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Schweiz
Gesundheit

Pfleger lassen sich nicht impfen: Spital lanciert Programm

Ärzte während einer Operation am Universitätsspital Basel.
Ärzte während einer Operation am Universitätsspital Basel.
Bild: KEYSTONE

Pfleger verweigern Grippe-Impfung: Unispital Basel will herausfinden, warum 

Impfen gegen Grippe oder nicht? Diese Frage spaltet nicht nur die Bevölkerung, sondern ist in den Spitälern ein heikles Thema. Um herauszufinden, warum sich eine Mehrheit der Pflegenden gegen eine Impfung weigert, gehen das Universitätsspital Basel und das Kantonsspital St.Gallen neue Wege. Sie haben ein Forschungsprogramm entwickelt, mit dem sie herausfinden wollen, wie ihre Mitarbeiter ticken. 
04.02.2016, 16:2805.02.2016, 14:45
Felix Burch
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Die Impfquoten des Pflegepersonals in den Schweizer Spitälern sind tief. 16 Prozent in der Deutschschweiz, 30 Prozent in der Romandie, in Luzern beträgt sie gar nur 10 Prozent und in Bülach 7,7 Prozent. 

Weil das Thema zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert wird, reagieren die Spitäler nun darauf. Das Kantonsspital Luzern, wie auch das Universitätsspital Basel etwa erfassen neu Ansteckungen systematisch und lassen bei allen Patienten mit Symptomen automatisch abklären, ob sie Influenza haben. Das Universitätsspital Zürich und das Berner Inselspital untersuchen Patienten sowie Mitarbeiter um aufzuzeigen, wer sich wo ansteckt und wie wichtig Impfungen seien. Gewisse Stimmen wollen gar ein Impf-Obligatorium für das Pflegepersonal einführen. 

Das Universitätsspital Basel geht noch einen Schritt weiter. Dort wollen die Verantwortlichen herausfinden, warum sich in gewissen Pflegeteams sehr viele impfen lassen, bei anderen hingegen fast keine. Anja Ulrich, Fachbereichsleiterin Pflege Medizin, sagt: «Vor drei Jahren hatten wir mit einer Impfquote von 8 Prozent beim Pflegepersonal einen absoluten Tiefpunkt erreicht, darauf mussten wir reagieren.» Basierend auf einer Kampagne des Bundes rief eine Gruppe aus Infektiologen, Spitalhygienikern und der Pflegeleitung eine eigene ins Leben. Dabei ging es im Kern um drei Punkte: 

  • Informationsmaterial wie Broschüren verbreiten 
  • Intranet-Aufrufe
  • Grippe-Impfungen für das Personal besser zugänglich machen

Punkt drei führte zu Aktionen wie einer Impf-Bar vor der Kantine oder Impfungen auf den Abteilungen – «wir gingen hin zu den Leuten», sagt Ulrich. Das war erfolgreich. Die Quote stieg innerhalb von drei Jahren auf fast 30 Prozent (54 Prozent bei den Ärzten, 22 Prozent beim Pflegepersonal, 22 Prozent in der Administration). Allerdings stagnierte dieser Wert und die Spital-Verantwortlichen suchten nach neuen Wegen, die Quote zu steigern. 

Die Hochhäuser des Kantonsspitals St.Gallen.
Die Hochhäuser des Kantonsspitals St.Gallen.
Bild: KEYSTONE

«Wir wollen wissen, was der Grund derjenigen Teams, die eine hohe Impfquote haben, ist, dass sie sich impfen liessen. Der Sinn ist, von einem positiven Ansatz aus zu erforschen, von den Besten zu lernen», sagt Ulrich. Man kam zum Schluss, ein Forschungsprogramm mit dem Namen SIP (Seasonal Influenza Prevention) ins Leben zu rufen. Oberstes Ziel davon ist eine multidimensionale Intervention aufzubauen, um Grippe-Ansteckungen im Spital zu reduzieren. 

Dieses Programm wird jetzt umgesetzt. Momentan entwickelt ein Team ein Überwachungssystem für den klinischen Alltag. Weiter werden systematisch Unterschiede und Bedürfnisse des Pflegepersonals im Umgang mit Grippe-Präventionsmassnahmen erfasst. Dazu gehören eine gut geschulte Händehygiene und das Tragen von Masken. Das Ganze wird über mehrere Spitäler getestet. Forschungsleiter sind Matthias Schlegel, Leiter der Spitalhygiene des Kantonsspitals St.Gallen, und Dunja Nicca, Assistenzprofessorin Institut für Pflegewissenschaft am Universitätsspital Basel. Der Mensch, der Mitarbeiter soll im Mittelpunkt stehen, individuelle Gespräche sind ein weiterer Aspekt des Programms. 

«Wir sind noch ganz am Anfang», sagt Nicca. Allerdings ist die Projektidee im September bereits ausgezeichnet worden – von der Schweizerischen Gesellschaft für Spitalhygiene. In einem ersten Schritt strebt das Universitätsspital Basel eine Impfquote von 35 Prozent an, danach soll sie auf 60 Prozent gesteigert werden. 

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83 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SanchoPanza
02.02.2016 19:19registriert Dezember 2014
was nützt die Impfung des Pflegepersonals, solange BesucherInnen halb krank zu Besuch kommen. Sei es in der Neo-Natologie (ach ich wollte halt meinen Enkel sehen) oder in anderen Bereichen. Ich kann den Impf-Aufruf nicht mehr hören. Vor der eigenen Tür kehren wär mal ein guter Anfang. Das Pflegepersonal ergreift alle möglichen Massnahmen in ihrem schweren Job. Sie zu einer Impfung zu zwingen die erst noch, sagen wir mal, umstritten ist geht definitiv zu weit.
PS: ich bin nicht gegen Impfungen, aber die Grippeimpfung ist per se ein Glücksspiel, obs auch die richtigen Viren trifft...
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theSkywalker
02.02.2016 17:19registriert Juni 2015
Die Vermutung, dass die Pflegenden sich Nichts von den Ärzten vorschreiben lassen wollen ist schlicht und einfach Bullshit.
Viel eher liegt es daran, dass man nie genau sagen kann, ob der Impfstoff überhaupt wirkt, oder ob sich der Virus auf seinem Weg nach Europa soweit verändert hat, dass die Impfung umsonst war. Zudem gibt es nicht wenige, welche nach einer Impfung mehrere Tage flach liegen.

Pflegefachmann i.A. / geimpft 😉
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DiePflegefachfrauaufWatson
03.02.2016 01:09registriert Februar 2014
Mich würde hier mal interessieren, wer sich von euch allen hat impfen lassen der NICHT in einer Pfleginstitution oder Spital arbeitet.. Na??
Und was mir immer zu denken gibt bei dieser leidigen Diskussion: jeder Mensch kann zu seinem Hausarzt und sich impfen lassen, auch Schwerkranke.. Also wieso immer auf der Pflege rumhaken?
Also, mir hat genau niemand vorzuschreiben gegen was ich mich impfen lassen muss/soll. Genau so wie ich mir nicht anmasse über die Gesundheit einer anderen Person zu urteilen..
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