Schweiz
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ARCHIV - ZUR MELDUNG, DASS DIE FDP-NATIONALRAETIN ISABELLE MORET FUER DEN BUNDESRAT KANDIDIEREN WILL, STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Isabelle Moret, Nationalraetin FDP-VD, spricht waehrend der Debatte um Altersvorsorge 2020, waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 26. September 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Etliche Politikerinnen und Politiker kündigten am Wochenende an, Isabelle Moret zu unterstützen. Bild: KEYSTONE

Wer folgt auf Burkhalter? Druck für eine FDP-Frauenkandidatur steigt



Bei der FDP Schweiz sind wie erwartet drei Vorschläge für die anstehende Bundesratswahl eingegangen: Nationalrat Ignazio Cassis (TI), Nationalrätin Isabelle Moret (VD) und der Staatsrat Pierre Maudet (GE) werden von ihren Kantonalparteien ins Rennen geschickt. Der Druck für eine Frauenkandidatur steigt.

Etliche Politikerinnen und Politiker kündigten am Wochenende an, Moret zu unterstützen. Bundespräsidentin Doris Leuthard, die ihre letzte Legislatur angekündigt hat, sagte der «NZZ am Sonntag» in einem Interview, die Parteistrategen wüssten schon lange, dass sich im Bundesrat die Frauenfrage stelle.

Die Konstellation bleibe dieselbe, ob sie – Leuthard – nun jetzt, in einem oder in zwei Jahren abtrete. Allerdings sei sie «schon der Meinung, dass es sich das Parlament nicht erlauben kann, eine Regierung mit nur einer Frau aufzustellen».

FDP-intern kann die Waadtländerin Isabelle Moret auf die FDP-Frauen zählen. Deren Präsidentin Doris Fiala hatte zwar nach der Bekanntgabe von Didier Burkhalters Rücktritt betont, es sei «die Stunde des Tessins».

Geschlechterfrage im Vordergrund

ARCHIVBILD ZUR BUNDESRATSKANDIDATUR VON JACQUELINE DE QUATTRO --- La conseillere d'Etat Vaudoise Jacqueline de Quattro parle lors d'une conference de presse de presentation de la feuille de route du futur Plan d'affectation cantonal, PAC, Lavaux ce jeudi 2 juillet 2015 a Cully. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Jacqueline de Quattro wollte den Anspruch der Frauen unterstreichen. Bild: KEYSTONE

Doch Doris Leuthards Rücktrittsankündigung habe die Frauenfrage befeuert, sagte sie auf Schweizer Radio SRF. Es sei wichtig, dass sich die FDP-Frauen nun «ganz dezidiert hinter Isabelle Moret stellen.»

Die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro sagte der Zeitung «Schweiz am Wochenende», mit ihrer zu Gunsten Morets zurückgezogenen Kandidatur habe sie den Anspruch der Frauen unterstreichen wollen. Im Bundesrat sollten stets mindestens drei Frauen sitzen, im Jahr 2017 dürfe das kein Thema mehr sein. Da müssten die Tessiner Ansprüche zurückstehen.

BDP-Parteipräsident Martin Landolt stiess ins selbe Horn. Der Tageszeitung «Blick» gab er zu Protokoll, für ihn sei die Geschlechterfrage wichtiger als die regionale Vertretung. Er werde Moret wählen; eine Partei mit zwei Bundesratssitzen sollte mindestens einen mit einer Frau besetzen.

Der Anspruch des Tessins sei zwar berechtigt, sagte Landolt. Unbegreiflich sei ihm aber, weshalb die dortige FDP nicht ein Zweierticket mit einer Frau und einem Mann nominiert habe.

FDP in lateinischer Schweiz an der Spitze

FDP-Präsidentin Petra Gössi sagte in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio SRF1, ihre Partei sei in der lateinischen Schweiz die stärkste. Das stütze schon einmal den Anspruch der FDP auf einen lateinischen Sitz.

FDP-Parteipraesidentin Petra Goessi spricht an der Delegiertenversammlung der FDP Schweiz zu den Delegierten, am Samstag, 24. Juni 2017, in Grenchen. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Auch Petra Gössi wünscht sich eine FDP-Frau im Bundesrat. Bild: KEYSTONE

Das Tessin sei seit 1999 nicht mehr im Bundesrat vertreten. Gemäss Bundesverfassung sei in der Landesregierung den Regionen und Landessprachen Rechnung zu tragen. Jetzt müsse die Fraktion abwägen, was sie stärker gewichte. Auch sie selbst wolle eine FDP-Frau im Bundesrat. Wie man dahin komme, sei allerdings bei der gegenwärtigen Ausgangslage offen.

Mit einem Seitenhieb auf die CVP sagte Gössi, für diese Partei wäre eine Tessiner FDP-Bundesrätin die ideale Lösung: Frauen- und Tessinerproblem mit einem Schlag gelöst, könnten beim Rücktritt von Leuthard alle CVP-Männer mit Bundesratsambitionen einlaufen. In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens sagte Gössi, es sei ihre persönliche Meinung, dass eine Tessiner Kandidatur «auf das Ticket gehört».

Drei Nominierte

Die FDP gab die drei Anmeldungen für eine Bundesratskandidatur in der Nacht auf Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. In einem Communiqué vom Samstagmorgen teilte sie mit, die drei Vorgeschlagenen verfügten über langjährige Erfahrungen in politischen Spitzenämtern.

Ob es alle drei auf die offizielle Wahlempfehlung der FDP schaffen, entscheidet die Fraktion am 1. September an einer Sitzung in Neuenburg. Die Kandidaten werden an der Fraktionssitzung einzeln angehört, sagte FDP-Mediensprecher Georg Därendinger zum Vorgehen. Daraufhin entscheide die Fraktion, ob ein Zweier- oder Dreierticket präsentiert wird – und welche Namen darauf stehen.

De Quattro will in den Nationalrat

Nach dem Verzicht auf eine Kandidatur will de Quattro auf die nationale Bühne. In einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «24 Heures» vom Samstag kündigte sie an, sie wolle nach zwölf Jahren im Regierungsrat ihres Kantons 2019 für den Nationalrat kandidieren. Im Staatsrat habe sie die Anliegen, für die sie gewählt worden sei, erfüllt.

Die grosse Kammer visiert sie an, weil die Waadt im Ständerat bereits mit Olivier Français über einen FDP-Vertreter verfügt. Français hatte den Sitz 2015 von den Grünen zurückerobert.

Aussenminister Didier Burkhalter tritt nach acht Jahren im Bundesrat per Ende Oktober zurück. Über seine Nachfolge entscheidet die Bundesversammlung am 20. September. (viw/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Digichr 13.08.2017 15:35
    Highlight Highlight Wenn wir jetzt über Minderheiten reden (OK, Frauen sind eigentlich keine Minderheit) wäre es meiner Ansicht nach klar, dass das Tessin zuerst Anspruch hat. Man könnte ja auch Sadis als Sprengkandidatin wählen.
    Die Nachfolgerin von Pendler Doris wird ja ohne Frage eine Frau.
    • Boogie Lakeland 13.08.2017 15:54
      Highlight Highlight Pfister, Graber, Bischof, Lombardi, Engeler oder “Geheimtipp“ Candinas oder gar ein ehrgeiziger Darbellay sind die am ehesten genannten CVP Kandidaten.
      Ausser Amherd und Humbel hat keine CVP Frau schweizweit genug Bekanntheit, Strahlkraft etc.
      Würde mich erstaunen wenn die CVP eine Frau aufs Schild heben würde.
    • mountaineer 13.08.2017 21:51
      Highlight Highlight Dazu kommt, dass Amherd und Humbel zwar relativ bekannt sind, aber in meinen Augen hat weder die eine noch die andere Bundesratsformat.
      Da sähe ich eher noch Kathy Riklin, die aber aus Altersgründen kaum in Frage kommen dürfte.

      Eine Doris die Zweite ist jedenfalls bei der CVP weit und breit nicht in Sicht!
  • Whiskeysour 13.08.2017 15:25
    Highlight Highlight Wie schon oft erwähnt in sämtlichen Artikeln: in der Bundesverfassung steht, dass die Regionen und Landesspachen, soweit möglich, berücksichtigt werden müssen. Die Genderfrage ist in diesem Sinne nicht in der Bundesverfassung verankert. Gerne kann das nachgeholt werden, aber basierend auf dem heutigen Stand der Dinge ist es umstritten, den Genderdiskurs höher zu gewichten als die Frage nach den Landessprachen und -regionen.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 13.08.2017 13:59
    Highlight Highlight Hmmm... Ich fnde das Tessin sollte wieder berücksichtigt werden; zugleich halte ich mindestens drei Bundesrätinnen für erstrebenswert. Dieses Minoritätengefeilsche geht mir nun aber ordentlich auf die Nerven.

    Inhaltlich ist mir Cassis lieber - aber das hängt wohl vom politischen gusto ab.
  • Blaset mir doch id Schueh... aka Pat the Rat 13.08.2017 13:31
    Highlight Highlight Ich sehe das ein bisschen anders...

    Ich will die fähigste Person auf dem Posten sehen. Egal ob Mann, Frau oder Transgender, egal ob Waadt, Genf, Tessin, Neuenburg, Jura, Wallis, Freiburg, egal welche sexuelle Orientierung!

    Aber ich hätte da noch eine andere Frage:
    Wie sieht eigentlich die Geschlechterverteilung bei allen aktiven Politikern und Politikerinnen aus? Gibt es eine 50:50 Rate, oder eine 80:20 beziehungsweise eine 20:80?
    Nur so nebenbei erwähnt...
  • Bijouxly 13.08.2017 13:25
    Highlight Highlight Die Linken spielen ein ziemlich feiges Spiel. Als die FDP 2010 Keller-Sutter brachten, wollten sie die ja auch nicht. Die Frauenfrage ist also nur wichtig, wenns grad passt.
    Notabene wären mit Moret/Parmelin 2 aus der Waadt und Sommaruga/JSA 2 aus Bern im BR vertreten - über die Hälfte des BRs würde sich also auf eine Region konzentrieren! Sorry, aber ein solches Mächteungleichgewicht kann mit keiner Gleichstellungsparole der Welt relativiert werden!
    • mountaineer 13.08.2017 14:42
      Highlight Highlight CVP-Pfister hatte eben doch Recht: Für Links-Grün sind nur linke Frauen richtige Frauen.
  • Bijouxly 13.08.2017 13:04
    Highlight Highlight Es geht überhaupt nicht um die Geschlechterfrage. Das Tessin ist seit bald 20 Jahren nicht mehr vertreten. Die FDP bringt als einzige Partei einen wirklich wählbaren Tessiner - und den wollt ihr verwerfen, einfach weil ihr auf Biegen und Brechen eine Frau reinbringen wollt? Das regt mich richtig auf! Sollen die CVP und die SVP doch für Leuthard und Maurer eine Frau ins Rennen schicken, die werden keine valablen Tessiner haben bis 2019!
    • Tschüse Üse 13.08.2017 13:51
      Highlight Highlight Links fordert eine Frau nicht bürgerlich.
    • Bijouxly 13.08.2017 15:02
      Highlight Highlight FDP Frauen fordern auch eine Frau. Und die Linke will eine Frau, ja, aber nur dann, wenn ihnen der Rest nicht passt. Sonst hätten sie statt JSA auch Karin Keller-Sutter gewählt!
    • Bijouxly 13.08.2017 21:23
      Highlight Highlight Ich denke nicht, dass KKS nochmals antritt, nachdem die Linken sie abgeschrieben haben.
      Zeigt halt schön die Mentalität: Frau ja, aber nur, wenn sie uns passt. Argument Frau zieht nur, wenn der männliche Kandidat nicht passt. Dann lieber ganz aufhören mit dem Gejammere liebe Linke...
  • leu84 13.08.2017 12:56
    Highlight Highlight Sonst soll man bei der Schneider-Ammann Nachfolge eine Frau wählen, wenn bei der Burkhalter Nachfolge Cassis gewählt wird. Es ist sekundär, wie die Geschlechterverteilung im BR. Sicher soll es kein 7m/0f oder 6/1 sein. Ein 5/2 oder 3/4 sollte ein Ziel sein. Grundsätzlich ist es auch so. Aber es ist eher auch eine Generationenfrage. Man muss auch mal die langjährigen Sesselbesetzer aus dem Rat wählen. Die heutigen 30er wählen auch ganz normal Frauen in Gremien. Es gibt auch gute Politikerinnen/Praktikerinnen in allen Parteien. Bsp im AG. Bertschi, Hösli oder Bircher

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