Schweiz
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La conseillere nationale Isabelle Moret, gauche, le conseiller national Ignazio Cassis, centre, le conseiller d'Etat Pierre Maudet, droite, posent lors de la tournee des candidats nommes par les partis cantonaux PLR (FDP) du Tessin, de Geneve et de Vaud pour l'election au Conseil federal ce vendredi 25 aout 2017 a Fribourg. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Modet: Die FDP hat sich fürs Dreierticket entschieden.  Bild: KEYSTONE

FDP entscheidet sich fürs Dreierticket – alle glücklich, nur Rösti versteht's nicht ganz



Die Frauen sind vorerst zufrieden, das Tessin auch, die Romands ebenfalls: Da die FDP mit ihrem Dreierticket niemanden frühzeitig aus dem Rennen um den freiwerdenden Bundesratssitz genommen hat, fielen die Reaktionen am Freitag entsprechend harmonisch aus.

Vor allem die FDP-Frauen zeigten sich erfreut über das Ticket mit der Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret. Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen, lobte nach der Nominierung den Kampfgeist Morets.

Isabelle Moret sei in den vergangenen Wochen besonders unter Druck gestanden, sagte die Zürcher Nationalrätin nach der Sitzung der FDP in Neuenburg der Nachrichtenagentur SDA. Trotzdem habe sie am Freitag einen «brillanten Auftritt» gezeigt. Das zeige, dass man Politiker nie zu früh abschreiben sollte, da diese einen grossen Kampfgeist entwickeln könnten.

La conseillere nationale vaudoise, Isabelle Moret, droite, et le conseiller d'Etat genevois, Pierre Maudet, gauche, arrivent apres une reunion du groupe parlementaire liberal-radical (FDP-Liberale Fraktion) sur les candidatures au Conseil federal ce vendredi 1 septembre 2017 a Neuchatel. Le parti PLR, Les Liberaux-Radicaux Suisse, (FDP, Die Liberalen) a choisit un ticket a trois candidats qu'il proposera a l'Assemblee federale pour l'election au Conseil federal du 20 septembre prochain. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Isabelle Moret zeigte vor den Delegierten einen «brillanten Auftritt». Bild: KEYSTONE

Fiala unterstrich zudem den Anspruch der FDP-Frauen. Dieser komme 28 Jahre nach dem Rücktritt von Elisabeth Kopp nicht zu früh, obwohl auch der Anspruch des Tessins legitim sei.

Auch der Bund der Frauenorganisationen Alliance F reagierte erleichtert. «Wir sind zufrieden, dass unser Appell Gehör gefunden hat», sagte dessen Co-Präsidentin und Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL). Der Verband hatte von der FDP eine Frauenkandidatur verlangt.

Keine Demokratie ohne Frauen

Auf linker Seite würdigte die Grüne Partei die Entscheidung der FDP-Fraktion, auch eine Frau ins Rennen zu schicken. Sie hatte die FDP im Vorfeld ebenfalls ausdrücklich dazu aufgefordert, auch eine Frauenkandidatur zur Auswahl zu stellen.

«Wir freuen uns, dass Isabelle Moret auf dem Ticket ist», sagte Nationalrätin Lisa Mazzone (GE) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Bei gleichwertigen Kandidaturen werde die Grüne Partei der Waadtländerin den Vorzug geben.

Die Genferin rief in Erinnerung, dass die Frauen und damit die Hälfte der Bevölkerung im Bundesrat stark untervertreten sei. Dies sei für eine Demokratie problematisch.

Die SP wollte sich am Freitag noch nicht offiziell zum Bundesratsticket der FDP äussern.

«Blitzkampagne»

Auch die Tessiner FDP zeigte sich erfreut über den Entscheid vom Freitag. Er vertraue auf den guten Stern des Tessiner Kandidaten Ignazio Cassis, sagte Bixio Caprara, Präsident der FDP Tessin, auf Anfrage.

Der Präsident der Genfer FDP hielt seinem Kandidaten Pierre Maudet zugute, dass er es dank einer sehr gelungenen «Blitz-Kampagne» innert kürzester Zeit geschafft habe, seine Bekanntheit zu steigern.

ARCHIV - ZU PIERRE MAUDET ALS KANDIDAT DER FDP-FRAKTION FUER DIE BR-ERSATZWAHL FUER BUNDESRAT BURKHALTER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Le conseiller d'Etat Pierre Maudet, du departement de la securite et de la police, commente les resultats des votations, lors d'une conference de presse, ce dimanche 30 novembre 2014 a Geneve. Le canton de Geneve refuse les trois initiatives federales. L'initiative cantonale pour la suppression des forfaits fiscaux est, elle aussi, en passe d'etre refusee, le contre-projet devrait egalement etre rejete. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Pierre Maudet steigerte seine Bekanntheit innert kürzester Zeit. Bild: KEYSTONE

Null Risiko

SVP-Präsident Albert Rösti nahm den Entscheid der FDP-Fraktion, mit drei Kandidaten zur Bundesratswahl anzutreten, gelassen zur Kenntnis. Offenbar habe die FDP kein Risiko eingehen wollen, sagte er auf Anfrage. Dafür habe das Parlament nun eine echte Auswahl, was positiv sei.

Beim vorgelegten Dreierticket stelle sich allerdings die Frage, weshalb ausschliesslich Kandidaten aus der lateinischen Schweiz darauf zur Wahl stünden, sagte Rösti gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. «Ich verstehe die Logik dieses Dreiertickets nicht ganz.» Es gebe auch andere Schweizer Regionen, die nicht im Bundesrat vertreten seien – etwa die Ostschweiz.

Entscheidend würden nun die Hearings sein. Denn diese stellten jeweils eine spezielle Situation dar, in der sich die Kandidaten und Kandidatinnen unter Umständen in einem neuen Licht zeigten.

Parteipraesident und Nationalrat Albert Roesti spricht an der Delegiertenversammlung der SVP, am Samstag, 26. August 2017, in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SVP-Präsident Albert Rösti versteht die Logik des FDP-Entscheids nicht ganz. Bild: KEYSTONE

Vorentscheid wäre «unhöflich»

Die CVP teilte am Freitag schriftlich mit, sie nehme vom FDP-Ticket Kenntnis und werde die Entscheide für eine allfällige Wahlempfehlung erst nach den Anhörungen der Kandidaten durch die eigene Fraktion fällen. «Bereits vor den Hearings eine Entscheidung zu treffen, wäre nicht sehr höflich», sagte CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli auf Anfrage.

Die Partei hielt in ihrer Medienmitteilung jedoch fest, der Anspruch der FDP auf zwei Sitze im Bundesrat sei «aufgrund der aktuellen Kräfteverhältnisse im Parlament» weiterhin gerechtfertigt.

Etwas andere Überlegungen machte sich unterdessen die Junioren-Partei der CVP: Sie schlug am Freitag den Tessiner CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi als Bundesratskandidaten vor, um damit «einen weiteren Leerlauf in der schweizerischen Aussenpolitik zu verhindern». (cma/sda)

Cassis galt aufgrund seiner Herkunft als gesetzt: Das Tessin wartet seit nunmehr 18 Jahren auf eine Vertretung im Bundesrat. Als Präsident der FDP-Fraktion und der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit gehört Cassis zu den einflussreichsten Politikern unter der Bundeshauskuppel. Erfahrungen in einer Exekutive kann er aber nicht vorweisen.

Das Gleiche gilt für Isabelle Moret. Sie hat zudem das Handicap, dass der Kanton Waadt mit Guy Parmelin bereits im Bundesrat vertreten ist. Würde Moret gewählt, wären die Kantone Bern und Waadt doppelt im Bundesrat vertreten. Das Tessin, die Zentral- und die Ostschweiz könnten weiterhin keinen einzigen Bundesrat nach Bern schicken.

Auch der Genfer Staatsrat Pierre Maudet schaffte es aufs Ticket. Er ist der einzige Kandidat mit Regierungserfahrung. Im Bundeshaus fehlt dem 39-Jährigen aber eine Hausmacht. Werden er oder Moret gewählt, muss das Tessin wohl noch lange auf einen Sitz im Bundesrat warten. Eine lateinische Mehrheit im Bundesrat ist kaum denkbar.

Den Kandidaten stehen nun Hearings in den übrigen Fraktionen bevor. Wilde Kandidaturen sind zwar möglich, aber wenig wahrscheinlich. Die Bundesversammlung wählt am 20. September. (cma/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • äti 01.09.2017 22:44
    Highlight Highlight Jaja, Meister Rösti hat schon recht, im Osten sieht es leer aus in Sachen BR. Aber, vielleicht wollen die Ostschweizer lieber gute als diktierte Köpfe.
  • Sir Konterbier 01.09.2017 21:38
    Highlight Highlight Von überall hört man, dass die meisten Fraktionsmitglieder Maudet für qualifizierter als Moret halten. Ich finde es ein bisschen stossend dass man sie dann trotzdem aufs Ticket nimmt, nur weil sie eine Frau ist, notabene aus einem Bundesratskanton. Ob man ein guter Bundesrat ist oder nicht, hat schlussendlich doch nichts damit zu tun ob man ein Schnäbi hat oder nicht. Als Frau will man ja hoffentlich auch der Qualitäten wegen gewählt werden...
    • atomschlaf 02.09.2017 01:33
      Highlight Highlight "Ob man ein guter Bundesrat ist oder nicht, hat schlussendlich doch nichts damit zu tun ob man ein Schnäbi hat oder nicht."

      Stimmt natürlich, aber die Feminist(inn)en sehen das eben ganz anders und wären ziemlich sicher mit einer wilden Kandidatin aufgekreuzt.
      Wenn aber die Einschätzung der Fraktion den Tatsachen entspricht, dann dürfte diese auch über die FDP hinaus geteilt werden, sprich die FDP ist fein raus, weil sie eine (Alibi-)Frau portiert hat und Cassis wird gewählt, weil er der fähigere Kandidat ist und man den Anspruch des Tessins anerkennt.
    • Cerulean 02.09.2017 03:39
      Highlight Highlight Inwiefern ist "weil sie eine Frau ist" stoßend, "weil er Tessiner/Romand ist" aber nicht?

      Wen oder was Fraktionsmitglieder für "qualifiziert" halten, ist auch nicht als bare Münze zu nehmen - die hielten und halten auch Johann Schneider Amman für qualifiziert...
    • SindaJapan 02.09.2017 04:17
      Highlight Highlight Das gilt aber für alle KandidatInnen. Warum sollte Cassis (Fehler im ersten Bild, schreibt sich nicht mit 3 s) gewählt werden, nur weil er Tessiner ist. Aber unsere Verfassung verlangt ausdrücklich die Vertretung von allen Sprachregionen. Dadurch wird das ganze "Der/Die am besten Qualifizierte soll gewählt werden" sowieso untergraben...
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 01.09.2017 21:03
    Highlight Highlight Hauptsache Cassis wird gewählt.
    • Zarzis 02.09.2017 10:31
      Highlight Highlight Warum?
      Brauchen wir im Bundesrat wirklich noch einen KK Lobbyist, der alles will nur nicht die Kosten Senken, denn damit Verdiennen die viel Geld!
      Und das sicher nicht zum Wohl der Versicherten.
      Mein Dilemma ist, das für mich alle 3 Lobby Gesteuerte sind, also nichts für die Bürger!
      Aber scheinbar wollen einige die peitsche Spüren.
  • wasylon 01.09.2017 20:40
    Highlight Highlight Da ist der Glättli sehr erfreut dass die FDP seiner Forderung nachgekommen ist.🤓
    #selbstüberschätzung
    Benutzer Bild
  • Schneider82 01.09.2017 20:37
    Highlight Highlight Kravatte von Cassis...bitte nicht so dann als Bundesrat...hätte gedacht die Nähe seiner Heimat zu Milano würde erwas abfärben....aber nein...
    • the Wanderer 02.09.2017 10:24
      Highlight Highlight lustig...genau das gleiche habe ich mir als allererstes auch gedacht, als ich das Foto mit den 3 Kandidaten gesehen habe.
      Er hat da ziemlich alles falsch gemacht...von der Farbauswahl, der Farbkombination, der Krawattenlänge bis zum schief sitzenden Krawattenknopf sieht das alles ziemlich übel aus.
  • Dr. Atom 01.09.2017 20:20
    Highlight Highlight Pierre Modet vs Quentin Tarantino
    Mach den Django und werf die Machete
    Benutzer Bild
  • Grundi72 01.09.2017 19:31
    Highlight Highlight Die Linken wollen ja Moret wählen, weil sie damit Karin Keller-Sutter verhindern wollen, wenn dann JSA zurücktreten wird (die Quoten Frau ist ja dann bereits mit Moret gewählt..)

    Grund: KKS sei zu stark...! 🤦‍♂️

    Wenn dann also plötzlich Feminismus nümen so wichtig ist...
    • Fabio74 01.09.2017 22:05
      Highlight Highlight Aha....sagt das die Herrliberger Propaganda?
    • atomschlaf 02.09.2017 01:38
      Highlight Highlight @Fabio: Das sagt nicht die Herrliberger Propaganda, sondern die Erfahrung: Beispielweise als man den etwas linkeren Mann JSA der Frau KKS vorzog.

      CVP-Pfister hatte eben schon recht: Für SP und Grüne zählt die Frauenfrage nur, wenn die Frauen auch links genug ticken...
    • Grundi72 02.09.2017 07:53
      Highlight Highlight Normalerweise versuche ich Trollen nicht zu antworten aber tja nu...

      Zum Thema: Es gibt einen grossen Artikel dazu im Tagi.. "Der lange Schatten der Karin Keller Sutter".

      Versuche dich etwas breiter zu informieren wenn du mitdiskutieren willst. Würde dir sehr, sehr gut tun!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Majoras Maske 01.09.2017 19:16
    Highlight Highlight Ach, hört doch auf mit dieser konstruierten Bern-Waadt-Mehrheit.

    Und übrigens, de facto hat das Alte Bern schon längst mit dem Aargauer Sitz zusammen eine Mehrheit.
    • karl_e 02.09.2017 11:29
      Highlight Highlight Ausserdem: Maurer und Burkhalter haben bernische Wurzeln, auch wenn sie wohl nicht Secondos, sondern Terceros sind.
  • Gurgelhals 01.09.2017 19:15
    Highlight Highlight Denke dass in dieser Konstellation am Wahltag Cassis ziemlich zügig durchmarschieren wird. Die Hausmacht im Bundeshaus hat bei Bundesratswahlen ein sehr grosses Gewicht. Ob man dies nun gut findet oder nicht, zählt diese de facto mehr als die allfällige Exekutiverfahrung auf Kantonsebene (s. auch Schneider-Ammann vs. Keller-Suter oder Berset vs. Maillard). Und Moret ist zwar auch eine "Insiderin", scheint aber mit ihrer Kandidatur von vornherein nicht so recht vom Fleck zu kommen.

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