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Hat das Kind plötzlich Krebs, muss es von den Eltern rund um die Uhr versorgt werden. bild: shutterstock

14 Wochen Ferien für Angehörige von Schwerkranken – doch dagegen regt sich Widerstand

Bis zu 14 Wochen Urlaub soll es für die Betreuung Angehöriger geben. Arbeitgeber wehren sich und sprechen von «gesetzlichen Einheitslösungen».

Maja Briner / ch media



Sie kümmern sich um schwerkranke Eltern, Kinder oder Ehepartner – und geraten dabei nicht selten an ihre eigenen Grenzen. Laut dem Bundesamt für Statistik leisteten im Jahr 2016 rund 300 000 Personen unbezahlte Arbeit für pflegebedürftige Angehörige oder Bekannte. Viele von ihnen hatten einen Job und standen damit vor der Herausforderung, Pflege und Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Der Bundesrat will ihre Situation nun verbessern. Gesundheitsminister Alain Berset betonte gestern an einer Medienkonferenz die Bedeutung der unentgeltlichen Pflegearbeit: «Wer Angehörige pflegt, leistet sehr wichtige Arbeit – nicht nur für die betroffenen Menschen, sondern auch für die Gesellschaft.»

Betreuungsurlaub für Eltern

Die grösste Änderung plant der Bundesrat für Eltern: Wenn ein Kind schwer verunfallt oder erkrankt, soll seinen Eltern künftig ein bezahlter Betreuungsurlaub von maximal 14 Wochen gewährt werden – am Stück oder verteilt auf anderthalb Jahre. Betroffen sind laut Bund ungefähr 4500 Familien jährlich. Berset sagte, heute müssten berufstätige Eltern unbezahlten Urlaub nehmen, sich selbst krankschreiben lassen oder den Job vorübergehend ganz aufgeben. Das sei eine «brutale Situation».

Der geplante «Betreuungsurlaub» soll wie beim Mutterschaftsurlaub über das Erwerbsersatzgesetz finanziert werden. Der Bund schätzt die Kosten auf jährlich 74 Millionen Franken. Anders als zunächst gedacht, muss der Beitragssatz dafür nicht extra erhöht werden; Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen also künftig nicht mehr bezahlen.

Eine zweite Massnahme, die der Bundesrat plant, soll allen zugutekommen, die Familienangehörige pflegen: Die Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, ihnen bei kürzeren Absenzen weiterhin den Lohn zu zahlen. Der Kurzurlaub ist auf drei Tage pro Ereignis beschränkt; pro Jahr sind es maximal zehn Tage. Die Wirtschaft kostet diese Massnahme gemäss Angaben des Bundes zwischen 90 und 150 Millionen Franken jährlich.

Laut Bundesrat gewähren rund zwei Drittel der Firmen bereits heute Kurz-Absenzen, wenn Mitarbeitende verwandte oder nahestehende Personen betreuen – teils mit Lohn, teils ohne. Damit alle gleich behandelt werden, brauche es eine Regelung, sagte Bundesrat Berset.

Der Arbeitgeberverband sieht das allerdings anders. Er wehrt sich gegen «gesetzliche Einheitslösungen». Besonders für kleine Betriebe sei es finanziell wie auch organisatorisch schwierig, zusätzliche Absenzen aufzufangen, kritisiert Sprecher Fredy Greuter. Die Arbeitgeber seien aber bereit, einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenbetreuung zu leisten. Heute würden auf betrieblicher Ebene individuelle Lösungen gefunden, «die häufig grosszügige, freiwillige Leistungen der Arbeitgeber beinhalten», so Greuter.

Kaum Verbesserungen bei Demenz

Anderen gehen die Vorschläge des Bundesrats nicht weit genug. Die Schweizerische Alzheimervereinigung etwa forderte in der Vernehmlassung, dass ein Betreuungsurlaub nicht nur für die Pflege von Kindern eingeführt werden soll, sondern auch für die Pflege und Betreuung erwachsener Angehöriger. Gerade erwerbstätige Angehörige von demenzkranken Menschen seien einer grossen Belastung ausgesetzt, argumentiert Alzheimer Schweiz.

Betroffene Eltern befinden sich heute in einer brutalen Situation.

Bundesrat Alain Berset.

Bundesrat Berset verteidigte seine Pläne gegen diese Kritik. Für die Pflege älterer Personen gebe es Angebote, erklärte er. Bei den Kindern sei dies anders. Die geplante Gesetzesänderung sei kein riesiger Schritt, gab er zu, aber sie sei ein wichtiger Schritt. «Wir müssen Prioritäten setzen», sagte er. Jürg Brechbühl, Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), ergänzte: «Wir sind schon froh, wenn wir diese Vorlage durchs Parlament und das Volk bringen.» Widerstand ist bereits angekündigt: Die SVP lehnt die Vorschläge ab, auch die FDP zeigte sich skeptisch.

Ein Lächeln für kranke Kinder

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    Alle Leser-Kommentare
  • aglaf 24.05.2019 06:18
    Highlight Highlight Ich befürworte eine finanziell abgesicherte urlaubsbedingte Unterstützung für Betreuende von Schwerkranken, stelle mir aber zeitgleich folgende Frage: Wie weit kann die Belastung den Arbeitskollegen zugemutet werden, die ja nichts für die Situation können. Es gibt Berufe, die nicht einfach und temporär überbrückt werden können. Da kann auch ein Arbeitgber nicht viel dazu beitragen. Wie soll das gehandhabt werden?
  • malu 64 24.05.2019 00:15
    Highlight Highlight Es ist tragisch, wenn jemand ein solches Schicksal trifft. Aber man muss sich mal in die Situation eines Kleinbetriebs versetzen.
    Vielleicht findet man während der Abwesenheit des Mitarbeiters einen temporären Ersatz. Aber es gibt viele spezielle Jobs, wo es keinen temporären Ersatz gibt.
  • black-bird 23.05.2019 13:34
    Highlight Highlight ein heikles thema, theoretisch einfach zu bantworten. natürlich ist es sinvoll, genauso wie der vaterschaftsurlaub! nur nicht jeder arbeitet in einem unternehmen, das dies ermöglichen kann (kleinbetrieb). ich zum beispiel würde sehr darunter leiden, wenn meine arbeitskollegin diese zeit in anspruch nehmen müsste, da ich ein dann grossteil ihrer arbeit erledigen müsste. irgendwann würde dann wohl auch ich krankheitsbedingt ausfallen. hier müsste die politik ran. wer finanziert eine vertretung, und wer garantiert die vertretung. (denn ich glaube oft wird gar keine eingestellt)
  • La Plaga 23.05.2019 10:11
    Highlight Highlight Die Arbeitgeber seien aber bereit, einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenbetreuung zu leisten.

    Ich übersetze das mal:

    Die Arbeitgeber seien aber bereit, einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenbetreuung zu leisten es darf uns aber nichts kosten.
    • Señor Ding Dong 23.05.2019 13:28
      Highlight Highlight Ich übersetze auch mal: Die Arbeitgeber sind bereit, einen Beitrag zu leisten, aber immer nur so, dass sie als ach so grosszügig dastehen und die Betroffenen sich noch schuldig fühlen müssen dafür, dass sie ihre Nächsten pflegen.
  • Yummy 23.05.2019 09:15
    Highlight Highlight Nur weitermachen mit dem Arbeitnehmerschutz... Bald wird einfach nur noch temporär eingestellt um dieses ganze Sozialzeugs zu umgehen.. Siehe Spanien, Festanstellung fast unkündbar -> Arbeitnehmer werden nur noch temporär eingestellt.

    Auf den 1. Blick gut, jedoch immer die Folgen bedenken...
    Junge Paare, Junge Eltern, Alleinerziehende werden doch schon sowieso bei der Jobwahl benachteiligt, legt ihnen nicht noch mehr Steine in den Weg...
  • Ricardo Tubbs 23.05.2019 09:02
    Highlight Highlight die, die ohnehin schon mehr/zu viel haben wehren sich dagegen, man "könnte ja zu kurz kommen" (wie beim thema vaterschaftsurlaub)

    eine schande für eines der reichsten länder der welt!
  • Nüübächler 23.05.2019 08:55
    Highlight Highlight Ihr denkt nur an Arbeitnehmer. Wer bezahlt einem Selbständigerwerbendem den Urlaub?
    • Jo Blocher 23.05.2019 10:10
      Highlight Highlight @Bauer. Wer sich zu selbständiger Arbeit entschieden hat, muss damit leben und wenn er's richtig macht, kann er/sie mehr Urlaub machen als Angestellte. Sonst einen 8 - 17 Uhr Job annehmen. Gruss von einem ex selbständig Erwerbenden.
    • Nüübächler 23.05.2019 16:40
      Highlight Highlight Jo Blocher
      Dann hast du es also nicht richtig gemacht, das du jetzt Arbeitnehmer bist?
    • Jo Blocher 24.05.2019 06:34
      Highlight Highlight @Bauer. 🤔🤔🤔Nö, bin frühpensioniert, weil ich es richtig gemacht habe. Ich geniesse das!😉
  • banda69 23.05.2019 08:53
    Highlight Highlight Die SVP verhindert alles was Menschen in Not hilft. Diese Partei senkt lieber die Steuern für Reiche und Abzocker.
  • Michael Heldner 23.05.2019 08:25
    Highlight Highlight Den Arbeitgeber, welcher z.b. In einem Fall von chronischer Erkrankung „ca jährlich“ 14 Wochen Urlaub gewährt möchte ich sehen. Das macht er 2 Jahre mit und dann wird jmd für die Stelle gesucht, der auch in der Firma arbeitet und nicht nur kostet
  • Eisvogel 23.05.2019 07:24
    Highlight Highlight Endlich nimmt die Diskussion über Care-Arbeit in einer breiteren Öffentlichkeit Fahrt auf.
  • Goon 23.05.2019 05:58
    Highlight Highlight Da wird Geld verlocht ohne Ende und Sinn. Dies hier macht Sinn und kostet jetzt nicht Unsummen.
  • b4n4n4j03 23.05.2019 05:57
    Highlight Highlight Supper sache!
    Bin ich 100% dafür!


    Ich verstehe nicht wie man dagegen sein soll?!
    Ich verstehe svp und fdp nicht! Wie kann man nur dagegen sein. Man stelle sich vor das eigene kind erkrankt an krebs, zusätzlich zu diesem traumatischen erlebnis kann das auch noch existenzielle risiken miteinbeziehen, da man unbezahlt urlaub machen muss!
    Die schweiz ist eines der reichsten länder, jeder der gegen so ein elternurlaub ist soll sich so etwas von schämen!
    • gigus 23.05.2019 07:22
      Highlight Highlight in besagten parteien ist sich halt jeder selber, respektive seinem eigenen portmonnie am nächsten.
    • Ökonometriker 23.05.2019 07:24
      Highlight Highlight Für kleine KMUs es ist auch jeweils schwierig zu verkraften, wenn ein Mitarbeiter monatelang ganz oder teilweise ausfällt und man ihn nachher zurücknehmen muss. Am Ende ist die Herausforderung bei KMUs trotzdem die gleiche: man muss gut miteinander kommunizieren und Kompromisse finden, sonst kann eine solche Situation schlimme Folgen für alle haben.
    • Tobi-wan 23.05.2019 07:42
      Highlight Highlight Plakativ:
      Bei der SVP arbeitet der Mann und die Frau kann sich um das Kind kümmern. Also braucht es dieses Gesetz gar nicht.
      Weniger plakativ:
      Nicht jede Erkrankung ist gleich und mit der Firma muss immer eine individuelle Lösung gefunden werden, so oder so. Aber eine Rückendeckung für Arbeitnehmer die in Firmen (oft KMU) arbeiten, die immer noch im 19. Jahrhundert werkeln wäre so etwas sehr wünschenswert. Davon gibt es leider immer noch genügend...
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