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Robert Wyss, proprietor of Pharmacy Wyss in Baden in the Canton of Aargau talks to one of his customers, pictured on July 13, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally) 

Roland Wyss, Inhaber der Apotheke Wyss in Baden, im Gespraech mit einer Kundin, aufgenommen am 13. Juli 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Kunden der Swica erhalten eine vergünstigte Versicherungspolice, wenn sie für Bagatellen zum Apotheker statt zum Arzt gehen.  Bild: KEYSTONE

Krankenkasse schickt Kunden zum Apotheker statt zum Arzt

Ein neues Apotheker-Modell soll Behandlungskosten für Bagatellfälle senken. Der Schweizer Ärzteverband FMH stellt das infrage und warnt vor Nebenwirkungen. 

Michael Heim / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Das dürfte unter den Ärzten für Bluthochdruck sorgen: Die Krankenkasse Swica – mit 687'000 Grundversicherten einer der grösseren Anbieter – schickt einen Teil ihrer Kunden künftig direkt in die Apotheke, wenn sie krank sind. Sie sollen den vorgängigen Arztbesuch weglassen. So will es eine neue Versicherung, die Swica ab kommendem Jahr im Rahmen ihrer Managed-Care-Modelle anbieten wird.

Die Versicherung «Medpharm» erlaube hohe Rabatte auf die Grundversicherungsprämie, sagt Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig. In Zürich und im Aargau lägen sie bei rund 19 Prozent. Zwar stehe die formelle Zulassung durch das Bundesamt für Gesundheit noch aus. Da man alle Forderungen des Amtes erfülle, gehe man aber davon aus, dass der Einführung nichts im Weg stehe.

Konkret sieht die Versicherung vor, dass Patienten im Krankheitsfall für die Beratung als erstes eine der Partner-Apotheken aufsuchen. Diese haben vom Verkaufsraum abgetrennte Besprechungszimmer. Zudem arbeiten dort Apotheker, die vom Verband Pharmasuisse als sogenannte Netcare-Spezialisten ausgebildet sind.

Stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass es für die Behandlung einen Mediziner braucht, wird der Patient weiterverwiesen an einen der Ärzte auf der Swica-Ärzteliste. Alternativ können sich Patienten für die Beurteilung an eine Telefonhotline wenden. 

Vorerst arbeitet Swica exklusiv mit Apotheken des Toppharm-Verbundes zusammen. Dieser hat 118 zertifizierte Apotheken, primär in der Deutschschweiz zwischen Basel, Bern und Zürich. Später sollen sich andere zertifizierte Apotheken anschliessen können, sagt Schnidrig. Ein Partner für die Romandie und das Tessin werde noch gesucht.

Die Toppharm-Apotheken bieten die Netcare-Beratung bereits seit drei Jahren an. Dabei habe sich gezeigt, dass sich drei Viertel aller Fälle bereits in der Apotheke lösen lassen, sagt Toppharm-Geschäftsführer Stefan Wild. Im Rahmen der Beurteilung können die Apotheker auch kleinere Untersuchungen wie das Messen des Blutdrucks vornehmen. In 5 Prozent der Fälle verweise man Kunden an einen Arzt oder das Spital. In 17 Prozent aller Fälle schalte man einen Telemediziner der Firma Medgate hinzu, sagt Wild. Alle zertifizierten Apotheken seien für entsprechende Videokonferenzen ausgerüstet.

Versicherung übernimmt Apotheken-Gebühr

Normalerweise kostet die Untersuchung in der Apotheke 15 Franken, die nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Im Fall der neuen Versicherung übernimmt die Swica diesen Betrag. Kosten für Medgate-Telemediziner müsse der Kunde selbst tragen, da diese nicht Teil des Versicherungsprodukts seien, sagt Sprecherin Schnidrig. Die Krankenkasse will alle Anreize für eine Arztkonsultation vermeiden.  

«Wir sparen Geld im Gesundheitswesen, wenn die Versicherten nicht bei jeder Bagatelle erst zum Arzt gehen.»
SWICA-Sprecherin Silvia Schnidrig

«Der Apotheker wird nur wenige Fälle abschliessend behandeln können.»

FMH-Präsident Jürg Schlup

Während die Kooperation für die Apotheken einen gesicherten Mehrumsatz bietet, verspricht sich die Swica tiefere Arztkosten. «Viele Fälle lassen sich in der Apotheke lösen», sagt Sprecherin Schnidrig. «Wir sparen Geld im Gesundheitswesen, wenn die Versicherten nicht bei jeder Bagatelle erst zum Arzt gehen.» Viele Leute handelten bereits heute so. Mit einem solchen Versicherungsmodell könne man sie belohnen.

Gar keine Freude daran hat der Ärzteverband FMH. Er bezweifle, dass dieses Modell wirklich die Kosten senke, sagt Verbandspräsident Jürg Schlup. «Der Apotheker wird nur wenige Fälle abschliessend behandeln können.» Für eine Diagnose genügten die Kenntnisse der Apotheker im Vergleich zu jenen der Ärzte nicht, auch wenn die Kompetenzen der Apotheker unlängst erweitert worden seien, sagt er. «Falls der Apotheker Zusatzuntersuchungen empfiehlt, um seine Diagnose abzusichern, kann es durchaus teurer werden.»

Neues Gesetz gibt Apothekern mehr Kompetenzen

Zudem könnte das Modell zur weiteren Fragmentierung der Gesundheitsversorgung führen. Hausärzte könnten die meisten Leiden selbst behandeln und koordinierten die Weiterbehandlung soweit nötig. «Der Apotheker ist nicht dafür ausgebildet, diese koordinierende Rolle wahrzunehmen.»

Unklar sei, ob das Modell zu mehr Medikamentenkonsum führe. Schlup verweist auf das revidierte Heilmittelgesetz, das voraussichtlich 2017 in Kraft tritt. Ab dann wird das Apotheker-Modell der Swica noch potenter, denn das Gesetz erlaubt den Apothekern neu, verschreibungspflichtige Medikamente direkt abzugeben, die heute eine Arzt-Diagnose und ein Rezept voraussetzen. 

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • runner 31.08.2015 07:18
    Highlight Highlight Viele Menschen gehen zum Arzt, obwohl man sich früher mit alten Hausmitteln geholfen hat und die Genesung einfach Zeit braucht. Für viele Unpsäälichkeiten benötigt man nicht einmal die Apotheke: Gesundes Essen und Bewegung - wie wäre es denn damit? 70% der Erkrankungen sind ernährungsbedingt!
    7 1 Melden
    • Likos 31.08.2015 18:47
      Highlight Highlight Sie haben schon recht damit, aber fürs Arztzeugnis muss man trotzdem meist zum Arzt. Die Medikamente landen danach meist im Müll...
      0 0 Melden
    • ket4mon 01.09.2015 06:30
      Highlight Highlight Ich kann ihnen nur zustimmen, ich habe des öfteren beobachtet, dass Hausärzte eigentlich nur noch "Medizin" verschreiben, statt den Patienten mal alternative Heilpraktiken zu empfehlen. Hausärzte sind bei Notfällen wie grossflächigen Verbrennungen (ich habe da so meine Erfahrungen mit dem Feuer und diversen entzündlichen Stoffen gdmacht) meist komplett überfordert. Ich habe Probleme mit den Nieren, sobald ich zu wenig trinke. Was will mir mein Körper wohl damit sagen? Dazu muss ich doch keinen Arzt aufsuchen, der mir sagt, welches Mittel ich nehmen soll, damit das aufhört. Ausserdem entwickelt der Körper irgendwann keine natürlichen Abwehrstoffe mehr, da ja alles exogen zugefügt wird.

      Es gibt viele Experimente zur Wirksamkeit von Medizin, unter anderem konnte auch eine Genesung mit Traubenzucker statt einem Antibiotika festgestellt werden, die Patienten wurden aber nicht darüber informiert, das sie keine Medizin zu sich nehmen.
      1 0 Melden
  • goalfisch 30.08.2015 15:35
    Highlight Highlight ist ja klar, dass die fmh keine freude daran hat. sie sehen schon ihre felle davon schwimmen :) dabei ist es so was von klar, dass die meisten fälle bereits beim apotheker abgeschlossen werden könnten ... zudem sind die apotheker kaum so gewissenlos, dass sie einen patienten nicht an einen arzt weiterleiten würden!?
    16 3 Melden
    • TheRabbit 30.08.2015 21:05
      Highlight Highlight Was ich einfach stossend finde, ist dass die Apotheken im gegensatz zum Hausarzt zuviel Geld abwerfen. Kenne kaum einen Apotheker der im Mittelstand lebt.
      9 5 Melden
    • Hayek1902 30.08.2015 22:04
      Highlight Highlight was ich stossend finde, ist dsss der staat den gesundheitssektor so überreglementiert
      4 3 Melden
    • manhunt 31.08.2015 07:47
      Highlight Highlight @theRabbit: Mit deiner Aussage liegst du leider Kreuzfalsch. Die Margen auf Medikamente sind miserabel. Zusätzlich geraten eigenständige Apotheken zunehmend durch Ketten (z.B. COOP vitality) und Onlineapotheken unter Druck. Kaum eine Apotheke die noch von ihrem Kerngeschäft, dem Verkauf von Medikamenten, leben kann (die Beratung ist Kostenlos).
      2 2 Melden
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Nach zweifelhafter Parteispende aus der Schweiz: AfD-Chef verspricht Aufklärung 

Der AfD-Chef im südwestdeutschen Bundesland Baden-Württemberg, Ralf Özkara, hat in der Affäre um Parteispenden aus der Schweiz Aufklärung zugesagt. Die Parteigremien sollen sich nach seinen Worten schnellstmöglich mit dem Thema befassen.

«Wir werden die ganze Geschichte intern aufarbeiten und uns zusammen mit dem Bundesvorstand darum kümmern, dass hier Aufklärung stattfindet», sagte Özkara am Montag in Stuttgart. Er selbst könne derzeit nicht sagen, ob die besagte Spende illegal gewesen …

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