weitergeht, ist unklar. Vorerst sollen sie verriegelt werden und unbewohnt bleiben. Vielleicht werden sie danach saniert, bald dürften die Bagger aber nicht auffahren. Und die Menschen, die Szene? Dass sich ein ähnlicher Hotspot formiere wie hier, halte er für unwahrscheinlich, sagt Michael Rüegg von den Sozialdiensten der Stadt Zürich. Schliesslich sei hier speziell, dass sich auf kleinem Raum so viele Sozialhilfebezüger, Kleindealer und Drogensüchtige versammeln. Die Szene dürfte sich im neuen Jahr über die Stadt verteilen.

Im Treppenhaus lehnt eine junge Frau an der Wand, sie kommt alle zwei Wochen hierher, von Wohlen, Aargau, bleibt zwei, drei Tage, besorgt sich den Stoff und geht dann wieder. Ihre Wangen sind voll, sie sieht gesund aus, nur der Blick ist leer. Sie komme seit Herbst hierher, sagt sie. Von der Räumung habe sie gehört. Sie zuckt mit den Schultern, irgendwer werde schon etwas organisieren.

Am Abend brennt Licht im gelben SIP-Bus. Es hätten schon einige die Sozialarbeiter aufgesucht heute, und meistens gehe es tatsächlich um die Wohnsituation. Auf der roten Kunstlederbank sitzt eine weinende Frau.

Gammelhäuser

Ein Nachbar blickt aus seiner brandneuen Wohnung auf die Liegenschaft an der Neufrankengasse bild: watson

Razzia wegen Mietwucher

Bilder aus vergangenen Zeiten: So sahen Zürich, Basel, Luzern und die Welt einmal aus ...

Quartierbahnhof, Drogenhölle, Hipstermeile: Die Geschichte des Letten in 9 Vorher-nachher-Bildern 

Link zum Artikel

13 Vorher-Nachher-Bilder aus Basel: Als der Marktplatz noch den Autos gehörte

Link zum Artikel

16 Vorher-nachher-Bilder: So brav sah die Langstrasse aus, bevor sie zur nationalen Partymeile wurde

Link zum Artikel

20 Vorher-nachher-Bilder, die zeigen, wie krass wir unsere Welt verändert haben

Link zum Artikel

12 Vorher-nachher-Bilder aus der Büezer-Stadt Zürich, als im Schiffbau noch Schiffe gebaut wurden

Link zum Artikel

Wow! So sah Luzern aus, bevor die Japaner die Stadt ins Internet gestellt haben

Link zum Artikel

Nächster Halt: Zürich Hauptbahnhof – so eindrücklich entwickelte sich der grösste Bahnhof der Schweiz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Greta Thunberg erhält exzellentes Schulzeugnis

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 30.12.2016 00:19
    Highlight Highlight Ja keine schrägen oder anders lebende Menschen mehr in der Stadt. Man will nur noch
    schöne, parfümierte Leute, die ihre Pülverchen hinter verschlossenen Club_oder Penthousetüren konsumieren. Zürich stirbt
    langsam an einer Überdosis Eintönigkeit .
  • stamm 29.12.2016 22:19
    Highlight Highlight Wow, das nenn ich mal Prävention! Dass niemand auf der Strasse landet! Soll in der Schweiz auch nicht passieren, auch wenn sie drogenabhängig sind. Aber dann sollten sie auch therapiert werden, damit sie von dem weg kommen. Alles andere wär nicht fair, gegenüber den Straftätern, welche Jahrelang in Behandlung sind ohne sich zu bessern.
  • malu 64 29.12.2016 19:43
    Highlight Highlight Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn!?
  • Karl33 29.12.2016 14:01
    Highlight Highlight Wetten, das nachher Luxusneubauten erstellt werden für 4-5000 Franken die Wohnung. So löst Rot-Grün heute Probleme soziale Brennpunkte.

    ps. Was kann man anderes erwarten, wenn etwa die SP-PS-Zeitungsbesitzerin in einem Editorial blöfft, wie sie selbst Teil der privilegierten Elite sei. Wer hat uns verraten? Jawoll.
    • w'ever 29.12.2016 14:33
      Highlight Highlight die neuen wohnungen werden wohl nicht ganz so teuer, aber ich bin mir sicher, dass sie sich ein paar wochen nach dem einzug beschweren werden, wie laut es doch an dieser ecke ist.
    • Platon 29.12.2016 14:50
      Highlight Highlight @Karl33
      So ein Schwachsinn. Rot-Grün sind die einzigen, die sich für eine soziale Wohnpolitik einsetzen. Oder glaubst du wirklich die SVP und die FDP würden sich mit ihrer Deregulierungspolitik um die einfachen Leute kümmern?!? Hast du auch beweise für die Lügen, die du da verbreitest?
    • Karl33 29.12.2016 16:24
      Highlight Highlight Platon, etwas billig, anderen einfach mal Lügen zu unterstellen. Wenn dus schon tust, dann beleg es wenigstens auch, ok?

      Zum Inhalt, Platon: Nur weil SVP und FDP der Hort von Spekulanten sind, heisst das nicht, dass die Linke gute Politik macht. Eigentlich hätte die Stadt 75% der Stimmen für Wohnbaupolitischen Anliegen hinter sich, bei jeder solchen Abstimmung. Aber am Ende lässt rot-grün halt doch nur die Spekulanten zum Zuge kommen. Zürich-West ist das letzte Kapitel, die riesigen Areale entlang der Gleise werden das nächste Kapitel sein. Träum weiter.

In Dietlikon ZH hat die Polizei eine Indoor-Hanfanlage (mit 12'000 Pflanzen!) ausgehoben

Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagmorgen in Dietlikon eine Indoor-Hanfanlage mit über 12‘000 Pflanzen hopsgenommen. Der mutmassliche Betreiber wurde festgenommen.

Die Polizisten sind dem illegalen Treiben in einer Wohn- und Gewerbeliegenschaft auf die Schliche gekommen und entdeckten Hanfanlagen mit total über 12‘000 Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien bei einer Durchsuchung.

Die Anlagen und die Pflanzen wurden entsorgt. Der mutmassliche Betreiber, ein 65-jähriger Schweizer, …

Artikel lesen
Link zum Artikel