Schweiz
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Die Studien-Autoren zeigen sich alarmiert über die hohe Zahl von Strangulationen (Symbolbild). bild: shutterstock

Das Inselspital Bern hat 337 Fälle häuslicher Gewalt untersucht – das ist herausgekommen



Erstmalig in der Schweiz hat das Inselspital Bern den Tathergang und die Verletzungen von häuslicher Gewalt untersucht: Die meisten Opfer wurden geschlagen oder getreten, fast immer vom Partner. Alarmiert zeigten sich die Autoren über die hohe Zahl von Strangulationen.

Untersucht wurden 337 Fälle von häuslicher Gewalt in den Jahren von 2006 bis 2016, wie der Studie zu entnehmen ist. Sie wurde von der «Sonntagszeitung» veröffentlicht und liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor. Demnach waren 94 Prozent der Opfer Frauen, davon rund die Hälfte Schweizerinnen. In 50 Prozent der Fälle lebten Kinder in der Familie, in der Gewalt ausgeübt wurde.

In 87 Prozent der Fälle wurden die Partner oder Ex-Partner als Täter identifiziert; die Eltern und andere Familienangehörige in drei Prozent und die Kinder in vier Prozent der Fälle. 57 Prozent der Befragten waren in der aktuellen Beziehung bereits einmal geschlagen worden.

Als häufigste Gewalt gaben die Opfer Schläge an, meistens mit der offenen Hand oder mit der Faust an den Kopf. Die Opfer erlitten dabei Prellungen und Hämatome, Platzwunden und Blutungen. Auch Verletzungen an den Armen wurden oft festgestellt. Diese seien durch Festhalten oder die Verteidigung der Opfer erklärbar.

Würgen in 16 Prozent der Fälle

Als «beängstigend hoch» bezeichnen die Autorinnen die Zahl der Strangulationen. Diese Art der Gewalt wurde bei 16 Prozent der Opfer festgestellt. Studien hätten gezeigt, dass sogenanntes nicht-tödliches Würgen das Risiko für spätere Tötungsdelikte erhöhe.

Zudem sei bekannt, dass Gefässverletzungen oft nicht erkannt würden und erst nach Tagen oder Wochen zu schwerwiegenden Konsequenzen führen könnten: Von Gedächtnisstörungen bis zu Schlaganfällen oder sogar zu tödlichen Verläufen.

Deshalb sei die Aufklärung der Opfer über die Spätfolgen nach einem Würgetrauma durch die Ärzte sehr wichtig. Träten entsprechende Symptome auf, müssten sie umgehend untersucht werden.

Risikofaktor Drogen

Die Studie bestätigt weiter die Risikofaktoren für häusliche Gewalt: Am häufigsten seien hier Alkohol und Drogenkonsum - auch einmalig - sowie psychische Erkrankungen der Täter genannt worden. Auch Trennungssituationen erhöhten die Gefahr.

Die meisten Opfer (205) konnten ambulant versorgt werden, 37 mussten im Spital bleiben, 16 wurden in die Psychiatrie eingeliefert. In neun Fällen mussten sie operiert werden. In Lebensgefahr habe sich keines der Opfer befunden. 50 Prozent der Patienten meldete sich selber beim Notfall, 24 Prozent wurde von der Polizei gebracht.

Hohe Dunkelziffer

Häusliche Gewalt gehört weltweit zu den grössten Gesundheitsrisiken. In einer Umfrage der Europäischen Union gaben 25.4 Prozent der Frauen in Europa an, körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt zu haben. Eine Vergleichsstudie der Uno kam im Jahr 2003 für die Schweiz auf einen Anteil von 10.5 Prozent.

In der vorliegenden Studie sei die Prävalenz mit 0.09 Prozent für den untersuchten Zeitraum «sehr niedrig». Doch die Autorinnen vermuten eine hohe Dunkelziffer. Denn oft wagten es die Opfer nicht, sich ärztlich versorgen lassen.

Deshalb müsse das medizinische Personal geschult werden, damit es die «diffusen Zeichen» häuslicher Gewalt richtig erkenne. Nötig seien ausserdem weitere Studien und eine Zusammenarbeit mit der Frauenklinik, dem Kinderspital und Opferhilfestellen. (sda)

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42
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42Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • andrew1 08.10.2018 08:13
    Highlight Highlight 50% schweizerinnen. Das heisst 50% ausländerinnen. Der ausländeranteil ist allerdings unter 30%. Geht irgendwie nicht auf. Allerdings ist bei allen straftaten das verhältniss schweizer/ ausländer ca. 50, 50 von da her passts schon.
    7 28 Melden
    • pali2 08.10.2018 16:52
      Highlight Highlight wieso sollte das nicht aufgehen?
      9 0 Melden
  • Schluch 07.10.2018 22:31
    Highlight Highlight Gibt es einen Link zur Studie?
    10 3 Melden
  • Garp 07.10.2018 18:40
    Highlight Highlight Ziehen wir alle am gleichen Strick, Männer und Frauen, damit das Problem häuslicher Gewalt aus der Welt geschafft werden kann. Die grössten Leidtragenden und zukünftigen Täter und Täterinnen, sind meist Kinder, aus gewalttätigen Familien.

    Keiner soll sich schämen müssen, wenn er Gewalt erlebt und keiner soll sich schämen, wenn er damit nicht umgehen kann. Hilfe anbieten, ohne aufzuhetzen, heisst die Lösung. Das ist zuweilen sehr schwierig, weil Gewalt oft in abhängigen Beziehungen vorkommt. Es braucht viel Geduld und Feingefühl und genug Anlaufstellen, für alle. Auch TäterInnen brauchen Hilfe
    29 1 Melden
  • SchweizAbschaffen 07.10.2018 15:46
    Highlight Highlight ???
    Die Studie macht keinen Unterschied ob Frauen oder Männer.

    2. Absatz:
    "Untersucht wurden 337 Fälle von häuslicher Gewalt in den Jahren von 2006 bis 2016. Demnach waren 94 Prozent der Opfer Frauen"
    ... Demnach waren 6 Prozent der Opfer Männer.

    Ist Deine Neugier befriedigt?
    57 15 Melden
  • ETH1995 07.10.2018 15:22
    Highlight Highlight Was ich nicht verstehe: Weshalb fehlt bei der Aufzählung der häuslichen Gewalt der psychische Missbrauch.
    52 75 Melden
    • who cares? 07.10.2018 15:36
      Highlight Highlight Wegen psychischem Missbrauch kommt kaum jemand ins Krankenhaus, also ist es schwer zu schätzen.
      Die meisten Opfer sind sich rein psychischer Gewalt die an ihnen ausgeübt wird gar nicht bewusst.
      Physische Gewalt hat auch immer eine psychische Komponente.
      133 7 Melden
    • zwan33 07.10.2018 16:02
      Highlight Highlight Liegt eigentlich auf der Hand: Weil man sich deshalb nicht im Spital behandeln lässt.
      89 3 Melden
    • The Count 07.10.2018 16:36
      Highlight Highlight who cares und zwan: ha, bei psychischer Gewalt ist eine Behandlung im einem Krankenhaus meist nicht nötig, jedoch in einer Psychiatrie. Wer schon mal in einer war (Z.B. für regelmässige Besuche) weiss, dass man die Menschen lieber in einem Krankenhaus besuchen möchte.

      ETH1995s Frage ist absolut legitim, die Blitzer mögen sich erklären. Danke.
      18 42 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • DaMedico 07.10.2018 15:10
    Highlight Highlight Nicht aus "mimimi", sondern aus echtem Interesse, da ich mich in einer Ausbildung im medizinischen-psychologischen Bereich befinde und hier evtl. eine Antwort finde:

    1. Im letzten Abschnitt wird von häuslicher Gewalt ggü. Frauen gesprochen – handeln die 337 untersuchten Fälle (und die %) explizit davon, oder von häuslicher Gewalt generell?

    2. Gibt es (gute) Studien / Untersuchungen zur häuslichen Gewalt mit Männern in der Opferrolle (sei es jetzt m – m oder f – m)?

    Nähme mich Wunder – und Danke im Voraus!
    81 36 Melden
    • Ueli der Knecht 07.10.2018 15:23
      Highlight Highlight Eva Wyss, "Wenn Frauen gewalttätig werden:
      Fakten contra Mythen"
      https://www.sta.be.ch/sta/de/index/gleichstellung/gleichstellung/gewalt/haeusliche_gewalt.assetref/dam/documents/STA/FGS/de/fachkommission/FK_frauengewalt_2006_dt.pdf

      Manuela Rosenberger, Melanie Zünd, "Gewalt in Paarbeziehungen - Frauen als Täterinnen"
      https://www.soziothek.ch/soziothek/freedownload/link/id/151/
      60 5 Melden
    • Sauraus 07.10.2018 15:25
      Highlight Highlight Bei Männer ist es meistens so, dass die häusliche Gewalt nicht physisch ist. Vielfach ist es psychische Gewalt wie Kontrollfreaks und ähnliches. Zu diesem Thema kann ich dir nur die SRF Sendung Doppelpunkt empfehle.

      https://m.srf.ch/sendungen/doppelpunkt/geschlagene-maenner-eines-der-letzten-tabus
      48 3 Melden
    • zwan33 07.10.2018 16:05
      Highlight Highlight Zu 1. Weiter oben steht, dass 94% der Opfer Frauen seien, also dürften unter den 337 Opfern noch 6% Männer sein.
      57 1 Melden
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