Schweiz
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Psychologe zum Sex-Vorfall

«Es ist akzeptierter, dass eine Lehrerin mit einem Jugendlichen eine körperliche Beziehung hat» 

Eine 30-jährige Lehrerin hat Sex mit ihrem 17-jährigen Schüler. Was letzte Woche im Aargau für Aufsehen sorgte, darf nicht zur Norm werden. Schwärmereien aber seien ganz normal, sagt der Psychologe und Schulsozialarbeiter.

alexandra fitz



Ein Artikel der

Schule. Lehrer. Sex. Drei Wörter, denen wir eigentlich positive Bedeutungen zuschreiben. Einzeln. Aber in Kombination lassen sie uns aufhorchen, und haben meist – oder eigentlich immer – negative Gedanken im Schlepptau.

Vergangene Woche wurde an der Bezirksschule Wynental im Aargau eine Lehrerin entlassen, weil die 30-Jährige mit einem ihrer Schüler (17 Jahre) Sex im Skilager hatte. Es war eine sexuelle Handlung mit Abhängigkeit. Schüler sind Schutzbefohlene.

Dieser Fall schlägt hohe Wellen, Leser haben auf diversen Nachrichtenseiten ihre Meinung kundgetan. Auf einem Webportal sind es gar 526 Kommentare. Die Stimmen sind mal emotional aufgebracht, mal mit Schulterklopfer-Manier für den Schüler und sein sexuelles Highlight. Aber vor allem drängen sich Fragen auf: Was wäre, wenn eine Schülerin und ein Lehrer sich körperlich näher gekommen wären? (Die Nicht-Gleichstellung der Geschlechter in sexueller Hinsicht empört mit Abstand am meisten Leute). Oder auch: Warum machen alle so ein Drama daraus, sie wollten es doch beide?

Wäre es ein Lehrer und eine Schülerin, wäre die gesellschaftliche Bewertung ganz anders. «Das liegt daran, dass generell der Konsens gilt: Sexuelle Aktivität kommt eher vom Mann aus. Somit ist es sozial akzeptierter, dass eine Lehrerin mit einem Jugendlichen eine körperliche Beziehung hat», sagt der Schulsozialarbeiter und Psychologe Stefan Caduff. Frauen gelten als nett, fürsorglich – das ist sozialisationsbedingt. Caduff vergleicht es mit der häuslichen Gewalt, die auch von Frauen ausgeht, aber verdrängt und als nicht so schlimm empfunden wird. Wir können uns Frauen schlichtweg weniger als Täter vorstellen.

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Eine Frage des Alters?

Die Lehrerin hat einen Fehler begangenen. Trotzdem ist es falsch von «einem Sex-Skandal, der den Aargau erschüttert hat» zu schreiben, wie es eine Zeitung getan hat. Erschüttern tut eine Tragödie, aber nicht ein unerlaubter Liebes-Akt zwischen zwei erwachsenen Personen, die im gegenseitigen Einverständnis handelten. Laut Caduff gibt es eine gesetzliche Beurteilung und eine emotionale. Klar ist es weniger schlimm, wenn der Altersunterschied wie im aktuellen Fall nicht allzu gross ist. Wir wissen, beträgt er etwa 30 Jahre, würden alle den Lehrer als Lüstling oder gar Pädophilen beschimpfen. Trotzdem: «Wenn wir anfangen das zu tolerieren, wird es häufiger vorkommen, und das darf keine Option sein», sagt Caduff.

Hierbei gehe es um das Abhängigkeitsverhältnis. Die Position der Lehrperson werde dadurch stark infrage gestellt. «Sie kann nicht weiter unterrichten. Sie wird erpressbar. Gleichzeitig können dadurch die Avancen der anderen Jugendlichen steigen», sagt Caduff. Zudem kämen diese Beziehungen immer ans Licht. Jugendliche könnten eine solche Information schwer für sich behalten, und das Wissen über eine sexuelle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler sei auf dem Pausenhof Gold wert. Der 17-Jährige aus dem Aargau wird vielleicht von seinen Mitschülern gefeiert, vielleicht aber auch nicht. Schliesslich war die Lehrerin beliebt, nun musste sie gehen. Wegen ihm.

Es gilt schon früh: Macht ist sexy

Beziehungen mit grossem Altersunterschied oder explizit die verbotene Schüler-Lehrer-Beziehung – das ist auch immer wieder Stoff für Literatur und Film. Thematisiert werden junge, unerfahrene Buben, die sich zu einer reifen, intelligenten Frau hingezogen fühlen. Wie etwa die 36-jährige Hanna und der 15-jährige Michael in Bernhard Schlinks Roman «Der Vorleser». Für eine Lehrperson zu schwärmen, sich auch mal zu verlieben, ist ganz normal. Aber warum? Worin liegt die Faszination? Macht ist sexy, das gilt auch in diesem Alter schon. Es lässt den sozialen Status des Schülers höher erscheinen. «Die Schüler verbringen sehr viel Zeit mit dem Lehrer. Sie lernen diese Person kennen, die sich meist sehr positiv darstellt», erklärt der Psychologe Caduff. Es gebe nicht viele Erwachsene, die sie so oft und ständig beobachten können wie die Lehrperson, die vorne steht und unterrichtet. Und dies biete Raum und Zeit zum Fantasieren.»

Es ist wichtig, dass Lehrpersonen damit umgehen können. Wenn das eine Lehrperson nicht kann, muss sie den Job wechseln. Und der Schüler sollte sich bewusst sein, dass es ein Risiko ist, wenn er seine Zuneigung offensichtlich macht. Die Lehrperson wird sich aktiv distanzieren, dies muss und darf man von ihr erwarten. Dann ist die Situation für den Schüler noch schlechter als davor.

Zurück zum Fall im Wynental. Auch wenn beide über 16 Jahre alt sind (das Schutzalter liegt in der Schweiz bei 16 Jahren), es beide wollten, Liebe und Lust nicht oder eher kaum logisch und berechenbar ist, für Caduff steht fest: «Die Lehrerin trägt die Verantwortung. Sie ist die Erwachsene, die ein sexuelles Verhältnis mit einem Schutzbefohlenen eingegangen ist.» Es sei zwar irgendwo verständlich, aber eben nicht tolerierbar.

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    Alle Leser-Kommentare
  • elivi 19.02.2015 08:08
    Highlight Highlight was wäre wenn die lehrerin den jungen unter druck setzte und es unter zwang geschah? es gibt ein grund warum es so wenige fälle von 'frau vergewaltigt man' gibt, weil es kaum vorstellbar ist und trotzdem gibt es sie. Aber hier wird ihm eher auf die schulter geklopft .... das einem vergewaltigungsopfer zu sagen kaum vorstellbar.
    • Baba 19.02.2015 15:58
      Highlight Highlight Bei Nötigung oder gar Vergewaltigung wäre es eine ganz andere Situation - aber offenbar haben im vorliegenden Fall beide Seiten klar zum Ausdruck gebracht, dass die Beziehung auf Freiwilligkeit beruhte. Trotzdem ist die unterschiedliche Wahrnehmung Lehrer mit Schülerin/Lehrerin mit Schüler nicht in Ordnung - ein weiterer Aspekt unserer chauvinistischen Gesellschaft...

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