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Infotafel in Gebirgslandschaft am Ofenpass oberhalb Tschierv im Muenstertal, am Montag, 9. September 2013. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Das Münstertal verliert mit dem UNESCO-Label ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Bild: KEYSTONE

Nationalpark und Val Müstair müssen UNESCO-Label zurückgeben – das trifft vor allem die Münstertaler hart



Der Schweizerische Nationalpark und das angrenzende Münstertal verlieren das Label «UNESCO-Biosphärenreservat». Der Grund ist das Scheitern einer von der UNESCO geforderten Vergrösserung der Reservatsfläche am Sonntag an der Urne.

Ein entsprechender Entscheid des zuständigen UNESCO-Ausschusses in Paris steht zwar noch aus. Dennoch geht Georg Fallet, Präsident des Biosphärenreservates Val Müstair Parc Naziunal, davon aus, das UNESCO-Label zu verlieren. «Wir erfüllen die 2010 von der UNESCO gemachten Auflagen nicht», sagte Fallet am Montag auf Anfrage.

Der Label-Verlust trifft das Münstertal wesentlich härter als den Nationalpark. Während der Nationalpark kaum mit dem Label warb, bedeutete es für das Münstertal ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal unter den schweizerischen Ferienregionen. Nur das Entlebuch wurde von der UNESCO ebenfalls als Biosphäre ausgezeichnet.

Das Münstertal bleibe zwar auch ohne das Label ein «regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung», erklärte Fallet der Nachrichtenagentur sda. Von diesen Naturpärken gebe es aber mittlerweile rund 30 im Land. Das Münstertal werde es schwer haben, ohne das UNESCO-Label aus dieser grossen Anzahl Pärke herauszuragen.

General view of the area during women's first heat with Norway's later winner Marit Bjoergen in front, during the cross country skiing sprint quarter final run at the FIS Tour de Ski in Tschierv, Val Muestair, Switzerland, on Tuesday, 06 January 2015. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bekannt auch wegen des Langlaufsports: Alljährlich macht die «Tour de Ski» Halt im Münstertal. Bild: KEYSTONE

UNESCO-Label seit 1979

Das Münstertal hofft nun darauf, sich weiterhin «Biosphäre» nennen zu dürfen – einfach ohne den Zusatz «UNESCO». Ob das gelingt, ist laut Fallet völlig offen.

Der Nationalpark war 1979 zum ersten UNESCO-Biosphärenreservat der Schweiz erklärt worden. Mitte der 1990er-Jahre verschärfte die Organisation aber ihre Anforderungen.

Neu verlangte die UNESCO, dass der Nationalpark als Reservats-Kernzone mit strengstem Naturschutz vollständig umgeben werden müsse von einer Pflegezone mit niedrigen Schutzkriterien. Für die Umsetzung bekam der Park knapp 20 Jahre Zeit.

41 Stimmen gaben den Ausschlag

Der Nationalpark spannte daraufhin mit dem Münstertal zusammen. Das Tal sollte die geforderte Pflegezone bilden. Das neue Gebilde wurde «UNESCO Biosfera Val Müstair-Parc Naziunal» getauft. 2010 wurde es von der UNESCO mit der Auflage anerkannt, die Pflegezone auf die Unterengadiner Gemeinden S-chanf, Zernez und Scuol zu erweitern.

Die Erweiterungspläne scheiterten am Sonntag an den Abstimmungsurnen von S-chanf und Zernez. Während Scuol überaus deutlich zustimmte, lehnten es die beiden Gemeinden ab, Teil der Pflegezone zu werden. Den Ausschlag gaben zusammengezählt gerademal 41 Stimmen.

«Offenbar wurde uns nicht geglaubt, dass der Beitritt zum Reservat keine Verschärfungen der Landnutzung mit sich bringe», analysierte Fallet die Niederlage. Der Hintergrund für die Skepsis liege möglicherweise über 50 Jahre zurück. Als der Park 1961 vergrössert worden sei, habe das zu grossen Spannungen geführt in der Region. (tat/sda)

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